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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-19 · Heft 25 (19.6.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Vellsgr zur „Allgemeinen korrrlpondrn?rn und Kachrichtkn. Deutschland. s. Berlin, 15. Juni. Der Verband der Deutschen Juden hat soeben durch seinen rührigen und umsichtigen Generalsekretär, Herrn Justizrat Loevinson, ein Korrespondenzblatt herausgegeben, das uns einen wertvollen Einblick in die stille aber emsige Arbeit dieses Verbandes, die sich naturgemäß in den meisten Fällen der Oeffentlichkeit entzieht, gewähren kann. Bekanntlich hat der Verband in allen Teilen Deutschlands etwa 100 ständige Korrespondenten aus den besten Lebenskreisen, die ihm über alle wichtigen Fragen und Angelegenheiten regelmäßige Berichte einsenden. Er erlangt dadurch ein reichhaltiges Material, das den Ausschuß jederzeit in die Lage setzt, sich ein Bild vom Zustand der deutschen Inden in allen irgendwie wichtigen Beziehungen zu machen und aus solche Eiusicht fußend seine Entschlüsse zu fassen. Zu diesem Zweck wurde an die Vertrauensmänner der Korrespondenten ein Fragebogen geschickt, der hauptsächlich folgende Punkte berührt: 1. Bewegung der einheimischen Juden, (Zuwanderung und Abwanderung), 2. Einwanderung fremdstaatlicher Juden (Einwanderung, Naturalisation), 3. Berufsleben. 4. Schulen, (höhere und Mittelschulen, Volksschulen), 5. Gesellschaftliche Stellung der Juden, 6. Verhalten der Behörden, 7. Militär, 8. Gerichts 9. Aemter, 10. Wahlen. 11. Auszeichnungen. Das auf diese Weise zugebrachte Material ist nun in einer allgemeinen Uebersicht, die jeder mit Interesse lesen wird, sehr geschickt verwertet. Auf einzelnes kommen wir gelegentlich zurück. Außerdem ist noch eine Uebersicht über die Tätigkeit des Verbandes von Oktober 1907 bis April 1908 beigefügt. Aus dieser ist zu ersehen, wie der Ausschuß nach allen Richtungen hin tätig ist, um die Interessen der deutschen Juden in jedem einzelnen Falle wahrzunehmen und zu vertreten. Es liegt in unser aller eigenem Interesse, daß die Zahl der Korrespondenten sich noch vermehre. Mit Verwunderung haben wir aus dem Bericht ersehen, daß einzelne Bezirke trotz aller Bemühungen des Ausschusses noch gänzlich fehlen. Hoffentlich finden sich nun auch in solchen Männer, welche geeignet und geneigt sind, in die Reihe der Korrespondenten des Verbandes zu treten, um durch ihre Berichte das Bild von der Lage der Juden in Deutschland nach allen Richtungen zu vervollständigen. 8. Berlin, 14. Juni. Der soeben erschienene Jahresbericht des „Vereins Jüdisches Genesungsheim" bietet abermals ein Bild wahrhaft segensreicher Wirksamkeit. Vom 1. Januar bis 31. Oktober wurden 394 Pfleglinge ausgenommen, denen außer dem vollständigen Unterhalt, ärztlicher Beaufsichtigung usw. 1242 warme Bäder, 400 Sol-, 492 Fichtennadelbäder, 1600 Duschen verabfolgt wurden. Die Zahl der Verpflegnngstage betrug 13285, welche eine Aufwendung von zirka 16 047 Mark erforderten. Die Gesamtausgaben beliefen sich aus 31 437 Mark, die Einnahmen auf 34 758 Mark, davon Jahresbeiträge 7649, Geschenke 7063, Zinsen 3881, Verpflegungszuschüsse 12 863 Mark usw. Das Vereinsvermögen ist aus 104 500 Mark gestiegen. Den Vorstand bilden Dr. Wilhelm Feilchenfeld, Vorsitzender, Emil Pincus, Stellvertreter, Oskar Wassermann, Schatzmeister, Frau Dr. Frankl, Schriftführerin, Siegfried Brünn, Dr. Leopold Feilchenfeld, Frau Franziska Ginsberg, Frau Justizrat Gerson, Hugo Heilmann, Prof. Dr. Lazarus, Geheimrat Dr. Maretzky, Frau Rosa Meyer, Frau Sanitätsrat Mühsam, Frau Rosa Sachs, Louis Sachs, Frau Sanitätsrat Wiesental und Herm. Witkowski. 