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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-15 · Heft 20 (15.5.1908) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
Seite 240 (sequence 12)
Language
German
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240 Augen geöffnet haben, und obgleich er seine Feinde im eigenen Hause und in seiner Familie sand, war er der Worte eingedenk: „Wer Sohn und Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht würdig", und er hat sein Kreuz auf sich genommen und ist ein „gläubiger" Nachfolger Christi geworden. Selbst wenn die guten Seelen, die ihm zu einem recht stattlichen Einkommen verholfen haben, durch diese Geschichte oder durch irgend einen anderen Zufall seine wahre Geschichte entdecken sollten, würden sie sich nicht um so mehr über den reuigen Sünder freuen? Seine versäumten Pflichten, die begangenen Sünden, die unfehlbar daraus entstehenden Konsequenzen — all dies ist belanglos: Er hat das Licht gefunden. Es ist daher Haigitcha, die in der Dunkelheit irrt, während Uvonne in ihrer Kapelle Gott lobt und Elkan in seiner Kirche Buße predigt. ... Literarischk Mitteilungen. — Der fünfte Todestag des unvergeßlichen Moritz Lazarus (13. April) brachte manche wertvolle Erinnerung an den großen Völkerpsychologen. Vor allem einen beachtenswerten Aufsatz in „Westermanns Monatsheften" (Nr. 61,1908): „Moritz Lazarus'Lebenserinnerungen" vom Geheimen Rat Th. Vogel, einem der hervorragendsten Schulmänner Sachsens, der zwanzig Jahre Vortragender Rat im Kultusministerium war und durch seine philosophischen und theologischen Forschungen sich einen Namen erworben hat. Beigefügt war eine Illustration nach dem berühmten Porträt, das Franz von Lenbach von Lazarus seinerzeit gemalt hat.. Interessant ist die Mitteilung Vogels, er habe Lazarus nur einmal gesehen und gesprochen: 1863 ans der Philologenversammlung in Meißen. „Sein Bild," so schreibt er also nach mehr als 44 Jahren von Lazarus, „hat sich mir damals tief eingeprügt." Im selben Jahre 1863 hat auch der berühmte Hallenser Theologe Emil Kautzsch als junger Gymnasiallehrer in Leipzig eine Unterredung mit Lazarus gehabt, die ihm, wie ein Brief an diesen vom Dezember 1902 (^ Jahr vor dem Tode) sagt, „in unauslöschlicher Erinnerung" geblieben ist. „Noch heute wollte ich Ihnen einiges im Wortlaut mitteilen, was Sie damals äußerten und was mir tiefen Eindruck gemacht und bleibend hinterlassen hat." Ebenfalls 1902 erwähnt der nun bereits verstorbene Berliner Psychiater Professor Jolly Lazarus' improvisierte Rede auf Griesinger in der von Lazarus und Griesinger begründeten Medizinisch-Psychologischen Gesellschaft,' die durch die offizielle Gedächtnisrede von Westphal veranlaßt wurde, an sie anknüpfte. Jolly war als junger Doktor zugegen, und nach 34 Jahren schreibt er noch begeistert von dem lebhaften Eindruck der warmen und im Ton unmittelbarer Empfindung gesprochenen Worte des Philosophen. Welch köstliche Zeugnisse sind das! Der Philolog, Theolog und Mediziner, alle drei hervorragende Männer, denken noch nach Jahrzehnten mit Begeisterung einer Begegnung mit dem jüdischen Philosophen. Am 26. v. M. fand übrigens die Gründung einer „Moritz Lazarus-Loge" in Göttingen statt. Dort, wo Herbart und Lotze einst gewirkt haben, wird nun auch das Andenken des bedeutenden Philosophen und edlen Inden Lazarus in Pietät und Anhänglichkeit gefeiert. Sgrechsgal. Geehrter Herr Redakteur! der jüngsten Nummer der „Berliner klinischen Wochenschrift" erhebt Herr Professor