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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-07 · Heft 32 (7.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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' Mittagen wurden die Sehenslvürdigkeiten unserer Stadt: wie Museen üsw. und die Wohlfahrtseinrichtungen unserer Gemeinde, als Krankenhaus, Altersversorgungsanstalt, -Bibliothek usw. in Augenschein genommen. Ganz besonderes Interesse fanden bei den Teilnehmern die Einrichtungen unseres Krankenhauses, welches wohl das zweckmäßigste der Art auf dem Kontinent fein dürfte und vornehmlich der hingebenden Arbeitskraft eines Mannes, des Vorstehers Herrn Eduard Sachs, sein Entstehen zu verdanken hat. — Die Teilnehmer waren über das im Kursus Gebotene voll befriedigt. Dies konnte man besonders aus den Worten der Kollegen aus Oesterreich vernehmen, die sehnlichst wünschten, eine ähnliche Einrichtung dort ins Leben treten zu sehen. Unserer Gemeinde gebührt das große Verdienst, bisher allein den Lehrern die Möglichkeit nach Fortbildung in Religionsfächern durch Männer von Ruf gegeben zu haben. Dank und Anerkennung daher den Männern, welche das Werk so unablässig gefördert haben, vor allem dem verdienstvollen Vorsitzenden des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, Professor Dr. Badt, ferner den Herren Dozenten, dem gelehrten Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy, Dr. Braun und Dr. Horowitz, wie den' Herren Rabbinern Dr. Zuckermaudel und Dr. Deutsch, die ihre Kräfte uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt haben. Dank sei auch dem Vorstande unserer Gemeinde, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, den Vorstehern von Verbänden und einiger Provinzialgemeinden wie Beuthen und Kattowitz, ferner einigen Privaten, so der Herren Louis Burgfeld, Eduard Sachs, Simon Scheyer und Karl Leipziger, die immer bereit sind, ein Werk zu unterstützen, das der Allgemeinheit zu Nutz und Frommen dienen soll und deren Hilfsbereitschaft nie versagt, wenn sie darum angegangen werden. Die Befriedigung über den guten Verlauf der diesjährigen Veranstaltung. die man von übelwollender Seite hier glaubte zerstören zu können, kam an dem gemütlichen Abend vor dem Schluß des Kursus zum rechten Ausdruck. Bei dem Zusammensein herrschte eine recht gehobene Stimmung, daß man wiederholt hören durfte, oft zu solch.gemütlichen Abenden zusammen zu sein. In Poesie und Prosa wurde der Männer gedacht, welche das Werk gefördert hatten. Künstlerische Darbietungen erhöhten die Stimmung. Ganz besonders sei an dieser Stelle des Fräuleins Mankon und des Kollegen Brock gedacht, welche ihre poetischen Gaben in den Dienst der Geselligkeit gestellt haben. Am nächsten Tage reisten die Teilnehmer wieder ab. Manch Freundschastsbund war während dieser Zeit geschlossen worden, und Worte des Bedauerns über, die so rasch dahingeflossene Ferienkursuszeit mußte man oft vernehmen. Alle Teilnehmer werden mit Genugtuung von hier geschieden sein, Wissen und Können bereichert und trotz angestrengter Geistesarbeit Tage der Annehmlichkeit, und Freude im geselligen Verkehr mit gleichgesinnten Kollegen und Freunden verlebt zu haben. — Zum Schluß sei noch erwähnt, daß einige Verlagsbuchhandlungen, wie Poppelauer-Berlin, Kaufmann-Frankfurt a. M., Schlesinger-Wien, Gultentag-Berlin und andere, Gelegenheit geboten habe.', Neuerscheinungen aus dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts kennen zu lernen. * aä. Bonn, 30. Juli. Die studentischen jüdischen Verbindungen im K. C. hielten hier eine Tagung ab. Das Präsidium auf dem Kommers führte die Bonner Rheno-Silesia. Es waren zahlreiche Vertreter der K. 6. er ans Breslau, München, Freiburg, Berlin Heidelberg und Darmstadt, sowie Angehörige der Alten Herren^ Verbände des K. G. aus allen Teilen des Reiches erschienen. Außerdem nahm eine große Anzahl Bonner und Kölner Verkehrsphilister au dem Kommerse teil; ferner Angehörige der Bonner israelitischen Gemeinde, darunter Rabbiner Dr. Kalischer. Die Verbindungsbrüder und deren Chargierten gaben der Korona ein buntfarbiges, lebensvolles Bild. Es herrschte eine fröhliche Kommersstimmung während des Abends, doch erfolgte auch manche von ernstem Geiste erfüllte Ansprache. Nach den Begrüßungsworten des Ersten Chargierten gedachte Gerichtsassessor Dr. Wolfs 'aus Köln in einem zündenden Trinkspruch unseres Kaisers. Er hob hierbei hervor, wie die Anhörigen des K. C. vom Vater und Großvater her. die die Feldzüge