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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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iOÖO Mark. Frau Kommerzienrat Elise Israel und' Herr Berthold Israel- Hierselbst 500 Mark zur Erwerbung der dauernden Mitgliedschaft des seligen Kommerzienrats Hermann N. Israel und Frau ''Beermann in München ein Legat von 250 Mark überwiesen. Die Gesamteinnahmen betrugen 45864 Mark (davon Jahresbeiträge 2 L 772, Zinsen 17 742, Legate 3750, Spenden 2050 Mark), die Ausgaben 49785 Mark. Das'Vermögen der Anstalt beläuft sich auf 515196 Mark.. Dem Berichte des Rektors, Herrn Tr. Hoffmann, ist zu entnehmen, daß 36 Hörer (23 aus Deutschland, 10 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus England, 1 aus Frankreich) und eine Reihe von Hospitanten die Anstalt besucht haben. Die Rabbinatsautorisation wurde nach Ab-, solvierung der Prüfungen erteilt den Herren Dr. Wilhelm Lewh-Berlin, Dr. David Araber -Jchenhausen, Dr. Arthur Weil- Hatten (Elsaß), Dr. Aschkenasy-Brody und Dr. Leopold Neuhaus-Rothenburg a. F. Zu Rabbinern resp. zum Predigt- und Lehramt sind im Berichtsjahre berufen worden die Herren Dr. N. A. Nobel, bisher Rabbiner in Leipzig, als zweiter Rabbiner nach Hamburg, Dr. Moses Auerbach als Lehrer an das Seminar zu Köln a. Nh., Dr. Moritz' Frankfurter, bisher Rabbiner in Banja - Luka (Bosnien), als Rabbiner nach Doruvar (Slavonien),. Dr. Moritz Mainzer als Religionslehrer nach Frankfurt a.M., Dr. David Winter als Rabbiner nachMyslowitz (O.-S.). Dem Verwaltungsbericht geht eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit des Rektors: „Midrasch-ll'amia'i'm zu Deuteronomium" voraus. 8. Berlin, 21. Juni. Gestern ist hier der Pfarrer Karl Witte, der in der Antisemitenchronik eine gewisse Stelle einnimmt, im 73. Lebensjahre gestorben. Er war ein Mann von ehrlicher Ueberzeugung und ein unermüdlicher Streiter für die Wahrheit und sein Recht. Deshalb hatte er auch den Mut. gegen den seinerzeit allmächtigen Hofprediger Stöcker aufzutreten. Er bezeichnete dessen Antisemitismus als einen Akt der Barbarei und als eine Schmach für die christliche Kirche. Diese Offenheit zog ihm den unversöhnlichen Haß des Herrn Stöcker zu. Die Verfolgung des Pfarrers von St. Golgatha gehört zu den traurigsten Episoden jener Zeit. Kleine kollegiale Mißhelligkeiten harmloser Art mußten schließlich das Material dazu, liefern, den unbequemen Gegner des mächtigen Hofpredigers unschädlich zu machen. Wegen „beginnenden Querulantenwahnsinns" wurde Witte am 4. Januar 1892 durch das Konsistorium vom Amte suspendiert. Das Medizinalkollegium hat das dieser Verfügung zugrunde liegende ärztliche Gutachten zwar umgestößen, aber das Konsistorium den verfolgten Mann gleichwohl von, Amt und Einkommen getrennt, so daß er lange Jahre auf ein klägliches Sustentationsgeld angewiesen war. Stöckers unbrüderliche Gesinnung gegen Witte ist sehr alten Datums. Schon im Prozeß Stöcker-Bäcker erklärte der Gerichtshof für erwiesen, daß Stöcker, weil Witte bei einer Reichstagswahl nicht ihn als Kandidaten unterstützen, sondern ihm den Fabrikanten Hoppe gegenuberstellen wollte, den berüchtigten Schreiber Grünberg beauftragt habe, Witte in öffentlicher Versammlung anzugreifen, auch, wenn er bei seiner Absicht beharren sollte, gedroht habe, „ihn fallen zu lassen". Herr Stöcker schrieb vor dem Prozeß an Witte, er möchte sich über die Vorgänge mit ihm vor dem Termin besprechen, um sein Gedächtnis für die Zeugenaussage aufzufrischen. Es ist noch unvergessen, welche Preßfehden dann zwischen Stöcker und Witte ausgemacht wurden, wieviel Broschüren Witte schrieb, wieviel Prozesse gegen antisemitische Hetzer er anstrengen mußte. Scheuten doch einzelne seiner Gegner nicht einmal davor zurück, ihm Fälschung und Unterschlagung nachzusagen! In seinem Prozeß am 22. Januar 1890 wurde aber gerichtlich 'festgestellt,' daß er gegen Herrn Stöcker noch mit großer Schonung vörgegangen sei, und daß der Gerichtshof über diesen vielleicht noch ein ungünstigeres Urteil gewonnen hätte, wenn er nicht bloß den einen Brief, um den es sich handelte, sondern den ganzen Briefwechsel Stöcker-Witte gekannt hätte. In den letzten Jahren ist es dann still geworden. Wittes Name wurde kaum noch genannt. Aber die Geschichte jener häßlichen Bewegung wird ihn doch in Ehren nennen. kk. Pose«, 17. Juni. Das Leichenbegängnis des verstorbenen Professors Dr. Georg Adler, welches am Sonntag hier stattfand, war ein wahrhaft erhebend.': Zeugnis für den Wert dieses Mannes und für die Achtung dis er in weiten Kreisen erworben hat. Der