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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-29 · Heft 22 (29.5.1908) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 22 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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ist in dieses Schulbuch ausgenommen? Änd auch die Darstellung' läßt .nichts zu wünschen : übrig. Es ist selbstverständlich. daß ein solches Buchwenn es seinem Zweck entsprechen soll, apologetisch geh altert sein muß. Aber diese Tendenz darf 'Nicht aufdringlich' erscheinen. Diese Klippe hat der Verfasser glücklich wermieden, und so hat er für die! jüdische "Schuljugend ein vorzüglichesLBüch geschaffen, düs die bereits erlangte Beliebtheit in der Tat vollauf verdient.! Mir die nächste Auflage möchte ich mir einige Anregungen erlaubend In der Behandlung des Christentums ist bei einem solchen Buche, was sich von selbst versteht,' viel Takt und Vorsicht Nötig. Eine entschiedene Polemik gegen das Christentum muß vermieden werden. Aber so leicht darüber hinwegzugehen, scheint mir auch nicht angängig. Die jüdische Jugend muß doch beim Religionsunterricht erfahren, daß das Christentum aus dem Judentum hervörgegangen ist? daß Jesus' und seine Schüler Juden' Waben, und die ersten christlichen Gemeinden sich ebenfalls 'aus jüdischen MännerN und Frauen rekrutierten. Da dia evangelische Erzählung soviel Gehässigkeit gegen die Juden und soviel Verachtung gegen das Judentum zeigt, so ist das die berechtigte Abwehr, wenn beim Religionsunterricht mit aller- Ruhe betont wird, daß diese .Erzählung von ungebildeten und unwissenden Menschen hcrrührt und keinen Hauch von Geschichtlichkeit enthält. Die Verfasser der evangelischen Bücher waren zumeist einfach Heiden, die sich trotz ihrer Unkenntnis ein Urteil über das Judentum anmaßteu. Viel schärfer kann natürlich das Verhältnis des Islam zum Judentum beleuchtet werden. Hier braucht man vor allem keine Rücksicht zu nehmen, und außerdem ist der Islam sozusagen am hellen lichten Tag in die Weltgeschichte eingetreten. Abgesehen davon, daß Mohammed und dessen Nachfolger viel mehr vom Judentum beibehalten haben als das Christentum in seiner späteren Entwicklung, verdient das Verhalten Mohammeds gegen seine jüdischen Lehrmeister im Geschichtsunterricht eingehend geschildert zu werden. DerMohammedbiograph Sprenger hat darauf das arabische Sprichwort angewandt: „Füttere den Hund satt, und er wird doch beißen." Keine Episode der Geschichte läßt so sehr die erschütternde Tragödie des jüdischen Stammes hervortreten, wie das Schicksal der arabischen Juden, die der Tücke und der Grausamkeit Mohammeds, bei dem sich Genie und verbrecherischer Wahnsinn in seltener Weise gepaart haben, zum Opfer gefallen sind. Allerdings hat Omar, der zweite Kalif, die Juden etwas freundlicher behandelt. Aber geschichtlich steht fest, daß er es gerade war, welcher bei Lebzeit des Propheten die antijüdische Tendenz in den Koran hineingetragen hat. Da er aber kein hirnverbrannter Kreuzfahrer, sondern ein großer Staatsmann war, so begriff er es rasch auf seinen Eroberungszügen, daß das jüdische Element ihm nützlich sein konnte. Danach richtete er sein Verhalten gegen die Juden ein. In der nächsten Auflage des vorliegenden, auch äußerlich besser als alle bisher erschienenen jüdischen Schulbücher ausgestatteten Buches müßten diese Vorgänge eine ausführliche Behandlung erfahren. Es dürfte wohl überflüssig sein,, dieses Schulbuch erst noch zu empfehlen, da es sich bis jetzt außerordentlich gut eingeführt hat. Dr. S. Bern selb. Arnold Kalischer. Der Ewige, mein Panier, und'die Sendung Israels, Gedanken über die Stellung der Juden in der religiösen Bewegung der Gegenwart (Breslau 1908, Verlag der Koebnerschen Buchhandlung). Die Regsamkeit im Leben der deutschen Juden nimmt in erfreulicher Weise mehr und mehr zu! Auf den festen Zusammenschluß zu Verbänden und Organisationen mannigfacher Art, die Stärkung des Bewußtseins der Zusammengehörigkeit, Förderung der gemeinsamen Interessen unserer Glaubensgemeinschaft, Abwehr der gegen sie gerichteten Angriffe und Verteidigung der den Juden als solchen in verfassungswidriger Weise vorenthaltenen und geschmälerten Rechte erstreben, folgt nunmehr seit einer Reihe von Jahren aufs neue eine rüstige Betätigung auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, um seinen unversiegbaren religiös-ethischen Inhalt,, der eine der bedeutsamsten Grundlagen der menschlichen Kultur und Gesittung bildet, mittels des Rüstzeuges moderner wissenschaftlicher Kritik zu durchforschen und die Ergebnisse