Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- Seite 204 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Jt *'>f?S m^mm 204 So hat mei Tate gesprochen, un ich habb mer sei Worte gemerkt un habb mich nicht mehr gekränkt, wenn se mer „Judd"! nachgerufen haben, sondern ha.bb nor still bei mer gedenkt: „Tu bist auch eine von de faule Pflaumen! Ich möcht^ dabei sein, wenn der liebe Gott ämal dich aufmacht un guckt, ob de kei Würmer hast!" ist. Jene zarte Menschenkenntnis, die nicht lächerlich machte nicht verurteilt, sondern versteht. Jene Wahrheitsliebe, die die Verlogenheit der Gesellschaft schonungslos enthüllt. Und vor allem Gemüt, das Erhabenes auch beim Einfachsten entdecken kann. Das alles vereinigt der Verfasser dieses Tagebuches und verleiht ihm beredten Ausdruck. Wer sich einige angenehme Stunden schaffen will, der greife zu „Moritzchens Tagebuch"; seine Wirkung scheint uns unfehlbar. C. Litersrilchr Mittrjlungrn. — In dem bekannten Verlage von Georg Reimer ist soeben ein sehr wertvolles Buch über die Religion des Judentums im neutestamentlichenZeitalter erschienen: Jüdische Apologetik im neutestamentlichen Zeitalter von Dr. I. Bergmann, Rabbiner in Frankfurt a. O. Der Verfasser schreibt im Vorwort: „Wie sich das Judentum in einem welthistorischen Moment verhielt, wie es sich mit seinen religiösen Gegnern auseinandersetzte, seine Lehre und seine Daseinsberechtigung in dem Lande verteidigte, in dem das Christentum entstand, und in der Zeit, in der das Christentum aufwuchs, das ist ein Problem, das noch der Aufklärung harrt. Zur Aufklärung dieses religionsgeschichtlichen Problems möchte vorliegende Arbeit beitragen." Und indem uns der Verfasser das Judentum des neutestamentlichen Zeitalters in der Verteidigung seiner Lehren schildert, entrollt er uns zum Teil auch ein Bild der jüdischen Religion in jener welthistorisch so wichtigen Zeit. Ueber das Judentum jenes Zeitalters heißt es im Vorwort: „Weder das Bild von dem neidischen Dämon, der das neue Licht verdunkeln oder verhängen möchte, noch das Bild von dem müden Greise, dessen Geist und schöpferische Kraft stillstehen und verfallen, trifft für das Judentum des neutestamentlichen Zeitalters zu." W.ir kommen auf das Buch noch zurück, wollen aber schon heute bemerken, daß es eines der bedeutendsten Werke über die Materie ist, die wir besitzen, zugleich auch eine der erfreulichsten Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen.'Literatur im letzten Jahrzehnt. In Methode und Darstellung reiht sich dieses Buch neben die besten Werke über die neutestamentliche Zeitgeschichte. « Sxrechsasl. Sehr geehrter Herr Redakteur! 7k>er Artikel des Herrn Rabbiners Dr. Königsberger-Pleschen in Nummer 13 dieser Zeitung enthält zwei Punkte, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. 1. Der gelehrte Herr bezeichnet die bisherigen Uebertragungen des Adon Olam für falsch und behauptet, „es muß heißen: Und, nachdem nun das All „vollendet" ist, nicht: Wenn auch dereinst das All vergeht". Allein richtig aberist letztere Version, denn ftfes kann nur von vergehen, aufhören, und nicht von ^3 vollendet, vollkommen, abgeleitet werden. 2. Er bemerkt: „Der Keim zu allem aber lag natürlich im Urstoffe, aus dem ja schließlich die mannigfachsten Neubildungen erzeugt werden konnten." Diese Theorie verstößt gegen die Grundanschauung des Judentums. Der Talmud (Chagiga 15 b) berichtet, daß Rabbi Akiba seine Genossen, die mit ihm in den Garten der theosophischen Spekulation eingedrungen waren, vor voreiligen Theorien über den Urstoff der Welt gewarnt habe, indem er auf sie das Psalmwort (101,7) anwendete: „Wer Lügen redet wird nicht bestehen vor meinen Augen." Der vierte Glaubenssatz nach Maimonides lautet ja auch: „Ich glaube, das