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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Logengründ'li.llen der Natur der Sache nach gewöhnlich nicht berichtet rvird, glauben wir doch in diesem Falle eine Ausnahme machen zu pürfen, die von den Beteiligten sicher gebilligt werden wird. Denn die neue Loge führt den Namen: Moritz Lazarus-Loge. Die Feier der Installation ist glänzend verlaufen. Beim eigentlichen Festakt sprach der Großpräsident des deutschen Distrikts Iustizrat Timendorfer, feinsinnig und geistvoll wie immer, über Lazarus. Bon auswärtswaren zahlreicheDelegierte erschienen. Nach den Gratulationen der vertretenen Logen wurde von dem um die Entwicklung des Logenwesens in Deutschland hochverdienten Herrn Hugo Schlesinger- Frankfurt a. M. ein prachtvoll gelungenes Bild von Lazarus überreicht. Daran schloß sich ein Festmahl, an dem 170 Personen teilnahmen, bei dem wieder Iustizrat Timendorfer trefflich und witzig sprach, und auch von manch anderem der Redner des Philosophen rühmend gedacht wurde. Frau Geheimrat L. hatte der Einladung zur Feier nicht folgen können und folgendes Telegramm geschickt: „Möge die Moritz Lazarus-Loge im Geiste dieses treuen Sohnes des Judentums blühen und wirken zu ihrer und seiner Ehre. Dies wünscht dankbaren Herzens Nahida Lazarus." e. Frankfurt a.M., 4. Mai. Das Philanthropin (Realschule der israelitischen Gemeinde) wies nach seinem Programm am 1. Februar in der Knabenabteilung in der Realschule 229, in der Vorschule 121 Schüler, in der Mädchenschule insgesamt 185 Schülerinnen aus. 22 Schüler legten Ostern 1908 die Schlußprüfung ab. Im Laufe des Schuljahres, mit dessen Ende der Senior des Lehrerkollegiums Prof. Dr. Theobald Epstein und Lehrer Maximilian Schulz in den Ruhestand treten, feierten die Professoren Dr. Bernhard Kuttner und Dr. Ferdinand Michel das Jubiläum ihrer 25 jährigen Wirksamkeit an der Anstalt. Im kommenden Schuljahre bezieht das Philanthropin sein stattliches neues Heim in der Hebelstraße, nachdem es 63 Jahre in dem Hause Rechneigrabenstraße untergebracht war und während dieser Zeit eine segensreiche Wirksamkeit im Sinne des Fortschritts und der Bildung unter den Juden entfaltet hat, die der Geschichte angehört. Aber die Verlegung in eine andere Stadtgegend war für die altberühmte Schule notwendig, wie der außergewöhnliche Andrang zu der Anstalt im letzten und auch zum kommenden Schuljahr beweist. Zu den bisher vorhandenen kommt nun auch eine Dr. Hermann Bärwald-Stiftung mit 14 000 Mark Grundkapital, deren Zinsen zum Teil der Pensionskasse für Witwen und Waisen, zum Teil den infolge Alters oder Krankheit aus dem Amte geschiedenen Lehrern und Lehrerinnen zugute kommen soll. Der Schulrat der unter Leitung des Herrn Direktors Dr. Adler zu neuer Blüte gelangten' Anstalt besteht aus den Herren: Stadtrat Horkheimer, Max Dann, I. Eduard Goldschmid, B. Oppenheimer, L. Schiff, S. Epstein, Dr. W. Hanauer, Direktor Hochschild, Sanitätsrat Dr. Jaffö. . * Gesterreich-Ungsrn. □ Wien, 4. Mai. Endlich habe ich Ihnen einmal etwas Gutes aus Oesterreich zu berichten. Die Verhandlungen des „ Allgemeine n österreichisch-israelitischen Bundes", die am27. und28. v. M. hier unter lebhafter Teilnahme weiter Kreise stattsanden, haben ein erfreuliches Resultat gezeitigt, auf dem man weiterbauen kann. (Vergl. die „Woche".) Es war aber auch die höchste Zeit. Man darf allen, die an diesen: Erfolg teilhaben, Glück wünschen, daß sie nicht erst gewartet haben, bis der „schwarze Prinz", Alois Lichtenstein, Ministerpräsident in Oesterreich ist, was übrigens jeden Tag ein- Ereten kann. — Die Affäre Feilbogen ist noch immer nicht zu Ende. Aus Rom wird hierher telegraphiert, daß Professor Feilbogen wegen Beleidigung der katholischen Religion unter Anklage gestellt werden wird. Mehrere Monsignori, die Zeugen der peinlichen Szene in der Sixtinischen Kapelle waren, werden sich zum Zwecke der Aussage nach Wien begeben. Die erste Person, die den Zwischenfall bemerkte, war die Schwester des Papstes, die neben.Frau Feilbogen kniete. — In Ungarn spukte die Blutlüge diesmal an verschiedenen Orten. Das Anwachsen der christlichsozialen Organisation