mitgemacht haben, die Liebe für das gemeinsame Vaterland erfülle. Redner feierte den Kaiser als Friedensfürsten und kommandierte im Anschluß au seine Ansprache einen donnernden Salamander auf unseren Landesherrn. Tr. Mainzer aus Frankfurt, einer der Begründer des K. C., hob nach einem historischen Ueberblick über die Entwicklung des K.G. die Notwendigkeit der Existenz des Verbandes hervor, der aus vaterländisch-deutsch gesinnten jüdischen. Studenten bestehe, die nur aus sozialen Gründen, nämlich der gemeinschaftlichen Abwehr antisemitischer Uebergriffe, sich zusammengeschlossen hätten. Dr. Bruno Weil aus Metz wies darauf hin, daß die Tendenz des K. 6. durch das Gebot der Ehre und des Selbstbewußtseins diktiert sei. Der L. G. habe seine Pflicht erfüllt, wenn alle Akademiker ohne Unterschied des Glaubens sich wieder in gemeinschaftlichen Korporationen vereinigen könnten und die Gleichberechtigung der deutschen Juden in der gesetzlich zugesicherten Weise in die Tat umgesetzt sei. Rabbiner Dr. Kalischer äußerte feine Freude über die wachsenden Sympathien der studentischen Verbindungen für den deutschnationalen K. G. Er betrachte dies als ein Zeichen dafür, daß sich im Bürgertum, namentlich in den gebildeten Kreisen, ein starker Wandel der Gesinnung zugunsten des Judentums vollziehe. o. Wiesbaden, 3. August. Anläßlich des demnächst erfolgenden Austritts aus seinem Amte als Stadt- und Bezirksrabbiner hat der Herr Regierungs-Präsident an Herrn Dr. M. Silberstein folgenden Erlaß gerichtet: Wiesbaden, 22. Juli 1908. Der Negierungs-Präsident. Pr. I. G. 6522 Euer Ehrwürden werden hiermit auf den Antrag vom 16. Juli d. M, von den Funktionen als Bezirksrabbiner des Rabbinatsbezirks Wiesbaden vom 1. Oktober 1908 ab entbunden. Bei Euer Ehrwürden Ausscheiden nehme ich gern Veranlassung, für die langjährigen treuen Dienste und die stets musterhafte Amtsführung meine volle Anerkennung auszusprechen und wünsche, daß es Ihnen im wohlverdienten Ruhestand recht wohl ergehen möge. O. Meister. Herr Rabbiner Dr. Silberstein blickt bei seinem Ausscheiden aus seinem Amte auf eine 50 jährige segensreiche und gedeihliche Tätigkeit zurück, wovon nahezu die Hälfte auf seine hiesige Wirksamkeit kommt. o. Bruchsal, 1. August. Der Land es verein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden hat seinen zwanzigsten Jahresbericht veröffentlicht. Die neunte ordentliche Generalversammlung des Vereins wurde unter dem Vorsitz des Stadt- und Konferenzrabbiners Dr. Appel-Karlsruhe, der auch den Bericht über die Vereinstätigkeit, sowie über die Rechnungsführung und den Vermögensstand erstattete, abgehalten. Bei der Beratung wegen Sanunlung eines Grundstockkapitals zur Erbauung eines Waisenhauses sprachen sich fast sämtliche Mitglieder gegen die Erbauung eines Waisenhauses aus. Es wurde geltend gemacht, daß bei dem jetzt beobachteten System — die Kinder bei Familien in Pflege zu geben — Mißstände sich nicht gezeigt hatten. Die Erziehung im Waisenhaus sei nicht besser, wohl aber teurer und und bei einem kleinen Waisenhaus seien die Verwaltungskosten besonders hoch. Es wurde beschlossen, von der Erbauung eines Waisenhauses vorläufig abzusehen, doch Schenkungen oder Stiftungen zu diesem Zweck dankbar anzunehmen. Eingehend wurde die Frage erörtert, unter welchen Umständen auch Kindern, die das 14. Lebensjahr bereits überschritten haben, die Unterstützung weiter gewährt werden könne. Es wurde beschlossen, die Beihilfe immer dann fortzusetzen, wenn die Pfleglinge einen technischen Beruf (als Handwerker. Näherinnen usw.) ergreifen wollen, und in solchen Fällen mit dem zuständigen Handwerkerverein in Verbindung zu treten. Der Verein war im abgelaufenen Berichtsjahre abermals in der glücklichen Lage, allen be" rechtigten Anforderungen wegen Aufnahme von Waisenkindern in Pflege oder wegen Unterstützung von solchen» die bei Verwandten bleiben konnten, entsprechen zu können. Es sind im vergangenen Jahre in Vereins-Fürsorge 16 Kinder ausgenommen und 21 Kinder entlassen worden. Von den in Fürsorge verbliebenen 90 Kindern sind 7 in Pflege bei geeigneten Familien untergebracht, ein Knabe wird niit Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden in Karlsruhe" in Ahlem ausgebildet, ein Knabe weilt im Landesstift in Karlsruhe, zwei Knaben erlernen die Kaufmannschaft,, und die übrigen sind unter Gewährung von Erziehungsbeiträgen bei ihren Eltern, Müttern, beziehungsweise Verwandte»: * ■: 'c." ■ - v

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