Magnüs-Levy seine Stimme gegen die Annahme der Einladung ins Wiener Rathaus seitens der Kongreßteilnehmer. Eine Stadt, in der der Katholikentag die Fakultäten (gemeint ist namentlich die medizinisch-naturwissenschaftliche) an den Klerus auszuliefern beschlossen. und deren Oberhaupt, Lueger, von 1 den Aerzten behauptete: „Jedes alte Weib kuriere besser als sie" oder „daß die Pockenepidemie durch das Impfen der Aerzte entstanden sei", verdiene es nicht, daß Aerzte sich von ihr bewirten lassend So mannhaft dieser Protest gegen die Beschönigung Professor Posners daselbst Von der „internationalen Kourtoisie" absticht, so muß man doch leider sagen, daß er den Kernpunkt verfehlt hat. Die zahlreichen jüdischen Autoritäten hätten überhaupt nach Wien, das im Zeichen des ärgsten Antisemitismus steht und dessen Oberhaupt der reinste „Haman" ist, nicht zum Kongreß kommen sollen. Die großen jüdischen Aerzte, welche durch ihre bahnbrechenden Vorträge dem Kongreß seinen Glanz verliehen haben, hätten lieber durch Abwesenheit glänzensollen! Das wäre der einfachste und beste Protest. Dienen doch schon „unbesoldete", „titulierte" jüdische Gelehrte den Universitäten als Autoritätenstaffage, wozu sollen sie noch als Dekoration zur Verherrlichung der Antisemitenstadt dienen? Hätten sie so gehandelt, dann wäre die Frage, ob der Einladung ins Rathaus Folge geleistet werden sollte oder nicht, von selber entschieden. Hochachtungsvoll Wiesbaden, 18. April. Dr. B. Ratner. G Sehr geehrter Herr Redakteur! * n Nummer 16 Ihres geschätzten Blattes führt Herr Rabbiner Dr. Kaufmann den Satz meines Buches (Das Judentum und das Wesen des Christentums) „dem Alten Testament ist die Lehre von der Erbsünde durchaus fremd" an und bemerkt dazu, daß nach seiner Meinung diese Lehre, wenn auch nicht in der christologischen Gestaltung, ein Produkt des religiös-spekulativen jüdischen Geistes sei, wofür er auf mehrere talmudisch-midraschische Stellen verweist. Die von ihm gewünschte eingehendere Untersuchung dieses. Gegenstandes ist bereits vorhanden in der unter den Schriften der eeole pratigue äes dautes etuäes (seelion äes seieness restHeuses) erschienenen Abhandlung von Israel Levi: „Le peche originel dans les anciennes sourees juives“. Paris 1907. Herr Professor Lävi behandelt sowohl die hierher gehörigen biblischen, wie die talmudischen und midraschischen Stellen, auch die von Herrn Kaufmann angeführten, und kommt, in seinen mit großer kritischer Umsicht angeführten Untersuchungen gleichfalls zu einem im wesentlichen verneinenden Ergebnis. Er sieht in den erwähnten Midraschstellen Anschauungen, die nur in eine sehr entfernte Beziehung zu der christlichen Lehre von der Erbsünde gebracht werden können. Diese findet sich auch nicht in den Evangelien, sondern nur in den paulinischen Briefen und entstammt gleich diesen nicht einem jüdischen Ursprünge, sondern syrischen religiösen, oder gnostischen Kreisen und Anschauungen. Vgl. „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums". 1907. Seite 410 f. 557 ff. Berlin. 21, April 1908. Rabbiner Dr. Eschelbach er Lriefksltm der Nedsktivn. S. in L.r Leider unmöglich; derartiges gehört in ein politisches Blatt. B. in D.r Bereits abgedruckt. Die Herren Dr. Franz Groedel und Dr. Theo Groedel in Nauheim sind nicht Juden. S. hier: Die ganze Literatur finden Sie zusammengestellt bei Feilchenfeld: „Joselmän von Rosheim" (Straßburg 1898) Seite 1—4. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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