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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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72. Jahrgang. Nr. 24. > Berlin, 12. Juni 1908. Deilage zur „Allgemeinen Leitung deS IuüentumK". LorrelponLen?rn und Kschrichten. Deutschland. s. Berlin, 8. Juni. An der Spitze der soeben erschienenen Nr. 70 der „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" wird in einem Artikel „Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder, Wilhelm-Auguste-Viktoria- Stistung in Beelitz" über den derzeitigen Stand des vom D. I. G. B. gemeinsam mit der Großloge des Bne Briß-Ordens geplanten Hilfswerks an den'geistig zurückgebliebenen jüdischen Minderjährigen berichtet. Der Bau in Beelitz schreitet rüstig voran, so daß die Eröffnung der Anstalt im Oktober d. I. erwartet werden kann. Bei der erstmaligen Aufnahme der Zöglinge hat sich das Komitee das 14. Lebensjahr als Grenze gesetzt, um die Schwierigkeiten, mit denen das Anstaltspersonal zu kämpfen haben wird, nicht noch zu vergrößern. Der Aufenthalt in der Anstalt selbst kann bis zum 20. Lebensjahre ausgedehnt werden. Von den bisherigen Meldungen sind diejenigen von 17 Knaben und 8 Mädchen hinsichtlich des Alters und der Bildungsfähigkeit der Kinder für geeignet zur Ausnahme erklärt worden. Besonders für Mädchen sind noch eine Anzahl Plätze frei. Der einheitliche Pensionssatz ist auf 600 Mark festgesetzt, doch wird die finanzielle Lage der Angehörigen weitgehend berücksichtigt; einige Zöglinge finden kostenfreie Aufnahme. Für die bisher zugelassenen Zöglinge ergibt sich ein Durchschnittssatz von 280 Mark oder eine Gesamtsumme der Wegegelder von zirka 7000 Mark. Ferner stehen dem Verein Jahres' beitrüge von Gemeinden, Logen, Vereinen und Privatpersonen im Gesamtbeträge von zirka 6000 Mark zur Verfügung, so daß bei einem Voranschläge von zirka 20 000 Mark pro Jahr noch feste Einnahmen von 7000 Mark fehlen, zu deren Deckung im ersten Jahre die Ueberschüsse aus größeren einmaligen Beiträgen zur Verfügung stehen. Dringend erwünscht ist, daß dem Verein, dessen offizielle Konstituierung auf den 28.Juni d.J. festgesetzt ist, noch zahlreiche neue Mitglieder gewonnen werden. Zum Leiter der Anstalt ist der bisherige Lehrer an der Israelitischen Taubstummenanstalt in Weißensee, Herr Bein, ausersehen. — Ein Artikel „Volksschulgesetz, Ueberleitungskommission, Gemeindeunterstützungskommission" gibt Ausschluß über die durch das neue Preußische Volksschulunterhaltungsgesetz geschaffene Lage der jüdischen Volks- und Religionsschulen. Ferner wird über die Schritte berichtet, die die Gemeindeunterstützungskommission zur Beschaffung des dem preußischen Kultusministerium zu unterbreitenden Materials über die materielle Lage der jüdischen Schulen gemacht hat, zu dem Zweck, der Staatsregierung eine Uebersicht über den vorhandenen Notstand, dem durch den sogenannten Resolutionsfonds von 40 000 Mark gesteuert werdeir soll, zu beschaffen. — Der Aufsatz über die Vergebung von Synagogenplätzen behandelt auf Grundlage einer Enquete diese nicht bloß in finanziell-praktischer Beziehung interessierende Frage. — Den „Kleinen Mitteilungen und Personalien" entnehmen wir die Angabe, daß alle freiwilligen Verbände von Synagogengemeinden im Ausschüsse des D. I. G. B. vertreten sind, ferner, daß die „Redaktionskommission" in nächster Zeit das Ergebnis der zweiten Lesung des „Organisationsgesetzes" der jüdischen Gemeinden Preußens' publizieren zu .können hofft. — Der Unterstützung der „freiwilligen Bezirksrabbinate" widmet der Ausschuß seine Mittel. — Ein neuer Fortbildungskursus für Kantoren wird bei Beginn der Sommerferien beendet sein. Die Rechnungslegung des Ausschusses über das Geschäftsjahr 1907/08 ist entsprechend der überaus großen Zahl der vom D. I. G. B. geförderten Aufgaben eine umfangreiche und komplizierte und umfaßt auch die Jahresrechnungen der vom D. I. G. B. ressortierenden und ihm nahestehenden Stiftungen und Institute. Der Spezialfonds des D. I. G. B., der für alle Ausgaben, für die kein besonderer Fonds vorhanden ist, einzutreten, hat, mußte für die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Knaben in Repzin einen Zuschuß von 3464 Markfür die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Mädchen in Plötzensee einen solchen von 7734, für das Gesamtarchiv 1858 Mark zuschießen. Den Mitteilungen sind drei wertvolle Beilagen beigefügt, 1. ein Nachtrag zur „schwarzen Liste" der Gewohnheitsbettler, 2. ein solcher zum Statistischen Jahrbuch und vor allem die erste Textpublikation des Gesamtarchivs der Deutschen Juden. Die letztere erheischt eine eigene fachmännische Besprechung. Die „Mitteilungen Nr. 70" sowie die „Mitteilungen" des Gesamtarchivs stehen Jntereffenten kostenlos zur Verfügung. 