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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · p. Seite 276

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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WWWWWWFWWWWWMWWMWW 276 - „Gebt mir meine Kinder wieder, dann will ich nach Rußland zurückkehren." „Sie sind schlimmer wie die Russen, diese Giftmischer." „O Gott Abrahams, wie soll ich ohne meine Lea leben?" (Schluß folgt.) Lum Menbsrungskkltk. Von Gustav Steinert. "K^on Offenbarung soll ich singen? Die Lüge öffnet ihren Mund, Der Wahn entfaltet seine Schwingen, Die Laster schließen einen Bund. Und doch ein heilig Offenbaren. Ein göttliches, herniederschwebt. Heil uns! Vor Tausenden von Jahren Es ward erschaut, es ward erlebt. Wie freute sich im neuen Schauen Die Seele ob der eignen Pracht! Die Einsicht ward und das Vertrauen Und jeder Tugend eine Wacht. Erkorene zu dem Gewinne, Ihr, arm und reich, Ihr, alt und jung, Des Hochgewinnes seiet inne, Und strebet nicht nach eitlem Prunk. Erles'ne Denker sich vereinen, Das Gute suchen sie, die Pflicht; Nur Funken ihrem Geist erscheinen. Die Thora spricht: „Es werde Licht." Literarische Mitteilungen. — Dr. Heinri ch Groß, Distriktsrabbiner in Augsburg: Lehrbuch der israelitischen Religion für die oberen Klassen der Mittelschulen (I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1908). Dies Buch ist in zweiter unD, wie man wohl hinzusügen kann, nicht nur in vermehrter, sondern auch verbesserter Auflage erschienen. Es hatte, wie das Vorwort zur ersten Auflage bemerkte, Männer der verschiedenen Richtungen zu Schlußredaktoren. Das ist nun gerade für ein Religionsbuch kein Vorzug und ergab verschiedene Mängel. Die zweite Auflage weist manche Verbesserung auf. So sind viele Einzelheiten in Gesetzesbestimmungen weggeblieben, die für den Unterricht, zumindest eines sehr großen Teils der Schüler, tatsächlich von keiner Bedeutung sind. Wenn jemand über Tchum, Erub Tabschilin, Gid ha-nascha u. a. sich aufklären lassen will, so muß er schon andere Hilfsmittel zur Hand nehmen als ein immerhin kurzgefaßtes Lehrbuch. Also für diejenigen, die hierüber Belehrung suchen, ist es ja doch nicht ausführlich genug. Solche Dinge überläßt man doch wohl am besten dein Lehrer, der aus der Kenntnis der Schüler heraus zu urteilen hat, ob die Erwähnung dieser Bestimmungen nötig ist. Viele solcher Einzelheiten sind in der neuen Auflage weggeblieben, z. B. in § 27: „Das jüdische Ritualgesetz". (Merkwürdigerweise ist an vielen Stellen aus „jüdisch" „israelitisch" geworden.) Dafür sind Gedanken allgemein religiöser Natur ausführlicher behandelt, und die Bedeutung der Symbole und Feste ist schöner dargestellt; z B. §7: „das Verhältnis Gottes zur Welt" oder der Zusatz im § 19s; ferner die Behandlung des Neberschreitung - und Wochenfestes. Vielfach waren lange Satzkonstruktionen störend empfunden worden. Auch dieser Mangel ist beseitigt. Die Reichhaltigkeit des Stoffes (52 Druckseiten mehr als in der ersten Auflage) wird dem Unterrichte nur förderlich sein. Im ganzen ist jetzt eher die Möglichkeit gegeben, daß das Buch in der veränderten Gestalt das werden kann, was der Verfasser im Vorworte der ersten Auflage als Wunsch ausspricht: „Möge es der jüdischen Jugend inmitten der religiösen Zerrüttung, der sie besonders während ihrer Universitätsstudien ansgesetzt ist, ein treuer Führer sein." Allerdings wäre gerade für diesen Zweck eine größere Berücksichtigung der Apologetik sehr zu wünschen gewesen. Nürnberg. Dr. Chone. Sprechsasl. Geehrter