Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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27. Jahrgang. Kr. IS. Deilase zur „IMsemetnrn Lettung deK Judentums". Ovrrrkpondrn?rn und Sschnchten. Deutschland. -L2 Berlin, 25. April. Wir freuen uns, heute den Lesern die Nachricht geben zu können, daß am 3. Mai d: I. die konstituierende Versammlung der liberalen jüdischen Vereinigung in dem großen Saale des Architektenhauses, Wilhelmsträße 92/93, vormittags 10 Uhr stattfinden wird. Der Aufruf zur Konstituierung enthält Hunderte von Unterschriften der angesehensten Männer aus allen Teilen Deutschlands. Nach den bisher eingegangenen Anmeldungen wird auch der Besuch der konstituierenden Versammlung ein sehr reger sein. L2 Berlin, 27. April. Der Verband der Deutschen Juden veröffentlicht soeben »Fingerzeige für die in Preußen bestehenden jüdischen Gemeinden zur Wahrung ihrer Interessen bei der Ueberleitung des Schulwesens in die vom Gesetz vom 28. Juli 1906 geordneten neuen Verhältnisse". Sie behandeln 1. die Staatsmittel für jüdische Volksschulen, 2. die Beschaffenheit des jüdischen Religionsunterrichts, 3. die Beiträge der bürgerlichen Gemeinden zu jüdischen Volksschulen, 4. Schuldeputationen und Schulvorstände. Da diese sorgsam aus gearbeiteten Fingerzeige allen Gemeinden und sonst Beteiligten direkt zugehen, erübrigt sich eine nochmalige Publikation derselben an dieser Stelle. Dagegen muß allerdings der Wunsch ausgesprochen werden, daß die jüdischen GemeindenPreußens in ihrem eigenen wohlerwogenen Interesse diese Fingerzeige rechtzeitig und vollinhaltlich beherzigen mögen. 8. Berlin, 26. April. Die heutige, von Herrn Geheimrat Blumenthal geleitete Repräsentanren-Versammlung, in welcher an Stelle der mit Urlaub abwesenden Mitglieder die Herren Justizrat Dr. Guttsmann und Architekt Kutznitzki einberufen waren, hatte sich mit Ausnahme von vier Vorlagen ausschließlich mit der Bewilligung von Ausgaben zu beschäftigen. Die Zuwendung des Herrn Kommerzienrat S. Borchardt im Betrage von 1000 Mark an das Neichenheimsche Waisenhaus zur Begründung einer Hedwig Borchardt geb. Berliner-Stiftung, deren Zinsen an dem Todestage der Frau Borchardt zur Verteilung gelangen sollen, fand debattelose Zustimmung. — In die Kommission für die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten wurde Herr Plonsker abgeordnet, in die Veranlagungskommission die Herren Hermann Aron und Rechtsanwalt Dr. Adam, .in den Vorstand der Alterversorgungsanstalten Herr Ferdinand Neumann. Es wurden alsdann bewilligt: 150 Mark zunächst für die Dauer eines Jahres für die Privatunterweisung eines gelähmten _ jüdischen Knaben in der jüdischen Religion, 160 Mark zur Abhaltung von Prüfungen, durch welche Lehrer und Lehrerinnen die Gelegenheit geboten wird, ihre Qualifikation für den jüdischen Religionsunterricht nachzuweisen, die erforderten Ausgaben für Anschaffungen im Vermietungsbureau und im Bureau der Veranlagungskommission, 8O0O Mark zur Schaffung eines besonderen Ausganges vom Chorraum der Synagoge Kaiserstraße, 2500 Mark als Jahressubvention und eine Extrabeihilfe von 500 Mark für den Verein für Arbeitsnachweis, 100 Mark Subvention an den Verein Jüdisches Kurhospital Bad Salzbrunn, 500 Mark pro Jahr für die laufende Etatsperiode an das Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder, 209 Mark als Extrabeihilfe für die israelitische Vereinigung Friedrichsberg und Umgegend, 2500 Mark als Subvention für das Gesamtarchiv der deutschen Juden. — Die Versammlung erklärt sich ferner einverstanden mit dem Ankauf von drei Entwürfen für den Bau der Synagoge Fasanenstraße. Die Entwürfe stammen von Architekt Ehrensried Hessel (Berlin), von C. S. W. Leonhardt und C. W. Schmidt in Frankfurt a. M. und von Heger und Franke in Breslau; als Ankaufspreis ist für jeden dieser Entwürfe 750 Mark bestimmt worden. Herr Justizrat Dr. Lachmann teilt hierzu mit, daß weder die drei preisgekrönten Entwürfe, die von Cremer L