Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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durchgeführten, ärztlichen Grundsätzen in vornehmem Stil geleitet wird, bester Erfolg zu wünschen.' — Alleusteiir, im Mai. Der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens befindet sich in gedeihlicher Entwicklung. Die Haupttätigkeit desselben war auch im abgelaufenen Geschäftsjahre der Förderung der. Religionsschulverhältnisse unserer Provinz zugewandt. Es handelte sich dabei in erster Reihe um die Bestrebungen, seminaristisch geprüfte Lehrer und Kultusbeamte in unsere Provinz Zu bringen, um dadurch den Religionsunterricht in den Gemeinden zu heben. Die Generalversammlung beschloß, fortan nur noch zur Anstellung solcher Beamten seitens des Verbandes Zuschüsse zugewähren. Wo es die Mittel nicht gestalten, für eine Gemeinde allein solchen serninaristisch geprüften Lehrer, der möglichst auch Kantor und Schächter zu sein hat, anzustellen, da soll versucht werden, eine der benachbarten kleinen Gemeinden mit ihr zu verbinden, sei es nür für die Erteilung des Religionsunterrichtes oder für alle religiösen Bedürfnisse der Gemeinde. Endlich ist auch die Anstellung von Wanderlehrern für mehrere Gemeinden in Betracht zu ziehen. Wo noch ein regelmäßiger Sabbatgottesdienst stattfindet, soll möglichst darauf gesehen werden, daß solcher auch weiterhin erhalten bleibt. Die Schulkommission des Verbandes (Vorsitzender Herr Justizrat Holz-Königsberg) hat es übernommen, überall zur gegebenen Zeit in diesem Sinne das jeweilig Zweckmäßigste in Anregung zu bringen und 511. dessen Verwirklichung zu helfen. Die Anstellung besser vorgebildeter- Lehrkräfte, erfordert natürlich auch höhere Gehälter für dieselben. Es wurde festgestellt, daß ein Drittel unserer Kultusbeamten in Ostpreußen das von der Verbandskommission seinerzeit festgesetzte Mindesteinkommen von 1200 Mark (ohne die Kibbudim) bei freier Wohnung nicht besitzen. Der Verband wird es mit als eine seiner nächsten'Aufgaben betrachten, diese Verhältnisse zu bessern. Unsere Gemeinden werden sich dazu notwendig in ihren Steuersätzen noch etwas mehr anstrengen müssen. Aber auch der Verband wird dafür höhere Beihilfen an leistungsschwache Genieinden geben müssen. Der Ausschuß des Verbandes besteht aus den Herren: Vorsitzender: Sanitätsrat. Dr. Kamnitzer- Allensteiu, stellvertretender Vorsitzender: Whstinetzki-Allenstein.Kassierer: Julius Lewin (inzwischen durch Herrn. Apotheker Eisen-Allenstein ersetzt), weitere Mitglieder: Justizrat Holz-Königsberg, Amtsgerichtsrat Blumenteld-Jnsterburg, Stadtrat Otto Eichelbaum-Jnsterburg, Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn, Rabbiner Dr. Vogelstein, Julius Lazar. Waisenhaus - Inspektor Peritz - Königsberg, B. Holz - Insterburg, S. Jacobh-Osterode, Ed. Jacobh-Rastenburg, Max Jacobsberg-Zinten, Breslau-Tilsit. Die Einnahmen des Verbandes betrugen »007,05 Mark, die Ausgaben 1684,53 Mark, das Gesamtvermögen 14 313,62 Mark. tk. Posen, 31. Mai. Dem Vorsitzenden des Vorstandes der Posener Anwaltskammer, Justizrat Salo mon, hier, ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. — Wiederum hat der Tod in die Reihe unserer Obersten eine Lücke gerissen; im Alter von 64 Jahren ist der Stadtverordnete Kaufmann August Me Herst ein gestorben. Er war eine allgemein beliebte, im öffentlichen Leben bekannte Persönlichkeit, dessen tatkräftige Mitarbeit nicht nur die städtischen Körperschaften, sondern auch eine Reihe von Humanitären Vereinen schwer missen werden. Sein Wegräbnis hat auch durch seine zahlreiche Beteiligung Zeugnis abgelegt, welcher Beliebtheit sich der Verstorbene bei der Bürgerschaft erfreute. — Ein ebenso bewährter Mann ist durch den Tod des Rentiers I. Jeremias dahin gegangen. Treu im Väterglauben wandernd, war er stets bemüht, die Seinen in Frömmigkeit und Wahrhaftigkeit zu'erziehen, und es war ihm die Freude vergönnt, den. Lohn seiner guten Tat zu erleben. Zur Gründung des Sabbatsvereins hat der Verblichene viel beigetragen. Auch sonst wurde auf jedem Gebiet des Wohltuens sein Name genannt. — In Crone a. d. Br. wurde der Stadtälteste Alexander Cohn in der Stadtverordnetensitzung als Beigeordneter eingeführt.