Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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verblieben. Der Etat balanciert mit 31 970,60 Mark., das Vereinsvermögen beträgt 247 000,99 Mark. -‘l.v-. - v r..v. X. Stvatzburg i. Elf., 30. Juli. Am 11. d. M. starb hier, wie schon kurz erwähnt, nach schwerer Krankheit Herr Rabbiner Glaser im. Alter von 59 Jahren. Ueber 35 Jahre stand er im Dienste der hiesigen Gemeinde, wo er als Vereinsrabbiner wirkte und häufig bei Kasualien den Oberrabbiner vertrat. Seine hervorragenden talmudischen Kenntnisse, die er aus Rußland mitgebrächt hatte, hatten - ihn, der an keinem modernen Rabbinerseminar studiert hatte, in reichem Maße zu dieser Stellung befähigt, in der er sich die Achtung und die Liebe aller Straßburger erworben hat. Ein riesiger Leichenzug legte Zeugnis, ab von der Verehrung, deren er sich erfreut hat. Ehre seinem Andenken. — Am 21. fand die diesjährige Generalversammlung des elsaß-lothringischen Rabbinerverbandes statt mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses; 2. Kassenbericht; 3. Ueber Feuerbestattung (Referent Dr. Bloch-Dambach); 4. Anträge; 5. Neuwahlen. Die Tätigkeit des Ausschusses beschränkte sich auf die Wahrung der Interessen der elsaßlothringischen Rabbiner bei der neuen Gehaltsregelung, mit der Regierung, Landesausschuß und Konsistorien sich zurzeit befassen. Im kommenden Jahre hat nunmehr der Ausschuß nach einem Beschlüsse der Versammlung außer der Fortsetzung dieser Bemühungen sich mit Unterrichtsfragen zu beschäftigen. Es wurde ferner beschlossen, daß in Zukunft bei Beerdigungen, an denen die Rabbiner korporativ teilnehmen, in der Regel nur die amtierenden in Amtstracht erscheinen sollen. Im Referat über die Feuerbestattung besprach der Vortragende die Frage vom religiösen, hygienischen, ästhetischen und ökonomischen Standpunkte aus mit dem Resultate, daß nach dem Religionsgesetze die Feuerbestattung unzulässig sei, von den anderen Gesichtspunkten aber ebensoviel Gründe contra wie pro sprächen. Es wurde beschlossen, die Frage im Laufe des Winters zu besprechen und hierzu Bloch-Sulz, U.Wald und Dr.Auscher-Dürmenach zu Referenten bestimmt. Bei der Neuwahl des Ausschusses wurden die bisherigen Mitglieder Dr. Vloch-Oberehnheim (Präsident), Dr. Auscher-Dürmenach, Dr. Bloch- Dambach, Dr. Levy-Brumath und Dr. Marx-Westhofen wiedergewählt. Die Wahl der beiden in der Nachwahl gewählten Mitglieder des Konsistoriums. Stein und Kauffmann, wurde angefochten. Go kommen wir immer noch nicht zur Ruhe. Gesterretch-Mnssm. □ Wien. 3. August. . Der Segen der Oeffentlichkeit offenbart sich recht deutlich in folgender Mitteilung: „Nach neueren Nachrichten aus Czernowitz unterbleibt die geplante Reise des Ministers Dr. Geßmann in die Bukowina. Als Ursache werden politische Gründe angegeben." Hätte die Presse nicht Lärm geschlagen, so wäre die Agitationsreise kaum unterblieben. — Die Israelitischtheologische Lehranstalt wurde, wie wir dem soeben ausgegebenen Bericht entnehmen, im abgelaufenen Jahre von 31 ordentlichen rmd 2 außerordentlichen Hörern besucht, von denen 14 aus Galizien, »je 4 aus Ungarn und aus Mähren, 3 aus'Rußland, je 2 aus der Bukowina und Rumänien, je 1 aus Nieder-Oesterreich, Böhmen, Bulgarien und Italien stammen. Drei Hörer wurden nach abgelegter Prüfung in Rabbinatsbeziehungsweise Lehrerstellungen berufen. Dem Bericht geht eine gelehrte wissenschaftliche Arbeit des Herrn Lektors M. Friedmann „Baraitha di-Mlecheth tiaMisebkan, tannaitischer Kommentar zu den Vorschriften über den Bau des Heiligtums und das Lager Israels in der Wüste", voran. — Die Juden in Kroatien und Slavonien haben einen Verband begründet. Dank der unermüdlichen Arbeit des Präsidenten der Kultusgemeinde in Esset, Dr. Hugo Spitzer, ist dieser Verband zustande gekommen. Es hat unendlicher Mühe bedurft, um den 25000Juden Kroatien-Slavonieris eine allumfassende Organisation zu geben. Die Verhandlungen fanden in Agram statt, in Anwesenheit von Delegierten fast sämtlicher Gemeinden Kroatien - Slavoniens. Die Gründung des Verbandes wurde nach einem Referat Dr. Spitzers einstimmig beschlossen. Nach der beschlossenen Verfassung soll der Verband als Zentralstelle der gesamten Judenheit im Königreich Kroatien und Slavonien fungieren Und ihre und der einzelnen jüdischen Kultusgemeinden Interessen fördern und vertreten. Der Verband wird bestrebt sein, auf geeignetem Wege zu erwirken/daß er von seiten der kroatisch-slavönischdalmatischen Landesregierung -als Zentralorgan. und Repräsentanz' aller''Urdischen'Äultusgemeinden<:-im Königreiche Kroatien und Slavonien anerkannt werde, dem die Pflicht obliegt und das Recht zusteht, den amtlichen Verkehr zwischen der Landesregierung und den einzelnen Kultusgemeinden zu vermitteln, söm Gutachten über sämtliche das hierländische Judentum betreffenden Gesetzentwürfe, Verordnungen und Erlasse der Behörden abzugeben.