Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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p'4w^'3 i-sd I r 5 t:i: der 'vor einigere Wochen verstorbene Rentier Moritz Bra ndt die dortige Synagogengemeinde mit einer Schenkung von 5000 Mark ' bedacht. — Die Wahl des Kaufmanns Baruch in Xions zum Magistratsschöffen auf die Amtsdauer bis Ende März 1910 ist vom Regierungspräsidenten bestätigt worden. — Dem Rechtsanwalt und Notar Peyser in Wreschen ist der Charakter als Justizrat Verliehen worden. Herr Peyser ist seit bielen Jahren Vorsitzender der Repräsentanten der Shnagogen-Gemeinde und der Stadtverordnetenversammlung. e. Breslau, 2. August. Der Verwaltungsbericht des Verbandsausschusses des Bezirksgemeindeverbandes Breslau-Liegnitz für das elfte Geschäftsjahr ist erschienen. Während der Verband im ersten Jahrzehnt des Bestehens seine Bestrebungen darauf gerichtet hatte, den Kreis seiner Aufgaben entsprechend den verschiedensten Interessen seiner Verbandsmitglieder von Jahr zu Jahr nach Möglichkeit auszudehnen. war er im abgelaufenen Verbandsjahre—nachdem nunmehr der Rahmen, innerhalb dessen sich seine Tätigkeit bewegt, im großen und - ganzen feststeht — bemüht, die einzelnen, im Laufe der Jahre von ihm geschaffenen Institutionen innerlich auszubauen und zu kräftigen. Eine der wichtigsten Aufgaben, die ihm nach den Verbandssatzungen obliegen, ist unzweifelhaft die Erhaltung des Fortbestandes der schwächeren Verbandsgemeinden. In Erfüllung dieser bedeutungsvollen Pflicht wurden im vergangenen Jahre nach Maßgabe der zu Gebote stehenden Mittel Beihilfen an folgende Verbandsgemeinden zun Stärkung ihrer finanziellen Kräfte gewährt: Namslau 200 Mqrk, Neumarkt 200 Mark, Löwen 150 Mark, Löwenberg 150 Mark, Neusalz 150 Mark, Schwirz-Städtel 150 Mark, Winzig 150 Mark, Trebnitz 100 Mark, Steinau 100 Mark, Festenberg 100 Mark, Herrnstadt 100 Mark, also zusammen 1550 Mark. Als Ergänzung dieser auf die Erhaltung der kleineren Verbandsgemeinden als solcher gerichteten Tätigkeit darf man die Bemühungen um Erhaltung des kulturellen Lebens ansehen. In dieser Beziehungließ der Verband es sich zunächst angelegen sein, einer Reihe von Gemeinden ihre Beamten, ohne deren Funktion jede Kultusübung sicher aufhören würde, durch Gewährung von Zuschüssen zu den Versicherungsprämien zu erhalten.- Zehn Gemeindebeamte sind auf Grund dessen der Prämienbeihilfe mit je 50 Mark teilhaftig geworden, nämlich die Beamten in: Schweidnitz, Strehlen, Münsterberg, Jauer, Namslau, Glatz, Steinau. Löwenberg, Ohlau, Bernstadt, außerdem erhielt die Gemeinde Striegau, in der im Berichtsjahre ein nicht versicherungsfähiger Beamter angestellt war, eine Beihilfe von 50 Mark für den von ihr eingerichteten Sparionds. Im ganzen sind demnach für diesen Zweck 550 Mark ausgegeben worden. Eine weitere Förderung des religiösen Lebens der Verbandsgemeinden erfolgt wie bisher durch die Aussendung von Predigern an hohen Feiertagen. Von den elf Gemeinden, die dieserhalb vorstellig geworden waren, konnten nach Maßgabe der etatmäßigen Mittel und der verfügbaren Kräfte acht Gemeinden berücksichtigt werden. Zur Förderung des Kultus trug der Verband endlich bei durch Gewährung von Beihilfen zum Engagement von Vorbetern, wodurch die Abhaltung von Gottesdiensten .an den hohen Feiertagen ermöglicht worden ist. Diese Benefizien wurden zuteil den Gemeinden: Trebnitz, Jauer, Reichthal. Goldberg, Festenberg und Neusalz mit je 50 Mark, sowie der Gemeinde Winzig, die in ihren Einnahmen durch den Wegzug mehrerer Mitglieder zurückgegangen war, mit 100 Mark, sodaß hierfürinsgesamt 400 Mark ausgewendet worden sind. Auch die Inspektion des Religionsunterrichts erforderte unausgesetzte Arbeit. Es sind im vergangenen Jahre 20 Schulen revidiert worden. Die inspizierten Schulen waren von 202 Schülern, 99 Knaben und 103 Mädchen, besucht. Die meisten der inspizierten Gemeinden hatten eigene Lehrer; in zwei Gemeinden ist der Unterricht von auswärtigen Lehrern erteilt worden. Sehr wertvoll ist die Einrichtung der Verteilung von Schülerprämien. Als wichtige Maßnahme für die gedeihliche Entwicklung des Religionsunterrichts wird des weiteren die auf Einladung am 10. März d. I. hier abgehaltene Jnspektorenkonferenz erwähnt, an der unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Guttmann sämtliche Herren Inspektoren, mit Ausnahme des Herrn Rabbiner Dr. Theodor-Bojanowo, der am Erscheinen verhindert war, teilgenommen haben. In erfreulichster Weise hat sich die jüngste vom ' Verband geschaffene Einrichtung der Wanderbibliothek