dieser Forschung über den engen Kreis der Gelehrtenftube hinaus weiteren jüdischen wie nichtjüdischen Kreisen näher zu bringen. Eine größere Anzahl unserer Theologen ist endlich wieder stark bei der Arbeit, um das gar zu lange den christlichen Theologen allein überlassene'ForschUngsfeld der jüdischen Vergangenheit und ihrer Urkunden, besonders in der Epoche der Entstehung und Entwicklung der neuen Lehre, zu bearbeiten, eine Arbeit, deren Ertrag sich fruchtbar erweisen muß für eine objektivere Würdigung des Lehriuhalts des Judentums, weil sie die einseitigen und nicht vorurteilsfreien Versuche, die Inferiorität desselben darzutun, als der historischen Wahrheit widersprechend zurückweist und widerlegt. Von philosophischer Seite wird auf die „religiösen Postulats" des Judentums hingewiesen, welche die Vertiefung und Verbreitung des monotheistischen Gedankens als. Stütze der sittlichen Weltordnung und eine allmähliche Verwirklichung der von den israelitischen Propheten verkündeten messianischen Idee, der Verbrüderung der Völker und der Herbeiführung eines alle Menschen umfassenden Friedensbundes als Mission und geschichtliche Aufgabe des Judentums und seiner Bekenner, auf denen ihre Existenzberechtigung beruht, hinstellen. Aehnlich anfmunternde und mahnende, wenn auch in anderer Form und in anderem Zusammenhänge vorgetragene Gedanken bilden den Inhalt der beiden oben benannten kleinen Schriften des Herrn Amtsgerichtsrat Kalischer. Der Verfasser ist in der Oeffentlichkeit zuerst bekannt geworden durch seinen im Jahre 1888 an Professor Heinrich von Treitschke gerichteten „Offenen Brief". Erörterte er dort die Stellung der Juden im politischen Leben des modernen Staates, so unternimmt er es jetzt — zwei Jahrzehnte später — in zwei Schriften „die Stellung der Juden zu den religiösen Aufgaben der Gegenwart", wie sie sich aus der historischen Entwicklung der Glaubenslehre Israels ergeben, zu erläutern. In der ersten der beiden von tiefem religiösen Empfinden und von sittlicher Begeisterung getragenen Schriften richtet der Verfasser einen ernsten Mahnruf an die Glaubensgenossen, von dem reinen Gottesgedanken, durch den das Judentum zum „Kulturträger ersten Ranges und zum Pionier der Menschheit geworden ist", und von der auf diesem Gottesgedanken ruhenden Sittenlehre, die in ihrer Vollendung die uneingeschränkte Liebe zu, unseren Nebenmenschen ist, sich aufs neue durchdringen zu lassen, um durch sie, deren Betätigung und Verbreitung zu aller Zeit die Aufgabe und die Existenzberechtigung unserer religiösen Sondergemeinschaft bilden den in und um uns gestörten Frieden wieder Herstellen zu helfen. Unser ganzes Leben, alle seine täglichen beruflichen Verrichtungen und Bestrebungen sollen im Dienste Gottes, im Dienste der ewigen, unendlichen und unwandelbaren Idee stehen. Nur dadurch können alle niederen Instinkte. Scheelsucht, Neid, Verleumdung und Rassenhaß, schwinden und der Gottesfriede auf Erden hergestellt werden, wie ihn die Propheten Israels als Ideal der messianischen Zukunst verkündet haben. Wollen wir Juden aber — so geht der Gedankengang des Verfassers weiter —an unserem Teile an der Aufgabe der Herbeiführung des Gottesfriedens auf Erden arbeiten, dann müssen wir, getreu dem Gebote der Heiligen Schrift: „Und ihr sollt es einschärfen euren Kindern!" die Jugend so erziehen, .„daß die Lehren des Gotteswortes lebendige Triebfedern ihres künftigen Handelns werden!" „Nicht nur äußerlich und am Buchstaben haftend" soll der der Jugend in Schule und Haus erteilte Religionsunterricht sein, er soll vielmehr ihren Geist durchdringen mit dem Geiste der Schrift, er soll sie lehren, daß der Geist unserer Religion mit dem Geiste wahrer Wissenschaft und Kunst nicht im'Widerspruch steht. Nur so kann das empfängliche jugendliche Gemüt wahrhaft und dauernd religiös gestimmt werden, so daß es sich eins fühlt „mit dem Geiste des Gotteswortes, eins mit den Wahrheiten der Wissenschaft, mit den schöpferischen Ideen'der Kunst Und den erhaltenden Kräften des Weltalls." Nur so kann der Mensch herangeMdet werden, „sein Einzelwesen freudig zu stellen in den Dienst des Allwesens". Vernachlässigen wir diese religiöse Bildung und Erziehung der Jugend, so lassen wir unsere weltgeschichtliche Aufgabe in unserer Mitte verkümmern, lassen „den heimatlichen Böden der Glaubenslehre Israels, aus dessen befruchtenden Quellen alle Kulturreligiönen die Wässer des Heils geschöpft haben", veröden und 'verdorren. Mit scharfem Blick erkennt der Verfasser, welche Gefahren gerade in unserer Zeit dle

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