22 Berlin, 1. Juni. Der „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" hat in Neumanns Festsälen eine Versammlung abgehalten, um zu den brennenden Fragen des jüdischen Lebens Stellung zu nehmen. Das einleitende Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Oskar Lipschütz, der in sehr scharfer Weise sich gegen alle Reformen erklärte. Daran knüpfte sich eine sehr umfangreiche Debatte, in welcher zwei' Resolutionen zur Annahme gelangten. Zunächst war es die Frage des Religionsunterrichts, die die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die eine Resolution wendet sich gegen den Dirigenten einer hiesigen Religionsschule und verlangt schlankweg vom Vorstand der Gemeinde nicht etwa eine Untersuchung der Angelegenheit, sondern einfach Entlassung des betreffenden Herrn. Es handelt sich nämlich nur darum, daß der betreffende Dirigent schon mit Rücksicht auf die vom Verband der Literaturvereine herausgegebenen „Parallelen" ausgewählte Stellen aus dem „Neuen Testament" zu apologetischen Zwecken vorgeführt hat. Das ist aber sein gutes Recht. Daß dadurch eine Stärkung der Liebe zum Judentum, nicht aber eine Schwächung derselben hervorgerufen wird, bedarf für alle vernünftig denkenden Menschen keines Beweises. Die zweite betrifft das Programm der „Liberalen Vereinigung". Die Herren Dr. med. Rosenthal, Dr. med. Zimmermann und Rabbiner Dr. Fink sprachen darüber. Die Rede des letztgenannten Herrn brachte den einzigen praktischen Vorschlag, nämlich, den „einen Konsum- Verein auf streng religionsgesetzlicher Basis zu begründender es sich zur Aufgabe macht, für alle Bedürfnisse des rituellen Haushalts zu den üblichen Marktpreisen zu sorgen." Aus der überlangen Resolution, die wir im vollen Wortlaut nicht bringen können, wollen wir nur einige Punkte hervorheben. Dieselbe vermißt in den Grundsätzen des Programms der „Liberalen Vereinigung" jeden Hinweis auf die Autorität Unserer im Wege der Schrift und der Ueberlieferung uns anvertrauten öffentlichen Offenbarungsquellen. Sie betont, „daß diese Grundsätze von einer dem Judentum durchaus fremden Scheidung in Form und Inhalt ausgehen", „daß in denselben keinerlei Kriterien aufgestellt erscheinen, welche für diese Scheidung als maßgebend zu erachten wären, auch keine Gedankenoperationen genannt werden, welche deren sichere Durchführung gewährleisten werden". Der Hauptvorwurf aber, der dem liberalen Programm gemacht wird, ist der, daß in demselben „ein dem Judentum durchaus fremdes, einen gewissen Erklärungsversuch des Naturgeschehens entlehnendes Prinzip der Entwicklung" als für das Judentum einzig maßgebend und grundlegend hingestellt wird. Da stehen sich nun zwei'große prinzipiell verschiedene Anschauungen gegenüber, die mit Resolutionen, so meinen wir wenigstens, nicht beantwortet oder erledigt werden können. Die Herren vom „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" werden eben diese Anschauung haben, die Männer, die die „Liberale Vereinigung" gegründet haben, eine andere. Darum haben aber die Orthodoxen noch lange nicht das Recht, zu behaupten, daß die liberalen Ansichten nicht der wahren Anschauung des Judentums entsprächen und daß ihre Ansicht die einzig richtige und maßgebende sei. Freilich von. der Orthodoxie aller Religionen ist man derartige Ansprüche gewohnt. Dieses „Gipfelchen" wird sich immer und immer wieder vermessen zu behaupten, daß „es allein der Erde nicht entschoffen." 8. Berlin, 8. Juni. Der Kupferstecher Prof. Louis Jacoby feierte am 7. d. M. seinen 80. Geburtstag. Die Akademie der Künste, der er seit 1874 als ordentliches Mitglied angehört, hat erst jüngst srnamiiMmsmmmäMläMSSmaitSKim - ' ' "

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