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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 354 (sequence 8)
Language
German
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*w> 7•vstt-M der darin enthaltenen Dokumente berühren ein wichtiges, von der historischen Forschung bis nun übersehenes Kapitel der Geschichte der Juden im Herzogtum Warschau, auch im Königreich Polen (Kongreßpolen). Der Versuch einer religiösen und zugleich politisch-sozialen Emanzipation der Juden, seinerzeit von dem vierjährigen Reichstag der Republik Polen (1789—1793) eifrig diskutiert, wurde, wie wir aus den Denkschriften, Projekten und Briefen unserer Haudschriftensammlung ersehen, von der Regierung des Herzogtums Warschau im Jahre 1808 und noch entschiedener von der des Königreichs Polen in den Jahren 1815—1817 wieder ausgenommen. In der „Dases de la Konstitution du Doyaume äs Pologne“ (1815) ist folgender Passus über die Juden enthalten (Disposition' en faveur des Juifs): „La Nation Israelite conservera les droits civils. qui lui son dejä assures par les lois et les reglements actuellement en vigueur. Un rSglement particulier determinera les conditions, au moyen desquelles il sera facile aux Israelites d’obtenir une plus ample participation aux bienfaits sociaux.“ (David Friedländer an den Bischof von Kujawien Malczewski.) Ew. Excellenz haben so oft und mit so herablassender Güte meiner in den Briefen an meinen Sohn zu erwähnen geruht, daß es längst meine Schuldigkeit gewesen, dafür meinen ergebensten und gesühltesten Dank abzustatten. Um so begieriger ergreife ich die Gelegenheit, anliegende „Reden" Ew. Excellenz ehrfurchtsvoll zu überreichen. Ich bitte sie gnädig und mit Nachsicht als einen geringen Beweis meiner hohen Verehrung anzunehmen. Berlin, den 30. December 1815. Ew. Excellenz unterthänigster Friedlaender. Ew. Excellenz statte ich den gebührendsten Dank für den gnädigen Brief ab, den Hochdieselben an mich unt. Listen des vorigen Monats zu erlassen geruht haben; so wie ich das Zutrauen nach seinem ganzen Werth zu schätzen weiß, das erleuchtete und edle Männer in mich zu setzen belieben. Möchte es mir doch gelingen, es einigermaßen zu verdienen! Vor der Hand muß ich mich begnügen, mit einigen Schriften unterthänigst aufzuwarten, die die Angelegenheit der Israeliten überhaupt betreffen. — Es giebt freilich noch eine große Zahl, die für und wider die in Rede stehende Sache Partey genommen haben. — Aber eben, weil sie Partey nehmen, fehlt ihren Arbeiten, aller praktische Werth, und sie verraten eine solche Unkunde des Gegenstandes, wie er im 19 ten Jahrhundert ist, daß man behderley Schriftsteller ungelesen lassen kann. — Was läßt sich in unsren Zeiten nicht alles behaupten und widerlegen. Die Rüstkammern sind voll eben so alter als unnützer Werke, und die Herren sind so gelehrt, daß sie nur diese, aber keineswegs die wirkliche Welt, wie sie sich in neuerer Zeit gestaltet, kennen, daher die leeren Spiegelgefechte, von welchen weise Negierungen gar keine Notiz nehmen. Auch die Luedersche Schrift hätte können ungeschrieben bleiben: ich wollte eben nicht mit ganz leerer Hand erscheinen. Sobald es mir eine festere Gesundheit erlaubt, werde ich von der Freyheit Gebrauch machen, über die Israeliten in Pohlen meine Ansicht mitzuteilen und nieine Vorschläge zu ihrer Ver- ' besserung erleuchtetem Urtheil zu überlassen. — Ew. Excellenz können wenigstens versichert sein, daß ich nach meiner innigsten Ueberzeugung sprechen werde, wie es einem Israeliten zukommt, in dem kein Falsch ist. wirkliche Emanzipation der