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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Demtindebote. . Betlsgr zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". lkorrelpondrnsen und Kgchrtchtrn. VemWaud. L2 Berlin, 17. Mai. Der Gesamtausschuß der Deutschen Juden war am lO.d.M. in Berlin versammelt. Die Versammlung war von 38 Teilnehmern aus allen Teilen des Reiches besucht. Von den Beschlüssen der umfangreichen Tagesordnung ist hervorzuheben: Durch eine Eingabe an das preußische Kultusministerium soll die Anregung gegeben werden, auch hier, wie in anderen Bundesstaaten, leistungsschwachen jüdischen Gemeinden durch Staatsmittel zu helfen. Die Schritte, welche wegen allgemeiner. Durchführung des Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten zu unternehmen sind, sollen zunächst vom Verbände gemeinsam mit dem Rabbinerverband und dem Gemeindebund vorbereitet werden. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Lehrervereine, Rektor Feiner in Hamburg, wird dem Ausschüsse zugewählt. Die Mitteilung, daß die vom Verbände veranlaßte Arbeit des Herrn Dr. Jsmar Freund über das in Preußen geltende jüdische Schulrecht im Drucke vollendet ist und in nächster Zeit im Buchhandel erscheint, wurde mit Befriedigung ausgenommen. s. Berlin, 18. Mai. Ein wichtiges und interessantes Dokument zur Zeitgeschichte ist der eben erschienene sechste Geschäftsbericht des „Hilfsvereins der deutschen Juden". Wir haben schon anläßlich der. Generalversammlung am 29. März d. I. darüber gesprochen, müssen aber doch jetzt, wo der Bericht vorliegt, noch einmal darauf zurückkommen. Derselbe enthält sehr wichtige Mitteilungen über die Organisation des Hilfsvereins, dessen Mitgliederzahl sich auf 18 000 erstreckt, über die Propaganda durch Versammlungen und Vorträge, über seine Tätigkeit während des abgelaufenen Jahres in Marokko, in Rumänien, in Bulgarien, in der Türkei, Palästina, wo das Schulwerk des Vereins besonders gedeiht, in Rußland und in Galizien, wo der Verein das Werk der Hausindustrie mit großem Geschick begründet hat; ferner über das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten; über die Tätigkeit der einzelnen Komitees und Vertrauensmänner und über die Auswanderer-Fürsorge im allgemeinen. 12 500 Auswanderer wurden von den Komitees des Hilfsvereins befördert, über 40 000 beherbergt, verpflegt und bekleidet, 5000 ausgeheilt. Daß es dem Hilfsverein gelungen ist, seine Aufgaben in so glänzender Weise auszuführen, das verdankt die Organisation vor allem der uneigennützigen und hingebenden Arbeit des geschäftsführenden Ausschusses, in dem die Herren James Simon und Paul Nathan eine ebenso rastlose wie erfolgreiche Arbeit leisten, sowie einer großen Zahl edler Männer und Frauen, die auf verschiedenen Gebieten für den Hilfsverein. tätig sind und endlich der freudigen Unterstützung, die dieses Werk allenthalben bei den deutschen Juden gefunden hat. 8. Berlin, 13.Mai. Der erste Bericht über die Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands ist gewiß von allgemeinem Interesse. Im Jahre 1907 find der Kasse als ordentliche Mitglieder 24 Rabbiner und als - -außerordentliche Mitglieder 31 Rabbiner, 14 Laien und 16 Gemeinden und Verbände beigetreten. Von den 24 ordentlichen Mitgliedern besitzen 21 Anspruch auf die vollen Kassenleistüngen, drei einen solchen auf die Hälfte. 20 der ordentlichen Mitglieder erhalten von seiten ihrer Gemeinden den ebendaselbst vorgesehenen Zuschuß in Höhe der Hälfte ihrer Jahresbeiträge; vier Mitglieder sind genötigt, ihren Beitrag voll aus eigenen Mitteln aufzubringen. Die von den ordentlichen Mitgliedern zu zahlenden tarifmäßigen Jahresbeiträge betrugen 8244,55 Mark. Sie sind ausschließlich nach dein Lebensalter berechnet und schwankten zwischen rund 660 und. 300 Mark. Der Zuschuß richtete sich nach der Gehaltssumme und dem Lebensjahre, und wurde um so reichlicher bemessen, je niedriger jene und je höher dieses war. Er schwankte demgemäß zwischen rund 430 und 80 Mark oder zwischen 19 und 1,2 Prozent des Gehalts. Insgesamt