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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-04-24 · Heft 17 (24.4.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Tagen hat er in einer Vorstandssitzung der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" präsidiert. Hallgarten war ein Philanthrop großen Stils, ein Mann, der ohne jedes Streben nach öffentlicher Bewunderung für alle humanitären Bestrebungen stets in großartigster Weise seine reichen Mittel zur Verfügung stellte. Aber nicht nur diese, sondern seine ganze Persönlichkeit, sein reiches Können und seine unermüdliche Arbeit widmete er der Humanität ans allen Gebieten. Sein Name wird unvergessen bleiben! Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 20. April. Die jüdischen Abgeordneten des Reichstags haben einen sehr scharfen und würdigen Protest gegen die Resolution des Budgetausschusses erhoben, der die Negierung ausfordert, Erhebungen zu pflegen, wie das Zahlenverhältnis der jüdischen zu den christlichen .Mittelschülern mit der wirklichen Vevölkerungsziffer in Einklang zu bringen sei, und dem Hause über den Erfolg dieser Erhebungen Bericht zu erstatten. Auch die „Oesterreichische Israelitische Union" hat eine große Protestversammlung abgehalten. Im übrigen wird die Sache wohl kaum weitere Folgen haben, da der Antrag im Plenum gar nicht vorkomnien und die Regierung keinerlei „Erhebungen" pflegen wird. Aber als Vorstoß gegen die Gleichberechtigung ist er sicher ein bedenkliches Zeichen der Zeit. — In sehr scharfer Weise hat im Parlament wieder einmal der unermüdliche Dr. Straucher gesprochen. Und zwar diesmal wegen der jüdischen Militärärzte. Der Kriegsminister selbst hat den Mangel an Aerzten in der Armee wiederholt beklagt, aber trotzdem ist an ein reglementsmäßiges Aufrücken der jüdischen Militärärzte nicht zu denken. Seitdem General-Oberstabsarzt Dr. v. Uriel, der sich üngescheut als Antisemit deklarierte, Chef des militärärztlichen Korps ist, wurde noch kein Jude Oberarzt. Dies und noch viele andere Beschwerden brachte der Abgeordnete Straucher in seiner sehr wirksamen und großangelegten Rede vor. Ueber die Mißhandlungen jüdischer Soldaten interpellierte der Abgeordnete Dr. Gabel den Landesverteidigungs-Minister v. Georgi: dieser versprach, sein möglichstes zu tun, wie er immer behauptet. Aber es bleibt doch alles beim alten, genau so wie bei Ihnen. — Die Führer der zionistischen Beweg:...y in Galizien tragen sich mit dem Plane, eine große „Jüd sche Bank" zu gründen, die ihren Sitz in Lemberg haben soll. Diese Bank hätte zugleich als Zentralstelle für die vielen kleinen Kreditinstitute zu fungieren, die in den galizischen Kleinstädten beste en und sich durchwegs in jüdischen Händen befinden. Tie jüdische Kolonialbank in London soll bereit sein, die „Jüdische Bank" in Lemberg mit einem Kapital von sechs Millionen Mark zu kommanditieren. — Rabbiner Dr. Brettholz ist einstimmig mit den Rechten und dem Gehalt eines Oberrabbiners in Triest gewählt worden. Von Osh und jfrrn. — Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat haben erhalten die Sanitätsräte Dr. Jakob Ewer und Dr. Ephrat Stern. Der Charakter als Sanitätsrat ist verliehen worden den Aerzten Dr Theodor Apolant, Dr. Alfred Friedländer, Dr. Paul Friedländer, Dr. Josef Grosser; Dr. Hermann Jacob, Dr. Emil Lövinson, Dr. R. Reimann, Dr. Paul Rosenberg. Dr. Arnold Straß mann und Dr. Alfred Wolfs in Berlin, Dr. W. Eliassow in Königsberg, Dr. Siegfr. Lichtenstein in Posen, Dr. Alphons Hirschberg in Deutsch.Lissa, Dr. H. Seligmann und Dr. E. Rosenbaum in Frankfurt a. M. — Die Meldung, der als Kandidat für das Ansiedlungspräsidium in Posen genannte Geheimrat Ganse entstamme gleich Dernburg einer jüdischen Familie^ entbehrt jeder Unterlage. — In Gnesen ist am 12. d. M. der Hauptlehrer Max Katz nach langem Leiden im 51. Lebensjahre gestorben. — In B ernst ad t i. Schl, ist der Prediger und Lehrer Albert Wolfgang in die Schnldeputation gewählt und von der Negierung bestätigt worden. — Zum Vorsitzenden der Königsberger Shuagogengemeinde an Stelle des verstorbenen Stadtrats Magnus ist Jnstizrat Holz gewählt worden. — In den Bremer Answandererhallen wnrd dieser Tage die neneingerichtete Shnngoge und Lesehalle