Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Überfluß, seine Ursache und die Mittel zur Abhilfe.. (Becker-Wollstein:) ,5. Bericht über den .4. Verbandstag. (Kadisch-GollubJ . 6. Erhöhung des. Beitrages an die Verbandskasse. 7. Vortrag. Ter Lehrer und die Literaturvereine. (Peczkowski, Rakel.) 8. Das Verbandsvrgan. (Kadisch-Gollub.) 9. Antrag Becker. 10. Wahlen in den Vorstand.- а) des Vorsitzenden, b) der.beiden Beisitzer, c) der beiden Stellvertreter, б) der beiden ^Delegierten. .11. Anmeldung von Vorträgen. 12.. Wahl des nächsten Versammlungsortes^ M. Hamburg, Mai. Die Einweihung der neuerbauten OpPenheimer-Stiftung^(Freiwohnungen) fand gestern abend statt. In der festlich erleuchteten Synagoge der Stiftung hatten sich außer den Bewohnern eine große Anzahl von. Ehrengästen mit ihren Damen eingefunden. Nachdem Herr OberrabbinerM. Hirsch von dem Vorsitzenden der Administration Herrn Dr. R. L. Oppenheimer zu seinem Ehrenplatz geführt worden war, begann die Feier mit dem Gesang „Wie lieblich sind deine Zelte, Jakob!" usw. Hierauf übergab Herr Regierungsbaumeister Friedheim mit einer entsprechenden Ansprache den Schlüssel dem Vorsitzenden der Verwaltung. Herr Tr. N. L. Oppenheimer sprach in einer Erwiderung den Dank der Administration dem Baumeister und allen Handwerkern ans, die in so schöner Weise dieses Haus fertig gestellt haben, das heute seine Weihe durch den Oberrabbiner erhalten werde. Möge dieses Haus den Familien, denen es als Wohnung dienen soll, für weitere Zeiten eine Stätte der Ruhe und des Friedens sein! Mögen die Bewohner hier frohe, glückliche Zeiten verleben! Das walte Gott! Herr Ober-" rabbiner M. Hirsch zündete dann die heilige Lampe an. Unter den KläNgen des Psalm 118 wurden dann die geschmückten Thorarollen in die heilige Lade gestellt. Herr Oberrabbiner Hirsch bestieg nun die Kanzel, um die Festrede zu halten. In tiefempfundenen Worten gedachte er zuerst des Gründers der Stiftung, des verewigten Herrn H. L. Oppenheimer, der durch seinen Wohltätigkeitssinn, durch die Schaffung von Freiwohnungen für bedürftige Familien, sich ein unvergängliches Denkmal errichtet hat. In seinem frommen Sinn hat der Verewigte als Grundbestimmung für die Stiftung festgelegt, daß mit der Stiftung stets ein Gotteshaus verbunden sein muß, daß ein Talmudlehrer dort Vorträge hält und daß keiner der Bewohner den Sabbat entweihen darf. Diese Grundbestimmungen mögen zur Nachahmung aneifern. Anknüpfend an die Worte aus Jesaias Kap. 54, Vers 2: „Erweitere den Raum deines Zeltes" usw. verbreitete sich der Redner über die Ziele und Zwecke der Stiftung und erflehte dann den Segen Gottes für das Institut und seine Bewohner. Vor geöffneter Lade wurde dann das Gebet für Kaiser und Senat gesprochen. — Die Oppenheimer Stiftung war seit dem Jahre 4868 auf dem Kraienkamp befindlich und mußte infolge Sanierung der Neustadt ihr Domizil verlassen. 24 Familien -haben dort allen Anforderungen entsprechende Wohnungen erhalten. o. .Holmvö, 20. Mai. Unter freudiger Teilnahme der ganzen Gemeinde, verschiedener Korporationen und vieler Freunde von nah und fern beging der seit 30 Jahren dem Vorstande unserer Gemeinde angehörende Herr Em anuel Seligmann mit seiner Gattin Karoline, geborene Seelig, in seltenster Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Eine zahlreiche Kinder-, Enkel- und Ürenkelschar umgab das gefeierte- Jubelpaar. Das Herrscherpaar bekundete seine Teilnahme an dem seltenen Jubelfeste dadurch, daß der Prediger der Gemeinde im Aufträge nach vorangegangener Einsegnung feierlichst eine Bibel mit Widmung überreichen durfte. Der Vorsteher der Gemeinde - überbrachte im Namen des Gesamtvorstandes eine reichgeschmückte Adresse und feierte das Jubelpaar als ein leuchtendes Vorbild in Tugend, Gottesfurcht und Wohltätigkeit' Wohl an 300 Depeschen mit prächtigen poetischen Ergüssen verschönerten das Fesü Seinem bekannten Wohltätigkeitssinn gab das Jubelpaar dadurch Ausdruck, daß viele Wohltätigkeitsanstalten innerhalb der Gemeinde und der hiesigen Stadt mit reichen Gaben bedacht würden. Möge es dem verehrten Jubelpaar vergönnt sein, in bisheriger Rüstigkeit 'die diamantene Hochzeit feiern zu können. ..... r. Oldenburg, 18. Mai. Die diesjährige Sitzung des Jüdischen Landesgemeinderats fand am 10. d. M. statt. Sie wurde vom Vorsitzenden Landrabbiner Dr. Mannheimer mit einer Rede eröffnet, in welcher er seiner Freude Ausdruck gab über das harmonische Zusammenwirken