Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 WWWWWWWWM Stellungen durch erfolgreiche Tätigkeit aus. Kür seine Verdienste um die Pflege der Verwundeten im Feldzuge 1866 erhielt er das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Seine letzten Lebensjahre verschönte die Pietät der Familie, die erst vor kurzem die erste Lieferung seiner Uebersetzung des Chobot Halehabot von Bachja ibn Pakuda neu herausgegeben hat, die noch immer die beste ist. Möge ihm die Erde leicht sein! — Der Vorstand unserer Gemeinde hat den Entwurf eines neuen Lehrplans für den Religionsunterricht an den Volks-und Bürgerschulen veröffentlicht, damit den sich für denselben interessierenden Kreisen (Eltern und Fachmännern) Einblick in denselben geboten und die Gründe für die Ausarbeitung dieses Entwurfes dargelegt werden. Schon im Jahre 1900 trat der Vorstand an die Konferenz dev Religionslehrer der Volks- und Bürgerschulen mit der Aufforderung heran, einen Lehrplan, gestützt auf die gewonnene Erfahrung, auszuarbeiten. Der aus dieser Körperschaft gewählte Ausschuß und das hierzu bestimmte Komitee haben ihr Bestes getan, um die mit großen Schwierigkeiten verbundene Aufgabe auf Grundlage des alten Lehrplanes zu lösen. Wenn nur nicht in diesem Lehrplan, den übrigens Fachmänner beurteilen mögen, gar zuviel von den Schülern verlangt würde! — In dieser Woche sprach das Exekutivkomitee der jüdisch-nation alen Studentenschaft auch beim Rektor der Technik vor, um die Forderung nach Anerkennung der „jüdischen Nationalität" vorzubringen. Der Rektor versprach, daß er denselben Vorgang einzuhalten gedenke wie das Rektorat der Wiener Universität, daß er jedoch aus formellen Gründen zunächst den Geschäftsausschnß der Technik befragen müsse und im Monate Juni eine bindende Erledigung erfolgen werde. Warum protestiert aber die Majorität der jüdischen Studenten, die von diesem Vorgehen durchaus nichts wissen will, nicht in energischer Weise dagegen? England. A London, 22. Mai. Am 21. d. M. ist hier im 92. Lebensjahre einer der angesehensten Männer unserer Gemeinde, der Rev. Dr. Albert Loewh gestorben. 68 Jahre hat dieser Mann in London gelebt und gewirkt, seine Beliebtheit war eine allgemeine. Mögen andere sein Lebensbild ausführlicher darstellen, ich begnüge mich mit den folgenden kurzen Notizen. Albert Loewh wurde am 10. Dezember 1816 in Aussee in Mähren geboren, er studierte in Wien und in Prag, wo er ein Schüler Steinschneiders war. 1842 wurde er als Prediger der hiesigen Reforn-gemeinde angestellt, und in dieser Stellung hat er 50 Jahre hindurch bis 1892 eine wahrhaft erfreuliche und segensreiche Tätigkeit entwickelt. Außerdem, war Loewh von 1871—89 Sekretär der Anglo Jewish Association und auch hier hat er sich als ein vorzüglicher Mitarbeiter an dem großen Werke dieser Gesellschaft bewährt. Seine Mußestunden benutzte der Verstorbene für gelehrte Studien auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und Bibliographie. Albert Loewy war ein vorzüglicher Prediger, ein tüchtiger Pädagoge und ein edler Mensch, -dem jeder, der ihm einmal nahe getreten, eine dankbare Erinnerung bewahren wird. Sein Andenken sei gesegnet! Vun Sah und jfrm. — Den Charakter als Justizrat haben erhalten die Rechtsanwälte und Notare Georg Becker, Guttfeld, Dr. Gabriel, Dr. Alfred Gotthelf, Sallh Cohn, Hoffstaedt. Hermann Marcuse, Dr. Leopold Bischosswerder in Berlin, Josef Josephsohn und Raphael Josephsohn in Potsdam, Dr. Wolfes in Hannover, Cohen in D üsseldorf, Tr. Max Meyer und Dr. Blau, der Vorsteher der dortigen Gemeinde, in Frankfurt a. M., Löwenthal in Altona. — Dem Fabrikbesitzer Louis Mann in Charlottenburg wurde aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Amte als Handelsrichter und dem Sanitätsrat Dr. Bel gar d anläßlich seines Jubiläums der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. — Anläßlich des Jubiläums der Gesellschaft für Erdkunde hat der Forschungsreisende Professor Gottfried Merzbacher die silberne Karl Ritter-Medaille erhalten. — Gestorben sind in dieser Woche der Justizrat Tr. Felix Kaufmann', Herr Heinrich Bock, der seit Eröffnung der Synagoge in der Rykestraße daselbst als Vorsteher fungierte, und WW^Z^^WWWWWMWW Kommerzienrat Jakob Landsberger im 83. