Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Falk Cohn-Verein usw. — sie alle wetteifern in dem Bestreben, dem Wähle nnd der Fortentwicklung unserer Gemeinde zu dienen. Ja, ich darf sogar verraten, daß es neulich in unserem Frauenverein mal gekriselt hat. aber er hat doch die Krisis gut Überstunden. „Es ist halt Frühling geworden/ Der" Religionsunterricht an den städtischen höheren Lehranstalten und unserer Religionsschule wird von den Herren Rabbiner Dr. Knlischer nnd Lehrer und Kantor Baum erteilt. Am 29. v. M. fand die öffentliche Prüfung und die feierliche Entlassung von 13 Zöglingen unserer Religionsschule statt. Das Zusammenleben mit den christlichen Mitbürgern in unserer schönen Universitätsstadt ist das denkbar beste. Frankfurt a. M., 8. April. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler veranstaltet im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf eine Ausstellung von jüdischen Bauten und Kultusgegenständen. Diese Ausstellung wird am 3. Mai eröffnet und bleibt bis zum 15. Juni offen. Die reichhaltigen Sammlungen der Gesellschaft befinden sich bekanntlich im Kunstgewerbe- Museum zu Düsseldorf unter der Aussicht des rühmlichst bekannten Direktors Frauberger, der die Gesellschaft geschaffen hat und als Vorsitzender des Arbeitsausfchuffes fungiert. Die Ausstellung hat den genauen und bestimmten Charakter einer jüdischen Kultus- Kunstausstellung und dürfte in den weitesten Kreisen aller Wissensbegierigen lebhaftes Interesse wachrufen. Zum erstenmal wird die Gelegenheit geboten, in bequem zugänglicher Weise ordnungsgemäß und mit genügenden Erklärungen der großen Oeffentlichkeit eine Sammlung näherzurücken, die sowohl als Archiv wie als Museum wahre Schätze von Denkmälern, die das jüdische religiöse Leben veranschaulichen. enthält. r. Frankfurt a. M., 13. April. Der eben erschienene Bericht des Vereins „Weibliche Fürsorge" für die Zeit vom 1.Oktober 1906 bis 30. September 1907 ist ein interessanter Beitrag zur Geschichte der Wohlfahrtspflege im Judentum. Frau Henriette Fürth berichtet darin über die allgemeine Fürsorgekommission. Es wurden im ganzen etwa 100 Fülle behandelt, die aber eine größere Arbeitsleistung darstellen, als in der einfachen Zahl zum Ausdruck kommt. Etwa die Hälfte der Fülle hatte die Prüfung der Verhältnisse von ganzen Familien und die sich im Anschluß ergebende Hilfeleistung zum Gegenstand. Die übrigen Erledigungen befaßten sich mit Fürsorgeangelegenheiten für Jugendliche und Kinder. Gesuche um Stellenvermittlung, Kostkinder- und Säuglingsangelegenheiten wurden von uns an die betreffender: Kommissionen weitergegeben. An der Säuglingsfürsorge waren vorwiegend beteiligt: Herr Dr. Deutsch, Herr Dr. Loeffler und Schwester Oberin Minna Hirsch. Auch ihr Bericht ist sehr lehrreich. Die Organisation der Säuglingsüberwachung erfuhr mit Beginn des verflossenen Jahres ^eine durchgreifende und prinzipielle Aenderung. Den erforderlichen ärztlichen Dienst übernahmen die Aerzte der Poliklinik des Hospitals der Israelitischen Gemeinde. Ueberwacht, beraten und, soweit nötig, unterstützt rvurden 82 Säuglinge. Die Erfolge waren bei 30 Kindern sehr gut, bei weiteren 29 gut. bei 12 unbefriedigend. Zwei Kinder sind leider gestorben (1 an Keuchhusten, 1 an schwerer Hauterkrankung). Neun Kinder wurden der Beaufsichtigung vorzeitig entzogen. Es folgt nunmehr eine sehr wertvolle Enquete über Säuglingsernährung und -Sterblichkeit, sodann das umfassende Arbeits-Programm. An Stelle der für längere Zeit abrvesenden Vorsitzenden der Kostkinder-Kommission, Frau Adelheid Geiger, berichtet Frau Bertha Holzmann über ihre Tätigkeit; sie hat in diesem Jahre 25 Pfleglinge (Knaben und Mädchen) mit gutem Erfolg beaufsichtigt. Frau Sidonie Dann berichtet über die Stellenvermittlung. — Es erübrigt noch, von der Tätigkeit Rechenschaft zu geben, die die „Weibliche Fürsorge" als selbständiger Frauenverein entwickeln konnte. Hierüber berichtet Fräulein Berta Pappenheim in ausführlicher Weise. Der Verein „Weibliche Fürsorge" gewinnt für seine Bestrebungen in Galizien langsam immer mehr und sicheren Boden. Was der Hilfsvereirr der Deutschen Juden, Berlin, und das Hilfskomitee für osteuropäische notleidende Juden Frankfurt a. M. teilweise und zeitweise subventionieren, das beeinflußt und ermöglicht dieser Verein mit Mitteln, die Frau Louise Goldschmidt-Frankfurt zur Verfügung stellt und die dadurch