entwickelt. Abgesehen von drei Gemeinden, die die Zusendung der Bibliothek^ überhaupt nicht, und. von zwei .Gemeinden, die sie nicht mehr wünschten, haben alle Gemeinden, denen bisher die Bibliothek 'zu-1 gegangen ist, dieser Institution nicht nur das lebhafteste Interesse etgegengebracht und einen erfreulichen Gebrauch von ihr gemacht, sondern zum größten Teil auch um möglichst baldige Zusendung weiterer Serien gebeten. Es sind in jedem Quartal fünf Bücherserien mit je 22 respektive 24 Büchern für erwachsene Leser und mit jeder Serie außerdem vier bis fünf Jugendschriften versandt worden. Schließlich wird noch erwähnt, daß im Berichtsjahre auch die Gemeinde Frankenstein ihren Beitritt zum Verbände erklärt hat, so daß nunmehr sämtliche Gemeinden dev Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz demselben angehören. Ihre Zahl beläuft sich, nachdem Wohläu, das sich aufgelöst hat, ausgeschieden ist, auf 39. Der Aus-, sckuß des Verbandes besteht aus den Herren: Stadtrat Pringsheim- Breslau, Vorsitzender, Landgerichtsrat Wollstein - Breslau, stellvertretender Vorsitzender, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Dr.med. Reich- Breslau, H. Cohn-Liegnitz, Rabbiner Dr. Freund - Görlitz, Justizrat Friedmann - Glögau, Justizrat Ledermann - Hirschberg, H. Naphtali- Schweidnitz. M. Hamburg, 3. August. Der Tod hält in diesem Sommer reiche Ernte unter den älteren, angesehenen Mitgliedern der Hamburger Gemeinde. Nachdem in den letzten Wochen Gustav Plaut Und I. H. Piza aus dem Leben geschieden sind, ist jetzt auch Bernhard Hahlo in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verblichene, der ein Alter von 81 Jahren erreichte, war Mitglied des Aufsichtsrates der Vereinsbank in Hamburg und früher deren lang- jähriger leitender Direktor. Die Blüte des Instituts, dem der Verstorbene seit dem Jahre 1856 angehörte, und in dessen Auffichtsrat er seit 1892 tätig war, ist in hervorragendem Maße auf seine hingebungsvolle Tätigkeit zurückzuführen. Die Zahl der Freunde, dieser Verblichene durch sein segensreiches Wirken, namentlich aber auch durch seine Wohltätigkeit sich erworben, ist eine überaus große. Die Nachricht von seinem Hinscheiden hat weit über unsere Gemeinde, hinaus aufrichtige Trauer erweckt. Die Trauerfeier fand heute morgen im Sterbehause Johns Allee 35 statt. Es hatte sich eine große Anzahl Leidtragender eingefunden. Der Senat war durch die Senatoren Dr. Diestel und v. Berenberg-Goßler vertreten, Mitglieder der Handelskammer, der Reichsbank und die hervorragendsten Vertreter der Hamburger Finanzwelt waren erschienen. Fast sämtliche Banken waren durch Deputationen vertreten, die Mitglieder des.Aussichtsrates und die Direktoren der Vereinsbank, waren vollzählig anwesend. Mitglieder des Vorstandes der Gemeinde, des Tempelverbandes sowie Delegierte anderer Gemeindeinst.itutionen hatten sich gleichfalls zur Trauerfeier eingefunden. Der mit kostbaren Palmen und Kränzen geschmückte Sarg war im Parterresaal der Villa aufgebahrt,- herrliche Blumengewinde der Vereinsbank wurden von der Direktion der Vereinsbank niedergelegt. Eingeleitet wurde die Feier durch den Choral: „Seele, was betrübst du dich", der vom Tempelchor wirkungsvoll vorgetragen wurde. Die Gedenkrede hielt der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Hecht-Berlin, der in ergreifenden Worten den Lebensweg des Verblichenen schilderte, dessen edles Wirken in der Familie stets als leuchtendes Vorbild gelten werde. Herr Direktor Schwarz von der Vereinsbank widmete dem langjährigen Freunde und Mitarbeiter noch ein tief empfundenes Abschiedswort; der Verstorbene habe mehr als ein Menschenalter an der Ausgestaltung des Bankinstituts mitgewirkt, seine Arbeitsfreudigkeit und seine Pflichttreue werden stets bei seinen Mitarbeitern und seinen Untergebenen in treuer Erinnerung bleiben, sein Angedenken wird für alle Zeiten in Ehren gehalten werden. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg dann auf den Leichenwagen gehoben. Der große Trauerkondukt bewegte sich nach dem Krematorium in Ohlsdorf, woselbst die Einäscherung stättfand. Cassel, im August. Der Bericht deS Israelitischen Waisenchauses, genannt die Philipp Feidel und Emilie Goldschmidt'sche Stiftung zu Cassel, liegt uns für die Zeit von September 1899 bis Januar 1908 vor. Von dem Gedanken geleitet, den Mängeln der in Kurhessen geübten jüdischen Waisenpflege abzuhelfen, stiftete der 1865 gestorbene Bankier Philipp Feidel hier 20 000 Taler zur Errichtung einer Waisenanstalt. Im Mai 1857 wurde.' die Anstalt eröffnet, und