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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
Seite 333 (sequence 11)
Language
German
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Rücksicht darauf, daß Cavaliere Jacur in hochherziger Weise seinerzeit 500 Lire hergegeben hatte. Der Sindaco trat das Haus ab, das nun zur Benützung der Kapläne an die Administration des Erzpriestertums zum Mietzinse von vier Prozent des reduzierten Preises abgegeben werden wird. Durch diese Operation hat die geistliche Administration, statt zu verlieren, gewonnen. Wir alle freuten uns, daß, während beim Zusammentreffen im Hause Ihres Papas sich einige mit etwas saurem Gesichte entgegentraten, beim Verlassen des Hauses die reinste Glückseligkeit unter uns allen herrschte. Timoteo war froh, denn ihm ward ein Dorn, der ihn tüchtig stach, aus dem Leibe entfernt, — Ihr Papa freute sich in dem Bewußtsein, eine hochherzige Handlung vollbracht und eine der unangenehmsten Intrigen glücklich aus dem Wege geräumt zu haben. Mehr als alle aber freute sich der Erzpriester, der nun um nicht weniges den Stand der frommen Sache, der er vorsteht, gebessert sieht. Aber auch Sie, Signora Elisa, die Sie einen-so großen Anteil an dieser Sache hatten, müssen bei unserer Freude mittun und erlauben, daß ich Ihnen im Namen der geistlichen Administration und der Herren Kapläne. den tiefstgefühlten Dank übermittle, und diesem Danke gesellt sich der arme Unterzeichnete bei, der besser als irgendeiner zu beurteilen weiß, wie sehr Ihre Handlung unser materielles Wohl und den wiederhergestellten Frieden gefördert hat. Also Dank für die Wohltat des herrlichen Uebereinkommens. Dr. Concina und die Herren Kapläne wünschen Ihnen, dem Herrn Sacerdoti, der guten und wackeren Adele (Tochter der Frau Sacerdoti und gegenwärtige Gemahlin des Herrn Giulio Salom in Venedig) in Erinnerung gebracht zu werden. Ihrem Gemahl sowohl, wie Ihrer Tochter mögen Sie meine respektvolle Huldigung übermitteln. Mit dem Ausdruck der aufrichtigsten Dankbarkeit habe ich die Ehre, mich, edelste Signora, zu unterzeichnen als Ihr ergebenster und stets verpflichteter Diener Salzano, den 11. Juli 1868. Don Giuseppe Sarto." Das nunmehr etwas vergilbte Schreiben ist zweimal zusammengelegt und das kleine Kuvert trägt den Poststempel: „Mirano, 12. Juli." Salzano selbst war so klein, daß es keine besondere Post hatte. Gräfin Sacerdoti di Carrobio hat auch ihre vom 13. Juli 1868 datierte Antwort aufbewahrt, die sie dem Erzpriester Sarto aus sein Schreiben gegeben und in der sie es bescheiden ablehnt, für ihre Person viel getan zu haben, um die Lobsprüche des hochwürdigen Mannes zu verdienen. Sie antwortete: „Hochwürdiger Herr! Ich säume nicht, Ihr wertes Schreiben vom 11. zu bestätigen, mit dem mich Ihre ausgesuchte Höflichkeit beehren wollte. Dieses Schreiben ist mir über alles angenehm. Ich weiß Ihnen nicht genug für Ihre Güte und die der Herren Kapläne zu danken. Sie sind mir für einen glücklichen Ausgang erkenntlich, zu dem ich eigentlich nicht beigetragen zu haben in meinem Gewissen empfinde. Der sehr löbliche Eifer, mit dem Dr. Concina mir die Haltung auseinandergesetzt hatte, die Herr Timoteo in der bekannten Sache einnahm, hat, wie ich nicht leugnen will, beigetragen, mich die Folgen abwägen zu lassen, die sich daraus ergeben konnten. Getreu der übernommenen Aufgabe habe ich nun meinem teueren Papa die Sache auseinandergesetzt, und ich kann und darf mich nicht einer anderen Mission rühmen als der, die einfache Berichterstatterin gewesen zu sein. Ich vereinige mich aber mit Ihnen, hochgeschätzter und sehr weiser Herr Erzpriester, in der aufrichtigen