Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- Seite 198 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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198 . Stuben ten a usschüssou die Rede ist, und es ist selbstverständlich, dnß alle Vereine Jüdischer Studenten auf eine eventuelle antisemitische Stellungnahme derselben ebenso mit der Hintertreibung antworten würden, wie es der Verein Jüdischer Studenten in Straßburg hier getan hat. Wichtiger jedoch, als dieses Auftreten nach außen, war uns die Ausbildung unserer Bundesbrüder und die Erziehung unserer Füchse. Und auch in dieser Beziehung kann das verflossene Semester als recht zufriedenstellend bezeichnet werden. Neben den in allen neun Vereinen stattfindenden Fuchsenstunden, in denen hauptsächlich jüdische Geschichte. Geschichte des Antisemitismus und jüdische Gegenwartsfragen besprochen werden, fand in allen Vereinen eine große Anzahl von Vorträgen mit anschließenden Diskussionen statt, in denen alle Gebiete des Judentums behandelt wurden. Den Hauptwerk legten wir jedoch auf die in allen Vereinen stattfindenden wissenschaftlichen Kurse, von denen wir nur den Kurs über „Fragen der jüdischen Ethik" im Verein Jüdischer Studenten in München bei . A. H. Dr. Eli Straus, den Geschichtskurs im Verein Jüdischer Studenten in Königsberg bei A. H. Rabbiner Dr. Perles und den Palästinakurs der drei Berliner Vereine Jüdischer Studenten bei A. H. Dr. Soskin erwähnen. Hand in Hand mit dieser wissenschaftlichen Ausbildung unserer Mitglieder ging die körperliche, die durch regelmäßiges Turnen und Fechten in allen Vereinen gepflegt wurde. Hier mag auch besonders die Ruderabteilung der drei Berliner Vereine erwähnt werden, die im letzten Semester begründet wurde und im kommenden Sommer zum erstenmal in Aktion treten soll. Da wir zwei eigene Boote besitzen, die uns naturgemäß ständig zur Verfügung stehen, so ist allen Mitgliedern reichlich Gelegenheit geboten, sich zu beteiligen. Zum Schluß soll nicht unerwähnt bleiben, daß natürlich auch in allen Vereinen Jüdischer Studenten die Geselligkeit zu ihrem Rechte gekommen ist. Durch Kneipen, Ausflüge, Kaffees, Bälle usw. wurde der gesellige Zusammenschluß der Bundesbrüder aufrecht erhalten, und es zeigte sich die Erfahrung bestätigt, daß Freundschaften, die bei ernster Arbeit und nicht lediglich bei Kneipen geschlossen werden, die festesten sind. Wenn wir nun das kommende Semester sehen, so hoffen wir, daß recht viele junge Studenten sich uns anschließen mögen, nicht nur in unserem eigenen Interesse, damit wir einen Nachwuchs für unsere Bestrebungen bekommen, sondern auch in ihrem eigenen, damit wir ihnen von der Schönheit unserer Vereine abgeben können. Jegliche Auskunft erteilt bereitwilligst der Schriftführer des Bundes-Präsidiums, cand. ehern. Arnold Hildesheimer, Berlin N. 24, Friedrichstraße 130. Das Präsidium des Bundes Jüdischer Korporationen. Lin neues Letigionsduch. Von Rabbiner Dr. C ob lenz in Bielefeld. II. n dem Kapitel über die Glaubensgemeinde ist zugleich das Zeremoui algesetz behandelt. Ich halte es für verfehlt, das Zeremvnialgesetz gesondert zu besprechen. Die Zeremonien sind sinnbildliche Handlungen, in denen die religiösen Ideen unseres Bekenntnisses anschaulich dargestellt werden, und deshalb kann das Zeremvnialgesetz nur in Verbindung mit der Glaubensgemeinde gewürdigt werden. Die Kinder müssen begreifen lernen, daß ohne Zeremonien keine Glaubensgemeinschaft bestehen kann, und daß auch die Menschennatur sie gebieterisch fordert. Wesen, Bedeutung und Entwicklung der Zeremonien sind in dem Buche eingehend besprochen. Doch ist die Behandlung der einzelnen zeremoniellen Vorschriften mit voller Absicht vermieden. Die Erörterung der Beschneidung scheidet von selbst aus einem