Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Donnerstag, Sonnabend und Sonntag von 7 bis 10 Uhr abends. Das Institut wurde im letzten Jahre von 24 000 Personen besucht und ist ein nicht mehr zu entbehrender Faktor in unserer Gemeinde geworden. Es wirkt aufklärend und belehrend über alle Vorgänge im Judentum, über seine Geschichte und Literatur — namentlich sür die weitesten Schichten unserer Gemeinschaft — und spielt daher für die Apologetik, die Verteidigung des Judentums gegen seine Widersacher eine wirksame und bedeutende Nolle. Möge der Verein auch in seinem neuen Heim eine segensreiche Tätigkeit zum Nutzen des Judentums in immer gesteigertem Maße entfalten! 8. Berlin, 27. April. Der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder E. V. hatte am 26. v. M. seine Generalversammlung in dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde. Nach dem Bericht des Vorstandes ist das abgelaufene Geschäftsjahr für den Verein recht günstig gewesen. Die Zahl der Gesuche mu Unterstützung wächst freilich schnell an, aber auch die Mitgliederzahl und die Summe der Beiträge wird immer größer. Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden in dem Kinderheim des Vereins (Artilleriestraße 36 a) 48 Kinder verpflegt, die meisten noch im Säuglingsalter, davon vier mit ihren Müttern. Außerdem befinden sich mit Unterstützung des Vereins noch 18 junge Kinder in Außenpflege. Auch werden Unterstützungen an hilfsbedürftige Mütter gewährt. Im Lause des Sommers wird das Heim verlegt und erweitert werden. 8. Berlin, 24. April. Der „Neue jüdische Gemeinde- Verein." hielt am 1. d. M. seine erste Bezirksgruppenversammlung in Berlin N. ab. Nach einleitenden Ausführnngen des Herrn Rechtsanwalts Dr. Klee über die Aufgaben des neuen Vereins, der alle jüdischinteressierten Kreise Berlins zu tätiger Mitarbeit an den Aufgaben der Gemeinde vereinen will und einen Ausbau der Gemeindeinstitutionen in administrativer, religiös-kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht erstrebt, sprach Herr Dr. Witkowsky über „Aufgaben der Berliner jüdischen Gemeinde". An den mit warmem Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion; fast sämtliche Anwesende schlossen sich dem Verein an. Freunde einer Neubelebnng des jüdischen Gemeindeinteresses erhalten auf Wunsch gern weitere Auskunft durch Herrn Fabrikdirektor Lichtenstein, 6. Neue Friedrichstraße 38—40. Sg. Thorn, im April. Am Schlüsse des diesjährigen Schuljahres erschien der von Herrn Rabbiner Dr. Nosenberg erstattete Bericht über den Religionsunterricht der Shnagogengemeinde. Der Bericht verdient wegen seines gehaltvollen Inhalts weitgehendes Interesse. Als Vorrede findet man eine vom Herrn Dirigenten gehaltene Predigt abgedruckt, betitelt: „Zurück zur Bibel", in welcher gezeigt wird, wie das erhabene, bedeutungsvolle „Buch der Bücher" in jüdischen Kreisen immer mehr in Vergessenheit gerät, und wie notwendig es ist, die Vorzüge desselben wieder in Erinnerung zu bringen Und ein „Zurück zur Bibel" zu ermöglichen. — Aus die Predigt folgen ein Bericht „Grundlehren und Hauptforderungen der jüdischen Religion, wie sie von Bar-Mizwah-Knaben hier in der Synagoge hebräisch und deutsch vorgetragen werden". Hieran schließen sich dann die Schulnachrichten, in welchen unter anderen auch über die Schüler- und Stundenzahl gesprochen wird. Bemerkenswert ist der Hinweis auf die stete Abnahme der Schülerzahl während der letzten Schuljahre. Im Jahre 19OO waren noch 255 jüdische Schüler an den hiesigen Schulen, im Jahre 1904/5 nur 222, und jetzt ist deren Zahl auf 205 gesunken. Es wurden 59 bis 60 Stunden wöchentlich erteilt. Hervorzuheben ist noch, was über den Lehrplan im allgemeinen und über die Umgestaltung des Bar-Mizwah-Nnterrichts berichtet wird.- Es ist darauf Bedacht genommen worden, den die einzelnen Lehranstalten verlassenden Schülern ein abgerundetes Wissen vom Lehr- und Gedankeninhalt der jüdischen Religion zu vermitteln. Von der Umgestaltung des Var-Mizwah-Unterrichts wird gesagt, daß die Knaben nicht nur mit dem Haphthora-Abschnitt und den den Bar-Mizwah-Knaben obliegenden religiösen Vorschriften, sondern auch mit den oben erwähnten Grundlehren und Hauptforderungen der jüdischen Religion bekannt gemacht werden sollen Diese Grundlehren sind augsewählt und zusammengestellt worden, weil häufig der jüdische Knabe mit dem Bar-Mizwah-Tage leider aufhört, sich mit den Religionspflichten zu beschäftigen, anstatt an diesem Tage damit so recht zu beginnen. In