Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- Seite 368 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gern möchte sie ihrem geweiheten Altar auch Blu men streuen. Aber nur Wintergrün.keine duftende Veilchen! Keine Jasminen! Keine Rosen! Bescheiden furchtsam. Theuerste Gönner! eröffnen wir also zum ersten Male unsere Bühne. Die Zuversicht, die wir haben, daß Sie allerseits, Verehrungswürdigste! uns als ungeübte Schüler, von denen man Meisterstücke nicht erwarten kann, mit Nachsicht beurtheilen werden, macht uns Muth, den „Mißtrauischen" von Weiße vorzustellen. Wie vergnügt, wie belohnet genug würden wir seyn, wenn wir durch diese Probe den Beifall guter Menschen verdienen, wenn unsere Absicht, die nicht Eigennutz, sondern Ausbildung unseres Geschmacks und Herzens sucht, nicht gemißdeutet wird. Denn alsdann nur würden wir mit vereinigten Kräften und mit gestähletem Eifer uns mehr und mehr zu vervollkommnen, und Ihre uns so schätzbare Gewogenheit immer mehr und mehr zu verdienen, und endlich dann auch den noch von Vielen bezweifelten Satz zu bestätigen suchen, daß — daß — daß ein guter Jude auch ein guter Mensch sey." Hierauf folgte das Stück selbst, welches folgendermaßen besetzt war: Arist, der Mißtrauische gegen sich selbst ..Herr Herz, der ältere Cleanth, sein Freund, ein Stutzer Herr Herz, der jüngere Geronte, ein alter Kaufmann . . Herr Moses Levin Philipp, Cleanths Bedienter . . Dem. Simcha Juliane, eine junge Wittwe . . Dem. Sara Herz . Alle Zuschauer, die billig genug waren, diese lehrbegierigen Anfänger aus dem gehörigen Gesichtspunkte, das ist, als Anfänger, zu beurtheilen, und die nicht geringen Schwierigkeiten, die sie vor der Hand noch zu überwinden haben — das sehr kleine Theater ist hierunter nicht eines von den kleinsten — in Erwägung, zu ziehen, haben ihnen ihren nachsichtsvollsten Beifall nicht versagen können: ja! sie haben alle' ihre Erwartungen übertroffen gefunden." II. Jüdische Soldaten. Bekanntlich sehen es die radikalen Antisemiten auch heute noch, im höchsten Grade ungern, daß die jüdischen Mitbürger wie alle übrigen Konfessionen ebenfalls der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen sind. Sie möchten am liebsten, daß das alte Gesetz wieder zu Ehren käme, welches den Juden den Dienst im Heere verbietet. Dieses Gesetz herrschte in fast allen . Staaten Europas'bis zum Anfänge des vorigen Jahrhunderts, vereinzelt sogar noch länger. Ein Vorwand dafür wurde in der Weigerung der streng orthodoxen Juden gefunden, welche ihre Zeremonialgesetze beständig als Grund anführten, keine Kriegsdienste zu leisten. Nur Oesterreich bildete eine Ausnahme, denn Kaiser Joseph II., welcher als aufgeklärter Monarch den Juden überhaupt viele Vergünstigungen gewährte, ließ im Jahre 1788 die Juden, nachdem ihnen das Bürgerrecht verliehen, infolge dessen auch zum Heeresdienst heranziehen. Daß aber auch schon vor dem hier angeführten Zeitpunkt vereinzelte Juden freiwillig Kriegsdienste suchten, beweisen verschiedene Berichte der Zeitgenossen. In der „Berlinischen Monatsschrift" (heräusgegeben von Gedike und Biester), einem wissenschaftlichen Organ, welches ganz besonders für Aufklärung zu wirken suchte und auch verschiedene der berühmtesten jüdischen Schriftsteller jener Zeit, wie Moses Mendelssohn, Friedländer, Maimon usw., zu seinen Mitarbeitern zählte, findet sich in Band 6, Jahrgang 