Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228823--64607-3276678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

13 entity mentions

v''l‘ eine Uebersicht seines Lebenswerkes im Verein mit der Fritz Werner- Ausstellung gegeben. Jacoby ist am 7. Juni 1828 zu Havelberg geboren und war auf graphischem Gebiete ein Schüler von Eduard Mandel. Weitere Studien machte er in Spanien und verweilte dann einige Jahre in Paris und in Nom. 1863 wurde er als Professor der Kupferstechkunst nach Wien berufen, ein Amt, das er 19 Jahre inne hatte. Seitdem ist er in Berlin tätig. Für seine größeren graphischen Arbeiten bevorzugte er Meisterwerke der Renaissance; am bekanntesten sind seine Kupferstiche nach Raffaels Schule von Athen, nach Sbdomas entzückendem Freskobilde in der Farnefina zu Rom, der Hochzeit Alexanders und der Roxane, und der Geburt Christi nach dem Florentiner Meister Fra Filippo Lippi. Von neueren Werken stach er die Hunnenschlacht, die Sage und Geschichte, sowie Macbeth nach Kaulbach und die Bilder von Henneberg aus der Villa Warschauer in Charlottenburg. Mit besonderem Erfolge Pflegte er auch das Bildnisfach. Sehr groß ist die Zahl bekannter Persönlichkeiten, die er meist nach eigener Zeichnung in Kupferstichen dargestellt hat. e. Thorm, 4. Juni. In der letzten Stadtverordnetensitzung war ein Schreiben der Synagogen-Gemeinde eingegangen um Gewährung einer jährlichen Beihilfe von 500 Mark zu den Unterhaltungskosten des Altersheims. Der Magistratsantrag wollte diese Beihilfe auf 200 Mark reduziert wissen. In der Debatte trat der Stadtverordnete D. Wolff sehr warm für den Antrag ein. Ebenso der Stadtverordnete Feilchenfeld. Beide erklärten es für eine Ehrenpflicht der Stadt, den Antrag zu bewilligen. Dieser Meinung war der Herr Oberbürgermeister Dr. Kersten nicht, da die Stadt private Wohltütigkeitsinstitute nicht unterstütze. Die beiden vorgenannten Herren appellierten nochmals an die Versammlung, mit der sehr treffenden Motivierung, daß das Altersheim der Synagogengemeinde doch wirklich die Stadt eines Teils ihrer Armenlasten enthebe, indem es sich der jüdischen Mitbürger annimmt. Trotzdem wurde bei der Abstimmung die Forderung auf 500 Mark mit 30 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Die 200 Mark fanden somit die Bewilligung der Versammlung. ff. Posen, 2. Juni. Die elfte ordentliche Generalversammlung des Verbands der Synagogen gemeinden des Regierungsbezirks Posen fand im Repräsentanten-Sitznngssaäl hierfelbst statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der Verbandsvorsteher Herr Ignatz Goldschmidt die Erschienenen; alsdann gedachte er in warm empfundenen Worten des in dem abgelaufenen Berichtsjahre verstorbenen Gemeindesekretürs urrd Schriftführers M. Selke. Im Berichtsjahre haben sich dem Verbände zwei Gemeinden (Mur.-Goslin undZerkow)neuangeschlossery während der Abgang von Kostschin, welche Gemeinde sich aufgelöst hat, zu verzeichnen ist. Es gehören dem Verbände folgende 36 Gemeinden an: Birnbaum, Bojanowo, Bomst, Buk, Dobrzyca, Grätz, Jaratschewo, Jarotschin, Kobhlin, Koschmin, Kosten, Krotoschin,Lissa i. P., Moschin, Mur-Goslin, Neustadtbei Pinne, Ostrowo, Pinne, Pleschen, Posen, „ Rackwitz, Rawitsch, Samter, Samtomischel, Schmiegel, Schwerin, Schroda, Schwerin a. W., Schwersenz, Tirschtigel, Wollstein, Wreschen, Wronke, Zduny, Zerkow. Im Jahre 1907 wurden vereinnahmt: Beiträge von Synagogengemeinden 1060 Mark, Beitrüge von persönlichen Mitgliedern 366 Mark, außerordentliche Zuwendungen 84,20 Mark, Beihilfe des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zu den Kosten der Bezirksrabbinate pro 1907 300 Mark, Beitrag zu den Kosten einer Gemeinde ihres Abschlusses an -ein Bezirksrabbinat 150 Mark, Zinsen 18,15 Mark, im ganzen 1978,35 Mark; hierzu den Bestand am 1, Januar 1907 mit 648,08 Mark, zusammen 2626,43 Mark. Verausgabt wurden 2584,88 Mark, mithin verblieb am 1. Januar ein Bestand von 41,55 Mark. Die im Mai 1907 von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund sowie von der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums ausgegangene Anregung im Hinblick auf die in dem neuen preußischen Volksschul-Unterhaltungsgesetz vorgesehenen .finanziellen Vergünstigungen des jüdischen Religionsunterrichts eine Enquete in den einzelnen Gemeinden über den jüdischen Religionsunterricht anzustellen, hat den Verband veranlaßt, dieserhalb mittels Rundschreibens vom 15. Mai 1907 an 70 zum Bereiche des diesseitigen Verbandes gehörende Synagogengemeinden