- — Rabbiner Dr. A. Marmor stein aus Jamnitz ist zum Bezirksrabbiner in Vinkov ce gewühlt worden. — Eine der hervorragendsten talmudischen Kapazitäten Ungarns, Rabbiner Samuel Rosenbaum in St. Ge? orgen, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Vun Sah und jfrrn. — Der Charakter als Justizrat wurde verliehen den Rechtsanwälten Max Fränkel, H. Höniger, R. Horwitz, Dr. M. Hirschel, W. Leyser. Dr. E. Ball, B. Paköcher. H. Rosenberg. Dr. N. Danzig er, B. Liebrecht, M. Jacobsohn in Berlin. Dr. Oppenheimer in Hildesheim, Dr. Ernst Auerbach' in Frankfurt.a. M.. Peyser in Wreschen. — Den Titel Professor haben erhalten die Oberlehrer Richard-Co hn (Friedrichs-Gymnasium), Dr. Rosenberg (Köllnisches Gymnasium), F. Samuel (16. Realschule).—Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Hermann Senator ist von der Griechisch.philologischen Gesellschaft in Konstantinopel^ auf Antrag der medizinischen Sektion, zum Ehrenmitglied ernannt worden. — Dem Landgerichtsrat Dr. Weil in Breslau ist anläßlich seines Eintritts' in den Ruhestand der Titel eines Geheimen Jnstizrats verliehen worden. — Die im November 1906 verstorbene Frau Charlotte Speyer, geb. Stern, Hat das Mädchenstift in Frankfurt a. M., dessen Ehrenvorsitzende sie war, mit einem Vermächtnis von 80 000 Mark bedacht , und außerdem jedem Pflegling ein Sparkapital von 300 Mark zugewandt. — Der kürzlich verstorbene Privatier Dr. jur. Jakob Feist hat in seinem Testament auch die Frankfurter Armen bedacht. Er hat für städtische Wohltätigkeitsanstalten ein Legat von 75 000 Mark ausgesetzt und sein.-Haus. Finkenhofstraße 46, zum Wohl der Armen der Stadt vermacht, die-, darüber nach freiem Ermessen verfügen kann. Das Legat, will der Magistrat zum Teil für Krankenpflege verwenden, zum Teil der städtischen Hilfskasse für Handwerker zuweisen. — In Genua ist der Rabbiner Donato Levi im 72. Lebensjahre gestorben. .Derselbe war von 1858—1895 der Vertreter des Oberrabbiners Finzi und trat dann an seine Stelle. Ehre seinem Andenken! — Der aus Rußland stammende jüdische Schriftsteller A. Wolinski wurde vor einiger Zeit zum Ehrenbürger von Mailand gewählt. Diese große Ehrung, die ein Ausländer bisher in Mailand nicht, erhalten hat, wurde Wolinski für seine vortreffliche große Arbeit über den italienischen Maler und Gelehrten Leonardo da Vinci zuteil. Wolinski, der, wie erwähnt. Jude ist, war in früheren Jahren auch als jüdischer: Schriftsteller, der jüdisch und hebräisch schrieb, bekannt. — An der juridischen Fakultät der Moska uer Universität bestand Frl. M. Hirschmann das Staatsexamen. Die junge Juristin reichte dem dortigen Bureau eine Bittschrift ein, um als Rechtsanwalt ausgenommen zu werden. Sie ist die erste Jüdin, die ein Staatsexamen an einer.russischen juridischen Falkutät bestanden hat. - Zufolge einer Mitteilung der Zeitung „Utro" („Der Morgen") geht das Antisemitenblatt „Rußkajä Znamja" („Die russische Fahne") des berüchtigten Kruschewan ein. Eine gewisse Frau Polubojarinowa spendete für dieses Schandblatt 27 000 Rubel und verlangte Rechenschaft darüber. Da dieselbe nicht erfolgt ist, droht sie, dies dem Staatsanwalt anzuzeigen. Ein nettes Früchtchen, dieser „echte Russe", der Rumäne Kruschewan! Das Blatt des Schwarzen Hunderts veröffentlicht ein Gebet des bekannten Dunkelmannes Priester Joann von Kronstadt, dem folgende Stelle entnommen sei: „Gott im Himmel, bringe um Deiner Kirche willen Frieden über Rußland, um Deiner armen Leute willen, mache dem Aufruhr und der Revolution ein Ende. Nimm Deinen Lästerer, den bösen und reuelosen Leo Tolstoi, und alle seine leidenschaftlichen Anhänger und den Freund der Juden Witte, der Rußland vernichtet, weg von dieser Erde." Ein eigentümliches „christliches Gebet". — In St. Louis ist der Vizepräsident der Stadtbehörde Julius Lesser, ein angesehener Kaufmann, der auch warmes Interesse für das Judentum hatte, gestorben.