Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
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vermittle bei Gott dem Vater." Das Schicksal der beiden Hausierer in der deutschen und in der schwedischen Novelle fordert seltsame Betrachtungen heraus. Es verdient leider besonders betont zu werden, daßWergeland, der so schrieb, so tolerant war, von'Beruf Theologe gewesen ist. Kennt man ja bei uns auch Theologen ganz anderer Art. Ferner muß leider bemerkt werden, daß es Wergeland nicht beschieden gewesen ist, die letzte Frucht seiner Bestrebungen zu erleben. Gleich Moses konnte er das gelobte Land nur aus der zeitlichen Ferne sehen, nicht betreten. Denn erst im Jahre 1851, eine Reihe von Jahren nach seinem Tode, genehmigte das Storthing die Zulassung der Juden. In Fargo haben die Juden dem um das Judentum so verdienten norwegischen Dichter ein Denkmal gesetzt. In den Herzen aller Menschenfreunde hat er bereits eines,, dauernder als Stein und Erz. Rücksicht auf § 16 der Statuten eines 'Urteils über die Resolutionen', und beschließt in der. Erkenntnis der Notwendigkeit, daß die Rabbiner Deutschlands für wichtige, allen gemeinsame Angelegenheiten geeint und organisiert seien, eine Kommission einzusetzen, welche nach den gemachten Erfahrungen die Aufgabe des Rabbinerverbandes enger begrenzt und die Art seiner weiteren gemeinschaftlichen Tätigkeit festsetzt. . Als solche gemeinsame Aufgaben werden insbesondere bezeichnet': 1. die Abwehr von Angriffen, welche gegen: das Judentum und seine Einrichtungen von außen her gerichtet werden; 2. die gemeinschaftliche Arbeit an allen Einrichtungen und Bestrebungen der deutschen Judenheit, hinsichtlich deren religiöse Verschiedenheiten nicht bestehen und an denen jetzt schon die Angehörigen der verschiedenen Richtungen Zusammenarbeiten; 3. die Gegenstände, die das Interesse des Rabbinerverbandes betreffen; 4. die Fürsorge für die Relikten- und Pensionskasse. Dir Woche. n Berlin, 4. August, och immer wird über das Deutschtum der Juden in Posen gestritten, als wenn die Tatsache nicht schon längst festgestellt worden wäre, daß die Juden der Provinz Posen ein sehr wichtiger Faktor für die deutsche Bevölkerung des Landes seien. Der Urheber des ganzen Streites, der Gymnasialdirektor v. Sanden in Lissa, bleibt in einer Erklärung .bei seinem Standpunkt: „Ich habe in einem sachwissenschaftlichen Referat unter anderem die Schwierigkeiten dargelegt, die sich uns Lehrern der Provinz Posen bei der Aufgabe entgegenstellen, in unfern Schülern Heimatgefühl zu wecken, und habe dabei ausgesprochen, daß im allgemeinen (das heißt nicht ohne Ausnahme) die Juden wenig Anhänglichkeit an das Posener Land zeigten. Dies und nichts mehr ist der Sinn meiner Ausführungen. Ich habe also auf einen Zug hingewiesen, den ich für einen Mangel bei einem Teile der jüdischen Bevölkerung halten muß. Heißt nun aber eine Schwäche in dem jüdischen Wesen erkennen und aussprechen Antisemit sein?" Gewiß wird niemand Herrn v. Sanden bloß wegen seiner Aeußerung für einen Antisemiten halten. Aber es wird doch H wöhl gestattet sein, ihm zu sagen, daß diese Aeußerung nach unserem Dafürhalten absolut unrichtig sei! Der ehemalige Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, Professor Dr. Boeckh, bekanntlich auf dem Gebiete der Bevölkerungsstatistik eine der hervorragendsten Autoritäten, gelangte zu folgendem Ergebnis: „Hier zeigt sich, daß die Abnahme der jüdischen Bevölkerung einen wesentlichen Faktor des Rückganges der deutschen Sprache