Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228798-3228831--64775-3276854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
c) Majestätsvöll, cl) Ethisch, 6) Zorn" und Rache als Anthropopathie und Aeußerungen der Gerechtigkeit, k) zu sittlichem Tun veranlassend, g) Unnahbarkeit. 5. Heiligsprechung — im Judentum unbekannt l^ucia banassi — Die zehn Märtyrer. Die katholische Kirche und die Heiligsprechung — Beglaubigung durch Wunder). Askese und Weltflucht gegenüber dem Optimismus und der Weltfreude im Judentum. 6. Heilig im eigentlichen Sinne ist nur Gott allein; der Mensch kann nicht heilig sein, sondern nur heiligwerden. Die Forderung, sich zu heiligen und nach sittlicher Vervollkommnung zu streben, ist nicht an einzelne gestellt, sondern an die Gesamtheit. (Universalistische Idee.) „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk." Der Referent schloß mit den Worten: Jst's auch nur ein Ideal, heilig zu sein, so ist doch darauf mit Lazarus zu erwidern: Das Ideal entbehren, heißt auf den Wert des Lebens verzichten. i. Kauendurg i. P., 31. Juli. Am 20. d. M. wurde hier das 250jährige Jubelfest des Anschlusses der Kreise Lauenburg- Bütow an Brandenburg-Preußen in Gegenwart des Prinzen Eitel-Friedrich und unter reger Beteiligung der Bevölkerung beider Kreise gefeiert. Den Höhepunkt des Festes bildete die Enthüllung eines von Professor Schaper errichteten Denkmals für den Großen Kurfürsten. In den Gotteshäusern der verschiedenen Religionsbekenntnisse fanden Festgottesdienste statt. In der Synagoge rezitierte Herr Kantor Weinkranz einige Psalmentexte, und Herr Rabbiner Dr. Silberstein aus Elbing, der zu diesem Zwecke vom Vorstand der Shnagogengemeinde berufen worden war, hielt He Festpredigt. Er ging von dem Gedanken der Freude aus, welche die Israeliten dieser Lande in gleicher Weise erfülle wie die Mitbürger der anderen Religionsbekenntnisse. Der Mensch hat für jede Freude im Einzelleben sowohl wie auch als Mitglied einer Gemeinschaft dem höchsten Freudenspender Dank abzustatten, um die Freude menschenwürdig zu gestalten und zu weihen. Deshalb erhält das bürgerliche Fest seinen edelsten Ausdruck in der religiösen Feier. „Wer Dank opfert, ehret mich. und wer auf seinen Wandel achtet, den lasse ich göttliches Heil schauen." Nachdem der Prediger auf die verschiedenen Bestimmungen der Religion, welche die Israeliten zur Vaterlandsliebe, zur Ehrfurcht gegen den König und zur Erfüllung bürgerlicher und -staatsbürgerlicher Pflichten gemahnen, ernrnert, ging er auf das Wirken des Großen Kurfürsten zugunsten der Juden, auf ihre Aufnahme durch diesen Fürsten in Brandenburg nach hundertjähriger Verbannung, auf seine Toleranz ein, die von seiten der Juden auch dankbar anerkannt wurde. Alsdann würdigte er die Nachfolger dieses edlen Fürsten, das Geschlecht der Hohenzollern, die immer niehr als Schützer der Rechte der Juden sich hervortaten, und verwies auf den Fortschritt, den die Juden bezüglich ihrer Stellung als Staatsbürger seit jenen Tagen vor 250 Jahren gemacht haben. Ein Gebet für das Blühen und Gedeihen der feiernden Lande, deren Fest dem schönen Gefühle der Heimatliebe entsprungen, für Kaiser und Reich und den Fortschritt der allgemeinen Menschenliebe bildete den Schluß der Predigt. — An der Enthnllungsfeier und an der Be- grüßung des Prinzen durch die Geistlichen im Johanniter-Krankenhause nahm Herr Rabbiner Dr. Silberstein in Amtstracht teil. Bei der letzteren wurde er gleich den anderen Seelsorgern dem Prinzen vorgestellt. Der erste Vorsteher der Synagogengemeinde Lauenburg. Herr Tr. med. Hirschberg, legte im Aufträge der Gemeinde einen Kranz am Denkmal nieder. ä. Kolberg, 2. August. In der Haussynagoge des Jüdischen Kurhospitals fand am 25. v. M., während des Morgengottesdienstes, das 34. Stiftungsfest der Anstalt statt. Das Gotteshaus war dicht gefüllt und bis zum letzten Platz besetzt; es waren auch viele Kurgäste anwesend. Die Predigt hielt in Vertretung des hiesigen Rabbiners Tr. Goldschmidt dev als Kurgast in Kolberg weilende Rabbiner Dr. Bloch aus Posen. In seiner gehaltvollen Rede würdigte er zuerst das eifrige und unablässige Wirken der Anstaltsverwaltung, welche das Jüdische Kurhospital ins Leben gerufen und im Laufe der Jahre aus kleinen Anfängen zu solcher Bedeutung gebracht hat. Das Jüdische Kurhospital zu Kolberg ist die erste Anstalt solcher Art in der deutschen Judenheit, sie ist für die später entstandenen ähnlichen Heilanstalten mustergültig geworden. Der Prediger hob mit großer Wärme den Wert der werktätigen