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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
Seite 329 (sequence 7)
Language
German
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sicher ist. Für diese Werke gegenseitigen Kredits, deren Nützlichkeit offenkundig ist, verwenden wir 660 000 Franken. , Der Erfolg der Kolonisation hat uns bestimmt, sie weiter auszudehnen. Wir haben die erforderlichen Elemente in den Kolonien selbst; sie entnehmen ihre Landarbeiter einer Bevölkerung, welche -in ihrer Mitte lebt und am Ende des letzten Jahres mehr als 3000 Seelen zählte. Wir unserseits wählen unter diesen Arbeitern zur Etablierung als Kolonisten diejenigen aus, welche die größte Aussicht bieten, vorwärts zu kommen. Unausgesetzt treffen andere Arbeiter ein, um die Plätze einzunehmen, welche von unseren neuen Kolonisten freigegeben wurden. Im Jahre 1907 sind auf diese Weise 127 Familien, in diesem Jahre 200 weitere angesiedelt worden.. Um in der Lage zu sein, die Entwicklung unseres Werkes ohne Unterbrechung fortzusetzen, erwerben wir neue Terrains. Der Besitz unserer Gesellschaft in Argentinien erstreckte sich Ende vorigen Jahres über 463 000 Hektar. Neuerdings haben wir 10 OOO Hektar, die an unsere Kolonie Leloir anstoßen, und 35 OOO zusammenhängende Hektar in geringer Entfernung von dem Hasen Bahia-Blanca erworben. Wir sind in der Lage, weitere Landeinkäufe vorzunehmen. Das Vorhandensein der Kolonien zieht nicht nur Ackerbauer oder Arbeiter, die entschlossen sind, es zu werden, an; sie hat seit zwei oder drei Jahren eine fortgesetzte jüdische Einwanderung gezeitigt. Nur ein Teil der Neueintreffenden kommt in unsereKolonien; die anderen verteilen sich über das Innere des Landes, wo sie leicht Arbeit finden, wenn sie ein Handwerk verstehen. Die Resultate der letzten Ackerbau-Kampagne waren befriedigend. Der Gesamtertrag der Winterkulturen repräsentiert 436 926 Zentner an Früchten, deren Wert annähernd 4 800 000 Franken beträgt. Die Kolonisten kommen ohne Mühe ihren Verpflichtungen gegen die Gesellschaft nach. Am letzten 30. April haben sie an Jahresraten eine Summe abgezahlt, welche die im vorigen Jahr unter gleichem Datum geleisteten Abzahlungen um 55 OOO Dollars übersteigt.' Im Jahre 1907 haben sie durch unsere Vermittlung zur Unterstützung ihrer in Rußland verbliebenen Verwandten eine Summe von 62 OOO Dollars oder 136 000 Franken abgeschickt. Fügt man die Summen, hinzu, welche sie direkt absenden oder zum Ankauf von Passage-Billetts verwendet haben, ferner die bisweilen beträchtlichen Ausgaben, welche ein Teil von ihnen zur Verbesserung ihres Besitzes, zur Ergänzung ihres Ackergeräts, zur Versorgung mit Dreschmaschinen, die sehr teuer sind, zur Vermehrung ihres Viehstandes usw. aufgewendet haben, so sieht man, wie beträchtlich die Erträge ihrer Arbeit ihre eigenen Bedürfnisse und diejenigen ihrer Familien übersteigen. In Brasilien haben zwei aufeinander folgende Jahre außergewöhnlicher Trockenheit die Kolonisten ein wenig entmutigt; wir haben noch mit recht ernsten Schwierigkeiten zu kämpfen; aber im letzten Jahre haben wir die Kolonie reorganisiert und alle Maßnahmen getroffen, welche notwendig sind, um die Einnahmen der Kolonisten zu vermehren und ihren Wohlstand zu sichern. Wir haben die zuversichtliche Hoffnung, daß diese Verbesserungen die Situation bald günstig beeinflussen werden, und wir werden dann dieses junge Unternehmen weiter ausbauen können. Nordamerika, die Vereinigten Staaten und Kanada bieten uns ebenfalls ein Arbeitsfeld für unsere landwirtschaftlichen Bestrebungen. Seit Jahren fördern wir durch das Organ Jewish Agricultural and Industrial Aid Society die Niederlassung jüdischer Farmer, und wir können feststellen, daß eine Bevölkerung, die man auf 10000 Seelen ffchätzt, von der Erdarbeit lebt und daß man fast in keiner Provinz Landarbeiter findet, die nicht zu unseren Glaubensgenossen gehören. Ein Teil dieser Leute, besonders in New-Jersey und in den Staaten Neu- Englands, arbeiten mit gutem Erfolge. Muß man' sich nicht mit Recht sehr wundern über die rasche Entwicklung der Landwirtschaft unter den Juden in einem so ausgedehnten Territorium wie die Vereinigten Staaten, besonders wenn man bedenkt, daß erst vor 25 Jahren die Jugend der russischen Universitäten mit großem Enthusiasmus damit begonnen hat. Die jüngste Industrie-Krisis in Amerika hat nur die Zahl derer, die sich mit der Landwirtschaft befassen wollen, noch vermehrt. Durch die Anziehungskraft der bereits gebildeten Zentren ist die Ausbreitung der landwirtschaftlichen Bewegung wahrscheinlich. Selbst nach Kanada, wo wir