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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 308 (sequence 10)
Language
German
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ftfci-. Seit dieser Zeit istüber dieses hebräische Buch Josua 'weiter nichts verlautet. Gelehrte verschwendeten ihre ganze -Genialität darauf, nachzuweisen/ daß ein hebräischer Text des ^Aüches Josua niemals existiert habe und daß die Erwähnungen in der arabischen. Chronik eine ähnliche ältere Kompilation in samaritanisch-aramäischer Sprache betroffen, oder aber, daß es sich ungeachtet des klaren Wortlautes im Buche um eine einfache Fiktion handeln müsse. Das Büch hat aber nichtsdestoweniger existiert. Anläßlich meines vorjährigen Besuches bei den Samaritanern in Nablus kam es, als ein gleichgültiges Geschenk des. Hohepriesters der Samaritaner, Jakub Ben Ahrun, in meinen Besitz. Anfangs kannte ich es gar nicht. Unter verschiedenen anderen Schriften gab er mir auch eine von ihm selbst verfaßte Geschichte der Samaritaner von der Zeit des Eintrittes der Kinder Israels in das Land Kanaan bis zu unserer Zeit. Damals kaufte ich von dem Küster des Heiligtums ein Manuskript, als dessen Inhalt ebenfalls das Buch Josua angegeben war. Als ich in London die Manuskripte näher untersuchte/ fand ich zu meiner großen Ueberraschung und Freude, daß das Buch, das ich vom Küster gekauft hatte, dasselbe Buch sei, von dem bisher angenommen wurde, daß es verloren gegangen fei oder überhaupt nicht existiert habe. In der vom Hohepriester bearbeiteten Chronik bildete dasselbe Buch, den ersten Teil der Geschichte der Samaritaner und war mit dem andern Exemplar vollständig gleichlautend. , Es hatte keine besondere Ueberschrift und führt den Namen „Dibre Hajamim“, und es ist eine fortlaufende erzählende Geschichte, die mit der Beschreibung der Geschehnisse unter Josua beginnt und bis zu unseren Tagen fortgesetzt wird/ Es scheint die Quelle der arabischen Chronik zu sein, auf welche sich der Autor demnach mit Recht berief. Die große Bedeutung dieses Fundes liegt in'seiner Beziehung zu unserem ka'nonischen oder massoretischen Buche Josua. Es soll später gezeigt werden, daß die samaritanische Fassung spätestens im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstanden ist. Eine kurze Inhaltsangabe wird den Charakter des Buches am besten kennzeichnen. Die Geschichte beginnt mit dem Tode Mosis und setzt die Erzählung genau in derselben Weise fort wie der massoretische Text, indem sie den Einzug der Kinder Israels in das Land Kanaan unter der Führerschaft Josuas und des Hohepriesters Eleasar wortgetreu wiedergibt. Die Kundschafter werden nach Jericho geschickt und werden durch Rahab gerettet. Es werden die Vorbereitungen zur Ueberschreitung des Jordan gemacht, dessen Wasser sich beim Herannahen der Bundeslade teilen. Die Erscheinung des Engels Gottes, die Eroberung von Jericho und so weiter bis zur vollständigen Einnahme des Landes. Die Erzählung geht für immer Parallel mit den Schilderungen des mafforetischen Textes, bis zum Ende des 13. Kapitels. Von hier angefangen Unterscheiden sich die zwei Texte gründlich voneinander. Die Verteilung des Landes unter neuneinhalb Stämme, die im massoretischen Texte in acht langen Kapiteln ausführlich beschrieben wird, erscheint hier in einem einzigen Kapitel zusammengedrängt. Die Geschichte des Altarbaues durch die zweieinhalb Stämme, die jenseits des Jordans zurückgekehrt sind, fehlt in der samaritanischen Ausgabe ganz. An Stelle dessen hat das samaritanische Buch die Erzählung von dem Kriege der unter Führung des Königs Schobah vereinigten syrischen Könige gegen Josua und der Hilfe, die er vom Könige Nobah, dem Herrscher der jenseits , des Jordans lebenden zweieinhalb Stämme, erhalten hat. Wahrsager unterstützen Schobah mit ihren Zauberkünsten und sie