Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- Seite 307 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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* T ' ‘ " *^y* l “ - - 7 + *L " c % T *w * ■ — 307 äneignete. Wie immer im künstlerischen- Entwicklungsgang eines Meisters ergibt sich die Frage, was er bei seinem Lehrer lernen konnte; nur so offenbart sich die eigene Art dem Beobachtenden. Mandel war als Stecher hervorragend tüchtig, und sein Stich nach der Madonna di S. Sisto von Raffael gilt noch heute als der vorzüglichste Stich des Werkes. Aber damit ist auch schon gesagt, was für Aufgaben die Zeit dem Kupferstich stellte. In einer Epoche, die noch keine genügenden Photographien kannte, war er die einzige reproduzierende Technik. Der Kupferstich trug die Kunstwerke, die jedermann kannte und liebte, ins Haus. Daran, im Kupferstich eine Ausdrucksform für eigene künstlerische Gedanken zu sehen, wie die Malerei eine war und wie die großen Meister der Vergangenheit, wie Dürer und später Max Klinger ihn aufgefaßt hatten, daran dachten nur wenige, und die Zeit hatte kein Verständnis für individualistische Regungen. So ist auch Jacobys Griffel zunächst reproduzierend tätig gewesen. Die Malerei der Zeit, repräsentiert durch Kaulbach, beruhte auf der Zeichnung, behandelte die Umriffe der Gestalten als das Wesentliche und die Farben fast als nebensächlich. So war für die Werke Kaulbachs,' die Jacoby zunächst stach, der Kupferstich, der die Linien gibt, eine ideale Ausdruckssorm.. Erstaunlich ist die Feinfühligkeit, mit der Jacobys Griffel in den Stichen nach den Gemälden „Geschichte" und „Sage" im Neuen Museum den feinsten Schwingungen der Linie zu folgen wußte. Er gibt nichts weiter als die Umrisse und erreicht doch die volle Wirkung der Originale. Es kam ihm freilich zu Hilfe, daß die Art, in der die Zeit die Farben anwandte, recht äußerlich war. In den Stichen aber, in denen Jacoby die Wirkungen der Farbentöne gegeneinander zum Ausdruck bringen wollte, hat er mit dem zartesten Gefühl für die Abstufungen der weicheren oder kräftigeren Linie vollkommen diese Wirkungen erreicht. Der Trieb, diese Technik zu vervollkommnen, hat ihn durch sein ganzes Leben begleitet; die einzelnen Stiche derart charakterisieren seinen Weg. Den Stich nach Kaulbachs Hunnenschlacht vollendet er aus der Studienfahrt in Paris 1856; er geht im folgenden Jahr nach Spanien, später nach Rom, wo er den Plan faßt, Raffaels berühmtes Fresko „Die Schule von Athen" zu stechen. 1863 wird er als Professor an die Wiener Akademie berufen; dort vollendet er 1882 diesen Stich für die Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Im gleichen Jahre folgt er einem Ruse nach Berlin und vollendet hier 1892 den Stich nach Sodomas Fresko „Die Hochzeit Alexanders". Mit voller Hingabe weiß er diesen Meistern zu folgen; den weichen Linien, den zarten Farbenabstufungen der Hochrenaissancewerke ebenso, wie der Zeichnung Kaulbachs. Eines seiner schönsten Werke aber ist das, in dem es ihm möglich war, zugleich strengen Konturen und feinen Farbenstimmungen folgen zu dürfen: der Stich nach Fra Filippos „Madonna im Walde" für das Berliner Galeriewerk. Wie er die strenge Zeichnung dieses Werkes der frühen Renaissance nachzufühlen weiß und zugleich die tiefe Farbenstimmung des Bildes in all ihrer Zartheit gibt, das ist von einer Feinfühligkeit, die über das Nachempfinden des von anderen Geschaffenen hinaus die persönlichste Künstlerschaft in das Werk trägt. Am freiesten aber hat er seine künstlerische Persönlichkeit dort entfaltet, wo kein fremdes, Vorbild ihn band. Seine höchsten Leistungen sind für uns seine Porträtstiche. Hier, wo Jacoby ganz aus dem Innern schafft, hat er