— In Samter feierte Herr Markus M ottek mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Aus Anlaß dessen würden dem Jubelpaare seitens der Stadt große Ehrungen zuteil. — In Jarotschin ist der Stadtverordnete und Kaufmann Englaender im 68. Lebensjahre gestorben. Seit mehreren Jahren als Stadtverordneter und als Mitglied städtischer Verwaltungsdeputationen tätig, hat er in allen das Gemeinwohl betreffenden Angelegenheiten mit seltener Hingabe und regem Interesse für das Wohl der Stadt ' gewirkt. Auch die israelitische Gemeinde erleidet durch seinen Tod einen schweren Verlust. — Die königliche Negierung hat von neuem die Auflösung der jüdischen Schulgemeinde in Borek und die Einschulung der Schüler in die evangelische Schule angeregt. Die Schulvorstände der evangelischen und jüdischen Schule haben in ihrer Sitzung den Antrag abgelehnt. —- Der Großkaufmann Karl Katzenellenbogen in Krotoschin hat aus Anlaß seiner Uebersiedlung nach Posen außer einer namhaften Summe an die dortige Synagogengemeinde folgende Spenden gegeben: 1000 Mark dem Vaterländischen Frauenverein, dem Kinderheim 350 Mark, dem Damengesangverein 150 Mark, dem städtischen Krankenhause 500 Mark. ps. Breslau, 1. Juni. Die vom Vorstande des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen eingesetzte Kommission hat unter Vorsitz des Professor Dr. Badt beschlossen, auch in diesem Jahre, den vierten in der Reihe, einen Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer und Lehrerinnen zu veranstalten. Der Kursus wird am 6. Juli seinen Anfang nehmen und ist aus die Dauer von drei Wochen berechnet. In dankenswerter Weise hat sich das verehrte Dozenten-Kollegium des jüdisch-theologischen Seminars, ferner die Herren Rabbiner Dr. Zuckermandel und Deutsch, in vollster Uneigennützigkeit bereit erklärt. .Vorlesungen zu halten. Es werden lesen: Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy: 1: Mechiltha (sechs Vorlesungen); 2. Einblick in die Geschichte der Liturgie (zweimal wöchentlich). Dozent Dr. Brann: 3. Geschichte der deutschen Juden im 15. und 16. Jahrhundert (sechs Vorlesungen); 4. Pentateuch- Exegese (sechs Vorlesungen); 5. Methodik und Didaktik der Nachbiblischen Geschichte in der Volks- und Religionsschule (drei Vorlesungen Probelektionen sollen dabei angeschlossen werden. Dozent Dr. Horovitz: 6. Homiletik mit Hebungen (drei Vorlesungen); 7. Ethik der jüdischen Religionsphilosophen (sechs Vorlesungen). Rabbiner Dr. Zuckermandel: 8. Ueber Trauergebräuche (sechs Vorlesungen). Rabbiner Dr. Deutsch: 9) Ueber Apologetik des Mittelalters (drei Vorlesungen) und 10. Kantorale Fortbildung. Diese Zusammenstellung dürfte wohl allgemeine Zustimmung finden, doch sind die Herren Dozenten gern bereit, etwaige Wünsche von seiten der Teilnehmer noch zu berücksichtigen. Die Wahl der Vorlesungen ist völlig freigestellt. Berechtigt zu dem Besuche des Kursus, der unentgeltlich ist. sind alle jüdischen Lehrer und Lehrerinnen. Um den Teilnehmern den Besuch zu ermöglichen, werden ihnen ansehnliche Subventionen bewilligt werden. Für Annehmlichkeiten wird eine besonders gewählte Kommission Sorge tragen. Die Nachmittage sind von Vorlesungen frei gehalten worden, um den Teilnehmern die Möglichkeit zur Erholung zu bieten, wie die Sehenswürdigkeiten Breslaus, als Museen, gemeinnützige Institute usw., unter sachverständiger Führung kennen zu lernen. Anmeldungen zur Teilnahme sind an Lehrer Moops-Breslau, Sadowastr. 69, wie an Prediger Karlsberg-Reichenbach a. E. zu richten, die gern bereit sind, weitere Auskunft zu erteilen. Auch den Nachweis von Wohnungen, mit und ohne Beköstigung, werden die beiden genannten Herrn gern übernehmen. L. Hannover, 27. Mai. Am 25. d. Mts. feierte ein sehr geachtetes Mitglied unserer Gemeinde, Herr David Fridberg. das seltene Fest des 50 jährigen Jubiläums als Beamter der „Mechanischen Weberei zu Linden". Herr Fridberg erfreute sich während dieser langen Zeit einer außerordentlichen Beliebtheit bei seinen christlichen Vorgesetzten und Kollegen. Der Jubilar, der im 78. Lebensjahre steht, hat sich bei geistiger und körperlicher Frische eine seltene Arbeitsfreudigkeit bewahrt, und sein Ehrentag war für seine zahlreichen Freunde ein Festtag. Aus einem echt jüdischen Hause Hannovers stammend, hat er mit seiner vor einigen Jahren ihm entrissenen treuen Ga'ttin ein wahrhaft jüdisches Familienleben geführt; seine Kinder erzog er für das Judentum, und stets zeigte er größtes Interesse für alle Gemeindeinstitutionen. Dem Vorstand des israelitischen Krankenpflegevereins gehört er 25 Jahre an, dem Verein selbst 51 Jahre. Dem würdigen Manne ist aus vollem Herzen ein schöner langer Lebensabend zu gönnen. — Eurs, 7. Mai. Ueber die Tätigkeit des Vereins „S an atorium Emser Heilquelle", Unterstützungsverein für arme jüdische Kurbedürftige, geht Uns folgender Bericht zu: Cs fanden im Sommer