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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-04-24 · Heft 17 (24.4.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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kurzer Ehe mit einer spanischen Infantin starb, wurden die Juden beschuldigt, seinen frühzeitigen Tod herbeigeführt -zu haben. Als dann, nach Johanns Tod, der junge König Manuel ans dynastischen Gründen um die Hand der jungen Witwe, die bereits wieder im Elternhause weilte, warb, stellte diese, unter dem Einfluß der Dominikaner, die Bedingung, daß die Juden ansgetrieben werden müßten. Am 24. Oktober 1495 wurde der Heiratsvertrag unterzeichnet, und genau einen Monat später ergeht der Befehl des Königs an die Juden Portugals, binnen nenn Monaten das Land zu verlassen. Aber schon zweieinhalb Monate nach dem Erlaß werden den noch im Lande verbliebenen Eltern die Kinder gewaltsam weggenommen und getauft. Selbst hohe katholische Würdenträger tadelten diese jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Maßregel, bei deren Ausführung sich herzzerreißende Szenen abspielten. Nun wollten natürlich alle Juden so schnell als möglich das ungastliche Land verlassen; aber der Abfahrt wurden künstliche Hindernisse in den Weg gelegt, die Häsen zum Teil gesperrt; nur wenigen gelingt es, zu entkommen, die meisten müssen sich taufen lassen oder — werden verbrannt. Uebrigens erntete Manuel die erhofften Früchte seiner verbrecherischen Handlungsweise nicht. Die Königin starb nach einem Jahre, der Sohn, dem sie das Leben geschenkt, wenige Monate daraus; die Krone Spaniens ging an Johanna die Wahnsinnige, die Mutter Karls V., über. Portugal aber geriet ebenso wie Spanien in Verfall, weil es sich selbst die Lebensadern unterbunden hatte. Die Nachkömmlinge der vertriebenen Juden, im Orient Spaniolen, in Holland Sephardim genannt, entwickelten zwar keine neue Kultur, zeigten aber, welche moralische Kraft dem Glauben an die Zukunft und der Hoffnung auf den Sieg der,Wahrheit innewohnt. Das katholische Prinzip der Erstickung der Geistesfreiheit ist glücklicherweise heute im allgemeinen durch die Macht der Aufklärung ohnmächtig und unschädlich, ein Ergebnis, zu dem der Sprößling ehemaliger portugiesischer Juden, Baruch Spinoza, nicht am wenigsten beigetragen hat. — Der formgewandte und rethorisch eindrucks-volle Vortrag fand lebhaften Beifall. i. Cottbtts, 19. April. Am 8. d. M. feierte die hiesige Gemeinde in der Synagoge durch Festandacht und Festpredigt das fünfzigjährige Jubiläum ihres Bestehens. Ans Anlaß dieses Ereignisses hat innerhalb der Gemeinde eine Sammlung stattgefundeu, deren Ertrag von zirka 4000 Mark wohltätigen Zwecken zugeführt werden soll. lieber die Geschichte der Juden in Cottbus und das Entstehen und Werden der israelitischen Gemeinde ist auf Grund handschriftlichen Materials von Herrn Rabbiner Dr. Posner eine sehr wertvolle Arbeit herausgegeben worden. Lange vor Gründung der Gemeinde ist hier schon jüdischer Gottesdienst abgehalten worden. Nach Begründung der Gemeinde wurde ein an der Mauerpforte in der Mauerstraße belegenes Gebäude als Synagoge hergerichtet. In den 70er Jahren erfolgte ein durchgreifender Umbau dieses Hauses. Der erste Lehrer, den die Gemeinde vor 50 Jahren anstellte, war der spätere Musikdirektor Prof. Emil Breslaur, ein geborener Cottbuser. Bei der Einweihung der Synagoge predigte damals ebenfalls ein geborener Cottbuser, Dr. Krakauer, einer der ersten Rabbiner, die in deutscher Sprache predigten. Seit 1902 steht der Gemeinde der schöne Synagogenban in der Jahrsiraße zur Verfügung. Zur jüdischen Kultusgemeinde Cottbus, die eine Bezirksgemeinde ist, gehören die Kreise Cottbus Stadt und Land. Spremberg, Calau (ausgenommen Lübbenau) und ein Teil vom Kreise Luckau. Anläßlich der Feier fand ein Festgottesdienst statt, bei dem Dr. Posner eine ergreifende Rede hielt, ferner ein Festbankett, bei dem der Vorsitzende der Gemeinde, Bankier Löwensteiu, und der Vorsitzende der Repräsentanz, Kaufmann Reyersbach, Ansprachen hielten. k. Danzig, 12. April. Am 10. d. M. versammelte sich die Synagogengemeinde in zahlreicher Fülle in ihrem Gotteshause, um Herrn Rabbiner Dr. Kaelter in fein neues Amt einzuführen. Nach dem Gebet hielt der Vorsitzende des Gemeindevorftandes, Justizrat Steinhard, eine Begrüßungsansprache. Hierauf folgte das vorn Chor gesungene Gebetslied „Zwischen Zeit und Ewigkeit". Dr. Kaelter bestieg dann die Kanzel und hielt seine Antrittsrede; er entrollte das Bild des priesterlichen Ideals, wie es ihm selber im Einklang mit der Schrift vor Augen