Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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bestand auch diesmal in der- Einrichtung von. Religionsunterricht -in Gemeinden, die nicht imstande, waren, die Kosten desselben allein zu bestreiten. Es erhielten 20 Gemeinden zu diesem Zweck Unterstützungen; von allen Schulen wurden Jahresberichte eingesordert, und eine große Anzahl wurde inspiziert. Der Bericht enthält auch das Protokoll des siebenten Gemeindetages, den der Verband am 26. Januar d. I. hier abhielt, und über den wir seinerzeit einen ausführlichen Bericht gebracht haben. Von speziellem Interesse ist der Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal über die jüdischen Gemeindeverhältnisse der Rheinprovinz, mit besonderer Berücksichtigung des Religionsunterrichts. Es leben in der Rheinprovinz 55 408 Juden, 0,86 Prozent der Gesamtbevölkerung; in den letzten 25 Jahren ist die jüdische Bevölkerung um 11714 Seelen gewachsen. Neun Städte, nämlich Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Krefeld, Elberfeld, Aachen, Duisburg und Bonn haben mehr als 1OO0 jüdische Einwohner. Neben ,342 rein jüdischen fanden 1904 64 Mischehen statt. Die höheren Knaben-Lehranstalten wurden von 13146 jüdischen Schülern besucht; die 134 Gemeinden der Rheinprovinz erbringen 823 680 Mark an Steuern, pro .Kopf werden mindestens 15 Mark für jüdische Kultuszwecke aufgebracht; die Rheinprovinz hat elf Rabbinatssitze, davon sechs im Regierungsbezirk Düsseldorf. Vereine und Kassen gegen Wanderbettelei befinden sich in 36 Gemeinden, Waisenhäuser sind in Köln und Dinslaken. Krankenhäuser beziehungsweise Asyle in Sayn, Neuenahr. Köln und Aachen, Vereine zur Förderung des Handwerks in Koblenz. Düsseldorf, Köln. Essen, Krefeld, Remagen, Saarlouis und Aachen. Der Religionsunterricht wird von 3626 Kindern an 146 Schulen besucht. v. Bocholt, 8. Juni. Der 18. Jahresbericht über die Wirksamkeit des Hilfsvereins Esraß K'fufim hier bietet wiederum ein erfreuliches Bild reger Tätigkeit im Interesse des Gemeinwohls. Die ordentlichen Beiträge von 266 Mitgliedern brachten der Kasse einen Betrag von 1350 Mark; die Einnahmen beliefen sich auf 13761,51 Mark, während die Ausgaben mit 13 663,39 Mark gebucht werden konnten. Die Hauptaufgabe des Vereins, die Gewährung zinsfreier Darlehen an in ihren Vermögensverhältnissen zurückgegangene Glaubensgenossen, konnte im Laufe des Verwaltungsjahres voll und ganz betätigt werden. Zehn Klienten erhielten an' zinsfreien Darlehen 5600 Mark; welches günstige Resultat der Verein aber überhaupt erzielt hat, das beweist die Tatsache, daß von 44 279.15 Mark, die derselbe innerhalb 18 Jahren an zinsfreien Darlehen gewährte, bereits 30 34!,69 Mark zurückerstattet sind. Das Vereinsvermögen hat die Höhe von 26 935,58 Mark erreicht. Der Verein hat in diesem Jahre durch den Tod des Herrn Meyer aus Haltern, der seit 13 Jahren Vorstandsmitglied war, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Vorstand des segensreich wirkenden Instituts besteht aus den Herren Lehrer I. Spier, Vorsitzender, Max Weinholt, stellvertretender Vorsitzender, A. Weyl, Rendant, L. Ostberg, Schriftführer; Hermann Kann- Mülheim a. Ruhr, C. Benjamin-Wesel, S. L. Franken-Emmerich, Beisitzer. b. Frankfurt a. M., 8. Juni. Am 10. v. M. wurde hier im Hause Neue Kräme27 ein Heim für israelitische weibliche Angestellte eröffnet. Dasselbe, ein langgeplantes Werk der Frankfurt-- Loge, ist einstweilen durch die Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge ins Leben gerufen und in gemieteten Räumen eingerichtet worden, In dem Heim finden junge Mädchen, welche zu ihrer Ausbildung oder um sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben, fremd und ohne Familienanschluß von auswärts nach Frankfurt kommen, eine Stätte, welche ihnen Wohnung und rituelle Verpflegung, Heimatgefühl und Geselligkeit, moralischen Schutz und Beistand gewähren soll. Die einfach, aber behaglich eingerichteten Räume können 25 bis 30,-jungen Mädchen Unterkunft bieten; der Pensionspreis beträgt nach der Lage der Zimmer 45 bis 55 Mark pro Monat. Anfragen sind zu richten an. Frau Maria Schlesinger, Arndtstraße 49. ä. Nürnberg, 7. Juni. Die diesmalige Sitzung des Bayerischen Landesvereins der israelitischen Kultusgemeinden war sehr wichtigen Erörterungen gewidmet. Von den 72 Stimmen, die den Ausschuß bilden, waren 69 teils persönlich, teils durch Delegation vertreten. Die Verhandlungen leitete der Geheime Hosrat Josefthal mit derselben Frische und Objektivität, wie n seinen besten Tagen. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildeten die Subventionen für die einzelnen Gemeinden und Institutionen in Bayern, die nach der Lage des Etats und der Verhältnisse erledigt wurden. Bewilligt wurden im ganzen 8500 Mark, abgesehen von den Subventionen an Verbänden usw. Die umfangreichste Debatte rief ein Antrag von Herrn Justizrat. Ofner und Siegmund Fränkel .(München) hervor: Der Landesverein möge eine Kommission einsetzen, die die Revision des bayerischen Judenedikts vom 10. Juni 1813 durch Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs vorbereiten solle. Bei diesem Punkte der Tagesordnung platzten die Gegensätze heftig aufeinander. Im Aufträge der bayerischen Rabbiner, die kurz vorher hier ihre Jahreskonferenz abgehalten haben, erklärte Dr. Werner-München, daß diese nur dann Mitarbeiten könnten, wenn im Interesse des religiösen Lebens 1. die Versammlung die Bestimmungen der Ministerialentschließung vom 26.6.1863 als Grundlage eines jeden neuen Gesetzes anerkenne, 2. den Rabbinern die durch die Geschichte des Landesvereins und dessen Gepflogenheiten zu Recht bestehende Quote der Kommissionssitze eingeräumt würde, 3. diese Kommission als erste ihrer Aufgaben die Regelung der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts in Angriff nähme. Nach langer Debatte pro et eontra wurde der Antrag Ofner-Fränkel in namentlicher Abstimmung mit Majorität angenommen. Hierauf folgte die Wahl der in diesem Antrag vorgesehenen Kommission, die aus 24 Mitgliedern, darunter sechs Rabbinern, bestehen soll. Die Rabbiner erklärten, daß sie die Hälfte der in dieser Kommission zu vertretenden Stimmen beanspruchen, worauf aber die Mehrheit des Ausschusses nicht einging: Dies führte dahin, daß die gewählten Rabbiner erklärten, unter diesen Umständen eine Wahl nicht annehmen zu können. Auch der hiesigen orthodoxen Religionsgesellschaft ist konsequenterweise keine von ihr selbst zu bestimmende Vertretung in dieser Kommission zugestanden worden. Infolgedessen lehnte auch Herr Siegmund Fränkel-München die Wahl ab. obwohl die Majorität der Orthodoxie soweit als möglich entgegenxam, indem sie für Nürnberg einen der konservativen Richtung an^ gehörenden Vertreter des Gemeindevorstandes gewählt hatte. In dieser Situation machte der greise Vorsitzende den. allgemein angenommenen Vorschlag, zur Beilegung der Differenzen eine neue Versammlung auf den 8. September d. I. anzuberaumen. Wir fürchten, daß auch diese Versammlung resultatlos verlaufen wird, wenn die Orthodoxie nicht im allgemeinen Interesse ihre unberechtigten Ansprüche aufzugeben sich entschließt. 8t. Stuttgart, 8. Juni. Zu der auf den 27. und 28. Mai d. I. einbcrufenen 13. ordentlichen Versammlung des Vereins württembergischer Rabbiner waren, außer zwei durch Alter beziehungsweise durch Krankheit verhinderten Kollegen, alle erschienen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Geschäftsbericht des Vorsitzenden Kirchenrat Kroner. Aus diesem Bericht geht hervor, daß der Ausschuß des Vereins zur Ausführung der Beschlüsse der vorigen Versammlung die nötigen Schritte getan hat. Im Anschluß daran werden weitere Mitteilungen und Anregungen, besonders hinsichtlich des obligatorischen Religionsunterrichtes, Verhütung einer weiteren Verschärfung der Sonntagsruhe und der Abwehr der Schächtgegner gegeben und mit Interesse entgegengenommen. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Fortsetzung der seit vier Jahren erfolgten Beratung der württembergischen Gottesdienstordnnng. Die Beratung wurde diesmal zu Ende geführt. (Referent- Sänger-Mergentheim). Die Beschlüsse sollen zu einem „Entwurf" zusammengestellt und behufs einer z.weiten Lesung Kahn-Heilbronn zum Referat für die nächste Versammlung übergeben werden. Einen interessanten Einblick in die „Minhagim" in württembergischen Gemeinden gaben als Referenten. zum dritten Gegenstand der Tagesordnung die Kollegen Kahn-Eßlingen, Kroner- Oberdorf und Schweizer-Weikersheim; sie zeigten, daß trotz der zirka 70 Jahre bestehenden und gültigen württembergischen Gottesdienstordnung örtliche Verschiedenheiten erhalten geblieben sind. Der vierte Punkt der Tagesordnung war eine Berichterstattung über eine geordnete Zusammenstellung alles dessen, was besonders in der Verwaltung usw. als Norm von der Behörde aufgestellt worden ist. Der ^Referent Berlinger-Brannsbach legt eine Sammlung von Erlassen und Verordnungen, die er selbst gesammelt hat, vor. Es wurde' der Wunsch ausgesprochen, daß diese oder eine ähnliche,