heranzutreten. Unterm 6. Juni vorigen Jahres richtete der Verbandsvorsitzende unter Uebersendung des letzten Verbandsberichts an die Verbände derjenigen Gemeinden im Regierungsbezirk Posem welche dem Verbände noch nicht angehören, den dringenden Appell, sich ohne. Ausnahme demselben anzuschließen, indem er darauf hinwies, daß dies nicht mehr als Ehrenpflicht sei. da die Leistungen des Verbandes dem Gesamt-Judentum> insbesondere aber den Gemeinden des Regierungsbezirks zugute kommen. Zu gleicher Zeit erließ er ein Rundschreiben an die Mitglieder des Verbands-Ausschusses, sowie an die Rabbiner im Bezirke, worin er bat, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit Gemeinden und Privatpersonen als Mitglieder zu gewinnen . und hierdurch zum Gelingen unserer Bestrebungen beizutragen.— Der Erfolg entsprach leider nicht seinen Erwartungen, und es wird immer wieder von neuem die Aufgabe sein, im Interesse der guten Sache unablässig auf die Stärkung der vorhandenen Mittel hinzuarbeiten. Der Bericht des Verbandsvorstehers gab zu verschiedenen Anregungen aus der Versammlung Anlaß, welchen Folge gegeben werden soll. So sollen unter anderem für den Fall der Auflösung von Gemeinden die betreffenden Bezirksrabbiner veranlaßt werden, Schritte dahin zu tun, daß etwa vorhandene Legate, welche bestimmungsgemäß nicht mehr verwendet werden können, für andere Zwecke umgewandelt, und daß wertvolle synagogale Gegenstände, Gemeinde-Akten usw. entweder der Synagogen-Gemeinde Posen oder dem Gemeinde-Archiv der deutschen Juden in Berlin zur Aufbewahrung überwiesen werden. . Zu Mitgliedern des Ausschusses wurden die Herren Ignatz Goldschmidt, Posen, S. Silberstein, Posen, Israel Friedlaender, Posen, Rabbiner Dr. Lew in. Wreschen, Alfred Markus, Pinne, wiedergewählt. An der Stelle des von Rawitsch nach Breslau verzogenen Justizrats Breslauer wurde Herr G. Auerbach, Krotoschin, neugewählt. Zur Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Synagogen-Gemeinde waren erschienen die Herren ^Goldschmidt, Posen, Vorsitzender Friedlaender, Posen, Silberberg, Posen, Werner, Posen, Rabbiner Dr. Lewin, Wreschen, Goldfchmidt, Lissa i. P>, Lippmann, Buck, Markus, Pinne. Als Verbandsvorsteher wurde Herr I. Goldschmidt, Posen, als stellvertretender Verbandsvorsteher Herr Justizrat Salz, Posen, als Kassenführer Herr Silberberg, Posen, gewählt. — Ems, 28. Mai. Der fünfte Rechenschaftsbericht des Hilfsvereins für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1907 ist erschienen. Mit berechtigtem Stolze und innerer Befriedigung darf der „Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke in Ems" auf das fünfte Jahr seines Bestehens zurückblicken. Die schon im vorletzten Jahre begonnenen und im abgelaufenen eifrig fortgesetzten Bestrebungen, die Mittel zur Errichtung einer eigenen Nervenanstalt zu beschaffen, waren von überraschendem Erfolg gekrönt. da laut dem am Ende des Berichts gegebenen Kassenabschluß das Vereinsvermögen von 27 739,75 Mark auf 77 257,96 Mark angewachsen ist. Durch die Verwendung der Zinsen war der Verein in die angenehme Lage versetzt, eine immer größere Anzahl von Kranken in die durch Anbau erweiterte Anstalt in Sahn unterzubringen und ihnen glücklicherweise meist zur Heilung oder doch Besserung zu verhelfen. Es wurden im ganzen 26 Männer und 15 Frauen in Pflege genommen. Von den Abgegaugenen waren geheilt 7 Männer, 2 Frauen; gebessert 2 Männer, 2 Frauen; es sind gestorben 3 Männer. Die Einnahmen betrugen 91721 Mark, die Ausgaben 43 213 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Bezirksrabbiner Dr. Weingarten. Ems, Vorsitzender. Dr^ med. Carl Landau, Koblenz, stellvertretender Vorsitzender, Benni Jacoby, Sayn. Schriftführer, Gustav Abraham, Koblenz, Kassierer, Dr. med. Heinrich Beer, Arzt, München, Dr. med. Samuel Fränkel, Berlin, Uhlandstraße 156, Dr. med. Laqueur, Arzt, Ems, Hermann Lehmann, Rentner, Frankfurt a. M., Hanauer Landstraße 25, Dr. med. Lichtenstein, Arzt, Neuwied. Rabbiner Dr. Rosenak, Bremen. Dr. med. Samter, Arzt, Ems, Kaufmann Louis Schloß, Koblenz. — Köln, 29. Mai. Der Verwaltungsbericht des „Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden" zeigt uns, daß dieser seinem Ziel, ein Zentralpunkt für Oie jüdischen Interessen des Rheinlandes zu werden, auch in diesem Jahre wesentlich näher gerückt ist. Der Verband besteht jetzt aus 59 Gemeinden, außerdem gehören ihm sämtliche rheinischen Logen an. Die Haupttätigkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.