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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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WWMWWSWWWWVMNMWWWDWWWWWWWWDWWWMWWWDMWWWD -- 4 -- ' vollständigere Sammlung bald zur Orientierung und zum Studium vorliegen möchte. Das fünfte Referat sollte die Tätigkeit, der Rabbiner bezüglich der größeren Vereinigungen innerbalb Deutschlands beleuchten. Referent Kahn-Heilbronn hob hervor, daß es zu begrüßen sei, daß jedes Feld gemeinnütziger Tätigkeit eine Organisation und beinahe jede Not ihren „Hilfs"-Verein habe; zwar erschwere die große Anzahl der Vereine die Wirksamkeit für dieselben, was er an einzelnen Organisationen, deren Bedeutung er hervorhob, beleuchtete. Dennoch sei es Pflicht der Kollegen, für diese großen Organisationen, soweit als möglich, einzutreten und sie zu fördern. Mit dem Wunsche, daß die Anregungen auch draußen im Amte Früchte tragen mögen, wurde die Versammlung, nachdem noch für die nächstjährige wichtigere Referate aufgestellt und vergeben waren, geschlossen. GesterreilH-Mngarn. LH Wien, 8. Juni. Unsere Christlichsozialen haben in die österreichischen Universitätskämpfe eine neue Nuance gebracht. Ihnen war es Vorbehalten, das Argument der Heugabeln ins Treffen zu führen. In Graz fand ein Sturm der Bauern auf die Universität statt, bei dem drei christlichsoziale Abgeordnete das Kommando übernommen hatten. Die Parteigenossen hier billigen diesen Kampf natürlich — aber sie sind doch einerseits den Deutsch-Radikalen, anderseits den Klerikalen gegenüber in schlimmer Verlegenheit. Aus dieser hat sie der schwarze Prinz, Alois Lichtenstein, sofort befreit, indem er im Parlament einfach erklärte, die ganze Sache sei von den Juden, speziell von der jüdischen Presse angezettelt worden. Na also! — Großes Aufsehen erregt ein Artikel des „Peßher Lloyd" über den österreichischen Thronfolger, in dem es unter anderem heißt: „Die krausesten Dinge wurden über die religiösen Neigungen und konfessionellen Abneigungen des Erzherzogs erzählt. Daß der Thronfolger ein fromlner, überzeugter Christ ist, unterliegt keinem Zweifel. Allein gerade darum wurzelt in ihm auch die tiefe Achtung vor jedem anderen Glaubensbekenntnis. Der gläubige Protestant oder Jude gilt ihm genau so viel, wie der gute Katholik. Und was speziell die Juden betrifft, hält sie der Erzherzog für dynastisch gesinnte Patrioten. Oft genug hat er sich mit besonderem Lob über Juden ausgesprochen, sie bei seinen Einkäufen auffällig berücksichtigt. Und da sich auch unter den Angestellten des Erzherzogs Juden befinden, und zwar in ansehnlicher Stellung, mag sich jeder vernünftige Mensch selber seine Meinung darüber bilden, wie es um die Duldsamkeit des Erzherzogs in konfessionellen Dingen bestellt ist." — Der Professor an der Budapester Universität, sowie an der Rabbinerschule daselbst, Dr. I. Goldzieher, wurde zum Mitgliede der Amsterdamer Akademie der Wissenschaft gewählt. — Wir erhalten ausführliche und interessante Berichte über das Jubiläum des Herrn Oberrabbiners Dr. Eduard Neumann in Groß-Kanisza, die wir leider Raummangels wegen nicht im Wortlaut publizieren können. Das Jubiläum war nach diesen ein wahres Kultur- und Verbrüderungsfest der Bevölkerung. Stadt und Gemeinde wetteiferten, dem allgemein beliebten Seelsorger ihre Verehrung auszudrücken. Schon am Abend vorher brachte der „Literatur- und Kunstverein" dem Jubilar eine Serenade. Den Mittelpunkt des Festes bildete die Synagogenfeier, bei der Herr Dr. Neumann eine allgemein ergreifende Rede hielt. Hieraus fand eine Festsitzung im Handelsschulsaale statt, bei der die Vertreter der Gemeinde, der Stadt und vieler Vereine Ansprachen hielten. Abends vereinte ein großes Bankett alle Notabilitäten der Stadt in schöner Harmonie. In verschiedenen Reden wurde in warmer Weise der Familie des Jubilars gedacht und seines Verwandtschaftsverhältnisses zu dem verewigten Dr. Ludwig Philippson, in dessen Geiste er in Ungarn wirkt. Von Sah und Fern. