Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228829--64733-3276810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

klnb. der Thüringische Automobilklub, die Firma Siemens L Halske und die Vereinigung der Oesterreichischen Petroleum-Industriellen Beiträge zu der Bronzedenktafel zur Verfügung gestellt. Nach dem ersten Entwurf zeigt die Denktafel das von einer Lorbeerranke umrahmte Bildnis von Marcus. Links daneben sieht man sein erstes Automobil vom Jahre 1875. Rechts davon fährt ein moderner Rennwagen durch die Landschaft. Im Hintergründe dieser beiden Automobile ragen Schornsteine empor, die auf die neue Automovili ndustrie hindeuteu. Im Vordergründe liegen zwei gefesselte Sphinxe, die erstaunt auf die neuen Fahrzeuge blicken. Sie verkörpern das Naturgeheimnis, dem der Erfinder seine Erfolge entlockt hat. Die Inschrift der Tafel wird lauten: «Geburtshaus von Siegfried Marcus, Erfinder des Automobils, geb. 18. September 1831." So berichtete, wie gesagt, der hiesige „General-Anzeiger" am4.d.M. Aber schon am darauffolgenden Tage mußte er die nachfolgende Notiz bringen: «Zu unserem Bericht in letzter Nummer betreffend „Marcus-Denktafel" teilte Herr Kürschnermeister Michaelsen Hierselbst uns mit, daß an seinem Hause eine Gedenktafel nicht angebracht werden wird." Man kann sich ungefähr die Gründe denken, die zu dieser Ablehnung der Ehrentafel für einen Juden-geführt haben. i. Dresden, 8. Juli. Der Verwaltungsbericht und die Jahresrechnung der israelitischen Religion s gemeind e auf das Jahr 1907 ist wie stets, so auch diesmal von allgemeinem Interesse. Durch das Gesetz, die israelitischen Religionsgemeinden betreffend, vom 10. Juni 1904, und die Ausführungsverordnung dazu vom 29. Juni 1904, sind die Verhältnisse der sächsischen Gemeinden auf eine ^gemeinsame gesetzliche Grundlage gestellt und diese als öffentlich-rechtliche Korporation mit dem Recht der Steuererhebung anerkannt worden. Das diesem Gesetz entsprechende neue Statut der israelitischen Religionsgemeinde Dresden ist nach erfolgter Bestätigung des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts am 1. Januar 1907 in Kraft getreten. Die Zusammensetzung des Gemeinderats war folgende: a) Vorsteher: Adolph Salzburg, Max Elb, Oscar Lesser; b) Deputierte: Max Hinzelmann, Julius Hirsch, Max Levi, Eduard Richard Mattersdorff, Rechtsantvalt Dr. Carl Mendel, Carl Meyer, Julius Salinger. Gustav Tuchler, Dr. med. Emil Zimmermann. Das Königreich Sachsen zählt nach der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1905 insgesamt 4 508 601 Einwohner, darunter 14 697 Juden ----- 0,32 Prozent, gegen 4 202 216 beziehungsweise 12 416 nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 — 0,29 Prozent. Diese verteilen sich auf die einzelnen israelitischen Religionsgemeinden wie folgt: Annaberg 147, Bautzen 75, Chemnitz 1569, Dresden 3931, Leipzig 7958, Plauen 609, Zittau 197, Zwickau ^231; Summa 14 697. Uebertritte zum Judentum fanden statt 1. Austritte aus dem Judentum 4. Der Haushaltungsplau der Gemeinde ergab für das Jahr 1907 einen Kultussteuerbedarf von 61 380 Mark. Der Gesamtbetrag der auf die 816 israelitischen Einkommeusteuerpflichtigen des Gemeindebezirks nach den bei Festsetzung des Prozentsatzes vorliegenden Mitteilungen des Rats zu Dresden und der Eemeindevorstände betrug insgesamt 387 406,00 Mark. Der Bedarf an Kultussteuer beträgt nach dem. von der Königlichen Kreishauptmannschaft genehmigten Haushaltsplan auf das Jahr 1908 60 830 Mark. Ter Verordnung des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 26. April 1884 und der Eeneralverordnuug derselben Behörde vom 16. Juni 1905 entsprechend ist den Direktoren der Bezirks- und Bürgerschulen und der höheren Lehranstalten von dem Eintritt eines Kindes in den Religionsunterricht Anzeige zu machen; ferner sind am Schlüsse jedes Halbjahres Zensuren über die Religionskenntnisse an die Direktoren einzusenden, wo sie sodann in den Schulzeugnissen Berücksichtigung finden. Diese Vorschrift bezieht sich auf alle Kinder im schulpflichtigen Alter, gleichviel ob sie Bezirks-, Bürgerschulen und höhere Lehranstalten besuchen und ob sie den Religionsunterricht in der Religionsschule oder von Privatlehrern empfangen. Die Durchführung dieser Maßnahmen hat umfangreiche Erhebungen nötig gemacht, von deren Ergebnissen das Folgende von Interesse sein dürfte. Die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder von Dresden beträgt 217 Knaben, 195 Mädchen, Summa 412. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen 106013.46 Mark, die Ausgaben 94676,21 Mark. M. Hamburg, 15. Juli. Gustav Plaut, eines der ältesten und angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Verblichene hatte früher seinen Wohnsitz in 'Nordhausen; als er sich vor etwa 20 Jahren von den Geschäften zurückzog, verlegte er diesen nach Hamburg,-und hier war Gustav Plaut stets bereit, aus seinen reichen Mitteln die Not der Armen und Bedürftigen zu lindern; auch die Unterstützung gemeinnütziger Institutionen der Gemeinde machte er sich zu seiner Lebensaufgabe. Aber nicht nur den Bedürftigen unserer Gemeinde war er ein Helfer, nein als echter Philantrop griff er überall ein, wo es galt, wirksame Hilfe zu bringen, als Mitverwalter der Plantschen Familienstiftung, die mit Millionen von Mark dotiert ist, standen dem Verblichenen für alle Zweige der Wohltätigkeit große Mittel zur Verfügung. D..s Hinscheiden des edlen Greises, der sich in allen Schichten der Bevölkerung großer Achtung erfreute, erregte denn auch überall aufrichtige Teilnahme. Die Bestattung, die vom Sterbehause Neuer Jungfernstieg aus stattfand, gestaltete sich zu einer bedeutenden Trauerkundgebung. Groß war die Zahl der Leidtragenden, die sich zur Trauerseier eingefunden. Außer den Mitgliedern des Gemeinde- Vorstandes war auch Herr Oberräbbiner M. Hirsch, die Herren Rabbiner Dr. Löwenthal, Prediger Dr. Leimdörfer und Dr. Rieger anwesend, ferner Delegierte zahlreicher gemeinnütziger Anstalten und Wohltätigkeitsinstitutionen. Auch die Gemeinde Nordhausen hatte eine Deputation zur Trauerfeier entsandt. Die Trauerrede hielt Herr Prediger Dr. Leimdörfer, der anknüpsend an einen Schrift- Vers, der Trauer und dem Schmerz tiesergreifenden Ausdruck gab, den die Bedrängten durch den Tod Gustav Plauts erlitten. Redner schilderte dann den Lebensweg des Verblichenen, der als ein echtes Mitglied der Familie Plaut seinen Lebenszweck darin sah, die Not der Armen zu lindern und die Tränen der Bedrückten zu trocknen. Die Rede war von tiefer Wirkung. Der Sohn des Verblichenen, Herr Dr. H. C. Plaut, hat sich.auch schon durch seinen edlen Wohltätigkeitssinn die Achtung und Liebe seiner Glaubensbrüder erworben. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die ergreifende Rede.. Der imposante Trauerzug bewegte sich? nach dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf. Nach Vortrag der rituellen Gebete und nach einem Segensspruch des Geistlichen wurden die irdischen Ueberreste des edlen Mannes in die Gruft gesenkt. ----- Braunschweig, 17. Juli. Von befreundeter Seite wird uns ein Schreiben mitgeteilt, das der Herzog-Regent von Braunschweig an Herrn Dr. Adolf Herzfeld, den ältesten Sohn unseres im Frühjahr verstorbenen Freundes und Mitarbeiters Felix Herzfeld, s. A., der übrigens vor kurzem seine militärische Uebung als Offiziers-Aspirant mit der Beförderung zum Vizefeldwebel beendigte, gerichtet hat. Dasselbe lautet: Kabinett Braunschweig, den 10. April 1908. Seiner Hoheit des. Herzog- Regenten des Herzogtums Braunschweig. Seine Hoheit der Herzog-Regent erteilte mir am gestrigen Tag den Auftrag, Ihrem Herrn Vater für die freundliche Uebersendung des Wortlautes der beiden im hiesigen Kunstklub gehaltenen Vorträge «Die italienische Literatur bis zur Neuzeit" Höchstfeinen besten Dank zu übermitteln. Nachdem ich in der heutigen Ausgabe der hiesigen Landeszeitung die Meldung von dem gestern erfolgten Ableben Ihres Herrn Vaters gelesen habe, bleibt mir nur übrig, Ihnen als dein Sohne des Heimgegangenen zu sagen, daß Ihr Herr Vater durch die Zusendung seines Geistesproduktes Seiner Hoheit eine aufrichtige Freude bereitet und in Höchstdessen Herzen ein lebhaftes Dankgefühl wachgerusen hat. (gez.) Schmid, General-Hofintendant und Vorstand des Kabinetts. An . Herrn Dr. Adolf Herzfeld, hier. 1. Dortmund, 19. Juli. Ueber das von der Königl. Regierung in Marburg erlassene Schächtverbot sendet uns nunmehr der Verband der Shnagogengemeiuden Westfalens folgendes Schreiben: Von der Königlichen Regierung in Minden , ist Bescheid ans unsere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.