Schulbuche aus. das in Knaben- und Mädcheuklassen gebraucht wird, und tu bezug auf die übrigen Zeremonialgebote, soweit sie das häusliche und private Leben betreffen, herrscht in den verschiedenen Kreisen unserer Glaubensgemeinschaft eine so verschiedenartige Auffassung, daß es unmöglich ist, allen gerecht zu werden. Ich bin aber auch der Meinung, daß die Besprechung der zeremoniellen Einzelgebote überhaupt nicht in den systematischen Religionsunterricht gehört. Der Lehrer, der es für seine Pflicht hält, den Kindern ihre genaue Kenntnis zu vermitteln, mag diesem Teil der religiösen Unterweisung wöchentlich eine besondere halbe Stunde widmen; der systematische Religionsunterricht, der den Schülern die religiös-sittliche Weltanschauung des Judentums darbieten soll, hat nichts damit zu tun. Nur die Zeremonien, in denen unsere Religion auch in der Oeffentlichkeit den lebendigsten Ausdruck findet, machen davon eine Ausnahme. Der Sabbat und die Festtage als die bedeutsamsten äußeren Zeichen unseres religiösen Gemeinschaftslebens müssen auch im systematischen Religionsunterricht als hervorragende Symbole großer ethischer Ideen gewürdigt werden. Sie sind in dem folgenden Kapitel „Sabbat und Festtage" eingehend besprochen. Ein besonderer Abschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich mit dem aus Gebet, Thoravorlesung und Predigt bestehenden öffentlichen Gottesdienst. In erster Linie wird natürlich die Bedeutung des Gebetes hervorgehoben, das als persönlichstes Bekenntnis des Menschen überall verrichtet werden kann und doch in der gemeinsamen Andacht im Gotteshause seinen weihevollsten Ausdruck findet. Die Würde des Gotteshauses schafft die Würde des Gebetes. Die Besprechung der Gebetordnung am Sabbat und Festtagen und der einzelnen Gebetstücke, die im öffentlichen Gottesdienste vorgetragen werden, reiht sich naturgemäß an das Uebersetzen der Gebete an, das einen besonderen Unterrichtsgegenstand bildet; die systematische Religionslehre darf mit der Behandlung der Gebetordnung und der Gebetstücke nicht belastet werden. Das letzte Kapitel des Buches spricht über „die Quellen der jüdischen Religion", die Bibel und den Talmud, dessen Geschichte kurz dargestellt ist. Für das Religionsbuch selbst kommen aus dem Talmud allerdings nur die Pirke Aboth als Quelle in Betracht. Die Schüler lernen diesen ethischen Traktat im Gebetbuch kennen; er wird wegen seines hohen sittlichen Gehaltes im Unterricht besonders gewürdigt, und es ist deshalb selbstverständlich, daß er auch in einem systematischen Lehrbuch der Religion als Quelle der religiös - sittlichen Erkenntnis berücksichtigt werden muß. Aus anderen Teilen des Talmud jedoch sind keine Sätze in das Buch ausgenommen worden, und zwar aus guten Gründen. Die Kinder kennen, wenn wir von dem Pirke Aboth absehen, den Talmud nur aus dem, was sie über ihn hören. Die Bibel ist ihnen durch die biblische Geschichte und die im Unterricht behandelten prophetischen Lehren in ihren wesentlichsten Teilen vertraut; aus eigener Kenntnis der meisten biblischen Bücher sind sie imstande, sich ein Urteil über die heilige Schrift zu bilden. Das Verständnis des Talmud aber kann ihnen nach der ganzen Anlage dieses Werkes überhaupt nicht erschlossen werden, und einzelne ans dem Zusammenhang gerissene talmudische Zitate sind erst recht nicht geeignet, ein Urteil über den Talmud zu ermöglichen. Derartige vereinzelte Anführungen fördern nur die Oberflächlichkeit; sie wecken in dem, der sie liest, den Glauben, daß er nun das Wesen des Talmud begriffen habe, und doch kann davon nicht die Rede sein Deshalb sollten, abgesehen von dem Pirke Aboth talmudische Zitate prinzipiell in kein Religionsbuch ausgenommen werden. Für diese Auffassung spricht noch ein anderer Grund: der