sein Bestes gegeben. Was sein Werk in feiner Zeit sagen will, dafür bietet sich der Vergleich fast von selbst. Die Königliche Akademie der Künste in Berlin, der Jacoby seit 1874 als ordentliches Mitglied angehört. (Ehrenmitglied der Münchener ist er schon seit 1872), veranstaltete eben jetzt zu Ehren seines 80. Geburtstages eine Ausstellung seiner Werke zusammen mit denen Fritz Werners, eines anderen Achtzigjährigen. Dieser letztere ist einer der bekanntesten Historien- und Genremaler, und einer der besten unter ihnen. Aber wenn man von seinen Bildern voll buntester, reichster Farben und Formen, voll belebter Bewegung vor Jacobys Bilder und Stiche trat, war es, als ob eine seltsam wohltätige Ruhe den Eintretenden empfinge. Das liegt nicht nur an der Einfarbigkeit der Stiche — auch seine gemalten Porträtswirken so. Es gab dort zwei Porträts aus der römischen Studienzeit, Köpfe eines Knaben und eines Mädchens, ganz einfach in den Linien und ganz still in den Farben, und. doch mit allem Gefühl des Lebens. Und eben diese Ruhe macht seine Porträts so wuchtig. Er sucht nicht den momentanen Ausdruck wie Werner, sondern zeichnet ganz sachlich und objektiv; er gibt den wahrhaftigen Menschen ohne alles Pathos. Daß er der ganz klaren und objektiven Porträtplastik der Renaissance streng und harmonisch nachschafft, wenn er die Sonzaga-Büste des Berliner Museums sticht, ist vollkommenes Zeugnis für Jacobys Kunst. Und so sind sie alle, diese Porträts von Alten und Jungen, von Männern und Frauen. Aus jeder Persönlichkeit ist in künstlerischer Beobachtung mit der Ruhe der Objektivität ihr Innerstes geschöpft, daß man das Gefühl hat, die Art des Menschen zu empfinden, dem man gegenübertritt. Den weichen vollen Formen, den zarten Linien der Jugend folgt Jacobys Griffel ebenso ruhig und sicher, wie den scharfgefurchten, tiefschattigen Zügen deS Alters. Jedem Kopf ringt er sein innerstes Wesen ab, daß man nicht nur die Seele des Menschen spürt, der dort geschaffen ist, sondern auch die Seele des Künstlers, der sein Bild geschaffen hat. Und so ist es nicht seltsam, daß von allen diesen Porträts von Leuten jedes, noch so hohen Ranges, eines den überzeugendsten Eindruck macht, daß der Meister „im tiefsten Herzen spüret, was er erschafft mit seiner Hand":-das Porträt von des Meisters Mutter. Eine schlichte Greisin, mit ausdrucksvollen, furchigen Zügen, scharfblickenden Augen, einer jener Köpfe, aus denen ihr ganzes Leben spricht, wie sie aus. unserer arbeitsträgen Zeit zu verschwinden beginnen. Ein fein beobachtetes, fein beobachtendes Gesicht, mit dem Auge in Auge man etwas von dem Gefühl der Notwendigkeit empfindet, daß in dieser Familie einmal solch ein ruhig beobachtender, scharf formender Künstler hat geboren werden müssen. Das ramsritsnilchr Luch Mus. Von Nev. Dr., M. Ga st er-London. >Lum erstenmal steigt jetzt aus zweitausendjährigem Dunkel Is das Buch Josua in samaritanischer Fassung ans Tageslicht. Während dieser ganzen Zeit hat bloß ein einziges Mal ein Lichtstrahl das Dunkel erhellt. Es war gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts, als Scaliger, mit der Fertigstellung seines großen Werkes „ve Emendatione Temporum“ beschäftigt, mit den Samaritanern von Kairo in Verbindung trat und von ihnen einige Exemplare ihres Kalenders und eine im. zwölften Jahrhundert entstandene Chronik erhalten hatte, welche später das Buch Josua genannt wurde. Scaliger bemühte sich, in den Besitz der hebräischen Bücher zu gelangen, die in dem Begleitbriefe erwähnt waren. Jahre vergingen, bis im Jahre 1598 ein zweiter Brief kam. Die Samaritaner hatten Kenntnis erhalten, daß ihr Korrespondent ein Christ war und sie lehnten die Zusendung der verlangten Bücher rundweg