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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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iv ahnten Ministerialerlasses vom 11. Februar 1897 soll alsdann bei dem Königlichen Provinzial-Schul-Kollegium die Entsendung eines Kommissärs zu den Prüfungen beantragt werden. Von der Erhebung einer Prüfungsgebühr soll Abstand genommen werden, die Prüfungen sollen zweimal jährlich stattfinden. In dieser Angelegenheit sind für Preußen übrigens auch der „Verband der deutschen Inden" und der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" eifrig tätig, und binnen kurzem sollen die definitiven Beschlüsse über den ferneren Fortgang dieser Frage gefaßt werden. Ob es zweckdienlich ist, an einer Stelle der Monarchie ein einheitliches Examen für alle Kandidaten abzuhalten, ist mit in den Kreis der Erwägungen gezogen worden, jedoch sind darüber' die Ansichten sehr geteilt. s. Berlin, 4. Mai. Die von dem Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege in der Nosenstraße 2/4 errichtete Auskunftsstelle, welche jeden Montag. Dienstag und Donnerstag nachmittags von 5 bis 6 Uhr geöffnet ist, erfreut sich regen Zuspruchs. Die dase lbst ehrenamtlich tätigen Damen und Herren bemühen sich, die Bittsteller, welche die Auskunftsstelle aufsuchen, möglichst davor zu bewahren, daß sie der öffentlichen Armenpflege anheimfallen. Vereine und Privatpersonen werden ersucht, sich in Zweifelssällen an die Auskunftsstelle zu wenden und geeignete Bittsteller an diese Stelle zu verweisen. s. Berlin, 4. Mai. In der Generalversammlung des Vereins zur Bekleidung armer jüdischer Kinder E. V. erstattete der Vorstand den Bericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. Aus dem' selben geht hervor, daß die Entwicklung des Vereins eine ganz bedeutende ist. Die Mitgliederzahl erhöhte sich von 445 aus 626, und die Zahl der eingekleibeten Kinder von 516 auf 608. Die hierfür verausgabte Summe beträgt zirka 7100 Mark, wodurch die Mittel des Vereins derart in Anspruch genommen sind, daß eine gedeihliche Weiterarbeit und die Berücksichtigung der allerdringendsten Unterstützungsgesuche nur dann möglich ist, wenn recht viel Menschenfreunde dem Vereine als Mitglieder beitreten (jährlicher Mindestbeitrag 3 Mark) oder ihn durch einmalige Spenden unterstützen. Alle Sendungen wolle man sreundlichst an das Bureau, W., Bülowstraße 105 richten. e. Berlin, 1. Mai. Am 26. v. M. bestatteten wir auf dem Friedhof zu Weißensee den Inhaber der Firma Lewin Gottschalk Söhne, Herrn Louis Gottschalk aus Mürkisch-Friedland (Westpreußen). Familie und Firma sind weit hinaus über die Grenzen der Stadt und der Provinz bekannt. Länger denn 100 Jahre existiert das hochangesehene Geschäftshaus, dessen Heimgegangener Inhaber mit den ersten Faniilien Berlin-Prenzlaus verwandtschaftlich liiert war. Der Verstorbene nahm eine exzeptionelle Stellung in seiner Vaterstadt ein. Langjähriger erster Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde, hervorragendes Mitglied der Stadtverordnetenversammlung waren außerdem die verschiedenartigsten Ehrenstellungen in seiner Person vereinigt. Nicht seine Glaubensgenossen allein, auch die Bürger anderer Konfessionen achteten den Verklärten wegen der Lauterkeit seines Charakters, der Gediegenheit seiner Persönlichkeit und des vorzüglichen Rufes, dessen er sich bei Behörden und Privaten erfreute. Er war ein frommer Israelit, dessen Leben vorbildlich bleibt. Ein naher Verwandter. Rabbiner Dr. Perlitz in Nakel, wollte die Trauerrede halten, war aber durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Eine Menge Leidtragender von nah und fern bewies, welcher Sympathie der Heimgegangene sich erfreute. e. Berlin, 2. Mai. Am Freitag wurde der Geheime Sanitätsrat Dr. H offmann zur ewigen Ruhe bestattet. Von Schwiebus, als prakt. Arzt kommend, hat er über ein Vierteljahrhundert hier in der Hauptstadt einer großen Klientel sich erfreut. An allen wisseuschaftlichen Bestrebungen nahm er hervorragenden Anteil. Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig entrollte das Bild des Heimgegangenen rastlosen Arztes, dessen Leben stets. im Dienste strengster Pflichterfüllung stand. Die zahlreich erschienenen Berufsgenossen, Freunde und Bekannten zeugten von der Liebe, die dem Entschlafenen gezollt wurde. tk. Posen. 