feierlich ein geweiht. — In Frankfurt a. M. ist Professor Dr. Josef Werner an der Realschule der israelitischen Religionsgemeinschast im 68. Lebensjahre gestorben. — Der antisemitische Abgeordnete Hirsche! wurde vor einigen Tagen wegen Unterschlagung zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt. Seine Fraktion wird gleichwohl nichts tun, um Hirschel zur Niederlegung seines Mandats als he ssi sch er Landtagsabgeordneter zu veranlassen. — Herr Hugo von Hirsch aus Gereuth in München hat den Orden vom heiligen Michael erhalten. — Professor "Dr. Leo Graetz ist zum Ordinarius für Physik und Elektrizität an der Universität in München befördert worden, — Nachdem Distriktsrabbiner Dr. Meher durch die Ministerialentschließung vollständig gerechtfertigt worden ist, hat die Kultnsgemeinde Zweibrücken beim Bezirksamt beantragt, daß der Rabbinatssitz nicht verlegt werde und Dr. Meyer seine Funktionen in Zweibrücken auf nehme. — Der Professor für Assyriologie am Leminace Israölite de France und an der Laote pratigue des buntes etudes. Joseph Halevy in Paris, wu de von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg zum Mitglieds gewählt. — Professor Dr. G. Klein, der Oberrabbiner von Stockholm, feierte am 16. d. M. das 25jährige Jubiläum seiner dortigen Wirksamkeit. — Das neue englische Kabinett hat den sehr populär gewordenen Advokaten Jsaacs, erneu der scharfsinnigsten rrnd feinsten Jrrristen Londons, zum Solicitor-General der Krone ernannt. — Der neue englische Premierminister hat dem UnterstaatssekretÜr des Innern Herbert Samuel einen höheren Posten im Kabinett angelioten. Dieser hat es aber vorgezogen, in seiner gegenwärtigen Stellung zu verbleiben. E. S. Montagn ist Privatsekretär des Premierministers geblieben. — Die jüdischen Vereine der Stadt Worcester eröffneten ein Restaurant, in dem alle Hungernden, ohne das nötige kleine Geld in der Tasche zu haben, eintreten, sich hinsetzen und unentgeltlich beköstigen lassen können. Es gibt kein Register in dieser Speiseaustalt. Man tritt ein, man speist, und man geht fort. — Das russische Ministerium des Innern hat beschlossen, daß Juden in Städten außerhalb der Zone von der städtischen Verwaltung vollkommen ausznschlietzen seien. Innerhalb der jüdischen Zone darr nur der fünfte Teil der Gesamtzahl aus jüdischen Stadtverordneten bestehen, selbst in jenen Orten, wo der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bis 90 und mehr Prozent beträgt. — Auf Anordnung der Gendarmerie sind etwa 100 jüdische Volksschnllehrer in Lodz, darunter die beiden ältesten, Golde und Eisenstock, verhaftet worden. Die Ursache ist unbekannt. — Die Moskauer Universitätsbehörde beschloß, unter keinen Umständen in Zukunft mehr als drei Prozent jüdische Studenten zuzulassen. Bei der leitenden Stellung, die die Moskauer Universität in Rußland einnimmt, ist zu erwarten, daß andere Universitäten dem Beispiel folgen werden. — Die Gerichtsverhandlungen wegen des im Oktober 1905 in Krementschug stattgehabten Pogroms. es war einer der blutigsten, endete mit der Verurteilung von zwei Rädelsführern zu achtmonatlicher Haft. — Zur Austreibung der Juden aus dem Innern Rnßlands wird aus Petersburg von einem ministeriellen Zirkular berichtet, nachdem die Austreibung im Winter oder bei ungünstigem Wetter nicht ansgeführt werden darf. Es ist dazu zu bemerken, daß schon im Jahre 1889 ein solches Zirkular erlassen, aber seitdem unbeachtet geblieben ist. — Aus Kiew wird gemeldet, daß dort bei verschlossenen Türen ein Kriegsgericht über 23 Offiziere verschiedener Waffen abgehalten worden ist. Die Offiziere hatten das Verbrechen begangen, in einem Briefe an das „Echo" gegen die Untätigkeit der Truppen während der. Pogrome zu protestieren und eine unparteiische Untersuchung zu verlangen. Das Kriegsgericht fand alle Angeklagten schuldig. Leutnant Sdanowitsch und Fähnrich Ammosow wurden zu einem Jahre und vier Monaten Festungshaft verurteilt. Der frühere Gardeoberst Matuschenko erhielt vier Monate Festung. Diese drei und vier andere Offiziere, die geringere Strafen erhielten, wurden ihrer bürgerlichen Rechte verlustig erklärt. Die übrigen Offiziere kamen mit einem Monat Festung davon.

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