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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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****** Dxx (bemetndrVote. «■*»-»* Weilsge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. korrrlpondrusrn und Mgchnchtrn. Deutschland. 22 Berlin, 5. Juli. Zu dem letzten Bericht über die Sitzung der Repräsentantenversammlung erhalten wir von angesehener Seite die folgenden Bemerkungen: „Die Debatte über die Gemeinde-Bibliothek hat in den Kreisen unserer Intellektuellen sehr, peinlich berührt. Es wäre ein Schwabenstreich, eine der allgemeinen Benutzung gewidmete Bibliothek in das dritte Stockwerk eines großen Hauses zu verlegen, was man auch sonst dafür anführen mag. Braucht die Gemeinde das Parterre und den ersten Stock des Neubaues, was wir gerne glauben, so mag die Bibliothek lieber in den alten Mietsräumen verbleiben, bis die Verwaltung in der Lage ist, ein der Gemeinde Berlin zur Ehre gereichendes Bibliotheks° Gebäude zu erbauen. Das Unikum einer Bibliothek im dritten Stock darf aber nicht geschaffen werden! — Nicht weniger befremdlich wirkte der Bericht über die Michael Sachs-Feier in jener Sitzung. Es hieß da, man wolle ein Werk von Sachs der Jugend an'jenem Jubiläumstage schenken. Aber welches, wurde nicht gesagt. Nun, es gibt nur eins, das für diesen Zweck überhaupt in Frage kommen kann, nämlich die „Stimmen vom Jordan und Euphrat". Und es macht einen unangenehmen Eindruck, daß keiner unserer Gemeinde-Väter dieses Werk sofort vorgeschlagen hat. — Ein dritter Punkt ist die Wahl des neuen Rabbiners. In dem gegenwärtigen Wahlmodus liegt eine unberechtigte Bevormundung der Gemeinde, gegen die diese sich wird wehren müssen. Es geht nicht an, daß die Herren vom Vorstand und der Repräsentanz allein bestimmen und wählen, die Gemeinde muß auch ein Wörtchen mitzureden haben. In Wien z. B. werden Vertrauensmänner aus allen Bezirken gewählt, die ,die Vorschläge bei einer Rabbinerwahl zu machen haben. Endlich: Warum ist nicht diesmal auch der zweite der zu berufenden Rabbiner gewählt worden?" (Wie wir hören,, soll die nächste Nabbinerwahl im Winter stattfinden. Die Bedenken, die der Herr Einsender gegen den neuen Bibliotheksplan erhebt, müssen auch wir teilen. Indes ist darüber noch kein Beschluß gefaßt worden, und es findet sich hoffentlich ein Ausweg, der den Interessen der Verwaltung wie der Bibliothek gerecht wird. Die Red.) 22 Berlin, 3. Juli. Die Generalversammlung des „Esra" (Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien) eröffnete Herr Direktor Moritz Dorn mit einem Bericht über die Wirksamkeit und die Entwicklung des Vereins während des Jahres 1907. Derselbe hat bei einem Kassenbestand von 10182 Mark an Beiträgen und Spenden 13 330 Mark, an Zinsen 1623 Mark, ferner ein Legat des Herrn I. Loewenthal-Berlin von 3000 Mark vereinnahmt, hat 9273,57 Mark für palästinensische Zwecke ausgegeben und 8366,57 Mark seinem Kolonisationsfonds zuführen können. Letzterer beläuft sich nunmehr auf 50O48 Mark, der Montefiore-Fonds auf 500 Mark. Die Sanierung der Kolonie B'ne Jehuda, welche zirka 70000 Franken beanspruchen dürfte, erscheint durch die Ersparnisse der letzten Jahre finanziell gesichert. Dennoch dürfte die endgültige Verwirklichung der diesbezüglichen Pläne noch einige Zeit beanspruchen, da die Lage der Kolonie jenseits des Jordans und ihre große Entfernung von jeder jüdischen Ansiedlung die Sanierüngsarbeiten sehr erschweren. Aus diesem Grunde hat das Zentralkomitee den Vereinssekretär Herrn I. Turoff, der die dortigen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt, nach Palästina entsendet. Das Ergebnis seiner an Ort und Stelle angestellten Untersuchungen war der Beschluß, zunächst die noch unsicheren Besitzverhältnisse der Kolonie gesetzlich zu regeln, worauf noch die jüdischen Ländereien von denen der arabischen Mitbesitzer B'ne Jehudas zu trennen wären. Die Erledigung dieser unerläßlichen Vorarbeiten soll durch die Kolonisten selbst unter Aufsicht eines Vertrauensmannes erfolgen. Es gelang Herrn Turoff, einen solchen Vertrauensmann in der Person des Herrn E. Kraus, Verwalter