bildet, wie ich schon in meiner „Volkszahl des Deutschen" betonte, daß „in verschiedenen Posener Städten das Vorherrschen des deutschen Idioms in der starken Vertretung der jüdischen Bevölkerung seine Ursache hatte." Statistisch findet diese Erscheinung prägnanten Ausdruck in der Tatsache, daß unter den 458144 weniger Vorgefundenen Deutschsprechenden nicht weniger als 60 720 Juden sind, wogegen nur 434 Juden mehr bei den Polen gefunden wurden! * Der Zentral - Ausschuß des Deutschen Rabbiner- . Verbands hat die folgende Resolution gefaßt: „Durch die" jüngsten Resolutionen der liberalen Rabbiner-Vereinigung haben die prinzipiellen Differenzen zwischen den Angehörigen , der verschiedenen Richtungen, die in den, Rabbinerverband in Deutschland vereinigt sind, sich derart verschärft, daß einem Teile derselben eine gemeinschaftliche Wirksamkeit in der bisherigen Weise nicht mehr möglich erscheint. Der Zentralausschuß enthält sich mit Die einzusetzende Kommission hat nach Abschluß ihrer Arbeiten dem Zentralausschuß Bericht zu erstatten, und dieser wird sodann die von ihm beschlossenen Aenderungen an den Statuten des Rabbinerverbandes einer baldigst von ihm einzuberufenden Generalversammlung der Mitglieder zur definitiven Entscheidung vorlegen." Es wird sich noch Gelegenheit bieten, diese Resolution ausführlich zu besprechen. Aus der Sitzung des bayerischen Landtags, in der über den Kultusetat der jüdischen Gemeinden beraten wurde, ist nach dem stenographischen Protokoll noch nachzutragen, daß besonders der liberale Abg. Bühler sich der jüdischen Lehrer mit Entschiedenheit angenommen hat, deren Lage er geradezu als die krasseste Rechtlosigkeit bezeichnete, da von 200 israelitischen Lehrern nur 80 an Schulen verwendet sind, während die übrigen ihr Leben als Religionslehrer und Schächter fristen müssen. In seiner Antwort fertigte der Kultusminister von Wehner die Beschwerden mit folgenden merkwürdigen Sätzen ab: „Die israelitischen Kultusgemeinden müssen für die Lehrer ihrer Elementarschule das gleiche Grundgehalt bereitstellen wie die öffentlichen Gemeinden für ihre Schulen. Die israelitischen Schullehrer erhalten auch nach Maßgabe ihrer Dienstzeit die gleichen Dienstalterszulagen wie andere Lehrer und nehmen auch an der Pensionskasse teil. Abg. Bühler hat, scheint es, auch die israelitischen Religionslehrer mitgerechnet." Herr v. Wehner ist immer ungeduldig, wenn die Rede auf die Juden kommt. Merkwürdig, sehr merkwürdig! . . '. Im übrigen dürfte derselbe die längste Zeit die Kültus-Angelegenheiten Bayerns,verwaltet haben. * ‘ Die Jungtürken haben Glück. Ein Gefühl der Erleichterung und Zufriedenheit geht durch Europa, ein weitreichender moralischer Kredit wird sowohl der Reformpartei als auch dem Sultan eröffnet. Man schwimmt in Versöhnungsstimmung. Die Sonne steht so hoch, daß alle Schatten verschwinden, und jeder sucht sich das sonnige Plätzchen aus, das ihm am besten behagt. Möchten nun auch die türkischen Juden aus ihrer Lethargie erwachen und dafür sorgen, daß sie bei Verteilung der politischen Güter nicht zu kurz kommen. Wie die Zeitungen berichten, hat der Scheich ul Islam, also der höchste geistliche Würdenträger, in der Unterredung mit einem Politiker zugegeben, daß nunmehr das Vorrecht des Kriegsministers für Mohammedaner .aufhöre und auch Christen in die Armee eintreten könnten. „Die gleiche Geltung aller Glaubensbekenntnisse sei vonder Verfassung vorgeschriebe:: und widerspreche nicht dem Geiste des Korans." Der allgemeine Eindruck, den