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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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72. Jahrgang. Nr. 23. Berlin, 5. Juni 1908. Der Gemeiickckore. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". Korrespondenten und Mschrichten. Deutschland. s. Berlin, 3. Juni. Heute feierte eines der angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Herr Emil Pincus und Gemahlin, (geb. Meyer), das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Pincus ist durch die zahlreichen Ehrenämter, die er sowohl im Dienste der Stadt wie Gemeinde — teilweise in leitender Stellung — inne hat, den weitesten Kreisen bekannt und besonders auch durch die Verdienste, die er sich als Vorstand der jüdischen Alter-Versorgungsanstalten, der Armenkommission, des Genesungsheims Lehnitz und etwa 14 anderer großer wohltätiger Vereine, deren segensreiche Tätigkeit weithin sich erstreckt, allgemein hochgeschätzt und verehrt. Es gibt wenige Männer in unserer Gemeinde, die so wie er, ihre ganze Arbeit in den Dienst des allgemeinen Wohls gestellt haben. Zu Ehren des Jubilars, der nebenbei auch stellvertretender Repräsentant der jüdischen Gemeinde ist und sich in den Kreisen der Bankwelt, der er angehört (er war früher Mitinhaber der Firma Sachs & Pincus), allgemeiner Beliebtheit erfreut, sowie seiner nicht minder wohltätigen Gemahlin, findet heute im großen Saal der „Gesellschaft der Freunde", eine Festlichkeit statt, der außer der Familie auch zahlreiche Vertreter der Industrie und Hochfinanz beiwohnen. Alle, die je Gelegenheit hatten, mit Herrn Pincus im öffentlichen Interesse zusammen zu arbeiten oder seiner Hilfe teilhaftig zu werden und dabei sein gütiges, gewinnendes Wesen kennen zu lernen, haben an diesem Tage seiner in aufrichtiger Verehrung gedacht. Möge es dem allgemein hochgeschätzten Manne noch sehr lange vergönnt sein, zu wirken, zu schaffen und Gutes zu tun! 8. Berlin, 1. Juni. Am 31. v. Mts. hat im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Goldberger die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance Israelite Universelle stattgefunden. Der Geschäftsführer, Herr M. A. Klausner, erstattete an Hand des im Druck ausgegebenen Jahrbuchs 1907 der Alliance den Jahresbericht und legte die besondere Tätigkeit des Lokal-Komitees Berlin und seiner Unterstützungs-Kommission im Zusammenhang mit dem Wirken des Deutschen Bureaus und der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Allianz Israelite Universelle dar. Die Alliance hat im Jahre 1907 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen und geförderten 142 Knaben- und Mädchenschulen und Lehrlingsanstalten einschließlich von Ackerbauschulen 1529 831,54 Franken ausgegeben, außerdem für die Präparandenanstalt, die zu dem Lehrerseminar für die Orientschulen gehört, einen Betrag von 103 913,30 Franken, zum Ankauf und Bau von Schulhäusern 59 427 Franken, insgesamt also 1 693171,84 Franken, dies ist 30 380,16 Franken mehr als im Vorjahr. Diese Ausgaben haben durch die regelmäßigen Einnahmen, aus den Zinsen der Stiftungskapitalien und aus den Beiträgen von Mitgliedern und Freunden volle Deckung gefunden. Die Einnahmen bezifferten sich auf 1 654 924,66 Franken, dies ist 41 135,34 Franken mehr als im Vorjahr. Darüber hinaus hat die Alliance Israelite Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkeit auch im abgelaufenen Geschäftsjahr aus besonderen Spenden große Summen ausgegeben, die dem Hilfswerk in den Verfolgungsländern zugute kamen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance Isradite Universelle beträgt 33 000. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen und wählte die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder durch Akklamation wieder. s. Berlin, 1. Juni. In wenigen Wochen wird sich Dr. Felix Adler, Professor für politische und soziale Ethik an der Kolumbia- Universität, mit seiner Familie nach Europa begeben, um nach einem längeren Ferienaufenthalt in der Schweiz im Oktober seinen Posten als dritter amerikanischer Austauschprofessor an der Berliner Universität änzutreten. Von den Verwaltern der Kolumbia- Universität für die Noosevelt-Professur in der deutschen Neichshauptstadt vorgeschlagen, wird Dr. Adler die Aufgabe haben, als Nachfolger der Professoren Dr. Burgeß und Dr. Hadley dem deutschen Volke ein Bild des amerikanischen Geisteslebens zu vermitteln und auf der Basis einer gegenseitigen Kenntnis ihrer Verhältnisse die beiden Nationen einander näher zu' bringen. Ein Vertreter der „New Uorker Staats-Zeitung", der Dr. Adler dieser Tage besuchte, fand den Gelehrten von hoher Begeisterung für seine Mission erfüllt und voll aufrichtiger Freude, als Lehrer und Vermittler einer fremdländischen Kultur an die Stätte zurückkehren zu dürfen, wo er vor langer Zeit als blutjunger Mann in einer dreijährigen Studienperiode einen Teil seines reichen Wissens erwarb. „Ich fasse den Zweck des vom Deutschen Kaiser angeregten Professorenaustausches dahin auf, daß es unsere Aufgabe ist, dem deutschen Volke das wissenschaftliche und geistige Leben Amerikas zu ' interpretieren und es durch die Persönlichkeit ihres Auslegers und Vertreters vor allem der deutschen Gelehrtenwelt zugänglich zu machen," sagte Dr. Adler, Zum Gegenstand meiner Vorlesungen,' welche ich von Ende Oktober bis zum März halten werde, habe ich die Grundanschauungen des amerikanischen Volkes und deren Einfluß auf das soziale und politische Leben gewählt. Die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit sollen dabei besonders berücksichtigt werden. Wenn ich noch ein Wort sagen darf, so möchte ich bemerken, daß ich nicht als der Vertreter eines engen Kreises, sondern als Repräsentant der amerikanischen Gelehrtenwelt, in meiner Eigenschaft als Professor der Kolumbia-Universität nach Deutschland gehe. Sie wissen, daß ich der Gründer der Gesellschaft für ethische Kultur und einer der Führer der ethischen Bewegung bin, die auch im Deutschen Reiche ihre Anhänger hat. Aber das hat mit meiner Mission nicht das Geringste zu tun. Es spricht nur dafür, wie groß und frei der Amerikaner denkt, wenn auch in einer solchen Angelegenheit religiöse oder politische und andere Rücksichten für ihn nicht in Frage kommen." Felix Adler ist der Sohn des seligen Rabbiners Dr. Samuel Adler, er wurde in Alzey 1851 geboren, kam 1857 mit seinem Vater, der zum Rabbiner der Temple Emanuel-Gemeinde in New Aork gewählt wurde, nach New Aork. In der Absicht, den gleichen Beruf zu erwählen, studierte Adler mehrere Jahre Theologie. Er hat die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums von 1870—1872 besucht. Nach der Rückkehr wurde er zum Professor für hebräische Literatur und orientalische Sprachen an der Coreill-Universität angestellt. Dort blieb er bis 1876. Im darauffolgenden Jahre gründete er die Gesellschaft für ethische Kultur in New Zork, der er seither seine ganze Wirksamkeit gewidmet hat. Adler ist ein Schwager des bekannten Rabbiners Dr. Stephen Wise in New Aork. L2 Berlin, 1. Juni. Die Eröffnung des Sanatoriums „Kurhaus Schlachtensee", in Schlachtcnsee bei Berlin, Seestr. 35/37, hat nunmehr stattgefunden. Dieses Institut ist das einzige derartige in Norddeutschland, das rituelle Küche führt. Sie steht unter ständiger persönlicher Aufsicht des Rabbiners des hiesigen Synagogenvereins „Ahawas Scholaum", Herrn Dr. Salo Stein. Mit dieser Institution ist einem wirklichen Bedürfnisse vieler strenggläubiger Patienten entsprochen; für Nervenkranke zumal ist das neuartige Moment oft von mitbestimmender Bedeutung für eine Heilungsmöglichkeit. Die Anstalt wird von dem bekannten Nervenarzt Herrn Dr. Wiszwianski geleitet, als Hausarzt fungiert der prakt. Arzt Herr Fleischner. Einen besonderen Vorzug hat die Anstalt für Rekonvaleszenten und Erholungsbedürftige in ihrer herrlichen natürlichen Lage. 34 Morgen Waldland mit altem Baumbestände, direkt am schönen Schlachtensee gelagert, gehören zum Besitz des Sanatoriums. Die modernsten medizinischen Apparate und Bäder, sowie Sonnen- und Luftbäder, Lawn-Tennis- und Krocketplatz stehen den Patienten zur Verfügung. Prospekte übermittelt die Direktion. Es ist dem ganzen Unternehmen, das nach ernsten, gewissenhaft

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