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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
Seite 284 (sequence 10)
Language
German
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der größten Kolonien unserer osteuropäischen Brüder auf dem Kontinent — nur Paris und Stockholm haben größere — handeltwerden unsere hochherzigen Philanthropen und Wohltätigkeitsvereine sicher gerne die' Mittel zur Verfügung stellen, welche zur Fortführung dieses segensreichen Instituts er^ forderlich sind. Eduard Glakrr. Ein Nachruf. er sich ein Bild von' einem Zechten Forschungsreisenden machen wollte, der konnte ein solches — und zwar in voller Naturwahrheit — in der äußeren Erscheinung wie im Wesen bei Eduard Glaser finden, der am 7. Mai m München nach kurzer Krankheit im 54. Lebensjahre gestorben ist. Er war ein Gelehrter in des Wortes bestem Sinne und ein Reisender voll wahrer Leidenschaft für sein Ziel. Sein ganzes Leben stand im Dienste der Wissenschaft. Einer der tüchtigsten Kenner des Gebietes, in das Glaser sich mit einem Fleiß, den keine Mühe bleichte, und mit einer seltenen Begabung früh eingearbeitet hatte, sagt von ihm: Er war zweifellos der bedeutendste Kenner der minäosabäischen Sprache und Kultur und der bahnbrechende Reisende für Südarabien. Von seinen, zwischen 1883 und 1894 dort unternommenen Reisen ist eine neue Epoche in der Kenntnis Alt- und Neujemens ausgegangen, — mit Recht hat daher Otto Weber (1907) den Titel eines Büchleins über frühere Entdeckungen in Südarabien „Forschungsreisen in Südarabien bis zum Auftreten Eduard Glasers" genannt. Seiner Neigung folgend, nahm er schon in jungen Jahren eine Stellung als Erzieher in Tunis an, das dazumal noch kein französischer Schutzstaat war. Dort fand er, was er suchte, den Orient und seine Kultursprache, das Arabische. Dort, an der Stätte des alten Karthago, bei den panischen Inschriften, im Verkehr mit dem Afrikareisenden Dr. Juncker, der damals aus dem Sudan kommend, längere Zeit in Tunis wohnte, dort faßte ihn mehr und mehr der Zauber des Orients mit voller Gewalt. Er lernte Arabisch — auch die Mundarten — mit solcher Vollkommenheit, daß er die Sprache des Korans wie ein Eingeborener beherrschte. Die große ägyptische Sonnenfinsternis 1882 beobachtete er im Aufträge der Wiener Sternwarte; die Reise in Oberägypten, die Museen' boten neue Anregungen und führten den jungen Gelehrten auf neue Pfade. Im selben Jahre reiste Glaser nach Südarabien — sehr schnell war diese abenteuerliche Fahrt zu Ende, man entdeckte den „Ungläubigen" und sperrte ihn in der Hauptstadt Jemens, in Sanaa ein. Sein Plan, die Zahl der damals wenigen, zuerst von dem Pariser Orientalisten Professor Halsvh heimgebrachten alten sabäischen Inschriften zu vermehren, mißlang. Etliche Jahre später, 1885, erneuerte Glaser seinen Versuch mit bestem Erfolge. Diesmal hatte er sich wohl ein Jahr lang auf diese Reise nach Jemen vorbereitet: als ein armer Bettelpriester, ein Fakkir, wollte er durch das Land wandern. Mit Eifer erlernte er bei einem ins Vertrauen gezogenen arabischen Priester alle die hundert rituellen Vorschriften, Kleinigkeiten, ohne die es nicht abgeht. Braun gefärbt, dauerhaft, wie er glaubte, trat er seine Reise an. Vom Hafen Hodeida am Roten Meere kam , er unerkannt nach Sanaa, wo er früher in Hast gewesen war; gleichwohl kam es während der Reise vor, daß feine Begleiter, . als das „dauerhafte Braun" durch Waschen wich, mißtrauisch wurden. Nur das Eingreifen eines Schechs, dessen Gastfreundschaft er genossen hatte, rettete ihn damals. Gleichwohl war diese mit Lebensgefahr bei der Entdeckung der Priesterverkleidüng verbundene' Reise vorn größten Erfolg begleitet. Es