der Kolonie Sedjexa, zu finden, der sich selbstlos zur Verfügung stellte. Die glückliche Lösung des Unternehmens verspricht von weittragender Bedeutung zu werden. Sollte es gelingen, mit einem Kostenaufwand von 70000 Franken jenseits des Jordans nahe der Haifa-Damaskus-Bahn eine Kolonie von 25 Familien zu begründen und dauernd sicherzustellen, so wäre damit zum erstenmal seit Bestehen der jüdischen Kolonisations- Bestrebungen der Beweis erbracht, daß man in Palästina eine jüdische Bauernsamilie mit nur 3—4000 Franken installieren kann. Wie im Vorjahre hat der „Esra" die Kunstgewerbe-Schule „Bezalel" in Jerusalem mit 2500 Franken und das Lehrerseminar des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" daselbst mit 600 Franken subventioniert. Im kommenden Jahre wird der Verein „Esra" auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Das Zentralkomitee hat beschlossen, den nächsten Jahresbericht mit einer Reihe illustrierter Abhandlungen über Palästina zu versehen und so zu einer Festschrift auszugestalten. Nachdem hierauf dem Schatzmeister, Herrn Konsul Julius Friedmann, auf Antrag der Revisoren Entlastung erteilt worden war, wurden . die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Zentralkomitees, die Herren M. Dorn. Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. H. Hildesheimer, Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Landau und Dr. Moritz Sobernheim, sowie die Revisoren, die Herren Jakob H. Wagner und Apolant durch Zuruf wiedergewählt. k. Posen, 2. Juli. Ueber eine erneute Zuwendung seitens des Rentiers Herrn Gustav Kronthal für unsere Stadt erfahren wir: Herr Kronthal hatte bereits zur Errichtung eines künstlerisch ausgeführten Brunnens vor dem Provinzialständehaus 7000 Mark gestiftet. Nunmehr soll dieses Projekt zur Ausführung gelangen. Für die Aufstellung des Brunnens waren ursprünglich 10 000 Mark veranschlagt. Nach Aenderung des Projektes reicht aber dieser Betrag nicht aus, und Herr Kronthal hat sich daher bereit erklärt, einen weiteren Zuschuß von 5000 Mark zu leisten. Die Stadtverordneten- . Versammlung beschloß, dem Spender den Dank der Stadt auszusprechen. — Zur Deckung der laufenden Ausgaben erhebt die hiesige Synagogen-Gemeinde an direkten Beiträgen von ihren Mitgliedern rund 40 Prozent der Einkommensteuer. Die Gemeinde zählt zirka 1700 Zensiten. Im Vergleich zu den Gemeindesteuern in unserer Provinz ist der obengenannte Steuersatz sehr gering. Zu bemerken ist, daß wir vor einem Jahre einen prachtvollen Neubau der Synagoge ausgeführt haben. Kp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Hauptlehrer Ries in Krotoschin ist zum Ehrenmitglied des dortigen Lehrervereins ernannt worden. — Kaufmann Wilhelm Kaiser in Ostrowo errang beim diesjährigen Wettschießen der dortigen Schützengilde die Pfingstmedaille. — Hotelbesitzer Bernhard Löwinsohn in Rogasen errang die Königswürde der dortigen Schützengilde. — Kantor Lewinthal in Tuchel beging am 1. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Der in Brünn lebende Kaufmann Stößel hat der Gemeinde Ostrowo, woselbst sein Vater vor 50 Jahren Rabbiner war, 500 Mark überwiesen. — In Rogesen ist ein jüdischer Verein gegen Hausbettelei gegründet worden, dem bereits über 60 Mitglieder beigetreten sind, die jährlich gegen 600 Mark aufbringen. Zum Vorsitzenden wurde Rabbiner Dr. Dünner gewählt. 6. Leipzig, 6. Juli. Der elfte Rechenschaftsbericht des israelitischen Wohltätigkeitsvereins ist erschienen. Dieser Verein hat" folgende Abteilungen: Israelitische Speiseanstalt, israelitischer Kinderhort, israelitische Altersversorgungsanstalt und israelitische Ferien- und Solbadkolonie Dürrenberg. Man ersieht schon daraus, wie weitverzweigt seine gedeihliche Tätigkeit ist. In der Speiseanstalt kamen 1907 55 61472 Portionen Mittagessen zur Ausgabe. In der Altersversorgung sind zurzeit neun Insassen untergebracht. Im Laufe des Jahres verstärken zwei. Regelmäßig und ungestört wie in den vorangegangenen Jahren war auch in dem letztverflossenen der Betrieb des Kinderhortes. In gewohnter Ordnung, im harmonischen

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