Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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!•: ' -i- 232 - nennt Damot im Westen von Godscham, Knara, Adschafar, Tagessa, westlich vom Tanafee, Ermatschoko, Simen und Ualkait, Dembya im Norden vom Tana (Revue äe l'Oiient 1845, p. 223). Halevy fügt noch hinzu: Schira (im Norden). Tamban. Endarta. Lasta und Begemender (siehe den Bericht Halevys in der Sitzung vom 30. Juli 1868, veröffentlicht im zweiten Halbjahrsbericht 1868). Für meinen Weg werde ich die Angaben von Abba die und Halevy als Grundlagen nehmen. Ich will alle von diesen beiden Gelehrten genannten Provinzen durchreisen. Ich will den blauen Nil überschreiten, um in Godscham einzudringen, Damot und Agumedar durchqueren, Knara, Adschafar und Tagessa, östlich vom Tana, besuchen. Danach will ich hinaus nach Dembya und Gondar, nördlich vom Tanasee wieder hinab nach Begemender und endlich nach Balassa und Simen. Von Simen geht mein Weg nach Ermatschoko und Ualkai't. Hierauf durchschneide ich Tacasö, gehe nach Schira, Tsembila und von dort durch Axum und 'Adua zurück über Erhthrea. Addis-Abeba. 20. März 1908. Am Sonntag, 15. März, begaben wir uns auf die gnädige Einladung Seiner Majestät in das Palais, wo Ato Haile Mariam Pascha uns mit gewohnter Liebenswürdigkeit in dem für Fremde von Auszeichnung bestimmten Spezialpavillon empfing. Er ließ uns einige Minuten ausruhen und führte uns dann in den großen Thronsaal (Adrasch), der zeitweilig auch als Speisesaal dient. Bevor ich Ihnen über die ganz ausnahmsweisen Ehrungen berichte, die uns zuteil wurden, muß ich Ihnen einige Einzelheiten über den Thronsaal geben. Dieser, vor zehn oder zwölf Jahren erbaut, ist 80 Meter lang, 50 Meter breit, 25 Meter hoch. Trotz seiner harmonischen Architektur macht er durch die zahlreichen Balken, die seine Mauern durchschneiden, und durch die Eisensäulen, die das dreieckige Dach tragen, den Eindruck einer Maschinenhalle. Das außen mit Eisenblech bekleidete Dach ist sehr geschickt, ich möchte sagen, sogar künstlerisch gearbeitet. Die Bambusstauden, aus denen es zusammengesetzt ist, sind symmetrisch geordnet und durch gelbe, grüne und rote — die äthiopischen Farben — Bänder zusammengehalten, was einen reizenden Eindruck macht. Wände und Front sind mit kleinen blauen und roten Blumen mosaikartig bemalt. Im Hintergründe des Saales, den: großen Portal gegenüber, erhebt sich eine Estrade von 24 Meter Breite und 12 Meter Tiefe auf vier Stufen bis zu einer Höhe von 70 Zentimeter. In der Mitte dieser Estrade steht der angeblich von David herrührende Thron unter einem prächtigen, von einer Krone überragten, von vier vergoldeten Säulen getragenen Thronhimmel. Estrade und Saal sind mit reichen orientalischen Teppichen bedeckt. Der Kaiser gibt in diesem Saal seine feierlichen Audienzen und an Sonntagen und hohen Feiertagen allen seinen Eroßwürdenträgern, Ministern, Heerführern und den Soldaten der Hauptstadt, zusammen etwa 15—16 000 Mann, eine Mahlzeit, die Geböhr genannt wird. Für diese Mahlzeit werden in der Regel etwa 100 Rinder geschlachtet. Die Mahlzeit bietet eines der interessantesten Schauspiele, denen man in Abessinien beiwohnen kann. Man sieht alle diese Soldaten mit einem Stück rohen Fleisches in der Hand, das mit Salz und Pfeffer bestreut ist und in das die Soldaten mit festen Zähnen hineinbeißen. Das ist das vornehmste Nationalgericht, der Dergo. Wir haben einer solchen Szene nicht beiwohnen können, denn gegenwärtig ist Fastenzeit. Aus dem Gemach, in dem wir uns anfänglich befunden-hatten, führte man uns durch einen Gang auf die Estrade selbst. Nachdem wir uns die Hände nach abessinischem Brauch in einer Schüssel gewaschen hatten, die drei Gardesoldaten uns vor der Tür präsentierten, begrüßten wir den Kaiser und nahmen an dem Tisch Platz, der uns zu seiner Linken reserviert worden war. Hinter Menelik standen 20 Militärführer in zwei Reihen, mit Schilden, Krummsäbeln und Gewehren; ihnen gegenüber der Kriegsminister mit gezogenem Säbel, zu seiner Rechten der Afa Negus (buchstäblich: Mund des Kaisers, denn durch ihn gibt er alle seine Befehle kund) und zu seiner Linken der Nagadi Ras (Handelsminifter und Minister der Auswärtigen Angelegenheiten) — alle stehend. Auf dem Boden der Estrade saßen alle Großwürdenträger, Provinzgouverneure, die sich gerade in Addis Abeba befinden, etwa hundert an der Zahl. Sie