Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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aützgedehnt werde- und mittder Bitte an den Gemeindetag, sofort Schritte im Interesse Marburgs zu tun. - Der Vorsitzende ist inzwischen bei. der Regierung in der Sache vorstellig geworden. Die Hauptversammlung des israelitischen Altersheims itr Westfalen reihte sich an. d. Franlfnrt a. M., 26. Juli. Während zahlreiche Städte Milchküchen für die, Säuglinge der ärmeren Bevölkerung schon seit Jahren eingerichtet habenunter anderen auch die Nachbarstadt Offenbach und zum Beispiel Köln 1200 Säuglinge mit einem städtischen Zuschuß von 26 000 Mark jährlich versorgthat die Frankfurter Bevölkerung bis jetzt eine derartige kommunale Anstalt entbehren müssen. Seit einem Jahre allerdings besteht eine Säuglingsmilchküche in der Königswarterstraße; diese ist jedoch eine Privateinrichtung und in erster Linie für die Säuglinge der armen jüdischen Bevölkerung bestimmt. Immerhin ist ihre Errichtung derartig mustergültig und ihre Erfolge so in die Augen springend, daß sie es verdiente, bald in größerem, der Gesamtbevölkerung zugute kommenden Maßstabe nachgeahmt zu werden. Sie wird nach den Grundsätzen geleitet, nach welchen anderwärts solche Anstalten eingerichtet sind und die sich dort bewahrt Habens So steht die Milchküche vor allem in Verbindung mit einer Säuglingsfürsorgestelle, in welcher die Säuglinge respektive deren Mütter hinsichtlich Pflege und Ernährung beraten werden. Den Hauptnachdruck legt man mit Recht darauf, zu verhüten, daß nicht durch die bequeme Lieferung von einwandfreier Säuglingsmilch den Müttern eine Anregung gegeben wird, das Selbststillen einzustellen. Vielmehr wird durch den Armenarzt, die Hebammen, eventuell durch freiwillige weibliche Hilfskräfte darauf hingearbeitet, daß die Mütter, soweit sie in der Lage sind, selbst ihr Kind stillen. So wurde es erreicht, daß von den in Fürsorge stehenden Kindern etwa 80 Prozent gestillt wurden, davon 5v Prozent länger als sechs Monate. Erst wenn die natürliche Ernährung nicht möglich ist, was durch ein ärztliches Zeugnis nachgewiesen werden muß, wird Milch aus der Säuglingsküche gewährt. Die Milch selbst kommt aus einem hygienisch einwandfreien Betrieb, sie wird fortlaufend kontrolliert und auf Temperatur, Schmutzgehalt, Bakterienzahl und Fettgehalt geprüft. Sie wird dann sterilisiert und in trinkfertige Einzelportionen abgegeben. Die Herstellung der einzelnen Mischungen erfolgt auf ärztliche Anweisungen. ' Die Erfolge der Milchküche bei den meist schlecht ernährten und schwächlichen Kindern waren recht gute, die meisten nähmen an Gewicht beträchtlich zu. — Nauheim, im Juli. Der Rechenschaftsbericht des hiesigen Israelitischen Frauenheims, dessen Verwaltungssitz in Frankfurt a. M, ist wieder ein Zeugnis für das segensreiche Wirken dieses Instituts, dem edle Gönner es auch im abgelausenen Jahre durch ihre Spenden ermöglichten, 50 herz- und rheumatismuskranke Frauen in der Anstalt zu verpflegen und ihnen Heilung oder Linderung ihrer Krankheiten zu verschaffen. Die Heilquellen Nauheims bergen den Balsam zur Heilung der tückischen Krankheiten, welche oft ungeahnt die Menschen überfallen und sie zu erdrücken suchen, und dürste es Pflicht der Gesunden und Neichen sein, den Armen die Mittel zu gewähren, den Kampf gegen den Feind der menschlichen Organe aufzunehmen, sie vom Verderben zu retten und wieder arbeitsfähig zu machen. Möge sich der Gönnerkreis immer weiter vermehren und der Vorstand dadurch in die Lage gesetzt werden, der großen Aufgabe auch fernerhin gewachsen zu sein. Die Einnahmen des Vereins betragen 10 396,95 Mark, die Ausgaben 9179,21 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Felix Kaufmann, Michael M. Mainz, ^Arthur Oppenheimer, Max Schott, Jakob Schwarzschild und der Ehrendame Frau H. Grünbaum, Nauheim. ä. Mannheim, 27. Juli. Ein peinlicher. Vorgang vollzog sich hier in letzter Woche. Zur Wahl eines sreigewordenen dritten Bürgermeisterpostens war der in den städtischen Angelegenheiten gut bewanderte seitherige städtische Rechtsbeistand Herr Stadtsyndikus Dr. Landmann vorgeschlagen worden. Er war der einzige ernstlich in Betracht kommende Kandidat- Bei der Abstimmung aber entfielen auf ihn nur die sämtlichen sozialdemokratischen Stimmen und solche eines Teiles der Demokraten und Freisinnigen. Der Rest des Bürgerausschusses gab weiße Zettel ab. Infolgedessen erhielt Herr Dr. Landmann nicht die nötige Mehrheit. Es ist dieser Wahlausfall um so bedauerlicher, als einerseits