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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
Seite 336 (sequence 14)
Language
German
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einer Ansprache an die Kinder, wird die Bedeutung des religiösen Lebens in einer dem kindlichen Sinne verständlichen Darlegung klar und überzeugend nachgewiesen. Beide- Reden werden auch in der Lektüre durch Form und Inhalt denselben vortrefflichen Eindruck Hervorrufen, den sie im Gotteshause bei der Feier der Konfirmation Sprechsasl. Sehr geschätzter Herr Redakteur! . urch die Zuschrift der Frau Elise Eutmann in Mannheim in der vorletzten Nummer Ihrer schätzbaren Zeitung wurde ich nochmals auf den in Nr. 24 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Artikel „Handwerk und Ackerbau" hingelenkt. Schon die ganze exklusive Anpreisung des Kaufmanns- und Gelehrtenberufes auf Kosten des Handwerks und Ackerbaues beweist zur Genüge, daß der Verfasser weder weiß, wieviel Kaufmanns- und Gelehrtenproletariat sich in unseren Großstädten von Jahr zu Jahr mehr anhäuft, noch auch wie viele Kräfte für Handwerk und Bodenkultur lohnende Beschäftigung finden — welche traurige, oft herzzerreißende Szenen sich auf unseren jüdischen Wohltätigkeitsanstalten abspielen, wieviel offenes und verborgenes Massenelend in den Mauern der Großstädte sich zusammeirfindet. ° Und wer sind die von diesem Elend Betroffenen? Der Herr Verfasser begebe sich doch einmal in den Arbeitsnachweis des Bnai Briss am Monbijouplatz in Berlin; er halte sich einmal für kurze Zeit in den Räumen unserer Wohlfahrtsinstitute auf, und er wird sehr bald erfahren, daß es in erster Linie sogenannte Kaufleute sind, die aber oft nicht einmal soviel Pfennige besitzen, um sich ein Stück Brot kaufen zu können. Und darunter sind Leute, die in verschiedenen Sprachen zu korrespondieren, Buchhaltung und noch vieles andere verstehen. Und dann erkundige er sich einmal bei jenen Männern im Arbeitsnachweis, die mit allen Kräften und in gar nicht genug anzuerkennender Hingebung bemüht sind, die zahllosen Stellensuchenden unterzubringen, wieviel leichter die Handwerker und Arbeiter ein Unterkommen finden, als jene. Aber auch das unsägliche Elend der sich in den Großstädten aufhaltenden, sich durchhungernden und durchfrierenden „Geistes-- Proletarier" scheint der Autor nicht zu kennen. Ich bin nicht ganz unbekannt mit diesen Verhältnissen und könnte aus meinen wahrlich nicht geringen Erfahrungen dem Verfasser Bilder von den Endresultaten der von ihm so viel gepriesenen Berufswahlen entwerfen, die ihn sehr bald eines anderen belehren würden. Doch ist hier nicht der Platz, auf dieses Thema noch weiter einzugehen. Das bedarf einer ausgiebigen und ernsten Besprechung. Ueberhaupt wäre es eine der wichtigsten Aufgaben unserer jüdischen Zeitungen, einmal möglichst eingehend diesen ganz entschieden ein Stück der „Judenfrage" enthaltenden Gegenstand zu behandeln. Ich glaube, mir ein bescheidenes Anrecht erworben zu haben, hierüber zu sprechen, da ich mich mit diesem Gegenstand bereits über 25 Jahre beschäftige und auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine Reihe von Jahren im Verein mit ausgezeichneten Männern daran mitgearbeitet habe, die Bodenkultur unter den Juden heimisch zu machen. Ihr Sie hochschätzender Charlottenburg, 19. Juni 1908. Dr. Arthur Kahn. 4r Nr. 21 des „Israelit" hat mir ein Herr Sch. aus Frankfurt a. M. J auf meinen Artikel in Nr. 17 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" über die falsche Ueberfetzung des Gebetstücks in dem orthodoxen Gebetbuche geantwortet. Der Herr Einsender hat jedenfalls den gleichen Artikel in Nr. 21 der „Straßburger Israelitischen Wochenschrift", in welchem auch der Verlag des erwähnten Gebetbuchs, S. Lehrberger L Co., angegeben war, nicht gelesen, sonst hätte er — was jedenfalls gegen seinen Willen geschah — nicht verraten, daß in einem zweiten orthodoxen Gebetbuche die Ueberfetzung des besagten Gebetstücks' ebenfalls, in