Dahingeschiede m erreichte nur ein Alter von 45 Jahren und war außerordentlicher Professor an der Universität Kiel. (S. die „Woche".) An - seiner.Vaterstadt' Posen' hing der Dahingeschiedene mit großer Treue. Stets verlebte er-seine Ferienzeit in unserer Stadt, und seinem letzten Willen zufolge ist er auch in der heimischen Erde zur ewigen Ruhe gebettet worden. Die Rede, die Rabbiner Dr. Bloch hielt, ist das würdigste Denkmal für den Heimgegangenen, dessen Vorzüge und Charaktereigenschaften sie mit Wärme und'Begeisterung schilderte — In Pleschen starb der Rentier Lippmann Salinger im 71. Lebensjahre. Seine Verdienste um die Stadt und ganz besonders um die Shnagogengemeinde waren groß. An seinem Vater hatte er einen würdigen Lehrmeister. Auch dem Vaterlande widmete er seine Kräfte und machte die Feldzüge mit Auszeichnung mit. Daher-stellte auch der Landwehrverein die Leichenparade und die Schützen feuerten die Ehrensalven über das Grab. Rabbiner Dr. Königsberger hielt eine tiefergreifende Leichenrede.— Gestern feierte der Königliche Kreisarzt, Geh. Med.-Rat Dr. Lißner in Kosten in voller Rüstigkeit und seltener Friche sein 50 jähriges Doktorjubiläum. Aus diesem Anlaß gingen dem Jubilar, der sich im ganzen Kreise der größten Hochachtung erfreut, zahlreiche Gratulationen zu. — Beim diesjährigen Königsschießen der Schützengilde in Moschin wurde. Herr Jakob Baum Schützenkönig. — Magdeburg, 15. Juni. Der Synagogen-Gemeinde- Verband der Provinz Sachsen veröffentlicht den Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1907—1908. Als Gründungstag des Verbandes ist im § 1 der Satzungen der 27. Februar 1898 bestimmt worden. Sein erstes Jahrzehnt hat der Verband somit vollendet, und man kann sagen, daß er gehalten, was er bei seiner Gründung versprochen. Die Zahl der Verbandsgemeinden war in rascher Folge von 9 im ersten Jahre auf 23 im Jahre 1906 gestiegen. Sie sank aus 21, als zwei von ihnen (Bitterfeld und Neuhaldensleben) zu bestehen aufgehört'hatten, erreichte aber im letzten Jahre die frühere' Höhe durch den Eintritt der Gemeinden Ellrich und Derenburg- Wernigerode-Heudeber. Namentlich aufgeführt sind es folgende: Aschersleben, Bleicherode, Burg, Calbe a. S., Delitzsch, Derenburg- Wernigerode-Heudeber, Egeln, Eisleben, Ellrich, Erfurt, Gardelegen, Halberstadt, Halle a. S., Magdeburg, Mühlhausen i. Th., Nordhausen, Quedlinburg, Schönebeck, Staßfurt, Stendal, Suhl, Tangermünde, Zeitz. Alle Gemeinden der Provinz Sachsen in sich zu vereinen, ist sonach dem Verbände bisher noch immer nicht gelungen. An eifrigen Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, hat es aber der Ausschuß nicht fehlen lassen. Eine Zusammenstellung der Einnahmen ergibt den Betrag von 21 321,60 Mark. Für den Religionsunterricht wurden 6 397,15 Mark, für Prediger-Honorar 7 149,71 Mark verausgabt. Die Erteilung von Religionsunterricht, die 'Schulinspektion und die Entsendung von Predigern in kleine Gemeinden zu den hohen Feiertagen waren die Hauptarbeiten des Verbandes. Diese Ziffern künden zugleich, auf welchen Gebieten der Verband vornehmlich tätig gewesen ist. Mitglieder des sehr rührigen Verbandsausschusses sind: Kommerzienrat Hirsch, Halberstadt, Verbandsvorsteher, Justizrat Lichtwitz, Magdeburg, Stellvertreter, I. Lindenthal, Magdeburg, Schatzmeister, E. Badrian, Burg b. M., Selmar Bergmann, Mühlhausen i. Thür., Justizrat Choyke, Magdeburg, L. Delevie, Erfurt, Ad. Eisner, Nordhausen, Jakob Hirsch, Halle, Ad. Meyer, Stendal, W. Oppenheimer, Nordhausen, Dr. Oppenheimer, Halle, Hermann Rothenberg, Bletcherode, H. Silberberg, Halberstadt, Rabbiner Dr. Wilde, Magdeburg. i. Beruburg, 19. Juni. Hier ist vor kurzem ein knnser^ vativer Verein gebildet worden. Das „Anhaltische Tageblatt" schreibt darüber in seinem Leitartikel vom 17. d. Mts.: „Der,Israelit Kommerzienrat Sieg heim hat bei der Gründung Pate gestanden. Siegheim ist zeichnungsberechtigt für die Firma Levy Calm Söhne, in / der zum allergrößten Teile das Geld der Dessaüer Landesbank arbeitet. Daß Siegheim es fertig bringt, der konservativen Partei, die auf Grund des Tivoliprogramms von Partei wegen Antisemitismus treibt, den Steigbügel zu halten, ist komisch." Schon oft Höben Juden versucht, der konservativen Partei beizütreten — aber leider ist es immer schlecht ausgegangen. So lange diese an dem Tivolt- PrograMrn sesthält, kann ihr'kein Jude offiziell angehöten, auch wenn seine politische Ueberzeugung sich mit der der konservativen Partei in allen anderen Dingen deckt, was wir wohl für möglich halten würden.

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