1785, im Augustheft Seite 167 und 168 ein Brief aus Straßburg vom Juni desselben Jahres datiert, welcher lautet: „Vor einigen Tagen starb allhier ein tapferer Soldat vom Regiment äe k'oix. In seinen letzten Zügen wollte er keinen Geistlichen -anhören, sondern verlangte Leute von unserer^) Nation, weil er als Jsraelite geboren sei, und als ein solcher auch sterben wollte. Man gewährte ihm seine Bitte,' allein er verschied, ehe die gerufenen Leute hinzutraten. Gleich darauf gab derKommandant Befehl, ihn nicht zuberühren, sondern ihn derBeerdigung und Zeremonie unserer Nation völlig zu überlassen, welches auch wirklich geschah. Ob es über aus Aufklärung oder aus Absprechung der Seligkeit des Verstorbenen geschehen, daß sich kein katholischer Christ mit dem Leichnam befassen sollte, ist Nicht entschieden. Solche Beispiele sind wichtig, um zu zeigen, daß jetzt Juden freiwillig in den Kriegsstand treten, welches man für unmöglich hält, und wovon sich mehr Fälle finden." Diesem Bericht fügt einer der Herausgeber (Biester) folgende Anmerkung hinzu: „In Berlin war beim Woldeckschen Regiment ein Jude vier bis fünf Jahre gemeiner Soldat, und machte auch den ganzen Feldzug von 1778 * 2) mit. Er verrichtete allen Dienst sehr gut und genau, obgleich er sich immer, Und zwar öffentlich zur Religion seiner Väter bekannte. Auch beim Thünaschen Regiment war vor ungefähr acht Jahren ein Jude während ein paar Jahren Soldat, namens Dehseld." Aus den verschiedenen Beispielen, welche sich noch anführen ließen, sei eines erwähnt: Der berühmte österreichische Reichsfreiherr Joseph von Sonnenfels, kaiserlich königlicher Rat, wirklicher Hofrat, welcher sich durch seine Verbesserungen im österreichischen Gerichts-, Polizei- und Finanzwesen große Verdienste3) erworben hat, wurde 1733 zu Nikolsburg in Mähren von jüdischen Eltern geboren (sein Vater ging zum Christentum über), und trat als sechzehnjähriger Jüngling 1749 in das Regiment Deutschmeister, welches damals in Klagenfurt stationiert war, als Rekrut ein und verblieb in demselben fünf Jahre. Er verließ das Regiment 1754 als Unteroffizier. Sonnensels hieß damals noch Joseph Wiener. Im Jahre 1813 traten in Preußen allein 300 Juden freiwillig in das Heer ein und machten die Befreiungskriege mit. Viele fochten mit Auszeichnung und wurden mit dem eisernen Kreuz dekoriert. (Von der „Gesellschaft der Freunde" in Berlin nahmen vier Mitglieder an den damaligen Feldzügen teil, von denen drei als Leutnants zurückkehrten.). Man darf somit wohl annehmen, daß die Juden schon in früheren Zeiten gute Soldaten geworden wären, wenn man sie zum Militärdienste herangezogen hätte. Von der Uusltrllung jüdischer Lsuten und Lultusgegenltände?u Düllrldork. Von Rabbiner Dr. Samuel-Essen. ^^^ie Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die ihren Sitz in Frankfurt a. M. hat, ihre Sammlungen aber vom Direktor des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums, Herrn Frauberger, verwalten läßt, veranstaltet zurzeit eine erstmalige' Ausstellung ihrer Schätze. Der Katalog weist 1505 Nummern aus. . .. I) Diese Nachricht ist den Herausgebern der „Berlinischen Monatsschrift" selbstverständlich von jüdischer Seite, wahrscheinlich von einem Abonnenten, zugegangen. . 2) Bayerischer Erbfolgekrieg. 3) Infolge seiner Schrift: „Ueber die Abschaffung der Tortur", Zürich 1755, wurde in Oesterreich die Folter aufgehoben.