Freude darüber, daß die so beklagenswerten Verstimmungen, die auf das Wohlergehen dieses mir so teuren Ortes verbitternd eingewirkt hätten, beigelegt sind, und es erfüllt mich mit Genugtuung, daß nun dieser Ort mehr als je die guten Bedingungen zum Gedeihen aufweist, da er einen Don Sarto zum Seelenhirten hat. Z^u besonderer Freude gereicht es mir, zu wissen, daß es meinem geliebten Vater auch bei dieser Gelegenheit durch seine Hochherzigkeit und Fähigkeit geglückt ist, einen Verirrten (Timoteo) wieder aus den rechten Weg zu bringen. Gott lohne es Ihnen, wie dies mein Herz wünscht. Meine ergebenen Grüße. ' . . Elisa Sacerdoti." Gräfin Sacerdoti di Carrobio bewahrt den Brief des regierenden Papstes wie eine teuere Reliquie und begreift nicht, daß es Menschen gibt, die glauben, gute Katholiken und gleichzeitig Antisemiten sein zu können. Dem regierenden Papst war und ist jede ähnliche Regung fremd. Wie viele Hetzkapläne glauben bei uns zulande christlich zu handeln, wenn sie antisemitische Propaganda treiben, Guiseppe Sarto war in diesem Punkte anders geartet. Als Kaplan in Tombolo, der er gewesen, bevor er das Erzpriestertum in Salzano erlangte, erwarb er nicht genug um zu leben, und zuviel, um zu sterben. Da gab er denn, wie dies Monsignore de Waal in einer Biographie des Papstes mitteilt, in einer reichen jüdischen Familie, welche die Sommermonate auf ihrer Villa bei Tombolo zuzubringen pflegte, Lektionen und verdiente so Geld. In noch nähere Berührung mit Juden kam er aber als Erzpriester in Salzano und zwar außer mit Cavaliere Jacur auch mit dessen nahen Verwandten Romanin-Jaeur. Monsignore De Waal erzählt darüber: „Romanin-Jacur ist Jude; aber der Pfarrer Giuseppe Sarto wußte, schon der dreihundert Arbeiterinnen wegen (in der Romanin - Jacurschen Weberei in Salzano), sich gut mit ihm zu stellen. Sarto war im Hause des reichen Herrn ein gern gesehener Gast; die ganze Familie schätzte ihn hoch, und es bedurfte nur einer Bitte, um an Festen und bei besonderen Anlässen für die Weberinnen die Entlassung aus der Arbeit zu erwirken. Seinerseits erkundigte sich auch Romanin wiederholt, ob alle Arbeiterinnen in der Messe gewesen. Seine Almosen spendete' er am liebsten durch die Hände des Pfarrers, und wenn Sarto gar nicht mehr wußte, wie er einer schreienden Not abhelfen sollte, dann klopfte er an die Türe des Gutsherrn an. Später träfet sich beide wieder in Mantua, wohin Sarto als Bischof versetzt worden war, und bei der Erhebung Sartos auf den Stuhl Petri hat der alte Romanin-Jacur im Stadtrat von Mantua auf das wärmste die Entsendung eines Glückwunschtelegramms an den neuen Papst befürwortet." Vergangenheit und Gesinnung des Papstes sind eine sehr ernste Lektion für gewisse Kreise bei uns zulande. 8. Mz. Der tzsulirrrr. Eine Geschichte aus der guten alten Zeit. Von Eduard Mohr. II. ging die Unterhaltung munter fort. Horwitz war V_J sicher der erfahrenste, und er hatte auch alle Mühe, den Jüngern zu beruhigen. „Man sieht. Du hast noch nicht, wie unser Kamerad Isaak, das hitzige Kohen-Blut gedämpft. Aber laß gut sein; wenn Du erst so ein paar Schock „Schachermachei" wirst hinuntergeschluckt haben und alle Jahr ein Mund mehr sich Dir nach Brot öffnet, dann wird sich Wohl die Ambition legen; Du wirst ruhig im Lande bleiben und Dich redlich, wenn auch mühsamer als in der Werkstatt, ernähren. Du bist wahrlich nicht der einzige, den vorgespiegelte Hoffnungen, elend gemacht haben. Wie viele von uns könnten davon ein Lied singen, daß manchem die Ohren gellen sollten. Unsereiner ist auch nicht mit dem Pack aus dem Rücken zur Welt gekommen, und

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