umgeben Josua mit sieben, eisernen Mauern, welche mit Hilfe der Posaune,: in welche der den König Nobah begleitendePriester Pinchas gestoßen, hinweggeblasen wurden. Das Buch schließt dann mit einer an die in Schechem versammelte Menge gerichteten Ansprache. Eleasar stirbt; ihm folgt Pinchas und um diese Zeit, 13 Jahre nach dem Einzuge, schreibt Abiha jene berühmte Gesetzesrolle, welche noch heute den eifersüchtig gehüteten Schatz der Samaritaner bildet. Der samaritanische Text unterscheidet sich also von den massoretischen in manchen, wenn auch geringfügigeren Punkten. Er läßt die Wiederholungen und Doppelstellen weg. "Er weiß nichts von dem Vorfall in Gilgal und von der Beseitigung des'„Vorwurfes Aegyptens". Er weiß auch nichts von dem Stillstehen der Sonne und des Mondes. Die verschiedenen Ereignisse werden mit genauen Daten versehen und beschrieben. Der Hohepriester Eleasar spielt bei der Errichtung des Altars in Schechem und bei dem Segen und Fluch am Berge Gerisim eine wichtige Rolle. Laut dem samaritanischen Text geht Achan in einen heidnischen Tempel von Jericho und entwendet ein goldenes Idol. Seine Sünde wird dadurch entdeckt, daß die Steine seines Brustschildes sich verdunkeln und ihren Glanz verlieren, so oft 'sein Name genannt wird. Die Anspielung auf die Väter, die „fremden Göttern gedient", in der Schlußrede Josuas an die versammelten Stämme fehlt hier ebenfalls. Anderseits sind wenige Stellen aus dem Deuteronomium und anderen Büchern eingefügt, um die Heiligkeit des Berges Gerisim nachzuweisen.. Ebenso sind auch Hymnen und Gebete, genannt „Sang der drei Kinder", eingeschaltet. Ich kann nicht umhin, hier, wenn auch nur kurz, die zahlreichen Fragen und Probleme zu berühren, die aus dieser neuen Fassung entstehen. ' Vor allem entsteht die Frage, ob ihr Text echt ist und zweitens, wenn ja, welcher Periode gehört sie an? Die Vergleichung Mit der massoretischen Bibel muß alle Zweifel beseitigen. Denn beide Fassungen stimmen in überraschender Weise in jenen Kapiteln und Versen überein, die ihnen gemeinsam sind. Die samaritanische Fassung hat alle die knappen Formen, seltenen Ausdrücke und eigenartigen syntaktischen Konstruktionen/die der massoretischen Bibel eigen sind. (Es wird sich bald Gelegenheit bieten, diese Aehnlichkeit zu konstatieren, da der Text mit einer Einleitung, Übersetzung, nebst Bemerkungen in der folgenden Nummer der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft erscheinen wird.) Aber abgesehen von dieser inneren Evidenz ist auch die Tatsache zu beachten, daß dieses samaritanische Buch schon im zwölften Jahrhundert einem arabischen Geschichtsschreiber als erste Quelle diente. Im fünfzehnten Jahrhundert bediente sich Abulsath, der seine Geschichte der Samaritaner unter den Augen des damaligen Hohepriesters schrieb, ebenfalls desselben Textes. Ja, selbst der Schenker und Verkäufer der hier. behandelten Manuskripte haben auch heute noch keine Ahnung von der Wichtigkeit des Buches, in dessen Besitz ich verhältnismäßig um eine Kleinigkeit gelangt bin. In der Einsamkeit der Berge von Ephraim sind all die großen Probleme der modernen Bibelkritik unbekannt, und im zwölften Jahrhundert, als der Text ins Arabische paraphrasiert wurde, hat wohl niemand von ihnen geträumt. Die Authentizität kann nicht bloß aus dem Grunde bestritten werden, daß der Text bisher unbekannt geblieben. Auch der samaritanische Pentateuch blieb, trotzdem er in einergroßen Zahl von Manuskripten erhalten blieb und den Kirchenvätern nicht unbekannt war, dennoch fünfzehn Jahrhunderte oder noch länger völlig unbekannt, bis derberühmte Reisende Pietro della Valla ihn im Jahre 1616 in Damaskus entdeckt hatte. Ja/ die Samaritaner selbst wurden erst nach Verlauf, von wenigstens tausend Jahren, seit der Eroberung

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