Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- Seite 309 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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^Palästinas durch die Araber, sozusagen wiederentdeckt. Sir John Mandeville war wahrscheinlich der einzige westliche Meisende, der die Samaritaner erwähnte und Scaliger, der die arabische Geschichte von Josua entdeckte, war gleichzeitig der erste, der die Samaritaner wieder entdeckte. Aber das letzte und entschiedenste Argument, das auch das Datum angibt, liefert Josephus. Die Erzählung in Josephus' „Jüdische Altertümer" verrät eine genaue Kenntnis des samaritanischen Textes. Der Hohepriester Eleasar spielt eine hervorragende Rolle, der Vorfall in Gitgal ist weggelassen. Die Anspielung auf die Väter, die „fremden Göttern dienten", fehlt ebenfalls. Als sicherer Beweis jedoch ist die Tatsache anzusehen, daß die Aufteilung des Landes unter die neuneinhalb Stämme in Josephus nichts anderes als eine treue Kopie des samaritanischen Textes ist. Der samaritanische Text muß älter sein als Josephus, wenn er ihn als echte und verläßliche Quelle benützte. Die Geschichte der Samaritaner und die innere Evidenz des Textes reichen hin, um seine Entstehung annähernd festzustellen. Die Spaltung zwischen den Juden und den Samaritanern erfolgte in der Mitte des fünften Jahrhunderts (432 vor unserer Zeitrechnung). Ueber die Beziehungen der beiden Sekten ist bis zurück ins zweite Jahrhundert, da die Fehde zwischen den Samaritanern. und Juden zur Bitterkeit' wuchs und König Hyrkan im Jahre 128 Schechem einnahm und verwüstete, nichts Näheres bekannt. Von jener Zeit angefangen finden wir im Neuen Testament nichts, das auf Beziehungen zwischen den zwei Gruppen Hinweisen würde. Wenn die Samaritaner demnach irgend ein Buch der Bibel übernommen, so kann dies nur in der Mitte des zweiten Jahrhunderts geschehen sein. Und die Samaritaner würden nur dann ein Buch der Bibel übernommen haben, wenn es ihren Zwecken dienen, ihren Anspruch, daß sie die wahren Vertreter Israels seien, unterstützenkönnte ... Ein Resultat ergibt sich aus dem Studium dieses neuen Textes: daß zur Zeit, als das Buch Josua von den Samaritanern adoptiert wurde, dieses noch nicht einen Teil des geheiligten Kanons bildete. Das einzige Buch, das damals sowohl von den Juden, wie auch von den Samaritanern als kanonisch betrachtet wurde, war „das Gesetz". Der Pentateuch wurde von ihnen mit großer Ehrfurcht behandelt. Die geschichtlichen Bücher waren damals sicherlich noch nicht mit Heiligkeit bekleidet, sie galten stets als Geschichtsbücher der Ereignisse. Der Text dieser Bücher befand sich noch nicht in festem, endgültigem Zustande. Dem Wesen nach stimmen beide Texte überein. Während jedoch der massoretische Text ein Teil des heiligen Kanons wird und dadurch vor Entstellung geschützt bleibt, ist der samaritanische seinem Schicksal überlassen. Er wurde nicht einmal in alten Handschriften erhalten. Ich habe keine gesehen, und wie der Hohepriester berichtet, gibt es auch keine. Das Wunder ist nur, daß trotz alledem der hebräische Text des samaritanischen Buches Josua in so vollständiger Form hat erhalten bleiben können. Die Abgeschlossenheit der Samaritaner von der Außenwelt hatte das eine Gute, daß sie sie zu Depositären einer alten Tradition gemacht, und wenn sie eine Mission zu erfüllen hatten, so haben sie sich