Form eines Eriunerungsblattes sollen künftig jedem Knaben.am Bar-Mizwah-Tage die Grundlehren überreicht werden, damit er ihrer stets eingedenk bleibe. Aber auch die Mädchen sollen beim Verlassen der Religionsschule, solche Erinnerungsvlätter erhalten. Nachdem dann von dem allsabbatlichen Jugendgottesdienste, der stattgefundenen Chanukafeier und der alljährlichen Prüfung, an die sich eine Prämiierung der fleißigen Schüler anreihte, Mitteilung gemacht wird, schließt der Bericht mit einer genaueren ausführlichen Aufstellung des durchgenommenen Lehrstoffes, Kp. Bus -er Provinz Posen, im April. Der Kaufmann Machol in Friedheim ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewühlt worden. — Die Synagogengemeinde zu Strelno hat den Bau einer Leichenhallebefchlossen. — Kaufmann Heinrich Cohn in Löbau ist zum Stadtrat daselbst gewählt worden. — Das Gastwirt Baruth'sche Ehepaar in Czarnikau feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß ist denselben die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. — Rentier Isidor Alexander in Briefen ist zum Ratsherrn daselbst gewählt worden. — Oekonomierat D. Goldstein in Ostrowo hat sein Amt als Amtsanwalt bei dem dortigen Amtsgericht, das er längere Zeit inne hatte, aus Altersrücksichten niedergelegt. n. Breslau, 24. April. Die Handelskammer hat dem Regierungspräsidenten auf seinen Erlaß vom 6. Januar d. I. einen Bericht betreffend die Neuregelung der Sonntagsruhe zum Handelsgewerbe erstattet. In diesem Bericht, in welchem sie gegenüber der Denkschrift der Reichsregierung den Standpunkt vertritt, daß die Sonntagsarbeit mit einer gesetzlich gewährleisteten Dauer von drei Stunden die Regel, die Einschränkung eine Ausnahme bleibt, finden sich folgende Sätze, welche unsere Leser besonders interessieren. „Rücksichtnahme verdienen schließlich doch auch im Gesamtbereiche des Handels die immer noch recht zahlreichen Angehörigen derjenigen Religionsbekenntnisse, welche die Sabbatheiligung als unverletzliches Kultusgesetz innehalten. Wenn sie, die durch ihre Religionsvorschriften gehindert sind, sich am Sonnabend dem Erwerbsleben zu widmen, auch noch gezwungen werden sollten, am Sonntag die Arbeit einzustellen, so würden sie vor die qualvolle Wahl gestellt werden, entweder zwei hintereinanderfolgende Arbeitstage jeder Woche zu verlieren und damit an Konkurrenzfähigkeit ihrer andersgläubigen Berufsgenossen einzubüßen oder aber ein Opfer ihres Gewissens zu bringen." --- Großgernit, 18. April. Eine für israelitische Religionslehrer wichtige Gerichtsentscheidung traf das hiesigeSchöffengericht in einer keiner letzten Sitzungen. Der israelitische Religionslehrer Siegfried Gold in Dornheim war vom dortigen evangelischen Geistlichen angezeigt worden, angeblich unbefugt die Amtskleidung der evangelischen Geistlichen gelegentlich der Beerdigung einer israelitischen Frau getragen zu haben. Er erhielt einen Strafbefehl, lautend auf fünf Mark wegen Uebertretung des § 360, 8. Str.-G.-B. Er erhob Einspruch und behauptete, als israelitischer Kultusbeamter zum-Anlegen der Tracht berechtigt zu sein, was überdies allgemein üblich sei. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. 6. Frankfurt a. M.,' 26. April. Der neue (43.) Jahresbericht der Lehrerunterstützungskasse Achawa bietet wieder ein erfreuliches Bild. Die Kasse hat im verflossenen Jahre an invalide Lehrer, an Lehrerwitwen und -Waisen 24 930 Mark als Pension ausgezahlt.- 1880 Mark hat sie außerdem in Fällen außergewöhnlicher Not als Unterstützung gewährt. Wie sehr die Achawa deshalb auf die Unterstützung wohlhabender Glaubensgenossen angewiesen ist, geht schon aus dem Umstand hervor, daß von den aktiven Mitgliedern nur 3970 Mark an Jahresbeiträgen und 1146 Mark an Einkaufsgeldern aufgebracht wurden. Was die Unterstützungsberechtigten anlangt, so sei auch hier wieder vor allem auf die große Zahl der Witwen hingewiesen: acht alleinstehenden dienstunfähigen Lehrern und 34 Ehepaaren stehen 74 Witwen gegenüber. Die aktiven Mitglieder haben sich im Laufe des Berichtsjahres bedeutend vermehrt, und weitere Aufnahmegesuche sind bereits eingelaufen, ein Zeichen, wie sehr die Leistungen „einer wahren Fürsorgeanstalt", wozu .sich die Achawa immer mehr ausbildet, gewürdigt zu werden beginnen. — Tatsache ist ja und von Bernssgenossen schon vielfach zum Ausdruck gebracht, daß, wenn bisher der letzte unserer Lehrer der Achawa noch nicht beigetreten ist, ihr seine beklagenswerte Kurzsichtigkeit und die Gleich-