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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-07 · Heft 32 (7.8.1908) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
Seite 382 (sequence 12)
Language
German
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’-'T »s'v -V *■'* T Bildern aus Danzig einen anheimelnden Ton zu finden, durch eine Art Stimmungsarchitektur zu wirken weiß. Ein treffliches. Seitenstück zu seinen Arbeiten geben die „Berliner Hinterhäuser", die Julius Jacob, ein bewährter Künstler, geschaffen. In diesem Werke, wie in seineransprechenden „Städterin in der Sommerfrische", steckt ehrliches Naturstudium und bedeutendes technisches Können. Auf Lichteffekte berechnet und gut gemalt ist Heinz Levysohns .„Pierette", während Meinhard Jacobh in seinem ergreifenden Bilde „Der Tod und das Mädchen" sich von dem Banne des Konventionellen, sreizumachen und eine schöne Probe seines Talentes zu geben verstanden hat. Von Malerinnen sind Käthe Münzer mit zwei Studienköpfen aus der Bretagne, einem alten Bauer und einer Greisin, Schöpfungen von ernster Auffassung und tiefem Gehalt, und Hanna Mehls mit einer grünen Dämmerung über Schiffen mit bunten Lichtern vertreten. Während Otto Goldmann sich als Künstler von wuchtiger Eigenart und reifem Darstellungsvermögen bewährt, zeigt sich Klara Gold mann als Malerin reizvoller Blumenstücke. Noch Richard Wagner konnte es wagen, den Juden die Fähigkeit abzusprechen, bildende Künstler aus ihren Reihen hervorzubringen, ein Israels, ein Liebermann, ein Lesser Ury und die Hunderte von anderen Künstler aus Judas Stamme, die sich mit Eifer und Erfolg der Malerei und Skulptur, der Kupferstecherei und Zeichenkunst widmeten und noch widmen, sind die beste Widerlegung dieser Behauptung, der geeign"etfte Protest wider diesen Vorwurf. fSSE Der tzsukierer. Eine Geschichte aus der guten alten Zeit. Von.Eduard Mohr. VI. der heißesten Nachmittagssonne hatte Isaak in die Pfarr- Wohnung hinein seine Waren empfohlen: da wandelte den jungen, etwas pietistischen Pastor die Lust an, mit dem Juden einen Religionsdisput zu halten. Nachdem die Pastorin mehrere Kleinigkeiten gekauft hatte, führte der Geistliche den Juden in sein Studierzimmer, bot ihm freundlich einen Stuhl, ließ sich von ihm seine Lebeusverhältnisse erzählen, und begann darauf in milder Ruhe seine geistliche Unterredung. Zuerst besprach er die allgemeinern Religionsprinzipien, wie der Gott der Juden ein Gott des Zornes und der Rache, Christus aber ein Gott der Liebe und das Christentum eine Religion der Liebe, dagegen das Judentum eine Religion des Hasses und der Unduldsamkeit sei; wie erst das Christentum die beglückende Lehre von der Unsterblichkeit der Seele in die Welt gebracht habe; wie die angeborene Sündhaftigkeit der Menschen einen göttlichen Versöhner notwendig mache, welcher eben Jesus Christusder eingeborene Sohn Gottes sei, und dergleichen. Isaak war in der peinlichsten Verlegenheit. Er bat den Gottesmann, von einer solchen Unterhaltung mit ihm abzulassen, da er sich für eine Besprechung dieser Gegenstände nicht gelehrt genug fühle. „Meinetwegen," versetzte der Pfarrer, „so wollen wir uns an das Alte Testament allein halten, das kennt Ihr doch gewiß." Und nun führte er die bekannten messianischen Stellen des Alten Testaments, von den Schöpsungsworten: „Wir wollen einen Menschen machen" bis herab zur Huldigung; des „Sohnes" im zweiten Psalm, der Reihe nach vor, und suchte mit aller -homiletischen Kunstsertigung und mit salbungsreicher