Herr Dr. Landmann ein äußerst tüchtiger Herr ist, anderseits es in liberalen Kreisen offen ausgesprochen wird, daß der Durchfall erfolgte,' weil Dr. Ländmantt Jude sei. Nachdem er. erklärt hatte, daß er für den zweiten Wahlgang die ihm angebotene Kandidatur zurückziehe, ist an Dr. Landmanns Stelle ein christlicher Herr gewählt worden, auch ein Jurist, der hier Landgerichtsrat gewesen. Dieser bedauerliche Vorgang bildet das Tagesgespräch in jüdischen Kreisen. — Die Nachricht, daß Stadtrabbiner Dr. Steckelmacher seine Demission geben wolle, ist absolut unwahr. Man kann sich ungefähr denken, von welcher Seite diese Ausstreuungen kommen. o. Lörrach, 20. Juli. Innerhalb kurzer Zeit hat die hiesige jüdische Gemeinde den Verlust dreier wackerer Männer zu beklagen, die inmitten ihrer kirchlichen und nicht zum wenigsten der gesamten politischen Gemeinde als treffliche Männer bekannt waren. Am letzten Dienstag schloß sich das Grab über dem im 64. Lebensjahr stehenden Josef Nordmann, der es wohl verdient, an dieser Stelle gewürdigt zu werden. Ein liebevoller Familienvater, der in der Sorge um seine Familie aufging, bedeutete er in der israelitischen Gemeinde eine ganz hervorragende Persönlichkeit, dessen wohlerwogener. durch langjährige Erfahrung bewährter Rat hochgeschätzt und oft begehrt war. Was er hier war, sagt am besten der Großherzogliche Oberrat der Israeliten in Karlsruhe in einem an die Hinterbliebenen gerichteten Beileidsschreiben, in welchem es unter anderem wörtlich heißt: > . . . Wir betrauern in ihm einen der dienstältesten und bewährtesten Ehrenbeamten der Landessynagoge, der als Vorsteher der israelitischen. Gemeinde Lörrach und seit 1830. als Mitglied der Bezirkssynagoge Sulzburg vermöge seines vortrefflichen Charakters, seiner reichen Erfahrungen, seines gerechten und milden Sinnes stets unser volles Vertrauen genossen hat. Sein Name wird stets unter den besten Männern^ der Landessynagoge genannt werden" . . . Ein schöneres und besseres Zeugnis ist wohl noch nicht oft ausgestellt worden. Und in der Tat, der gerechte, milde und versöhnliche Sinn des Verstorbenen brachte ihm die allgemeine Achtung nicht nur seiner Glaubensgenossen, sondern aller derjenigen, die ihn kannten und mit denen er zu tun hatte. Das Vertrauen seiner Mitbürger berief ihn auch in den Bürgerausschuß, dem er lange Jahre hindurch angehörte. Der freundliche, ruhig seines Weges gehende, zielbewußte Mann hat ein gutes Andenken hinterlassen, das ihm allseits noch lange über das Grab hinaus erhalten bleiben wird. Er ruhe in Frieden! o. Stuttgart, 23. Juli. Der Vorstand des Verbandes der Tierschutzvereine des deutschen Reiches hat wie an alle anderen Bundesstaaten, so auch an die König!. Württembergische Negierung das Ersuchen gerichtet, die Betäubung der Schlachttiere vor der Tötung allgemein anzuordnen. Daraufhin hat die israelitische Oberkirchenbehörde auf Bitten aller Gemeinden des Landes einen Bericht an das Königl. Kultusministerium gerichtet und gebeten, darauf hinzuweisen, daß die Juden in der Ausübung eines ihrer religiösen Gebote nicht gehindert werden. Durch Erlaß vom 10. d. M. macht das Kultusministerium der Oberkirchenbehörde die Mitteilung, daß nach einer Mitteilung des Ministerium des Innern vom 3. d. M. die Eingabe der Tierschutzvereine keinen Anlaß zu einer Aenderung der württembergischen Vorschriften über das Schlachten nach jüdischem Ritus gegeben hat. Auch wird für den Fall einer künftigen Aenderung der bezeichneten Vorschriften dem Wunsche der Israelitischen Oberkirchenbehörde nach vorgängiger Anhörung seitens des Ministeriums des Innern Rechnung getragen werden. — Sanrbnrg, 20. Juli. Vor kurzem wurde hier eine jüdische Hochzeit gefeiert, an welcher zirka 100 Personen teilnahmen. Am anderen Tage ' erkrankten die meisten Festteilnehmer unter Vergiftungserscheinungen und Magenbefch werden, so daß sofort ärzjliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Es wurde feslgestellt, daß die Erkrankung auf den Genuß von Fischen. zurückzuführen sei, welche in einem kupfernen Kessel gekocht worden' waren. Wahrscheinlich hatte sich in demselben Grünspan angesetzt. Nach Aussage der Aerzte wäre die Sache gefährlich geworden, wenn, man nicht so viel Mineralwasser getrunken hätte.. Jetzt.geht es den Kranken zum Glück wieder besser, und in einigen Tagen werden alle wieder hergestellt sein. Dieser Vorfall sollte aber allen zur Warnung dienendaß sie sich vor dem Gebrauch von Kupfergeschirr, sofern es nicht sorgfältig vorher gereinigt und geputzt ist, hüten. .»» feg*—^