ganz ähnlicher Weise, bis vor zwei Jahren falsch war. Der Herr Einsender will zuerst feststellen, daß meine Behauptung, diese beanstandete Ueberfetzung sei seit 30 Jahren die gleiche geblieben, eine kraffe Unwahrheit fei, wie sich .jeder selbst überzeugen könne, der; dieses Gebetbuch DSE? von M Lehrberger 1906 im Besitz habe Er wolle zu geben, ich habe richtig zitiert, doch müsse mir eine alte, längst aus dem Buchhandel verschwundene Ausgabe Vorgelegen haben, in welcher die beanstandete Ueberfetzung falsch, und auch um Jrrtümer zu vermeiden, vor zwei Jahren, bei Neuausgabe des fraglichen Gebetbuchs geändert worden sei. Es sei geradezu lächerlich, aus dieser Ueberfetzung eine Verwischung der Glaubenslehre von der Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung der Toten zu erblicken. Darauf beehre ich mich zu erwidern: Ich habe das Gebetbuch DötP von S. Lehrberger gemeint. Ich besitze davon ein vor 30 Jahren gedrucktes Exemplar, auch die letzte Ausgabe von 1902, ich habe auch Zwischenausgaben, soviel ich dieselben auffinden konnte, durchgesehen, und in allen diesen Ausgaben ist die Ueberfetzung die gleich falsche. Ich bin also in der angenehmen Lage, dem Herrn Einsender für meine Behauptung den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Auch habe ich eine Ausgabe des Gebetbuchs nöt# von M. Lehrberger vom Jahre 1895, wahrscheinlich die siebente Auflage, in Händen gehabt. Auch in diesem Gebetbuche ist die Ueberfetzung wörtlich die gleich falsche. Ob in den früheren Ausgaben dies , ebenfalls der Fall ist, konnte ich wegen der Kürze der Zeit nicht-ermitteln, ist aber sehr wahrscheinlich. Das von mir erwähnte Gebetbuch Jläty von S. Lehrberger ist auch nicht vom Büchermarkt verschwunden, wie der Herr Einsender glaubt; es ist heute noch in den dortigen Buchhandlungen und bei dem Herrn Verleger in dem nahen Rödelheim zu haben. Von den beiden erwähnten Gebetbüchern sind noch Hunderte im Gebrauch, und in einer Großgemeinde wie Frankfurt müssen noch Dutzende benutzt werden. Ob die falsche Ueberfetzung 30 Jahre oder nur 28 Jahre, wie der Herr Einsender meint, oder noch viel weniger Jahre in beiden oder der einen Ausgabe gleich geblieben ist, ändert an der Sache gar nichts. ' Tatsache ist, daß diese beiden Gebetbücher — die Sache wird sogar schlimmer, setzt sind es zwei —seit zwei bis drei Jahrzehnten in vielen Tausenden von Exemplaren abgesetzt wurden, in den Gotteshäusern, Schulen und Familien unserer Gesetzestreuen in Gebrauch genommen wurden, ohne daß es einem gesetzestreuen Rabbiner oder Vorsteher eingefallen wäre, diese Ueberfetzung zu beanstanden und deren Aeuderung anzuregen. ' Bei dem großen Fleiße, mit welchem diese Herren fremde Gebetbuchausgaben überwachen, sollte man dies doch für unmöglich halten.. Es scheint mir, bei eigenen Gebetbüchern nehmen es die Herren nicht' so genau. Von einer Auferstehung der Toten ist in dieser Ueberfetzung keine Rede, und da die Seele nicht stirbt, kann sie auch nicht zu neuem Leben erweckt werden. Ein jeder vernünftige Mensch muß in dieser Ueberfetzung eine Verwischung der Glaubenslehre von der Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung der Toten erblicken. Und nun zum Schluß, geehrter Herr Einsender, noch eine bescheidene Frage. Warum sind in dem Gebetbuch, das Sie nicht auffinden konnten, Fl&K nSlP S. Lehrberger 1902, folgende Gebetstücke unübersetzt geblieben? In n^riTD-O Seite 542 bis 544 ^82? 22 2 bis 21^2) und in demselben Gebetstück Seite 544 bis *!£>$• Darf der andächtige Beter den Inhalt dieser Gebetstücke nicht kennen? Ich wäre neugierig-zu erfahren, warum das' Uebersetzen dieser Gebetstücke unterlassen wurde. Jeder, der die nebenstehende Ueberfetzung liest, glaubt den ganzen Inhalt des Gebets vor sich zu haben, was doch gar nicht der Fall ist. Das ist ja Täuschung! Jöhlingen i. Baden, im Juni 1908. Isidor Cahn, Religiouslehrer. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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