Menschenliebe hervor, welcher das Kurhospital seit 34 Jahren in solcher hervorragenden Weise dient. In diesem Hause? haben Tausende von Männern)- Frauen und. Kindern Erholung und Genesung ' gefunden, im letzten Jahr allein waren es etwa 450 Leidende, denen das Kurhospital liebevoll mehrwöchentlichen Aufenthalt gewährt hat. Sie sind gestärkt und gekräftigt zu ihren Familien und ihrer Berufstätigkeit zurückgekehrt. Es mag noch die bemerkenswerte Tatsache hervorgehoben werden, daß in dem jüdischen Kurhospital seit seinem Bestehen'noch kein Todesfall vorgekommen ist. An die Festpredigt schloß sich eine Seelenandacht zum Andenken an die seither verstorbenen Stifter, Kuratoren, Wohl-, täter und sonstigen Freunde und Förderer der Anstalt. Die Feier ließ bei allen Anwesenden einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zurück. ff. Posen, 26. Juli. Die Zahl unserer öffentlichen Bildwerke ist um ein hervorragendes Stück vermehrt worden, das an künst-; lerischem Wert vielleicht alles bisher Vorhandene übertrifft. Im Blumenparterre der Nordseite der Wilhelmsallee, zwischen der Post und dem Provinzialständehause, ist ein Bronzeabguß von den: Professor Max Klinger-Leipzig in Marmor ausgeführten Original ausgestellt worden. Dank der Hochherzigkeit der Hinterbliebenen des hier verstorbenen Größkaufmanns S. D. Jaffö ist das Kunstwerk .der Provinzialhauptstadt als Eigentum übermittelt worden. Das Kunstwerk sollte aus den Zinsen der S. D.Jaffe'schen Stiftung erworben werden, die von Herrn Sally Jaffe in Posen und den Herren Dr. Martin und Georg Jaffä in Berlin, sowie deren Geschwister im Jahre 1904 errichtet worden ist. Da haben die Stifter, um den sofortigen Ankauf zu ermöglichen, in überaus dankenswerter Weise den Betrag, der fehlte, zugelegt, um den sofortigen Ankauf ohne Zuhilfenahme städtischer Mittel zu ermöglichen, so daß Posen nun um ein öffentliches Kunstwerk reicher ist, dem wir ein gleich bedeutendes wohl kaum an die Seite stellen können. — Breslau, im August. Der in den Tagen vom 6. bis 23. Juli abgehaltene Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer hatte sich wieder eines regen Besuches zu erfreuen. Der Kursus zählte über 30 Teilnehmer, davon 5 Lehrerinnen. Aus dem Nachbarreiche Oesterreich stammten 3 Teilnehmer, einer der Teilnehmer war aus Bayern hierhergekommen. Die Zahl der Teilnehmer wäre noch größer gewesen, wenn nicht eine Anzahl von Kollegen im letzten Augenblick abschrieben, da ihnen die nachgesuchte Verlegung ihrer Ferien von der Vorgesetzten Behörde nicht bewilligt worden war. — Vorlesungen wurden gehalten unter andere/n über Mechiltha aus der Geschichte der Liturgie, über Geschichte der deutschen Juden vom 15. bis 16. Jahrhundert, mit besonderer Berücksichtigung der Juden Schlesiens, Methodik und Didaktik des nachbiblischen Geschichtsunterrichts mit anschließenden Probelektionen, wie über Moses ben Maimon, Moses Mendelsohn und seine Zeit, die Hohenzollern und die Juden, von den Kollegen Brzesinski-Miloslaw, Heymann und Moops-Breslau mit den Kindern der Oberstufe vorgeführt. Aus der Reihe der Vorlesungen seien noch angeführt: Pentateuch- Exegese, Ethik der jüdischen Religionsphilosophen, Homiletik mit praktischen Hebungen (Uebungspflichten hielten die Kollegen Dr. Gellendt und Rosenthal), ferner Apologetik des Mittelalters und über Trauergebräuche. Die kantoralen Uebungen wurden für stimmlich besonders Befähigte von Oberkantor Cerini geleitet, welcher in gewohnter Liebenswürdigkeit sich in letzter Stunde dazu bereit erklärte. Vou den Teilnehmern selbst wurden über besonders interessierende Fragen Referate gehalten, so hielten Kollege Stern ein, Referat über Vernunft und Glaube, Falkenstein und Haase über jüdisches Eherecht und Wechsler-Aschbach über den „Schiur". Die mit großem Fleiße zusammengestellten Arbeiten fanden allgemeine Anerkennung, und die Referenten wurden gebeten, ihre Arbeiten einem größeren Kollegenkreise zugänglich zu machen. Nicht unerwähnt sei an dieser Stelle Herr Dr. Phil. Behrens, der sich durch wissenschaftliche Arbeiten schon gut bekannt gemacht hat, der einen Vortrag hielt „DaS Semitische im deutschen Wortschatz", ferner sei mit Dank der freundlichen Einladung des theologisch-literarischen Vereins an die Teilnehmer zu einem Vortragsabend gedacht, an welchem das Thema „Das Problem der Willensfreiheit in der modernen Philosophie" von stuä. theol. Lewkowitz in fesselnder Form erörtert wurde. Daran schloß sich eine anregende Diskussion, und darauf folgte ein gemütlicher Kneipabend. An den freien Nach-