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Hai durch seine Vermittlung im Mai 183 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 55 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. — Dem Handelsrichter Wilhelm Freystadt, der sich um die Förderung der freiwilligen Sanitätskolonnen in den westlichen Vororten sehr verdient gemacht hat, wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Der von einigen jüdischen Blättern gefeierte Heldetttenor Julius Liban, der am 1. Juni das fünfundzwanzigjährige Jubiläum als Königlicher Sänger am Berliner Opernhaus feierte, ist nicht mehr Jude. — Professor Dr. Georg Galland, Lehrer an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Charlottenburg, hat den Roten Adlerorden vierter Klasse erhalten. — In Posen ist am 31. v. Mts. der Landgerichtsrat Louis Wolffsohn im Alter von 62 Jahren plötzlich an Herzlähmung gestorben. — In Posen wurde eine „Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums" gegründet. Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld-Posen wmde zum Ehrertvorsitzenden, Dr. Cohn- Rawitsch, Dr. Theodor-Bojanowo, Dr. Wreschner-Samter in den Vorstand gewählt. — Infolge einer persönlichen Vorstellung bei den höchsten Gerichtsbehörden in Zwickau hat dort die langjährige Ausschließung der jüdischen Bürger von dem Ehrenamte der Geschworenen endlich ein Ende erreicht. In der nächsten Schwurgerichtsperiode wird dort zum erstenmal ein Zwickauer Bürger jüdischen Glaubens als Geschworener amtieren. — Die von dem Numismatiker Leopold Hamburger in Frankfurt a. M. zusammengebrachte Sammlung antiker Münzen Judäas und seiner Nachbarstaaten ist vom Britischen Museum erworben worden. Die Sammlung zählt mehr als 2700 Münzen, darunter viele Stücke von hohem geschichtlichen Wert; namentlich die Periode des zweiten jüdischen Aufstandes zur Zeit des Kaisers Hadrian ist durch seltene Münzen vertreten. — Der Notar Dr. Moritz Elsässer in Mannheim wurde zum Oberamtsrichter ernannt. — In Dürkheim (Pfalz) ist der bekannte Pädagoge Direktor Bär mann gestorben. Vor Jahren hat er seine berühmte Realschulseinem Sohne übergeben und sich zur Ruhe gesetzt. — Bei der jüngsten Anwesenheit des Kaiserpaares in Wiesbaden erhielt auch der Städte und Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein Einladung zur Denkmals- Enthüllung und zu der Festvorstellung im Hoftheater. — In dem neuesten Prospekt der Kurverwaltung von Königsfeld im badischen Schwarzwald, einem Höhenort, der 1806 als Kolonie der Evangelischen Brüdergemeinde in Herrenhut gegründet wurde, findet sich folgende Bemerkung: „Der christliche Charakter des Ortes bedingt auch christliche Hausordnung in den meisten Häusern, Hotels und Pensionen, weshalb Israeliten ihn nicht äufsuchen." — Die württembergische Oberschulbehörde hat betreffend des obligatorischen Religionsunterrichts für jüdische Schüler ihren Beschluß dahin modifiziert, daß alle jene Schüler an höheren Lehranstalten vom obligatorischen Religionsunterricht befreit werden sollen, deren Eltern den Nachweis-erbringen, daß ihre Kinder irgendwie einen privaten Religionsunterricht erhalten. — In Paris ist im Altex vom 65 Jahren der Oberst H e uman, Professor an der Ecole politechnique, gestorben. — „Aurore" versichert, General Picquart habe beschlossen. Major Alfred Dreyfus zum Offizier der Ehrenlegion zu befördern. — Wie das „Journal Officiel" von Paris meldet, hat der Präsident der französischen Republik Herrn Levi Teboul. Kassierer der Staatsbank von Marokko in Casablanca, für seine während der Unruhen in Casablanca bekundete Tapferkeit die Ehrenmedaille verliehen. — Im Odessaer jüdischen Krankenhause wird der Bau der großen gynäkologischen Abteilung beendigt, die auf Kosten des vor wenigen Jahren verstorbenen A. M. Brodsky errichtet wird. Diese Abteilung kostet mehr als 40 000 Rubel. Dieselbe wurde gemäß den neuesten Forderungen der Wissenschaft erbaut, und hat für 40 Kranke Raum. Der dirigierende Arzt ist Dr. Mandelstamm. Der Bau der zweiten therapeutischen Abteilung soll auf Kosten der Familie Menbelewitsch nunmehr in Angriff genommen werden. Leiter dieser Abteilung ist Dr. Schleposchnikoff. — Der Direktor des Deutschen'Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, Professor Dr. Borchardt hat den Medschidie-Orden III. Klasse erhalten. — In dem Etatsjahre 1906/07 sind in Amerika 2558 jüdische Farrnev eingewandert, von Kanada, Argentinien .ganz abgesehen. Die 'Zahl der jüdischen Landwirte in den Vereinigten Staaten beträgt eher mehr denn weniger als 5000. Bezeichnend für die Zunahme der Zahl jüdischer Landwirte in den Vereinigten Staaten ist sicherlich, daß jetzt eine jüdische Monatsschrift unter dem Titel „Der jüdische Farmer" in New York erscheint.

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