in Ungarn hat in diesem Jahre bereits ihre bösen Früchte gezeitigt. Die Agitation dieser gemeingefährlichen Partei hat überall, wo sie einsetzt, Verdummung und unerbittli ch.en Judenhaß im Gefolge. Sie ist rückschrittlich sowohl ui ihren Auschauungen, wie auch in ihren Kampfmitteln. Sie schreckt auch vor Auffrischung des Blutmärchens nicht zurück, und es ist bei dem großen Netz, das die Christlich-Sozialen anläßlich der eben verflossenen Pessachtage über ganz Ungarn gesponnen, ein wahres Glück, daß es in allen Fällen, in denen der Versuch gemacht wurde, den Juden eine Ritualmordgeschichte anzudichten, geglückt ist, den „Fall" rasch aufzuklären, noch ehe ein größeres Unglück geschah. — Die ungarische Judenheit hat einen schweren Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Oberrabbiners Dr. Moritz Löwy in Temesvar, der am 25. d. M. im Alter von 59 Jahren in Abbazia am Herzschlag gestorben ist. Löwy war einer der ältesten Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Er galt als ebenso bedeutender Kanzelredner wie als Gelehrter. Ehre seinem Andenken! Schweiz. — Genf, 1. Mai. Wie bereits in der vorigen Nummer gemeldet, ist am 27. v. M. der Großrabbiner von Gens, Josef Wertheimer im 75. Lebensjahre gestorben. Die Trauer in der Gemeinde ist eine große, denn der Verstorbene, der hier 50 Jahre lang wirkte, erfreute sich einer seltenen Beliebtheit. Er hat die Gemeinde organisiert und alle Institutionen geschaffen. Aber nicht bloß hier, sondern in der ganzen Schweiz war er bekannt, geachtet und beliebt, so daß man ihn wohl den Crand Kabbln de Luisse nennen durfte. Seit 1873 war Wertheimer, der seine Studien in Berlin, Straßburg und Paris gemacht hatte, als Professor an der Universität für orientalische Sprachen angestellt. Auch hier erfreute er sich großen Ansehens. Von seinen literarischen Arbeiten seien genannt: „Les Juifs d’Orient et d’Occident“, , ll.es juifs et le judaisme dans la societe moderne" „Introduction a l’etude de linguistique“, „Le Talmud, histoire de sa formation“. Wertheimer gehörte der gemäßigten Reform an und ist für seine Weltanschauung jederzeit mit Freimut eingetreten. Das Leichenbegängnis fand unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme von Stadt und Gemeinde statt. Die Regierung, die Behörden, die Universität, die schweizerischen Gemeinden und eine große Schar von Freunden und Verehrern gab dem teuren Manne das letzte Geleit. In der Synagoge hielt Rabbiner Wolff ans Chaux-de-Fonds die Gedächtnisrede. Am Grabe sprachen der langjährige Präsident der Gemeinde, Herr Emil Wolf und im Namen der Universität Professor Duproix. Derselbe feierte in warmen Worten den Verblichenen als Lehrer und Wohltäter der studierenden Jugend. Ehre seinem Andenken! *tr Vlm Sah und jfern. — Bei dem eben stattgehabteu Wettbewerb um die Stipendien der Michael Beerscheü Stiftungen im Betrage von je 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien haben die berufenen Preisrichter den Preis der ersten Stiftung dem Maler Erich Wolfsfeld in Charlottenburg, geboren am 27. April 1884 zu Krojanke (Westpreußen), verliehen. — Der Hoflieferant A. Katzenstein, Chef der Firma A. Liebmann, ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Am 2. d. M. feierte das Ehepaar Schlochauer, hier, seine goldene Hochzeit in der Neuen Synagoge. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Einsegnungsrede und überreichte dem greisen Paar die goldene Ehejubiläumsmedaille. — Am 28. v. M. ist hier der Kantor und Neligionslehrer Moritz Masur im 64. Lebensjahre gestorben. — Herr R. Aron in Bromberg hat der dortigen jüdischen Gemeinde ein größeres Grundstück zum Bau eines israelitischen Altersheims geschenkt. — Prof. Dr. Abraham Adler, der stellvertretende Direktor der Handelslehranstalt in Leipzig, ist in den Ruhestand getreten. — Die Rektorprüfung bestand in Breslau der vor kurzem aus Grünberg i. Schl, als Leiter an die Industrieschule für israelitische Mädchen zu Breslau berusene Herr Adolf Heymann. — Lehrer A. Katzenstein in Steinheim ist zum Lehrer und Prediger in Steele gewählt worden. — In Biblis ist

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