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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Berlinern dnuernd im Gedächtnis bleiben. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus ist er durch sein Buch „Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten" bekannt geworden, das berechtigtes Aufsehen hervorrief und das ihm die einflußreiche Stellung erreichen half, die er jetzt als Präsident der „Ständigen Äusstellnttgskommission" ei'nnimmt. Für unS kommt aber hauptsächlich in Betracht seine Liebe und Anhänglichkeit zum Judentum, die er jahrelang als Mitglied des Vorstands der jüdischen Gemeinde und jetzt als Präsident der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance in so hingebender Weise betätigt. Möge dem Schaffensfreudigen noch eine lange Reihe von-Jahren erfolgreicher Wirksamkeit beschieden sein! 8. Berlin, 17. Mai. Der Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland hat im Dräselschen Festsaale eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten. In den Vorstand, aus welchem turnusmäßig vier Mitglieder ausscheiden, wurden die Herren Theodor Löwenberg, Jlia Ber, Justizrat Louis Cohn wieder-, Samuel Cohn neugewählt, so daß sich nach erfolgter Konstituierung der Vorstand in folgender Weise zusammensetzt: Theodor Löwenberg. Vorsitzender, Jlia Ber, Stellvertreter, Justizrat Louis Cohn. Schriftführer, Oberlehrer Dr. Wölbe, Stellvertreter, Samuel Cohn. Schatzmeister, William Reumann, Stellvertreter und S. David, Beisitzer. In den Ausschuß und zu Kassenrevisoren wurden die bisherigen Mitglieder durch Akklamation wiedergewählt. Der Verein zählt etwa 3000 Mitglieder in allen Teilen des deutschen Reiches und besitzt ein Vermögen von ca. 75 000 Mark. Abgesehen davon, daß von Vereins wegen arbeitslosen jüdischen Taubstummen Erwerbsgelegenheit nachgewiesen wird, erhalten sie auch bare Unterstützungen. Die Summe der seit Gründung des Vereins geleisteten Unterstützungen erreichte die Höhe von nahezu 1l 000 Mark. Vor einiger Zeit wurde auch ein Altersheim für jüdische Taubstumme vom „Hilfsverein" begründet, das in Pankow, Schloßstraße 8, gegenüber dem herrlicher» Schloßpark gelegen ist und in einem der nächsten Monate eingeweiht werden soll. Es beherbergt gegenwärtig sieben Insassen, von denen der eine teilweise, ein anderer völlig erblindet ist. Eine Besichtigung der Räume, in denen diese unglücklichen Schützlinge des Vereins ihren Lebensabend hinbringen sollen, sei jedermann empfohlen. Es »väre zu wünschen, daß das Institut aus den Mietsräumen, in denen es sich jetzt befindet, in ein eigenes Heim verlegt werden kann. Mögen recht viele durch ihren Beitritt und durch Spenden an der baldigen Verwirklichung dieses Zieles mithelsen! s. Berlin, 19. Mai. Im Alter von 84 Jahren starb Hierselbst nach längerem Leiden der Mitbegründer des Vereins Berliner Musiker, der Musikdirektor Sally Philipp. Mit ihm ist eine Persönlichkeit dahingegangen, die mit dem festesfrohen Alt-Berlin eng verknüpft war. Jahrzeh»»telang gab es nur wenige öffentliche oder private Festlichkeiten, bei denen Philipp nicht zur Tafel und zum Tanz aufgespielt hätte, und so sind die frohesten Erinnerungen noch heute an seinen Rainen geknüpft. Philipp war aus dem Lübeckischen mit zwei Brüdern, ebenfalls Musikern, nach Berlin ge- , kommen, wo Meherbeer sich seiner annahn» und ihn in die besten Kreise einsührte. Auf dem Friedhof in Weißensee erfolgte am 18. d. M. seine Beisetzung. , Kp. Aus der Provinz Posen, i»n Mai. Unter zahlreichen Ehrungen beging neulich Bäckermeister Zippert in Rakel seinen 80. Geburtstag. — Der Neubau der Synagoge in Hohensalza ist im vollen Gange. Das Gotteshaus wird auch mit Zentralheizung versehen. — Die Königs. Negierung zu Posen hat den Lehrer I. Koerpel in Ostrowo zur Teilnahme an einem an der Handelshochschule in Berlin stattfindenden Fortbildungskursus für kaufmännische Fortbildungsschullehrerbestimmt. — Kaufmann Al ex and er Cohn in Crone a. Br. ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt und vom Regierungspräsidenten bestätigt »vorden. — Die Schulgemeinde in Strelno beabsichtigt, die dortige jüdische Schule auszulösen, da sie nur noch sechs Kinder zahlt. Diese sollen der evangelischen Schule daselbst einverleibt werden. — Der jüngst in Gne sen verstorbene Rentier Krzhwinos hat 3000 Mark als Legat hinterlassen, dessen Zinsen hilfsbedürftigen Invaliden aus den Kriegen 1866 und 1870/71 zugute kommen sollen. i. Breslau, 15. Mai. Hier ist Herr Hermann Jereslaw kurz vor Beendigung feines 77. Lebensjahres gestorben. Eingedenk der Tradition seiner Voreltern, die einer sehr frommen Und geächtekett Familie in Kempen entstammen und sich durch Wohltun und Ausü'. ung der freiwilligen Krankenpflege derartig' ausgezeichnet haben daß dem Großväter und Väter des Verstorbenen im Jahre 1837, als daselbst die Cholera grassierte, von der Königlichen Regierung zu Posen für ihre aufopfernde Tätigkeit ein öffentlicher Dank zuteil wurde (die „Allgemeine Zeitung des Judentums" brachte in Nr. 97 ihres ersten Jahrgangs 1837 darüber einen ausführlichen Bericht), hat sich auch der Verblichene in den Dienst des hiesigen Vereins der freiwilligen Krankenpflege, der Achtzehn Männer", gestellt und in der Betätigung dieses Liebeswerkes sowie in der Mildtätigkeit den Armen und Notleidenden gegenüber seine Lebensaufgabe gesucht und gefunden. In seiner schlichten und bescheidenen Weise, abhold jeder Lobpreisung, hatte sich der Verewigte jede Grabrede verbeten, doch fühlte es Rabbiner Dr. Nosenthal als Herzensbedürfnis, ihm einen Nachruf zu widmen, der auf die Tranerversammlung, welche die Halle zu fassen nicht vermochte, einen ergreifenden Eindruck machte. Herr Dr. Rosenthal führte - insbesondere aus, welche innere Befriedigung der Verblichene in der Ausübung von Nächstenliebe und Wohltnn empfand und wie er jeden Dank ablehnte, weil er darin nichts anderes als seine einfache Menschenpflicht zu bekunden wähnte. Rur gering »väre noch die Zahl solcher Männer, und mit dem Verewigten einer dieser Wenigen dahingegangen. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben. H. C. Nordhaitsen, 10. Mai. Eins der verdienstvollsten und itn Ehrenarnt der Gemeinde zugleich das älteste Mitglied derselbe»», Herr Wolfs Oppenheimer, feierte am 26. v. M. seinen 70jährigen Geburtstag, aus rvelchern Anlaß ihm Ehrungen verschiedener Art zuteil wurden. Sein Platz in der Synagoge war am vorhergehenden Sabbat mit einer Girlande und der hebräischen Inschrift: „Die herrlichste Krone ist das Alter, auf den» Wege der Tugend wird sie gef»»nden" geschmückt, die gerade für ihn, der fast ein Menschenalter seine Kräfte in bei» Dienst der Gemeinde in selbstlosester und bescheidenster Weise gestellt hat, sehr treffend »var. Am Geburtstag selbst begab sich eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten — Herr Wolfs Oppenheimer ist seit einer langen Reihe von Jahren Vorsitzender des letztgenannten Kollegiums, sowie des Synagogenvorstandes — in die Wohnung, und überreichte demselben im Namen beider Körperschaften der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Ad. Eisner eine kunstvoll ausgestattete Adresse, in welcher dern Dank und der Anerkennung für die vielfachen Verdienste. die sich Herr Oppenheimer uin die Gemeinde erworben, Ausdruck gegeben rvurde; in zündenden Worten beglückwünschten ferner der Gemeindevorstand sorvie im Namen der Repräsentanten der stellvertretende Vorsitzende Herr Emil Hirsch unter herzlichen Worten des Dankes den J»»bilar an dessen» Ehrentage. — Essen, 17.Mai. TerJahresbericht des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens zeigt eine ruhige Entwicklung des Vereins- und Kastenwesens. Der Verein zählt am Schluffe des Jahres 9 Ehren- und 171 ordentliche Mitglieder, wovon 97 der Pensionskasse angehören. Die Einnahmen des Jahres 1907 entsprachen dagegen nicht den gehegten Erwartungen. Es gingen nur 13 770,01 Mark ein . gegen 15 531,86 Mark des Vorjahres, also äin Minus von 1761,85 Mark, trotz der größeren Zinsen aus dem größer gelvordenen Kapitalsonds. Dieses rührt vor» den geringeren freiwilligen Beiträgen her, die leider noch immer die Haupteinnahmequelle für den Verein bilden müssen. Das Vereinsvermögen besteht jetzt aus 150 670 Mark. Die Quote des Vorjahres konnte von 40 auf 42 Mark erhöht werden, weil von den eingegangenen Geldern in diesem Jahre zum Kapitalfonds statutarisch weniger geschlagen wurde.. Der Verein bedarf noch, immer dringend der U»»terstützung und Mitarbeit von Freunden und Gönnern. Der Vorstand besteht aus den Herren Lehrern Gras-Essen, Liepmannssohn-Minden, Baum-Rheine, Kaufmann-Gelsenkirchen, Fröhlich-M. Gladbach, Epstein-Hoppstädten, Spier-Wesel. 8. Crefeld, 14. Mai. Die hiesige Chewra Kadischa hat sich die Aufgabe gestelltgrößtenteils aus eigenen Mitteln, teils aber auch aus Zuwendungen der Ge»»»einde, der Armenverwaltung und der beiden Frauenvereine Krankenschwestern anzustellen. — Am 3. d. M konnte die Einführung zweier Schwestern stattfinden. Der

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