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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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gewidmet und nun an der Schwelle des Alters angelangt sei. Als ein Schüler Abraham Geigers sei er hergekommen, dessen Programm er auch zu dem seinigen gemacht habe, und dieses lautet: „Anerkennung der fortschreitenden geschichtlichen Entwicklung im Judentum, scharfe Hervorhebung seines wesentlichen und dauernden Gehaltes, der Bedeutung seines weltgeschichtlichen Einflusses." Dieses Programm habe er heute vor 25 Jahren an dieser Stätte entwickelt, und ihm sei er bis auf den heutigen Tag treu geblieben. Und wenn er sich heute einer strengen Selbstprüfung unterziehe, so könne er sich und anderen getrost Zurufen, daß sein Wille stets gut war. Die Predigt machte auf die Zuhörer sichtlich einen tiefen Eindruck. Am Nachmittag versammelten sich der gesamte Vorstand und zahlreiche Gemeindemitglieder in der Wohnung des Jubilars, um demselben ihre Glückwünsche darzubringen. Generalkonsul Fränckel. der derzeitige Vorsitzende des Vorstandes, richtete an denselben eine Ansprache, in welcher er dessen Verdienste 'als Rabbiner und Gelehrter hervorhob, und überreichte ihm zum Schluß eine großartige Ehrengabe mit der Bitte, biefe annehmen zu wollen. Tiefgerührt dankte Professor Klein für die vielen ihm zuteil gewordenen Ehrenbezeugungen und meinte unter anderem: daß er heute auf seine 25 jährige Wirksamkeit in dieser Gemeinde zurückblicken könne, danke er zuerst seinem Gotte und dann dieser Gemeinde. Denn in einer anderen Gemeinde hätte er fturnt seiner resormatorischen Ueberzeugung so durch Wort tlnd Schrift Ausdruck geben können, wie hier. Dieses Jubiläum war aber nicht nur ein Ereignis der jüdischen Gemeinde, sondern auch der ganzen Stadt. Alle hiesigen Hauptblätter brachten ausführliche Artikel mit Kleins Bildnis, und -alle stimmten darin überein, daß Professor Klein nicht nür der hervorragendste geistige Leiter der Stockholmer jüdischen Gemeinde sei, sondern daß er auch im religiösen und intellektuellen Leben Schwedens eine wichtige Stelle einnehme. Ein kurzer Auszug aus zwei der genannten Artikel möge hier folgen, damit auch die Leser dieses Blattes erfahren, wie man hier in öffentlichen Blättern über unseren Gemeinde-Rabbiner urteilt. Das schwedische Tageblatt schreibt u. a. folgendes: „In der Regel übte der Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde keinen Einfluß aus auf das religiöse und geistige Leben der Hauptstadt. Eine in die Augen fallende Ausnahme jedoch macht der jetzige Rabbiner, Professor Klein.' In seinem neuen Vaterlande, dem er mit großer Liebe anhängt, hat er die beste Zeit seines Lebens zugebracht und für dessen geistiges Leben hat er stets das größte Interesse gezeigt. Professor Klein hat sich durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten im In- und Auslande als hervorragender Mann der Wissenschaft bekannt gemacht, ist außerdem auf dem Orientalistenkongreß in Stockholm 1889 und dem Religionswissenschaftlichen Kongreß 1897 mit tüchtigen Leistungen hervorgetreten und hat in dem semitischen Verein in Upsala und in der religionswissenschaftlichen Gesellschaft in Stockholm zahlreiche bedeutende Vorträge gehalten." Die Tages-Neuigkeiten schreiben darüber u. a. folgendes: „Heute sind 25 Jahre verflossen, seitdem der Oberrabbiner der hiesigen mosaischen Gemeinde, Professor G. Klein, sein Amt in Stockholm antrat. Die Wirksamkeit, die er hierausgeübt, hat sich nicht nur auf die geistige Pflege seiner Gemeinde, der er jedoch hauptsächlich