1. Mai. Die S. B.Latzsche Krankenanstalt Hierselbst beabsichtigt einen Neubau aus dem Grundstücke Judenstraße 15/61. Um aber nicht gegen Luft und Licht abgeschlossen zu sein, müssen auch die Nachbargrundstücke Judenstraße 17/18 niedergelegt werden. Die Stadtkommune bewilligte hierzu eine Beihilfe von 10 000 Mark. — Am 16. v. M. starb Herr B. Littmann und wurde am Sonntag beerdigt. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 68 Jahren und war eine lange Reihe von Jahren Beamter im jüdischen Gemeinde- Bureau. Durch seine Bescheidenheit und Emsigkeit im Dienst war er von allen gern gelitten. Dies zeigte sich auch bei der Beerdigung, an welcher ein großer Teil der Gemeinde teilnahm. — Der seit 34 Jahren der Stadtverordnetenversammlung und verschieoenen städtischen Verwaltungsdeputationen angehörige Rentier Joseph Krzywynos ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Krzywynos war eine allgemein hochgeachtete und beliebte Persönlichkeit und hat sich durch reichliche Spenden für wohltätige Zwecke verdient gemacht. — Die Mazzotfabrik in Schönlanke hat sich auch in diesem Jahre wieder erweitert; es wurden ungefähr 8000 Zentner Mazzot hergestellt, welche einen Wert von 250 000 Mark repräsentieren. Ein großer Teil davon wird ins Ausland, und zwar nach England, Schweden, Amerika und Afrika versandt. , c. Breslau, 2. Mai. Am 24. April wurde hier die Oberlehrerswitwe Henriette Cohn, geborene Hille, feierlichst zur ewigen Ruhe bestattet. Sie hat das hohe Alter von 82 Jahren erreicht. In den Kriegen von 1866 und 1870 hat sie mit patriotischer Empfindung ihre Dienste den kranken und verwundeten Soldaten mit Aufopferung ihrer eigenen Kräfte gewidmet. Auf Veranlassung des Ober- Präsidenten war sie eine von den ersten Frauen unseres Volkes, die den Loüisen-Orden erhielt. Sie gehört zu den Frauen, deren edles Wirken in dankbarer Erinnerung bleibt. ek. Dessau, 1. Mai. Der Jahresbericht der Baronin von Cohn-Oppenheim-Stiftung der israelitischen Kultusgemeinde zu Dessau ist diesmal von besonderen: Interesse. In neun Abteilungen sind die Zwecke, für die die Mittel der Stiftung zur Verfügung gestellt sind, bezeichnet. Titel I ist vor allem zugunsten der Kultusgemeinde, der jüdischen Vereine und Erziehung in Dessau aufgestellt, II für andere steuerschwache und unterstützungsbedürftige anhaltische Gemeinden. Aus III werden Arme und Hilfsbedürftige ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses unterstützt, sowie Vereine und Veranstaltungen, die gleichen Zwecken dienstbar sind. IV stellt sich den Zwecken der Krankenpflege. Krankenhäusern, Heilstätten. Erholungsheimen, Ferienkolonien, dein öffentlichen Sanitätsdienst und kranken Einzelpersonen zur Verfügung. Aus V soll ein Altersheim begründet werden, wird aber bis dahin auf III überwiesen. VI ist der Förderung der Wissenschaft des Judentums sowie der Unterstützung solcher Vereine und Anstalten, welche der Erforschung und Pflege dieser Wissenschaft sowie der sozialen und moralischen Hebung des Judentums dienen, gewidmet. VII lautet auf Unterstützung von Fortbildungs- und gewerblichen Schulen jeder Art und sämtlicher Berufszweige ohne Unterschied des Bekenntnisses innerhalb des Herzogtums Anhalt. VIII gewährt Stipendien an begabte Schüler und würdige junge Leute und IX stellt eine jährliche Summe der regierenden Herzogin zwecks Verwendung im Sinne der Stiftung zur Verfügung. Die Einnahmen der Stiftung betrugen im Jahre 1007 insgesamt 232 705,35 Mark, ihre Ausgaben beliefen sich auf 231 288,56 Mark, etwa 5000 Mark mehr als im Jahre zuvor. Auf die einzelnen Abteilungen verteilen sich diese Ausgaben, nach Abzug der Aufwendungen für Steuern und Verwaltung, folgendermaßen: I 30 000 Mark, II 16 890,50 Mark, III 69 500 Mark. IV 24 890,37 Mark. VI 14 795 Mark. VII 20 000 Mark. VIII 14 325 Mark, IX 5000 Mark. Es waren im Berichtsjahre 1314 Gesuche eingegangen, von denen 939 Berücksichtigung fanden, 840 von Einzelpersonen und 99 von Korporationen. — Der Bericht enthält das wohlgelungene Bild der Stifterin, sowie eine Abbildung der neuen Synagoge und der Friedhofs-Kapelle der Kultusgemeinde. Von besonderem Wert sind die Beilagen: Die Festpredigt des Herrn Landrabbiuers Dr.' Walter bei der Synagogen-Einweihung und die Grundstein- Urkunde von dem Stistungssekretär Otto Rosenbaum. Das Kuratorium der Stiftung besteht aus den Herren Geheimer Kommerzienrat Sonnenthal, Geheimer Kommerzienrat Tuchmann, Hofbankier Märker, Rechtsanwalt Dr. Cohn, Rechtsanwalt Dr. Ascher. l. Göttirrgeri, 4. Mai. In der vorigen Woche ist hier eine Loge des U. O. B. B. installiert worden. Obwohl über solche

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