gelang Glaser, vorzudringen an die Rninenstätte des alten Reiches' der Königin von Saba, und Hunderte von Inschriften, sabäisch, nabatäifch, katabanisch, himjarisch konnte er abschreiben, oder in Abklatschen sesthalteu: ein Schatz, der weiterer Erforschungen harrt in der Berliner Bibliothek, im British Museum und in der Wiener Hofbibliothek. Glaser fand in den Ruinen der uralten Hauptstadt der Minäer und Sabäer, in Marib — am gleichnamigen Flusse — kostbare Inschriften. Ein großer und wertvoller Teil' dieser Sammlungen bildet den Schmuck des Berliner vorderasiatischen Museums, dem sie durch Herrn Rudolf Mosse in Berlin geschenkt wurden. Hier stellte er im Flußbette auch den uralten 91 Meter langen Staudamm fest, die älteste, uns bekannte Talsperre. Unter dem König Daud brach der Damm, mit entsetzlicher Gewalt stürzten die entfesselten Wassermassen talab. Tausende von Menschen wurden getötet, das Land verwüstet. Eine Folge dieser Sündflut — deren Ueberlieferung das Volk heute noch festhält — war eine Massenauswanderung vieler Häuptlinge Himjariens nach dem Persischen Golf, nach Oman, Maskat, Kuweit. Glaser hat den Jnschriftenbericht über das verheerende Unheil im „Dammbruch des Marib" veröffentlicht. Seine im Anschluß an jene Forschungen gemachten Mitteilungen über die Saba-Königin Biltis oder Baltis sind bedeutend. Weitere Reisen folgten 1887 und 1892/1893, wo er am Marib viele Hunderte von Inschriften ausnahm, die nun meist in der Wiener Hofbibliothek sind. Mit seinen semitischen Buchstaben-Jnschriftentafeln von Serwah mögen Glasers Inschriften auf 2000 kommen. Eine andere Reise führte, ihn nach der Insel Sokotra, gegenüber dem Kap Guardafui. Hier folgte er den Spuren jenes ägyptisch-phönikischen Forschungszuges, den einst, um Weihrauchbäume zu erhalten, die ägyptische Königin Hatschepsut (um 1550 v. Ehr.) — aus manchen Inschriften heißt sie Makara — ausrüstete. Der Bericht über diese Seefahrt nach dem Lande Punt ist uns im Tempel zu Deir el Bachr bei Theben erhalten geblieben und nebst den Gemälden dazu von Professor Dümichen erläutert worden. Auf Sokotra fand Dr. Glaser einen merkwürdigen südarabischen Dialekt und Reste der Beziehungen der Sabäer, die bis ins Goldland Ophir reichten. Das Ausspüren der Himjarischen Dynastien führte den Gelehrten auch nach Oman und Maskat und nach dem geplanten Endpunkte der Bagdadbahn in Kuweit. In Gesprächen konnte er nicht genug das reiche Alpenland im Innern Arabiens rühmen, das der Reisende nach Ueberwindung des breiten dürren Küstenstriches antrifft, ein Hochland mit grünen Matten, reichen Flußtälern und erzreichen Gebirgen. Ein solches Alpenland, dessen Reichtum schon Herodot gepriesen hat, ist auch Jemen, aus dessen Zukunft als Kolonie der Forscher oft hingewiesen hat, und das ein rechtes Gegenstück ist zu dem jenseits des Roten Meeres liegenden Abessinien, dessen äthiopische Kaiser übrigens einst auch über Südarabien Herrscher waren und in ihrem alten Staatssiegel heute noch den Titel führen: „König von Jemen und Hadramaut." Die Erkundung dieser frühen Beziehungen zum alten und zum spätern Sabäerreich hatte Dr. Glaser sich zur besondern Aufgabe gemacht. Nach Wellstadt (1834/35); dem Apotheker Arnaut (1843), Joseph Halevy (1869/70) tritt Eduard Glaser auf den Plan, der auf seinen vier Reisen (1883/94) mehr als 2000 Inschriften sammelte und zwar solche, die am meisten unsere Kenntnis Südarabiens vermehrt haben. Die Publikation der Glaserschen Inschriften als Ganzes steht noch aus; andere Gelehrte haben von den teils in die Wiener und Berliner, teils an das Lritisk Museum verkauften Jnschriftenabklatfchen

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