ein großes Kulturwerk in seinem Anfang fördert, einem Anfang, der unendlich schwierig ist. Dev Kindergarten in Starrislau , gedeiht unter der Leitung einer polnischen Kinder gärtnerin, Fräulein Mast, und es wird am 1. Januar 1908 ein zweiter in Tarnow eröffnet. Das Spital in Stanislau ist unter der Leitung von Dr. Wittels, vor allem aber durch die unermüdliche aufopferungsvolle Hingabe von Schwester Martha Salinger für die ganze Provinz vorbildlich geworden. In der Bekämpfung des Mädchenhandels und in dem Kampf gegen die Unsittlichkeit, die sich der Verein „Weibliche Fürsorge" gleichfalls zur Aufgabe stellt, sind auch beginnende Erfolge nachzuweisen. Herrn Charles Hallgarten ist es zu danken, daß in Lemberg und in Czernowitz je eine „Auskunftsstelle für reisende und Stellen suchende Frauen und Mädchen" ins Leben getreten sind, die zwar den lokalen Verhältnissen nach international und interkonfessional organisiert sind, sich aber in der Proportion der jüdischen Bevölkerung des Landes mit fast nur jüdischen Mädchen und Frauen zu beschäftigen haben. An anderen Orten Galiziens ist der Boden für gleiche Bestrebungen vorbereitet. Im Zusammenhangs hiermit sei noch zum Schluß berichtet, daß in dem Heim des jüdischen Frauenbundes in Isenburg eine Anstalt geschaffen ist, an der der Verein „Weibliche Fürsorge" das größte Interesse hat, denn es ist bisher die einzige Stätte auf dem Kontinent,, wo gefährdete, rechtlose oder moralkranke jüdische weibliche Personen so lange Aufnahme, Pflege und liebevolles Eingehen auf ihr Schicksa finden können, bis sie gestärkt unter dem Schutze des Vereins „Weibliche Fürsorge" wieder ins Leben hinaustreten. Den Vorstand der so segensreich wirkenden Weiblichen Fürsorge bilden: Bertha Pappeuheim, 1. Vorsitzende; Henriette Fürth, 2. Vorsitzende. Cillh Epstein, 1. Schriftführerin; Bertha Holzmann, 2. Schriftführerin; Sidonie Dann, Schatzmeisterin; Fanny Blau; Clem. Cramer; Schwester Oberin Minna Hirsch; Johanna Lenne; Henny Levy-Elkan; Ceeilie Maier; Therese Reifenberg; Ella Seligmaun; Johanna Stern; Emma Strauß-Ellinger. 6. Würzburg, 6. April. Die Eröffnungsfeier des israelitischen Kinderheims fand am 19. v. M. unter großer Beteiligung in den dazu gemieteten Räumen in der Bronnbachergasse statt. Eingeleitet wurde die Feier durch eine Festrede des Rechtsanwalts Dr. Rosenthal, welche die Geschichte und Zwecke des philantropischen Unternehmens kurz skizzierte. Dann gab Schulrat Ulrich in Worten der Anerkennung seiner Freude über die Neugründung Ausdruck, derer schon bisher regstes Interesse entgegenbrachte und sein ferneres Wohlwollen zusicherte. Weiterhin sprachen Distriktsrabbiner Bamberger und Justizrat Dr. Stern, womit die israelitische Kinderbewahranstalt ihrenr edlen Zwecke übergeben wurde. Da die Mittel des. Vereins noch recht mäßige sind, werden größere Spenden zur Eröffnung freudig begrüßt; möge diese Opferfreudigkeit recht eifrig Nachahmung finden. Ferner wurde das selbstlose Wirken der Vorstandschaft sowie das rege Interesse der Mitglieder dankend anerkannt. Möge die. neue Anstalt zum Wohle der Kinder gedeihen. r. Nürnberg, 4. April. Die Nachricht, daß die hiesige Stadtgemeinde das jüdische Waisenhaus hier haben will, und daß es nun doch nach Fürth kommt, ist falsch. Weder hat sich die hiesige Stadtgemeinde darum beworben, noch war jemals ein Gedanke, hier ein israelitisches Waisenhaus zu bauen. Die jüdische Gemeinde hat einen Waisenverein mit großem Vermögen, allein die Verwaltung nimmt den Standpunkt ein, die Kinder bei Familien zu belassen oder unterzubringen. In Fürth dagegen war und ist ein altes Waisenhaus, das nun vergrößert und dadurch neugebaut wird. — Auch die Meldung, die die beiden Kommerzienräte Landmann und Metzger betrifft, war irrig, da der eine Katholik und der andere Protestant ist. Gesterreich-Nnssm. LH Wien, 12. April. Die christlich-soziale Partei fängt nun an zu regieren — natürlich vor allem gegen die Juden. Im Budgetausschuß des Parlaments hat am 8. d. M. der Wiener christlich-soziale Abgeordnete Schmid einen Resolutionsantrag eingebracht, in welchem die Regierung aufgefordert wird, Erhebungen darüber zu pflegen, wie das Zahlenverhältnis der jüdischen zu den christlichen Mittelschülern einigermaßen in Einklang zu bringen sei mit den wirklichen Bevölkerungsziffern und über den Erfolg dieser Erhebungen dem Hause Bericht zu erstatten. Der Antrag wurde mit