Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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überreichen, - die nachstehenden Wortlaut trägt: „Unserm für das Blühen und Gedeihen des Hassiabezirks Worms seit 25 Jahren unermüdlich tätigen Vorsitzenden, Herrn Hauptmann d. L. a. D. Jos. Gernsheim überreichen wir heute bei seiner und des Bezirks Jubiläumsfeier unter dem. Ausdruck treu kameradschaftlichen Dankes diese Erinnerungstafel. Möge es dem Jubilar noch recht viele Jahre vergönnt sein, an der Spitze unseres Bezirks erfolgreich zu wirken. Die Vereine des Hassiabezirks Worms." Diese Ovation fand nun gestern Abend statt. Es hatten sich alle militärischen Behörden und zahlreiche Ehrengäste eingefünden. Nach einer Serenade und verschiedenen Liedern und Märschen überreichte der zweite Vorsitzende des Bezirks, Kamerad Antz, dem Jubilar die Gedenktafel mit folgenden Worten: „Hochverehrter Herr Hanptmaun! Präsidialmitglied der Landeskriegerkameradschaft Hassia und Bezirksvorsteher des Bezirks Worms! Es gereicht mir zur besonderen Ehre und Freude, im Namen des ganzen Hassiabezirks Worms heute nach 25 Jahren an Ihrem Jubiläumstage als Präsidialmitglied und Bezirksvorsteher gratulieren zu dürfen. Einmütig erkennt der Bezirksvorstand, alle Präsidenten, Vorstände und Mitglieder Ihre ritterliche, in Treue und Ergebenheit für Kaiser, Fürstund Vaterland vollzogene Arbeit an. Sie waren stets ein wohlwollender, mit Milde waltender und durch unsere freie Wahl erkorener Präsident. Rastlos und unermüdlich haben Sie zu dem stolzen Bau des Hassiaverbandes beigetragen, und wir sehen heute in voller Anerkennung die Früchte Ihrer Arbeit freudig an. Aber nicht Sie allein waren es, der das vollbringen konnte, sondern Ihre von uns hochgeachtete Frau Gemahlin trug dazu bei, indem sie für das gesundheitliche Wohl des Gatten sorgte, so daß er seine nicht so leichte Arbeit bei uns in voller Frische vollziehen konnte. Hochgeehrter Herr Hauptmann! Alles was wir heute bieten, ist der volle von Herzen kommende Dank, der Ausdruck unserer innersten Gefühle. Nehmen Sie diese bescheidene Ovation und dieses von den Kameraden des Bezirks Worms gestiftete Ehrendiplom als sichtbares Zeichen unserer vollsten und vorzüglichsten Anerkennung. Wolle Gott, daß Sie uns noch recht lange in guter Gesundheit als Präsidialmitglied und Bezirksvorsteher vorangehen werden mit dem Wahlspruch: Mit Gott für Kaiser, Fürst und Vaterland. Mit einem dreifachen Hoch auf den Jubilar schloß der Redner. Herr Hauptmann Gernsheim dankte sichtlich ergriffen und versprach, auch fernerhin seine Kräfte in den Dienst des Bezirks zu stellen. — Worms, 9. Juli. Der Jahresbericht des Israelitischen Unterstützungsvereins für das 47. Vereinsjahr hebt hervor, daß die Ansprüche an den Verein gegen das Vorjahr eine nicht unbeträchtliche Steigerung erfahren haben. Während im vorigen Jahre 1907 Personen zu unterstützen waren, belief sich die Zahl derselben in diesem Jahre auf 2117, somit 210 Personen mehr. Demzufolge erhöhten sich die Ausgaben von 4345.55 Mark auf 4793,20 Mark, also 447,65 Mark mehr. Wie aus den weiteren Angaben zu ersehen, blieb die Zahl der ausländischen Hilfesuchenden so ziemlich dieselbe, während diejenige der Bedürftigen .aus der nächsten Umgebung sowie in der Gemeinde selbst ganz erheblich gestiegen ist. Die erhöhten Anforderungen an die Kasse resultieren teils aus der Verschlechterung der Erwerbsbedingungen, teils aus der teurer gewordenen Lebenshaltung. Die Einnahmen betrugen 6503.88 Mark, die Ausgaben 5799,75 Mark, das Gesamtvermögen 38 083,45 Mark. Die Verwaltung besteht aus den Herren: Dr. A. Stein, Vorsitzender; Hermann Herz, Rechner; L. Oppenheimer, Schriftführer. Die Verteilungskommission: R. Dosenheimer, Salom. Honig, Sigmund Liebmann, August Scheftel. Beigeordnete: Leo Baherthal, I. Bodenheim, Rudolf Scheuer. ---- Stuttgart, 9. Juli. Der im vorigen Jahre ergangene Aufruf für ein Berthold Auerback-Denkmal hat den Erfolg gehabt, daß die zur Errichtung des Denkmals nötigen Mittel nach kurzer Zeit beisammen waren. An der Spitze der Beitragenden stehen König Wilhelm II. von Württemberg und der inzwischen verewigte Großherzog Friedrich I. von Baden. Im Auftrag des letzteren hat gleich nach Auerbachs Tod der Bildhauer Professor H. Volz in Karlsruhe eine überaus lebensvolle