zwei Gruppen von einer gewissen Bedeutung haben, hat sich eine ansehnliche Schar von Emigranten begeben, mit dem Wunsche, an der Kultur dieses Landes teilzunehmen. Wir sind ihnen dabei zu Hilfe gekommen. Der eine unserer Direktoren, der jüngst Canada besuchte, Dr. Sonnenfeld, war frappiert von dem Anblick der gesunden und robusten jungen Bauerngeneration. In den Kolonien von Palästina hat sich der materielle und moralische Erfolg, den wir bereits im vorigen Jahre konstatierten, erhalten. Seit zwei oder drei Jahren ist die Ernte eine gute, die ökonomische Lage der Kolonisten verbessert sich, -sie erwarten einen Erfolg, der zum großen Teil von ihrer Initiative und von ihrem Eifer abhängt. Sie brauchen weniger fremde Handarbeitshilfe als früher. Ihre persönliche Arbeit vermehrt ihre Einnahmen, und ihre Subsistenz ist. durch sie selbst gewährleistet. Sie werden noch bessere Erfolge erreichen, wenn sie auf Mittel sinnen werden, dem Grund und Boden alles das abzugewinnen, das er zu geben vermag. Man arbeitet überall tüchtig. Die Prosperität der meisten unserer Kolonien ist eine Tatsache, die von uns und allen, welche sie besucht haben, anerkannt worden ist. In Rußland haben sich die ökonomischen und sozialen Verhältnisse der Juden leider nicht geändert. Das Land selbst leidet unter der politischen Krisis, schlechten Ernte und wirtschaftlicher Depression. Die am meisten Geschädigten sind unsere Glaubensgenossen, die gar keine Sicherheit haben, nicht einmal die ihrer Existenz. Wann werden sie einmal von den Ausnahmegesetzen befreit werden, welche alle Gewalttaten gegen ihr Leben gestatten? Wann wird es ihnen gestattet sein, in Frieden zu leben und zu arbeiten? Es genügt, das zu sehen, was die Juden in freien Ländern erreicht haben, um zu' erkennen, was Rußland nach ihrer persönlichen und politischen Emanzipation gewinnen würde. Wir warten, wir hoffen! Das neue Regime in Rußland gestattet diese Hoffnung, aber bis dahin dürfen wir nicht untätig bleiben. Wir bereiten die jüngere Generation für diese glücklicheren Verhältnisse vor. Wir geben ihnen in unseren Elementar-, Handwerks-, Landwirtschafts-Schulen außer der Allgemeinbildung eine Erziehung, die Lust zur Arbeit und die fachmännischen Kenntnisse. Ohne Zweifel würden unsere Schulen noch bessere Resultate ergeben, wenn sie in einer ruhigen und freien Atmosphäre lägen. Wir konnten einer größeren Anzahl von Kindern die Wohltat des Elementarunterrichts angedeihen lassen. In unseren Schulen befinden sich gegenwärtig 7000 Kinder oder genauer gesagt 9000, wenn man die .Schüler der Elementarklassen hinzuzählt, die den Ackerbauschulen angeschlossen sind. Die Zahl dieser beläuft sich auf 41. Sie wurden zu Ende des Jahres von 2400 Schülern. Knaben und Mädchen, besucht, sie würden noch mehr Kinder aufnehmen und denen, die sie besuchen, mehr Nutzen bieten, wenn das Elend der Eltern nicht die einen überhaupt verhinderte, sie zu besuchen, und die anderen zwingen würde, sie frühzeitig zu verlassen. Unsere landwirtschaftlichen Schulen leiden unter der Lage der Juden. Die Landwirtschaft ist ein Beruf, der immer schwieriger auszuüben ist. aber wozu ihn ergreifen, wenn es den Juden verboten ist, sich auf dem Lande anzusiedeln? Nichtsdestoweniger unterhalten wir unsere Schulen, weil uns nichts anderes übrig bleibt als eine solche fortdauernde Abwehr. Die Welt steht übrigens unfern jungen Agronomen offen. Sie werden ihr einen Anteil von Kräften bringen, von welchem Rußland so leicht hätte Nutzen ziehen können. Es bleibt mir noch übrig, Ihnen kurz über einen anderen Teil unserer Tätigkeit zu berichten, nämlich über unsere Darlehnskassen, die wir zur Unterstützung der kleinen Kaufleute, der Industriewie der Landarbeiter begründet haben, denen es oft an Geldmitteln fehlt, um Waren, Handwerkszeug oder sogar Lebensmaterialien einzukausen. Um der bisherigen wucherischen Ausbeutung zu steuern, haben wir diese Darlehnskassen begründet, in denen jeder auf Grund einer kleinen Geldeinlage Mitglied werden kann und dafür den Vorteil genießt, zu niedrigem Zinssatz 100, 200, 300, 400 Franken und noch mehr, wieviel er gerade braucht, erhalten zu können. Die Darlehnsnehmer unterhalten nicht. allein diese Kassen, überall, selbst in den kleinsten Marktflecken, gibt es edle Menschen, die ohne persönlichen Vorteil derartige Kassen gründen, sie einrichten und verwalten. Sie widmen ihnen Zeit und Mühe. Ueberall wächst die Zahl der Mitglieder, die ihre Ersparnisse dort niederlegen. Die Darlehen vervielfachen sich und die Darlehnsnehmer zahlen mit lobenswerter

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