des Landrabbiners mit dem Landesgemeinderat. Aus. den Verhandlungen sei hervorgehoben: Der Beitrag zur Lehrerpensionskasse würde von ein Prozent der Gemeindeumlagen auf drei Prozent erhöht. Ferner wurde ein Antrag der Oldenburgischen Lehrerschaft einstimmig angenommen, daß die Vertretungskosten für beurlaubte Lehrer von der betreffenden Gemeindekasse getragen werden, sowohl die Reisekosten, als auch die Diäten, damit der Stellvertreter nicht jedesmal auf. die Schächtgebühren angewiesen ist. Auf die Interpellation des Vorstehers Max Weinberg-Brake: „Welche Schritte gedenkt der Landesgemeinderat zu unternehmen, um der Absicht der Kurverwaltung des Nordseebades Wangerooge zu begegnen, aus dem oldenburgischen Seebade ein judenreines Bad zu machen?" erwidert der Vorsitzende, daß die Regierung sofort dagegen eingeschritten sei; es. sei also ein Irrtum, wenn Wangerooge auf die Lifte der antisemitischen Badeorte gesetzt worden sei. Hierauf wurde eine Anzahl Petitionen erledigt. Nach der Sitzung fand nachmittags 5 Uhr im Saale der „Union" ein öffentlicher Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Klee-Berlin über „Gegenwartsaufgaben der deutschen Juden" statt. 1. München, 21. Mai. Etwa einen "Kilometer nördlich vom Schwabinger Friedhof hat sich die israelitische Kultusgemeinde eine neue Ruhestätte für ihre Toten geschaffen, die am 18. d. M. in einfacher, aber würdiger und ergreifender Weise ihrer Bestimmung übergeben wurde. In großer Zahl hatten sich die Gemeindemitglieder eingefunden; der Magistrat, das Gemeindekollegium durch den zweiten Vorsitzenden, sowie die Gemeindebevollmächtigten waren vertreten, und auch der Armenpflegeschaftsrat hatte eine größere Deputation entsandt, desgleichen die Polizeidirektion und einige auswärtige israelitische Gemeinden. Nach einem vom Synagogenchör gesungenen deutschen Lied ergriff der erste Vor- 'sitzende der Gemeinde, Justizrat Ofner, das Wort, um kurz den Werdegang des Begräbnisplatzes zu schildern. Der Redner ging davon aus, daß schon am Ende des 13. Jahrhunderts in München eine israelitische Kultusgemeinde bestand, der . im Jahre 1416 bei Moosach ein Begräbnisplatz verliehen worden sei, eine Verleihung, die man aber nach wenigen Jahrzehnten aufgehoben habe, und daß erst im Jahre 1816 unter König Max Joseph I. der heute noch bestehende Friedhof an der Thalkirchenerstraße der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Die Rede klang aus in dön Dank an die Behörden,, die Stadtverwaltung und den Erbauer, Stadtbaurat Grüßl. Abermals folgte ein Gesangsvortrag, und nunmehr hielt Rabbiner Dr. Werner die eigentliche Weiherede, ein nach Form wie Inhalt glänzendes Meisterwerk hinreißender Beredsamkeit. In kurzen Worten sprach sodann Baurat Gräßl dem Vorstand "und allen seinen Mitarbeitern den Dank für ihre Tätigkeit aus, dabei betonend, daß es gelungen sei, mit verhältnismäßig geringen Mitteln unter Einhaltung des Voranschlages und ohne jeden Unfall das Werk zu vollenden. Den Beschluß des Einweihungsaktes bildete ein hebräischer Chorgesäng, worauf ein Rundgang durch die umfangreichen Anlagen angetreten wurde. Hinter der eigentlichen Aussegnungshalle, die mit hebräischen wie deutschen Bibelsprüchen geziert und durch vier Ampeln mit je 16 kleinen Oelflamrüen erleuchtet wird',' befindet sich, da der Rabbiner, der ein Kotzen ist, nicht in einem Raum zusammen mit dem Toten walten darf, durch eine etwa fünf Zentimeter breite Mauerspalte getrennt, der Raum für die Kanzel. Links von der Aussegnungshalle ist ein großes Kondolenz- und Betzimmer eingerichtet, rechts der Frauenraum angeordnet. Des weiteren ist noch, für Männer und Frauen getrennt, je' ein großer Aufbahrungsraum angeordnet und außerdem ein Waschzimmer mit großem, nach allen Seiten drehbarem Tisch aus Marmor. Die neue israelitische Begräbnisstätte reiht sich den vielen Münchener Friedhöfen durchaus würdig an. Gesterretch-Nnssm. .□ Wien, 25' Mai. Nun ist er wirklich tot, unser alter Freund Emanuel Baumgarten, den sie wiederholt schötr totgesagt haben. Am 20. d. M. ist er nach längerem Leiden im 81. Lebensjahre gestorben. Seine Biographie haben wir erst kürzlich anläßlich des 80. Geburtstages gebracht. Durch zwei Jahrzehnte wirkte er in hervorragender Weise im Vorstand und Vertreterkollegium der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, durch viele Jahre auch als Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates und zeichnete sich auch in diesen