Büste modelliert. Nach dieser wird der Künstler nunmehr eine überlebensgroße Erzbüste schaffen, die sich auf einem Unterbau .von Schwarzwaldgranit erheben wird. Das Denkmal, dessen Aufstellung im Mai 1909 erfolgen soll, wird sich bei dem Lieblingsplatz des Dichters erheben, gegenüber der noch zu seinen Lebzeiten ihm zu Ehren gepflanzten Linde in den Kursaalanlagen in Cannstatt. r. Stratzburg i. Elf., 9. Juli. Die infolge der Auflösung des unterelsässischen Konsistoriums notwendig gewordene Neuwahl von sechs weltlichen Mitgliedern vollzog sich in aller Ruhe. Nur acht Bewerber kandidierten. Von diesen wurden vier bei der Hauptwahl am 14. Juni und zwei, in der Nachwahl am 28. gewählt. Das Konsistorium besteht nunmehr außer dem Oberrabiner aus den Herren I. Klein-Bischheim (früheres Mitglied), Fabrikant Stein (früheres Mitglied), Kommerzienrat Kauffmann, Rechtsanwalt Dr. Schmoll und I. Gentzbourger. — Bei den Gemeinderatswahlen wurden hier drei jüdische Mitbürger gewählt, das bisherige Mitglied Fabrikdirektor Max Frank, sowie der Präsident der israelitischen Verwaltungskommission, Herr Marc Blum, und Rechtsanwalt Fritz Meyer. Auch in den übrigen Gemeinden. des Landes wurden vielfach Glaubensgenossen in den Gemeinderat gewählt. Doch fehlte es an einzelnen Plätzen nicht an antisemitischen Hetzereien; so wurde in Quatzenheim von den drei bisherigen jüdischen Mitgliedern keines wiedergewählt und in Maursmünster, wo der Wahlkampf sehr heftige Ausfälle gegen die Juden zeitigte, wurden der jüdische Bürgermeister und das andere bisherige Mitglied des Gemeinderats gleichfalls nicht wiedergewählt. --- Mülhausen i. Elf., 9. Juli. Der Jahresbericht der. Israelitischen Gewerbeschule für das Jahr 1907 teilt mit, daß die Anstalt 33 Schüler aufweist, die sich auf die verschiedensten Handwerke verteilen. Bei der in Metz veranstalteten Elsaß- Lothringischen Lehrlingsarbeiten - Ausstellung hat das Preisgericht den vier teilnehmenden Schülern, zwei Zeichnern, einem Schneider und einem Elektrotechniker, je einen zweiten Preis zuerkannt, und die Industrielle Gesellschaft hat gelegentlich der Zeichnungs-Ausstellung drei Schüler mit Auszeichnungen bedacht. Die Einnahmen betrugen 16 296,72 Mark, die Ausgaben 16 244,53 Mark, so daß ein Ueberschuß von 32,19 Mark vorhanden ist. Das Institut, das 1842gegründet und 1850 als gemeinnützige Anstalt anerkannt worden ist, verfolgt den Zweck, den Klein- und Hausierhandel auf dem Lande zu bekämpfen" und unter der ärmeren jüdischen. Bevölkerung des Oberelsaß die Liebe zum Handwerk zu wecken und zu fördern. Mitglieder des Verwaltungsrats dieses gemeinnützig wirkenden Instituts sind die Herren: Lazare Lantz, Präsident; Heinrich Wallach, Vize-Präsident; Gaston Lantz, Schatzmeister; Julius Bernheim, Schriftführer; Felix Blum, Rabbiner; Heinrich Lion, Verwalter; Dr. Samuel, Arzt; Dr. Elias. Arzt; B. Moch, M. Cahen, Emil Lantz, Mathias Pattegay, Julius Wolf. * Oesterretch-Ansarn. □ Wien, 13. Juli. Bei uns geht es toll zu — man traut oft seinen Augen nicht, wenn man am Morgen die Blätter liest. So hat neulich im Herrenhause der frühere österreichische Ministerpräsident Graf Franz Thun in einer Rede gegen Wahrmnnd sich — auf die Affäre Rohling zu berufen den Mut gehabt. Kanonikus Rohling, der Professor an der Universität Prag, hatte den Talmud nach seiner Weife — „authentisch" meint Graf Thun. — übersetzt und damit dem Antisemitismus Vorschub geleistet. Als er hierauf von Dr. Bloch der Fälschungen und des Meineides bezichtigt wurde, entschloß er sich nur schwer, zu klagen, und dann — nachdem die Angelegenheit zwei Jahre verschleppt worden war — kniff er einfach im Schwurgerichtssaale aus. Daraufhin wurde ihm von der Unterrichtsbehörde nahegelegt, die Konsequenzen zu ziehen. Trotzdem hat die Oeffentlichkeit nicht Zeter und Mordio geschrien, wie jetzt, wo es sich in erster Linie um die Sache der Lehrfreiheit und nicht um eine Person handelt. — Der Jmmunitätsausschuß des Abgeordnetenhauses hatte sich in der vorigen Woche mit der hochwichtigen Frage zu beschäftigen, ob das Wort „Chuzpe" eine Beleidigung sei? Im Mai dieses Jahres fand in Ungarisch-Brod eine Wählerversammlung statt, in der nach einem Referat des Abgeordneten Professors Redlich der in der Versammlung anwesende Universitätshörer Winterstein den Referenten