in allen Jahren seine Kräfte gewidmet hat, beschränkt... Er ist nämlich nicht nur ein tüchtiger Geistlicher, sondern auch ein Forscher, eilt Gelehrter, der auf seinem speziellen Gebiete zu den hervorragendsten unserer Zeit gerechnet werden muß... * < Dabei besitzt er auch in reichem Maße persönliche Eigenschaften,- die ihn geschätzt und beliebt machen, nicht nur im Kreise seiner eigenen Glaubensgenossen, sondern auch bei denen, welche durch gemeinschaftliche wissenschaftliche Interessen mit ihm in Berührung kamen. In diesem Sinne drückte sich einer der hervorragendsten Priester der schwedischen Kirche an Professor Kleins 50 jährigem Geburtstage aus, indem er schrieb, daß wir der jüdischen Gemeinde zu Dank verpflichtet sind, daß sie Stockholm einen solchen Rabbiner zugeführt hat... Die ganz besondere Gunst, die unser verstorbener König dem Rabbiner schenkte, gab sich bei mehreren Gelegenheiten kund, unter anderem durch Titel- und Ordensverleihungen. Professor Klein hatte die Freude,' an diesem Gedenktage das Resultat seiner Forschungen der letzten Jahre in einem Werk: „Der erste christliche Katechismus" zu veröffentlichen. Diese bedeutende Arbeit enthält eine religiös-historische Untersuchung betreffend den Zusammenhang zwischen der jüdischen Literatur und der alten Schrift „die Lehre der zwölf Apostel oder Didache", daserste eigentliche Lehrbuch des Christentums, das man aufgefunden hat..." jfmerbrltsttung und Judentum. Von M. Friedeberg. Unter dieser Ueberschrift bringt „Die Flamme", offizielles Organ des Berliner Vereins für Feuerbestattung und der Internationalen Kommission, einige Mitteilungen, die geeignet sind, auf die nunmehr in den Vordergrund gerückte Frage der Krematorien mehr Licht zu werfen. Es ist bekannt, und die Listen der außerhalb Preußens sehr zahlreichen deutschen Krematorien ergeben es zur Genüge, daß gerade viele Juden, wie für jede Frage des geistigen Fortschritts, so auch Vorkämpfer und Führer in Sachen der Feuerbestattung sind. So wendet sich in Nr. 384 der „Flamme" ein Herr Julius Levi aus Frankfurt a. M. gegen das „kirchenähnlich" geplante Bauprojekt für das Krematorium in Zittau mit folgenden Worten: „Da es schlechterdings nicht möglich ist, jeder Konfession eine entsprechende Kapelle, Synagoge usw. zu bauen, so muß. ein Gebäude, eine Halle geschaffen werden, welche völlig konfessionslos gehalten ist. Es muß jeder Konfession überlassen bleiben, durch Aufstellung ihrer Symbole diese Halle temporär zu dem zu gestalten, was ihre Religion für den Trauerdienst erheischt. Man kann einer israelitischen Familie ebensowenig zumuten, von ihrem Toten in einer Kirche mit Christusbildern Abschied zu nehmen, wie man von einem gläubigen Christen verlangen kann, dies in einer Halle zu tun, in welcher hinter dem Altar ein Thoraschrank aufgestellt ist, dessen Vorhang ein „Schild David" mit einer Krone schmückt." Herr Levi knüpft dann an die Verwahrung gegen ein kirchenähnliches Aeußere der Krematorien noch die Bemerkung, daß bisher hauptsächlich „Freidenker" für die Feuerbestattung eintreten, worauf die Redaktion der „Flamme" in einer Anmerkung erwidert: „Was wir auf das allerentschiedenste bestreiten; höchstens könnte man sagen: freier Denkende" ... Sei denn, wie es wolle, aber in unseren Gesichtskreis als religiöses Organ des Judentums rückt die ganze Frage erst neuerdings durch die günstigen Aussichten, welche ein bei der Berliner Stadtverwaltung gestellter Antrag hat, künftig alle Leichen der Minderbemittelten in einem städtischen Krema-

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