derselben mit bewunderungswürdiger Treue entledigt. Nach zweitausend Jahren haben sie das Buch Josua uns gebracht, das nur wenig abweicht von der Form, in welcher ihre Vorfahren es erhalten haben. Und jetzt ist die Reihe an der modernen Bibelwissenschaft. ÄiWK •ggÖU|k|ggg Der Gong nach den Kalkgruben. Von Th. Buddeus. ie Siesta war vorüber; aus dem schweren Schlummer, welchen die glühende Sonne Cordovas über die Menschen breitet, erwachte der Vizekönig. Sein Gesicht schaute verdrießlich; seine Augen wanderten mit einem Anstug von großer Langweile durch das prächtige Zimmer; er schien mit einem gewissen Aerger die Umgebung zu betrachten, welche ihm mit aller Heiterkeit des Glanzes entgegenlachte. Plötzlich jedoch veränderten sich seine Gesichtszüge; seine Augen hafteten freundlicher auf einem Gegenstände, der ihm von einem Tische entgegenwinkte. Rasch sprang er auf, eilte nach dem Tische und ergriff eine schön geschriebene Pergamentrolle, deren äußere Rundung den Namen Ibrahim trug. Er überblickte die Rolle; sein Auge belebte sich von Minute zu Minute mehr; zuletzt erfaßte ihn eine wirkliche Begeisterung: „O Ibrahim, wunderbarer Mensch! Welche Tiefe der Kenntnis! Ich schaue ja hinab in die Schachte der Geheimnisse. Dieses Pergament ist der goldene Schlüssel zu den Pforten einer neuen Welt, die in der Zukunft zwar noch begraben liegt, aber deren Sonne schon als Morgenröte am Horizonte dämmert. Ja — dieser Ibrahim ist ein Seher der Zukunft, ein wunderbarer Arzt, der jede innere und äußere Krankheit schnell und einfach zu heilen versteht" Der Vizekönig stand mit diesen Worten von dem Polster auf, schellte dem Diener, ließ sich ankleiden und verfügte sich in seinen Salon, wo er die ausgezeichnetsten seiner Hofleute, gelehrte Männer, Künstler und gebildete Frauen empfing. Eine große Anzahl derselben war schon versammelt. »Ist Ibrahim nicht hier?" — fragte der Fürst, die Versammlung noch einmal überblickend. „Nein, gnädiger Herr!" antwortete einer der Hosleute, „Ibrahim hat mehr zu tun, als in dem Salon seines Fürsten zu schmeicheln." „Was soll das?" fragte der Vizekönig finster. „Kann Ibrahim nie ohne eine neidische Bemerkung erwähnt werden? Hab' ich nicht schon so vielmal öffentlich erklärt, daß ich den Mann schätze, ja liebe, und daß ich keine Rüge seiner Handlungsweise verlange? Freilich," setzte der Fürst hinzu, „freilich kann kein großer Mensch der Verleumdung entfliehen; je beredter von der Zunge desselben die Worte der Wahrheit fließen, je beredter umzischen ihn die Zungen anderer, die nicht leiden mögen, daß ihre Honigzungen mit dem Salze der Wahrheit gewaschen werden. Doch genug! Man rufe Ibrahim!" „Gnädiger Herr!" sagte der Hofmann süß lächelnd, „es tut mir leid, Ihren Zorn erregt zu haben; aber ich konnte nicht anders. Ich hänge meinem Fürsten zu sehr an, um jemals leiden zu können, daß ein gelehrter Jude so trotzig gegen Staat und Kirche eifert, wie Ibrahim es tut." ^„Schweigen Sie!" ries der Fürst zornig, „Ibrahim ist nichts weniger als Staatsverräter. Soeben las ich etiie Schrift von ihm, die er mir gestern übersandte. Sie enthält eine so klare inhalttiefe Lösung einer schweren Lebensfrage, daß mir im Moment Ihre Anklage eine lächerliche scheint!" Mit diesen Worten wandte der Fürst dem Hofmann den Rücken, sprach mit anderen über dies und jenes und blickte dabei oft nach der Türe, sehnsüchtig den Ibrahim erwartend