Wärme jene Stellen als aus'Christum hinweisend und von ihm zeugend darzutun. Isaak saß wie auf Kohlen. Um doch wenigstens etwas zu erwidern, damit er nicht als störrig erschiene, sagte er ausweichend, im Talmud werde behauptet, .das Gesetz könne auf 49 fache Weise ausgelegt werden; da er nun nicht wisse, ob die eben vorgetragene Art der Auslegung unter diesen 49 sich befinde, so könne er auch über die Richtigkeit derselben nichts entscheiden. Der Pastor schien mit dieser Antwort zufrieden. „Wähnet nicht, guter Mann," sagte er in begeisterter Innigkeit, „daß ich Euch das Geständnis Eures Glaubens an Christum abdringen will. Ich weiß es sehr wohl, daß Ihr an den Heiland glaubt, und wenn Ihr dies nicht offen eingesteht, so ist daran allein der Antichrist schuld, der Eurem Munde auszusprechen verbietet, wovon Eure Seele erfüllt ist. Bezeugt es denn nicht die Sittlichkeit, di.e Milde, die Menschenfreundlichkeit vieler Eurer Glaubensgenossen in der Gegenwart, daß Christus bereits bei ihnen eingezogen? Ihr erkennt Jesum Christum wohl, Ihr bekennt ihn nur noch nicht. Ich selbst habe in dieser Hinsicht einen Fall erlebt, der mir stets als ein tröstendes Gnadenwunder vorschwebt, wenn Irrglaube und Freidenkerei der Menschen meine Seele betrüben will. In meinen Kandidatenjahren befand ich mich während eines Sommers mit einer adligen Familie, bei der ich Hauslehrer war, in Karlsbad. Eines Nachmittags begebe ich mich in eine dortige Kirche, um ungestört ihre Kunstschätze zu besichtigen. Als ich in den weiten Räumen das Sehenswerteste betrachtet habe und mich endlich dem entgegengesetzten Ausgang nähere, da vernehme ich aus einem Seitengange dumpfe, verworrene Menschenstimmen. Ich trete näher, und wie beschreibe ich Euch mein Staunen bei dem Anblicke, der sich mir hier darbot. Zwei feingekleidete polnische Juden standen in einem Winkel und schüttelten ihre Körper und beteten. Ich warte, bis sie zu Ende sind, und richte dann an sie die Frage, ob sie sich nicht scheuten, in einer Kirche und in der Nähe des Gekreuzigten ihr Gebet zu verrichten. „Was geht uns jener dort an?" antwortete der eine von ihnen „es ist hier so schön kühl und still, darum haben wir hier unser Vespergebet verrichtet." In diesen Juden hat sich mir das Geheimnis des Kampfes zwischen dem Lichte in Christo und der Finsternis des Satans offenbart. Die Allgewalt der christlichen Kirche ' zog ihre verlorenen und verirrten Kindlein zu sich, aber die schwarze Seele, der Antichrist, ließ es nicht zu, daß sie den Drang ihrer Herzen nach dem Heiland frei gestehen. Darum mußten ihre fleischlich sündigen Zungen von Kühle und Stille sprechen, während ihre Seelen erglüht waren und ihre Gemüter mächtig bewegt von der sie beglückenden Lehre unseres göttlichen Erlösers. Und so erkenne ich auch in Euch, in Eurem milden, bescheidenen Wesen die ewige Gnade Christi, die Euch aus dem Irrtum zum Heil führen will. Ihr erscheint mir wie einer jener armen, schwer belasteten Gläubigen aus der Zeit, da der göttliche Lehrer unter dekl>Menschen weilte und alle zu sich rief, die beladenen Herzens waren. Seid demütig und wandelt in Unschuld; der Tag des Heils ist Euch nicht fern, und es wird an Euch erfüllt werden des Propheten Verheißung: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und dieses ist das Licht des heiligen Evangeliums durch Jesum Christum, Amen." Mit diesem gutgemeinten Tröste entließ der von Begeisterung hocherglühte Pfarrer den Hausierer, der sich erst

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