Juden dachte die Regierung keineswegs. Die Judenfrage blieb ungelöst. Die Juden des Königreichs Polen blieben weiter politisch rechtlos. Eine eingehende und ziemlich erschöpfende Behandlung erfährt diese interessante Periode unserer neueren Geschichte in meiner Arbeit: „Versuche der Emanzipation der Juden ini Herzogtum Warschau und Königreich Polen (1808 — 1810)", die demnächst in russischer Sprache erscheint. Auf das religiöse, moralische Lehrbuch, das ich beyfüge, werde ich mich nächstens eröffnen. Bis dahin empfehle ich mich Ew. Excellenz gnädigem Wohlwollen, und verharre mit der ausgezeichneten Hochachtung und Verehrung Berlin, den 9. Februar 1816. Ew. Excellenz' unterthänig ergebenster Friedlaender. Gnädiger Herr! Ew. Excellenz haben hoffentlich mein unterthäniges Schreiben vom 9. Februar nebst den Beilagen richtig erhalten. Ich hatte alles nach Hochdero Befehl an Banquier Fränkel adressiert. Geruhen Ew. Excellenz nunmehr auch in der Anlage das „Gutachten über die Reforni der Israeliten in Pohlen" gnädigst aufzunehmen. Ich habe nach meiner besten Ueberzeugung und mit Freymütigkeit den Gegenstand behandelt, weil ich weiß, daß dieses Ihren menschenfreundlichen Grundsätzen und Ihrer Wahrheitsliebe am angenehmsten ist, und daß nur auf diesem Wege auf Beifall und Nachsicht zu rechnen sei. Ohne den Wert meiner Arbeit zu überschätzen, darf ich mir schmeicheln, einige Punkte ans Licht gezogen zu haben, die bisher entweder ganz unbekannt geblieben oder doch nicht mit gehöriger -Klarheit vorgetragen worden sind. In dieser Rücksicht wäre ich nicht ungeneigt, dieses Gutachten mit Nennung meines Namens durch den Druck zu verbreiten, weil vielleicht andern Staats- - Verwesern und selbst meinen Mitbrüdern dadurch ein wahrer Dienst erzeugt wird. Es würde mir indessen angenehm sein, dazu die Erlaubnis zu erhalten, damit ich auf den Titel setzen könnte, es sei auf Veranlassung des hohen Gouvernements in Warschau verfaßt worden. Noch angenehmer wäre es mir, wenn ich zugleich die Freiheit erhielte, Ew. Excellenz gnädiges Aufforderungsschreiben in französischer Sprache d. d. 21. Januar Vordrucken zu lassen. Durch diese ehrenvolle und gnädige Zuschrift würde die beabsichtigte Wirkung am besten hervorgebracht werden. Geruhen Ew. Excellenz mich bald mit Hochdero Antwort zu beehren und die Versicherung meiner Verehrung und Dienstbeflissenheit wohlwollend aufzunehmen. Ich ersterbe jeder Zeit Gnädiger Herr Hochdero unterth. gehorsamster Stadtrath Friedlaender. Berlin, den 11. März 1816. Bit Emanzipation der Juden in England. Von Dr. M. Heim. II. monatelang dauerten die Konferenzen zwischen den Ausschußmitgliedern des Unterhauses und denen des Oberhauses über die Judenbill, ohne daß es jedoch gelingen wollte, den Widerstand der steifnackigen Lords zu brechen; doch bröckelte die Opposition derselben immer mehr ab, und als sie sahen, daß ihr Widerstand doch nutzlos war, so dachten sie nur daran, sich einen anständigen Rückzug zu sichern. Die ganze Engherzigkeit, kleinliche Gesinnung und die gehässigen Absichten der Torrhs traten dabei in eklatanter Weise zutage. Für die Herren .kam es nur hauptsächlich darauf an, den Schein zu retten, darum machten sie die krampfhaftesten Anstrengungen, um ein wenig Aufschub zu erlangen und eine neue Form zu schaffen. Nach zehnjährigem Widerstand gegen die Volkskammer gaben die Lords endlich zögernd nach, zumal sie dessen immer mehr inne wurden, daß sie, deren Autorität aufs tiefste erschüttert war, in einem weiteren Kampfe mit dem Unterhause

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