Herr Redakteur! ^n der Nr. 21 Ihres Blattes zitieren Sie aus einer Rede des Herrn ^3 Landtagsabgeordneten Dr. Heimburger einige Sätze, von denen einer lautet: „Wir hören gerade hier in Karlsruhe, daß die orthodoxen Juden sich darüber beschweren, daß ihre Kinder gezwungen werden, an einem liberalen Religionsunterricht teilzunehmen." Da mir von einer solchen Beschwerde nichts bekannt war, ersuchte ich den Herrn Landtagsabgeordneten, der seinem Berufe nach Nealschuldirektor dahier ist, persönlich um Aufschluß, der mir dahin gegeben wurde, daß ein junger, unverheirateter Herr, der der israelitischen Religionsgemeinschaft angehört, als Mitglied des demokratischen Vereins ihm dies mitgeteilt habe. Ein weiteres Material für seine Behauptung konnte der Herr Direktor nicht Vorbringen. Nun kann aber kein Mitglied der Neligionsgesellschaft sich über einen solchen Zwang beklagen, da ein Zwang zum Besuch des geordneten Religionsunterrichts gegen Mitglieder der Neligionsgesellschaft aus dem einfachen Grunde nicht ausgeübt werden kann, weil sie dem badischen Judenverband nickt angehören. Würde ein Mitglied der israelitischen Gemeinde den von den Organen der Landessynagoge erteilten Religionsunterricht als Gewissenszwang empfinden — was bis jetzt ernstlich noch nicht behauptet worden ist —, so kann es sich diesem Zwang durch den Uebertritt zu der ihm nahestehenden Neligionsgesellschaft entziehen. Keinesfalls aber hat irgendein Mitglied der Neligionsgesellschaft Grund, sich über Gewissenszwang zu beklagen. Die armen Galizier, die hier wohnen, überläßt ja die Religionsgesellschaft der Hauptgemeinde gern; sollten diese im Religionsunterricht der Gemeinde einen Gewissenszwang erblicken, so wird niemand die Neligionsgesellschaft daran hindern, ihnen die Pforten ihrer Religionsschule weit zu öffnen. Wie wenig von ruhig denkenden Mitgliedern der Neligionsgesellschaft der Religionsunterricht der Hauptgemeiude perhorresziert wird, ergibt sich daraus, daß wiederholt Kinder von den angesehensten Mitgliedern der Neligionsgesellschaft den Religionsunterricht des Unterzeichneten freiwillig besucht haben und noch besuchen. Hochachtungsvoll Karlsruhe, 1. Juni. Dr. M. Appel, Stadt- und Konferenzrabbiner. Sehr geehrter Herr Redakteur! der von einem der Führer des Blocks, dem Reichstagsab geordneten Amtsrichter Dr. Lattmann, im Reichstag warnend angegebenen Zahl von 7772 ausländischen Juden für Sachsen ist noch zu bemerken, daß hier auch alle in Leipzig z. B. vorübergehend studierenden jüdischen Studenten, Konservatoristen, Handelshochschüler usw. mitgerechnet sind. Ich selbst bin seinerzeit in Leipzig, obwohl ich in Preußen geboren bin, als „Ausländer" an der Universität immatrikuliert worden. Ferner ziehen mit Recht die Leipziger Messen alljährlich viele Juden, die wirklich Ausländer sind, nach Sachsen, ebenso die dortigen Fabriken, Polytechniken, Kunstschulen usw. Ein großer Teil dieser „Ausländer" und Juden wandert aber schon nach werrigen Jahren wieder ab. - Wenn Herr Lattmann das berühmte sächsische Technikum Mittweida z. B. einfach ruinieren will, braucht er nur die Zulassung der dort von der Leitung direkt hingezogenen „Ausländer" fortan zu inhibieren. Man sieht, diese von dem Antisemitenführer L. im Reichstage vorgebrachte Statistik hat wirklich eine wächserne Nase. Pankow, 30. Mai. M. F. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Vei:antwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. J .

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