hatten vor sich auf sehr niedrigen Tischen ihre Ration Brot, Sardinen und Beißbeerensalat — das ist das Fasten-Menü für den Kaiser und alle seine Untertanen. Wir, die israelitischen Delegierten der Alliance Israelite Universelle, saßen auf goldenen Stühlen vor einem königlich geschmückten Tisch. Tischtuch und Servietten waren mit dem kaiserlichen Wappen, die silbernen Gefäße mit verschiedenfarbigen Nelken geschmückt. Mächtige sammetene Vorhänge mit großen Schnüren trennten die Estrade von dem übrigen Saal während des Frühstücks. Die Abessinier glauben, daß während der niedrigen physischen Betätigung das „böse Auge" zu fürchten sei. Darum bedecken auch die Pagen, die den Kaiser umgeben, diesen mit ihren Schammas, wenn er sich schneuzt, hustet, gähnt oder niest. Große siebenarmige Leuchter auf vergoldeten Sockeln erhellten die Estrade, während die Borhänge herabgelassen waren. Nach beendetem Frühstück öffnete man die Vorhänge und die Türen des Saales. Die Tausende Soldaten, die im Hofe gestanden chatten, traten, ihre Führer an der Spitze, unter dem Geschmetter der Trompeten, die an die von Jericho erinnern, ein. und nahmen ihren Platz aus der Erde ein, zur Seite ihrer von den Schangallasklaven be° dienten Tische. Beim Nachtisch ließ mich der Kaiser durch Ato Haile Mariam, der zwischen ihm und uns aufrecht stand, fragen, ob ich einen Trinkspruch ausbringen wollte. Ich beeiferte mich, zu bejahen. Man brachte Champagner, und wie auf ein zauberisches Zeichen standen plötzlich die 5000 Kiefernpaare still. Ich erhob mich, das Glas in der Hand, und hielt unter tiefer Stille eine kleine Ansprache im Namen meiner Vorgesetzten. Ich ließ die weitherzige Duldsamkeit Ihrer Majestäten, ihre Liebe zum Fortschritt hell erglänzen und schloß mit dem Wunsche für das Gedeihen der Herrschaft Ihrer Majestäten und für die Verlängerung ihrer Tage. — Die kleine Ansprache wurde durch den ersten Dolmetsch Ato Haile Mariam Wort für Wort übersetzt, und Seine Majestät erwiderte, daß er von meinen Worten sehr bewegt sei und lebhaft dafür danke. Einige Minuten später setzte sich ein kleiner kraushaariger Mann, mit einem bis zu den Knien reichenden Hemde bekleidet, an 'der Taille von einem grünen Gürtel eingeschnürt, dem Kaiser gegenüber auf die Estrade. Er hielt ein kleines dreisaitiges Instrument in der Hand. Es war das einer der Asmaris oder Troubadoure. Er improvisierte eine Hymne zu Ehren des Königs der Könige von Aethiopien und zu Ehren seiner Gäste. Wir nahmen nun Abschied vom Kaiser, der uns wirklich mit Liebenswürdigkeiten überhäufte. Er schüttelte mir minutenlang die Hand und dankte mir mit huldreichem Lächeln für meine kleine Ansprache. Er fragte mich — immer durch Vermittlung von Ato Haile Mariam, der uns als Dolmetsch diente — ob wir nicht noch 20 Tage bleiben könnten, um dem Fest der großen Bundesarche beizuwohnen. Ich erwiderte ihm. daß die Zeit dränge, und daß wir vor Beginn der Regenperiode unsere Mission beenden müßten. Er bat mich nochmals, mich nach Soddo, südlich drei Tagereisen von der Hauptstadt entfernt, zu begeben, dort die Ruinen zu besichtigen und ihm ausführlichen Bericht zu erstatten. Ich versprach das. Ato Haile Mariam führte uns bis zur Pforte des zweiten Ringes. Nachdem ich in das Hotel zurückgekehrt war, hielt ich es für meine Pflicht, dem französischen Bevollmächtigten, Herrn Brice, ein Schreiben zu übersenden, in dem ich ihm für alles, was er für uns getan. Dank sagte, namentlich für den Eifer, den er von unserer Ankunft an entwickelt hatte, um uns eine Audienz zu verschaffen, zu der uns der französische Konsul begleitete. Am andern Morgen besuchte uns Ato Haile Mariam . und teilte uns mit, daß Seine Majestät noch von meiner Ansprache bewegt sei und der Kaiserin gesagt habe, sie möchte beten, daß mein Trinkspruch in Erfüllung ginge. Heute früh erhielt ich durch Vermittlung der Gesandtschaft Schutzbriefe von Seiner Majestät dem Kaiser. Addis-Abeba. den 27. März 1908. Ich überreiche Ihnen hierin Abschrift und Uebersetzung des kaiserlichen Geleitbrieses, dessen Text von: Kaiser selbst diktiert worden ist. Diese Dokumente werden sonst nur den fremden 30^11^01 und den offiziellen Gesandtschaften gegeben. Im anderen Falle stellt die Polizei eine Art Paß ans, auf dem Namen und Zahl der Reisenden verzeichnet sind, sowie die Zahl der begleitenden Soldaten und Diener auch die Zahl der Maulesel und das Reiseziel.