Wolffenstein, Professor Otto Kuhlmann (Charlottenburg) und Willy Graf (Stuttgart) herrühren, noch die jetzt zum Ankauf bestimmten drei Entwürfe in der vorgeschlagenen Form ausführbar sind und erst verschiedenen Aenderungen unterworfen werden müssen. Der Ankauf muß erfolgen, da die Entwürfe sonst nicht zur Benutzung herangezogen werden dürfen. Er stellt in Aussicht, daß nach Tagung der gemischten Deputation, etwa in vier Wochen, die baupolizeilichen Zeichnungen eingereicht werden können, bezweifelt jedoch leider sehr, daß der Bau bereits zum Oktober 1909 fertiggestellt werden wird. — Eine sehr lange Debatte erhob sich um die Bewilligung einer Extrabeihilfe an den Louisenstädtischen Brüderverein. Es handelt sich um die Deckung eines Defizits von zirka 900 Mark, die Subventionskommission hat jedoch nur 200 Mark zu bewilligen beschlossen. Während sich mit besonderem Nachdruck die Herren Weinberg und Lewinski für die Deckung des ganzen Betrages unter Würdigung der Verdienste des Vereins einsetzen, befürworten an der Hand einwandfreier Zahlen die Herren Syndikus Justizrat Lilienthal und Oliven und von der Subventionskommission Professor Blaschke dringend die Annahme des Vorstandsantrages. Die Versammlung einigt sich schließlich dahin, nach Bewilligung der beantragten 200 Mark die Vorlage zur nochmaligen Prüfung an die Subbentionskommission zurückzugeben. — Dem „Verein Jüdische Lesehalle und Bibliothek" wurden 300 Mark als Extrabeihilfe zu den Umzugskosten bewilligt. Der Referent der Vorlage. Herr Emil Pincus, hatte gebeten, in Erwägung zu ziehen ob dem Verein in dem Neubau der Gemeinde Oranienburger Sir. 28, nicht ein dauerndes Heim geschaffen werden könnte. Vom Vorstandstische aus wurde durch Herrn Justizrat Lach mann dieser Wunsch als unausführbar bezeichnet,, da die verfügbaren Räume für die Gemeindebibliothek und das Gesamtarchiv der deutschen Juden reserviert bleiben müssen. Auch der Vorschlag des Herrn Prof. Blaschke, eine räumliche Zusammenlegung der Gemeindebibliothek und der Lesehalle vorzunehmen, wurde abgelehnt. 22 Berlin, 27. April. Soeben ist der 26. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ausgegeben worden. Er enthält den Jahresbericht des Kuratoriums, ferner eine Darstellung der Einweihungsfeierlichkeiten bei der Eröffnung des neuen Heims am 22. Oktober v. I., endlich die vortreffliche Trauerrede, die Rabbiner Dr. Warschauer auf den Kurator der Anstalt, Prof. Dr. Oppert, am 19. März d. I. gehalten hat. Aus dem Jahresbericht ist der erfreuliche Eindruck zu konstatieren, daß die Anstalt sich in fortschreitender gedeihlicher Entwicklung befindet. Zwei neue Stiftungen wurden von Herrn Sanitätsrat Neumann und Prof. Dr. Maybaum für die Wissenschaft des Judentums gemacht. Die Zahl der Hörer betrug im Wintersemester 38, darunter waren nur acht Ausländer. Mit dem Sommersemester ist ein neuer Dozent, Dr. Max Schlössinger, für jüdische Geschichte und Literaturgeschichte in das Lehrerkollegium eingetreten und ein' zweiter Bibliothekar, Dr. M. Friedländer, angestellt worden. 22 Berlin, 26. April. In der Beitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt werden im Sommersemester lesen: I. Professor I. Barth: I. Dalmanns Aramäische Lefestücke, Mittwochs von 12—1; 2. Fortsetzung der hebräischen Grammatik, Mittwochs' von 11 — 12; II. Dr. E. Mittwoch: 1. Syrische Bibelübersetzung, Dienstags von 11—12; 2. Lektüre von Saadja's arabischer Bibelübersetzung, Dienstags von 12—1. Beginn: Mittwoch, den 29. April, Oranienburger Straße 27. 8. Berlin, 26. April. Der Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" hat seine neuen Räume in der Oranienburger Straße 58, parterre links, eröffnet. Etwa 70 jüdische Zeitungen und Zeitschriften und ein Bücherbestand von über 6000 Bänden stehen den Besuchern unentgeltlich zur Verfügung. Das Institut ist geöffnet von 1 bis 5 Uhr nachmittags, am Sonnabend und Sonntag von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, außerdem Dienstoo