8. Berlin, 14. Juni. Ein interessanter Gast weilt jetzt in Berlin, Herr Nathan Strauß, der frühere Präsident des Gesundheitsamts in New York, der im Jahre 1892 das erste öffentliche Depot für die Verteilung pasteurisierter Milch an die Bevölkerung von New Dork errichten ließ. Welche Verbreitung und welchen Anklang seine gemeinnützigen Ideen fanden, geht daraus hervor, daß im Jahre 1906 bereits weit über drei Millionen Flaschen und mehr als eine Million Leitung dr§ Judentums". Gläser mit pasteurisierter Milch dort, verteilt wurden. Anerkannte medizinische Autoritäten haben nachgewiesen, daß die Verminderung ,der Säuglingssterblichkeit in New Bork von 96,2 per 1000 im Jahre 1902 auf 55 per 1000 im Jahre 1906 auf die Verwendung dieser pasteurisierten Milch zurückzuführen ist. Jetzt will Herr Strauß die Wohltat seines Verfahrens auch allen europäischen Städten, wo ein lokales Bedürfnis vorliegt, zugänglich machen, und zu diesem Zweck hat er im hiesigen „Kaiserhof" eine Ausstellung seiner Apparate veranstaltet, die er Interessenten im Betriebe vorsührt, um zu zeigen, wie einfach und erfolgreich sich das ganze Verfahren gestaltet. Herr Straub hat sich keinen der von ihm konstruierten oder verbesserten Apparate patentieren lassen, weil er eben jedem gestatten will, sie für die Allgemeinheit herzustellen. Herr Strauß verfolgt mit seinem System lediglich philantropische Zwecke, jeder geschäftliche Nutzen ist für ihn. den amerikanischen Millionär, ausgeschlossen. Nur nebenher sei noch bemerkt, daß Herr Strauß ein guter Jude ist und am jüdischen Gemeindeleben in New Bork lebhaften Anteil nimmt. ff. Posen, 9. Juni. Unter großer Beteiligung fand hier die Beerdigung des Königlichen Landgerichtsrats Louis Wolffsohn statt. Derselbe war mit seinem Sohne und dem Arzte Dr. Neufeld spazieren gegangen und wurde anscheinend vom Herzschlage betroffen. Ec brach auf der Straße plötzlich zusammen und verstarb sofort. Der Verstorbene hat während seiner fast 20 jährigen Tätigkeit als Mitglied des hiesigen Landgerichts mit unermüdlicher und gewissenhafter Pflichttreue sich die Erfüllung seiner Amtspflichten angelegen sein lassen und sich durch die Lauterkeit seiner Gesinnung und die Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr die aufrichtige Hochachtung aller seiner Berussgenossen erworben. Der plötzlich Dahingeschiedene erreichte ein Alter von 62 Jahren. Lp. Aus -er Provinz Posen, im Juni. In Samter beging neulich das Fleischer Motteksche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit. Der Darlehns-Hilfsverein in Oftrowo hatte im letzten Jahre in Einnahme und Ausgabe die Summe von 9840,27 Mark zu verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 116. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Kaufmann M. Pilz und Kaufmann S. Unger, sind in der letzten Generalversammlung wiedergewählt worden. — In Wongrowitz sind neulich zwei geachtete Bürger plötzlich verstorben, nämlich Fabrikbesitzer Adolf Cohn im Alter von 72 Jahren-und Kaufmann Samuel Schott im Alter von 74 Jahren. Beide haben einen erheblichen Teil ihrer Zeit und Kraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. — Der Großkaufmann Katzenellenbogen in Kro losch in hat anläßlich seiner Uebersiedlung nach Posen außer einem namhaften Betrage für die dortige Synagogengemeinde auch dem Vaterländischen Frauenverein eine Spende von 1000 Mark, dem Kinderheim 300 Mark, d^m Damengesangverein 150 Mark und dein städtischen Krankenhause 500 Mark als Spende überwiesen. — Nach dem veröffentlichten Jahresbericht zählte der israelitische Frauenverein in No gasen am 1. April d. I. 64 Mitglieder. Frau Buchhändler Henriette Alexander — das älteste Mitglied — welche seit 1856 ununterbrochen Rendantin ist, wurde zum Ehrenmitglieds ernannt. — In Labifchin ist am 6. d. der langjährige, hochverdiente Vorsteher der Gemeinde, Herr Isidor Rynarzewski, gestorben. Am Grabe sprachen der Schwiegersohn des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Wohlberg-Berlin, der Ortsrabbiner Dr. Ansbacher und ein Sohn des Verewigten, Lehrer Rhnarzewski-Obersitzko. Das Andenken des Gerechten sei zum Segen! n. Breslau, 11. Juni. Unter Teilnahme von etwa 100 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands fand am 8. und 9. d. M. hier der elfte Delegiertentag der deutschen Zionisten statt. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln, bemerkte einleitend : Die deutschen Juden seien sich ihrer staatsbürgerlichen Pflichten gegen das deutsche Vaterland voll bewußt. Anderseits müssen sie aber auch mit aller Entschiedenheit darauf bestehen, daß ihnen ihre staatsbürgerlichen Rechte weder im Wege der Gesetzgebung noch der Verwaltung

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