stehe. Also lautet des Propheten Wort: „Die Lippen des Priesters sollen die Erkenntnis hüten und Lehre suche man aus seinem Munde, denn ein Bote des Ewigen ist er ja/ Es war der grundlegende Text dieser ersten Predigt, die einen tiefen Eindruck hervorrief. Möge es.Herrn Dr. Kaelter beschieden sein, hier segensreich zu wirken und zu schaffen! K. Posen, 13. April. Die Südwcstasrika-Denkmnnze ist vom Kaiser Frau Geheimrat Orgler und dem Herrn Kommerzienrat Herz hier verliehen worden. — An den 13 städtischen Gemeind eschnlen Hierselbst unterrichten gegenwärtig sieben jüdische Lehrer und eine Lehrerin. Zu diesen sollen noch sechs jüdische Lehrer hinzukommen. — Herr Otto Heppner in Krotoschin hat vor seiner Uebersiedlung nach Berlin den israelitischen Armenverein mit einer Gabe von 2000 Mark bedacht. — Die verwitwete Frau Herz seid in Berlin spendete der Stadtkommune in Grätz zu wohltätigen Zwecken 10000 Mark. — Die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde in Strelno haben beschlossen, zum Ban einer Leichenhalle und eines Gitterzaunes um' den Beerdignngsplatz von der Kreissparkasse ein Darlehn von 6500 Mark aufzunehmen. n. Essen, 15. April. Ein Bild reger Tätigkeit auf allen Gebieten der Wohltätigkeit und der Fürsorge ergibt der Jahresbericht des Israelitischen Frauenvereins für 1907. Eine größere Inanspruchnahme der Mittel brachten zwei Neugründungen mit sich, die allseits mit lebhafter Freude begrüßt wurden. Dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, dessen Wirksamkeit sich innig mit der des Frauenvereins berührt, wurde 300 Mark Jahresbeitrag bewilligt, während sich der Verein an den Unterhaltungskosten des Kinderhorts in der israelitischen Gemeindeschule mit 150 Mark jährlich beteiligt. Ein Ergebnis der vorjährigen Generalversammlung waren zahlreiche Anregungen, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge gewesen. Die aus zwölf Damen bestehende Kommission, die zu deren Verwirklichung neben dem Vorstande gewählt wurde, wird der diesjährigen Generalversammlung vier Kommissionen für teilweise neue Arbeitsgebiete Vorschlägen: 1. für Wöchnerinnen und Hauspflege, 2. für Mütterberatung bei der Berufswahl der Töchter, 3. zur Schaffung eines Heims für geschäftstätige Mädchen, 4. für Veranstaltung von ein bis vier geselligen Abenden im Jahre. Der Verein hatte im Berichtsjahre den Tod der Ehrenvorsitzenden Frau S. Gottschalk zu beklagen; eine freudige Feier für den Verein war der 80. Geburtstag der ersten Vorsitzenden, Frau I. Levy. Der Etat für das Berichtsjahr balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 2811.80 Mark. o. Melsungen, 14. April. Der Lehrer und Vorbeter der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Baruch Block, hat sein goldenes Lehrerjubiläum in geistiger Frische und Arbeitskraft gefeiert. Der greise Jubilar erfreut sich in allen Kreisen unserer Stadt hoher Wertschätzung. Im Jahre 1838 zu Wolfshagen geboren, besuchte der Jubilar das jüdische Seminar zu Cassel und kam im Jahre 1869, nachdem er zuvor in Hessisch-Oldendorf mib Rodenberg im Kreise Rinteln amtiert hatte, hierher, wo er in seiner Gemeinde in den nun verflossenen 39 Jahren eine überaus gesegnete Amtstätigkeit entfaltete. Mit dieser goldenen Jubelfeier kann der Jubilar gleichzeitig auch die silberne als Lehrer der hiesigen Vilmarschen höheren Lehranstalt verbinden, in der er am 3. April 1883 seine Lehrtätigkeit begann. Hervorzuheben ist, daß auch der Vorgänger Blocks, Herr Lehrer- Müller, im Jahre 1867 in Melsungen sein goldenes Amtsjubilüum feiern konnte, so daß also die hiesige israelitische Gemeinde seit 1817 erst ihren zweiten Lehrer besitzt, was gewiß eine Seltenheit ist. a. Frankfurt a. M., 20. April. Gestern ist hier Herr- Charles L. Hallgarten, einer unserer angesehensten Männer nach kurzem Leiden im 69. Lebensjahre verschieden. Hallgarten hat während der fünfundzwanzig Jahre, die er in Frankfurt lebte, seine bedeutende Tatkraft und sein großes Vermögen in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Namentlich hat er für die Alliance Israelite Universelle und für die bedrohten und vertriebenen Juden in Rußland außerordentlich viel geleistet. Er war. Mitglied fast sämtlicher Wohltätigkeitsgesellschaften Frankfurts und hat auch manches Gute auf dem Gebiet der Wohnungsresorm geschaffen. Sein Ableben wird in allen Kreisen Frankfurts aus das lebhafteste betrauert. Am meisten hat aber die deutsche Judenheit an ihm verloren, in deren Dienst er den Hanptteil seiner Lebensarbeit gestellt hat. Noch vor wenigen

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