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! — Dem Bankdirektor George Marx in Königsberg wurde der Charakter als Kommerzienrat verliehene — Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker in Köln beabsichtigt einen Delegiertentag sämtlicher sich mit dem jüdischen Handwerk in Deutschland befassenden Vereine nach Köln einzuberufen. In der letzten sehr gut besuchten Versammlung wurde ein Komitee, das die vorbereitenden Schritte einleiten soll, gewählt. Es handelt sich hauptsächlich um die Hebung des jüdischen Handwerks. — Der Bankier Karl Waitzfelder und der Fabrikant Jsid or Bach, München, wurden zu bayerischen Kommerzienräten ernannt. — Der bekannte Maler Professor Benno Becker in München hat den Verdienstorden vom heiligen Michael III. Klasse erhalten. Nach der Eröffnungsvorstellung des Künstlertheaters hielt der Protektor desselben, Prinz Rupprecht, eine Rede, welche in ein Hoch auf Professor Becker ausklang, „der mit unermüdlicher Arbeitskraft, feinsinnigem Verständnis und der ganzen Liebenswürdigkeit seines Wesens soviel beigetragen zu dem Gelingen, des Werkes". — Dem Kommerzien- und Magistratsrat Bankier Simon Lebrecht und dem Rentier Moritz Wühler, beide in München, wurde der Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klasse verliehen. — Anläßlich der Einweihung der Hohkönigsburg hat der Bibliothekar Dr. E. Marckwald in Straßburg i. E. den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Der durch die Veranstaltung der großen Judenhetze in Odessa bekannte ehemalige Odessaer Stadthauptmann General Neid Hardt wurde von der Stadtvertretung daselbst zum Ehrenbürger gewählt. — Die Alliance Israels Universelle hat für die Feuerbeschädigten in Kutai s eine Unterstützung von 1000 Franken bewilligt und dem Israelitischen Asyl für arme und obdachlose Kinder der Stadt Odessa eine Zuwendung von 5000 Franken gemacht. — Fast zur selben Zeit, da die schwarze Bande in der Duma den Versuch unternahm, die Juden vom russischen Militärdienste auszuschließen, fand im Offizierskasino zu Kremenetz ein großer Abschiedsabend zu Ehren des nach 28 jähriger Dienstzeit in den Ruhestand tretenden jüdischen Oberarztes Dr. Samuel Rotmann statt. Interessant ist der Brief, den der Negimentskommandant Baron Neiknig an die Kremenetzer Garnison anläßlich dieses Vorfalles vom Militärdienste richtete, und der beweist, welche Stellung die Juden in der russischen Armee einnehmen. — Der gewesene Abgeordnete der zweiten Duma Kruschewan veröffentlicht in seinem in Kiew erscheinenden Blatt „Drug" eine Aufforderung, alle Juden in Rußland totzuschlagen weil die Regierung gegen sie nicht einschreite. Auf allerhöchsten Befehl habe man den Juden entgegen der letzten Verfügung des Statthalters des Kaukasus das Wohnrecht in kaukasischen Kurorten gestattet. — In Christiania ist am 13. d. Mts. der Rabbiner der dortigen polnisch-jüdischen Gemeinde Dr. M. Aschkanaze gestorben Derselbe hat sich auch durch mehrere hebräische Schriften bekannt gemacht. — Der bekannte KunsthändlerDuveen senior in London hat sich erboten, auf seine Kosten einen neuen Flügel an die Tate-Galerie anzubauen, in der die modernen britischen Bilder der Nationalgalerie untergebracht sind. Herr Duveeu ist ein holländischer Jude der in jungen Jahren nach London gekommen ist. Er begann mit einem kleinen Juweliergeschäft und wurde schließlich einer der kapital kräftigsten Kunsthändler. — Ein Jude und ein arabischer Scheich haben ein Dampfschiff erworben, um einen Dampferverkehr zwischen ker Ost- und Westküste des Toten Meeres herzu stellen. — In Saloniki wurde das Baron Hirsch-Hospital kürzlich eröffnet, für das die selige Baronin Klara v. Hirsch eine Million Franken gestiftet hat. — Der amerikanische Handels- und Arbeitsminister O8k,ar Straus erhielt vom Präsidenten Noosevelt ein Schreiben, in welchem mitgeteilt wird, daß er neuerdings auf weitere sechs Jahre zum Vertreter der Vereinigten Staaten am Haager Internationalen Schiedsgerichte ernannt wurde. Straus wurde zum ersten Male nach dem Tode des Expräüdenten Harrison zu diesem Ehrenamte erwählt. — Die Postmeister des Staates Pennsylvania (Amerika) haben sich zu einem Verbände vereinigt. Ihre erste Versammlung fand am 22. April d. Js. in Harrisburg statt und war von nahezu 400 Mitgliedern besucht. Zum ersten Präsidenten dieses Verbandes wurde einstimmig der jüdische Postmeister von Erie, Isidor Sobel, gewählt.