betrugen die Zuschüsse 4507,35 Mark, also mehr als die Hälfte der tarifmäßigen Beträge. Rückstände waren nicht zu verzeichnen. Die Ausgaben betrugen 30 413,98 Mark, die Einnahmen 37 539,30 Mark. Das Kuratorium besteht aus den Herren:: Rabbiner Professor Dr. Mahbaum-Berlin, Vorsitzender; Handelsrichter Jakob Weinberg-Berlin, stellvertretender Vorsitzender; Fabrikbesitzer Aron Hirsch-Berlin, Rendant; Bankier Ernst Wolf Meyer-Berlin, stellvertretender Rendant; Kaufmann Benno Braun-Berlin, Kontrolleur; Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg, Schriftführer; Kaufmann Manuel Schwarz-Berlin, stellvertretender Schriftführer; Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch; Rabbiner Dr. Grünfeld-Bingen; Rabbiner Dr.' Guttmann-Breslau. Den Ausschuß der Kasse bilden folgende Herren: Berlin: Oskar Berlin. Benas Levy, Moritz Rosenow, Justizrat Dr. Seligsohn, Paul Veit Simon Frankfurt a. M.: Jsaac Dreyfus, Emil L. Heidenheimer, Benny Oppenheimer, Wilhelm Th. Stern. Breslau: Lippmann Bloch, Eugen Schiff. Beuthen: Samuel Förster. Dresden: Gustav Tuchler. Hannover: Senator Leopold Fischer. Kattowitz: Stadträt Salomon Wiener. Posen: Israel Friedlaender. s. Berlin, 17. Mai. In den Barnch Auerbachschen Waisen-Erziehungsanstalten erhalten nach ihrem eben erschienenen Jahresbericht 56 Knaben und 30 Mädchen — eine Zöglingsstelle ist trotz der erheblichen Verteuerung fast aller Anstaltsbedürfnisse wieder neu geschaffen worden — eine auf die volle Entwicklung ihrer Bildungsfähigkeit gerichtete Erziehung. Bei vorhandener Veranlagung und Leistungsfähigkeit besuchen die Zöglinge im allgemeinen höhere Schulen, die Knaben fast durchweg bis zur Einjährig- Freiwilligen-Berechtigung, besonders begabte und würdige sogar bis zur Reifeprüfung, während die Mädchen in der Regel noch nach beendetem Schulbesuch in der Anstalt bleiben, bis sie für ihren Beruf vorgebildet und erwerbsfähig geworden sind. Im ganzen haben bisher 633 Zöglinge in den Anstalten Pflege. Erziehung und Ausbildung und weit ins Leben hinaus reichende Fürsorge genossen. Dem letzteren Zwecke dient eine größere Anzahl besonders verwalteter Stiftungen, die wiederum namentlich zur Selbständigkeit und Verheiratung früherer Zöglinge größere Summen hergegeben haben, für die unmittelbaren Anstaltsbedürfnisse aber unantastbar sind. Diese erforderten einschließlich Bureau, Gottesdienst. Gräberpflege, Renten und anderer Zuschüsse insgesamt 82760 Mark (im Vorjahr 79860 Mark), die Verpflegung 21770 Mark (19870 Mark), etwa 57 Vs Pfennig für den Kopf und Tag> das ist etwa fünf Pfennig mehr als im Vorjahr. An Zinsen stehen etwa 50400 Mark, an Jahresbeiträgen 9000 Mark, an Renten 1650 Mark zur Verfügung, im übrigen sind die Anstalten, zu deren Unterhalt weder Stadt noch Gemeinde im geringsten beitragen, auf das Wohlwollen ihrer Gönner angewiesen, das ihnen auch im abgelaufenen Jahre in reichem Maße zuteil geworden, ist. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren B. Marckwald. Kommerzienrat E. Loynstein, Generalkonsul (&: Landau, Professor Dr: F. 'Liebermann, Geheimer Kommerzienrat I. Loewe und G. Mosler. Ehrenmütter sind: Frau Professor Cäcilie Liebermanu, Frau Konsul Flora Fränkel und Frau Kommerzienrat Else Israel. ' 22 Berlin- 18. Mai. Am 17. d. feierte der Geheime Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger den 60. Geburtstag. Seine- Verdienste um Handel und Wandel sind allgemein anerkannt und auch von den berufenen Stellen vollauf gewürdigt worden. Erst vor kurzer Zeit ist ihm durch Verleihung des Roten Adlerordens II. Klasse eine seltene Auszeichnung zuteil geworden. Nachdem das von ihm zu großer Bedeutung und hoher Blüte gebrachte Bankhaus I. T. Goldberger in die Internationale Bank aufgegangen war widmete er seine eminente Arbeitskraft den öffentlichen Aufgaben. Er war über ein Jahrzehnt der erfolgreiche Leiter des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller. In Verbindung mit der 1896 er Berliner Gewerbe-Ausstellung wird Goldbergers Name den

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