Gott der Erste und der Letzte ist." Hochachtungsvoll & Albert Katz. — Gerade zur rechten Zeit kommt uns ein Buch zu, das eine Zeitfrage in wirksamer Weise illustriert. Es führt den Titel „Meine Erlebnisse im Felde 1870171". Von einem alten Landwehrarzt. Berlin 1907, Hugo Schildberger. Der hochgeschätzte Verfasser dieses Buches ist der ehemalige Stabsarzt Geheimer Sanitätsrat. Dr. Albert Cohn hier. Das Buch ist sehr interessantsund wird sicher viele Leser finden. Die Schilderung des mannigfach bewegten Lebens in den Kriegslazaretten ist originell und fesselnd; wir erhalten einen wertvollen Einblick in die Krankenpflege zur Kriegszeit. Der Donner der Geschütze tönt wohl auch in die Lazarette hinein, aber der Widerhall hat hier doch etwas Versöhnendes und Milderndes. Mit wunderbarer Abgeklärtheit versteht es der alte Landwehrarzt, seine Schilderungen in ein Gewand zu kleiden,'.(das jedem Leser gefallen muß- Mit feinem Humor und mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe versteht er es, fesselnde Bilder aus den verschiedenen Situationen des Kriegslebens vorzuführen. Dieser Ländwehrarzt muß in der Tat das Vorbild eines Chirurgen gewesen.,sein, dem die Ausgabe zufällt, die Wunden, welche die Kriegssurie geschlagen, zu heilen oder wenigstens zu mildern. Man kann diese anspruchslosen Erlebnisse allen denen aber dringend zur Lektüre empfehlen, die noch immer dagegen sprechen und schreiben, daß man die Juden zu höheren Stellungen im preußischen Heere zulasse. * — Moritzchens Tagebuch. Mitgeteilt von Edgar Kolmar. Berlin 1908, Verlag von Louis Lamm. Gerade, nachdem in jüngster Zeit mehrere Sammlungen auf den Büchermarkt geworfen wurden, die man als jüdischen Humor ausgab, die aber in Wahrheit nichts weniger als dieser sind, berührt dieses „Tagebuch" besonders wohltuend. Hier, haben wir echten jüdischen Humor. Jene feine Beobachtung jüdischen Lebens, die inmitten aller ernsten Aufgaben und Ziele die heiteren Momente aufspürt,' an denen das Leben so reich er Verein zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden brachte vor einigen Wochen das Sendschreiben „Zur Aufklärung über die badische Gebetbuchreform" von Rektor Dr. D. Hoffmann in Berlin zum Versand. Die Ausführung in Abschnitt 8. dieses Sendschreibens veranlaßt mich, die geehrten Leser Ihres wertgeschätzten Blattes auf eine sehr merkwürdige Uebersetzung der Gebetstücks in einem orthodoxen Gebetbuche aufmerksam zu machen- Jn dieser Uebersetzung wird die Wiederbelebung der Toten und die Unsterblichkeit der Seele direkt abrogiert. Nämlich in dem übersetzten Rödelheimer Gebetbuche werden in dem Gebetstücke nötM die Wdrte *0^ *D rTTinnbl und Du wirst sie (die Seele) mir einst wiedergeben in der Zukunft — mit „und sie zum neuen Leben führen in der zukünftigen Welt" -- und die Worte rnWi DTIft D'HJöb der zurückgibt die Seele den toten Körpern mit — der die Seele aus dem Tode erweckt zum neuen Leben — übersetzt. Ein Druckfehler ist ausgeschlossen, da schon seit 30 Jahren in allen Auflagen diele Uebersetzung die gleiche geblieben ist. Es ist auch nicht anzunehmen, daß diese Uebersetzung, welche die denkbar größte Verwischung der Glaubenslehre von der einstigen Wiederbelebung der Toten und Unsterblichkeit der Seele enthält, dem wachsamen Auge unserer Gesetzestreuen, die ja jede Gebetbuchausgabe, auf die Zulässigkeit für gesetzestreue Kreise (dieses Gebetbuch ist in jenen Kreisen am meisten verbreitet) aufs sorgfältigste prüfen, entgangen sein sollte. Ich bin neugierige wie unsere „Gesetzestreuen" diese radikale Uebertragung begründen oder entschuldigen. Jöhlingen i. B.. im März. Isidor Cahn, Religionslehrer Druck und Verlag von Rudolf Masse, in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Ma; Dauchwitz in Berlin.