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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-04-17 · Heft 16 (17.4.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 16 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Und man kann wohl sagen, daß er auch ein Erbe seines Geistes und seiner religiösen Gesinnung gewesen ist. Die Leser unseres Blattes kennen den Namen Felix Herzfeld aus den prosaischen und Poetischen Beiträgen, die er seit Jahren für die Allgem. Zeitung des Judentums geschrieben hat, zur Genüge. Der Verstorbene lebte jahrelang in Hannover als angesehener Bankier und hat sich erst vor einigen Jahren hierher zurückgezogen, um seine Muße auschließlich wissenschaftlichen und poetischen Arbeiten zu widmen. Das Leichenbegängnis des allgemein geachteten Mannes fand heute auf dem jüdischen Friedhofe hier statt. Ehre seinem Andenken! g. Erfurt, 2. April. Ueber „Feuerbestattung im Judentum" schreibt die neueste Nummer der Zeitschrift zur Förderung der Feuerbestattung „Die Flamme": „Der Erfurter Verein für Feuerbestattung hat auf die Frage, welche Stellung die dortige Synagogengemeinde zur Beisetzung der Asche auf ihrem Friedhof und zu der Feuerbestattung überhaupt einnehme, folgende Antwort des Vorstandes der Shnagogengemeinde erhalten: „Erfurt, den 22. Februar 1908. Auf das gefällige Schreiben vom 1. Dezember v. I erwidern wir ergebenst, daß wir die Beisetzung von Aschenresten bezw. Äschenurnen ausunserem Friedhofe unter der Bedingung gestatten wollen, daß in jedem Falle eine Grabstätte erworben und die Verpflichtung zur ordnungsmäßigen Pflege derselben übernommen wird. Was die religiöse Feier betrifft, so ist der derzeitige Rabbiner bereit, diese vor der Verbrennung entsprechend im Hause des Verstorbenen oder in der Leichenhalle abzuhalten. Wir werden auch in allen Fällen, in denen dies beantragt werden sollte, gestatten, daß bei der Beisetzung eine uns genehme Person das auch in Berlin und Breslau zugelassene Gebet verrichtet." m. Hamburg, 6. April. Die Feier des 25 jährigen Amtsjubiläums des Predigers Dr. Leimdörfer fand unter außerordenticher Teilnahme werterer Kreise statt. Nach einem Ständchen des Tempelchors unter Leitung des Oberkantors Heule, erschienen zahlreiche Deputationen mit kostbaren Ehrengeschenken im Hause des Jubilars. Der Gesamtvorstand und das Repräsentantenkollegium der Tempelgemeinde kamen unter Führung des greisen Vorsitzenden Herrn Josef Schönfeld, der, tiefbewegt das musterhafte Wirken des verehrten Seelsorgers schildernd, den Dank des Tempelverbandes und als dessen Zeichen eine namhafte Ehrengabe überreichte. Es folgten Delegationen aller bedeutenden Körperschaften, wie: Vorstand der israelitischen und portugiesischen Gemeinde, der Neuen Dammtor- Synagoge, der Bne- und Brith-Loge, zahlreicher Wohltätigkeits- Institute, der Ferien-Kolonien, des Jugendbundes, des Humanitären Frauenvereins, der Erziehungsanstalt Ahlem usw. Der langjährige Freund des Jubilars Pastor Clemens Schultz von der St. Pauli- Kirche, sowie hervorragende Persönlichkeiten gaben ihren Gefühlen treffenden Ausdruck. Ehrendiplome und Huldigungsadressen, Zuschriften und Depeschen lösten einander den ganzen Tag über ab. Die Heimatsgemeinde Hlinik (Ungarn) ernannte den Jubilar zum Ehrenmitglieds, der Bildhauer Eugen Börmel (Berlin) übersandte eine vollendet ausgeführte Büste des Jubilars, Rudolf Schildkraut eine Reliefgravüre „Sabbat Ausgang", der Verein für Gesundheitspflege eine Bronzestatue „Nathan der Weise", der langjährige Kollege Dr. Seligmann in Frankfurt a. M. eine Demosthenes- Büste usw., die Deputation des Ungarvereins eine Riesenpalme. Namens des Deutschen Rabbinerverbandes gratulierte Professor Maybaum-Berlin, namens der 'Mianee Israelite, Präsident Leven- Paris. Die Zahl der eingelaufenen Telegramme und Glückwunschschreiben beläuft sich auf mehr als 350. Die offizielle Feier im Gotteshaus der Tempelgemeinde fand am Sabbat statt, der Vorstand hatte einen Festgottesdienst angeordnet, zu dem auch als Vertreter des Senats Senator Dr. von Melle und Senatssekretär Ludwig erschienen waren. In dem festlich geschmückten Tempel hatte sich außer den Mitgliedern des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und anderer Institutionen eine große Anzahl Andächtiger eingefunden. Nach dem Vorlesen des Wochenabschnittes sprach dev Amtskollege des Jubilars Dr. Rieger ein besonders für den Jubeltag verfaßtes Gebet und erflehte den Segen Gottes für das weitere Wohlergehen des Jubilars und seiner Familie. Als nun Dr. Leimdörfer die Kanzel bestieg, um die Festrede zu halten, stimmte der Tempelchor unter Leitung des Oberkantors M. Heule den Gesang an: „Du bist's, dem' Ruhm und Ehre gebührt." Der Festprediger sprach mit tiefbewegten Worten der Gemeinde den Dank aus. Anknüpfend an die Worte aus Hosea Kap. 10 Vers 12: „Säet ihr Gerechtigkeiterntet ihr Liebe" usw. verbreitete der Redner sich dann über die Pflichten eines Seelsorgers. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich, für die Wohlfahrt des Senats und der Behörden schloß die mit inniger Begeisterung gehaltene Rede. o. Hamburg, 5. April. Am 29. v. M. feierte die allgemein geschätzte Oberlehrerin Frl. M. Marcus an der israelitischen Töchterschule das 40jährige Jubiläum ihres Wirkens. Das Oberlehrerinnenzimmer und die Aula prangten im Festschmuck. Unter den vielen Ehrengästen bemerkten wir Vertreter des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten, Delegierte der verschiedenen Vereine, in denen Frll Marcus seit Jahren erfolgreich wirkt, frühere Lehrkräfte der Schule und zahlreiche Freunde der Jubilarin. Als Vertreter der Oberschulbehörde hatte Herr Professor Dr. Schober ein anerkennendes Schreiben gesandt. Als Frl. Marcus, von Herrn Dr. I. Lippmann geleitet, den Saal betrat, begrüßte sie der Schülerinnenchor mit dem Liede „Gott grüße dich". Dann sprach Herr Alfred Levy im Namen des Eemeindevorstandes und überreichte die Urkunde einer Mary Marcus-Stiftung, hervorgegangen aus den Beiträgen des Schulvorstandes, früherer Lehrkräfte und Schülerinnen und der Freunde der Jubilarin. In dieser zartsinnigen Weise glaubte man Frl. Markus am besten zu danken, die stets nur in der Freude am Glücke anderer Befriedigung findet. Dr. Lippmann dankte Frl. Marcus in herzlicher Weise im Namen des Schulvorstandes für ihre aufopfernde Pflichttreue und überreichte eine Ehrengabe. Dann sprach Lehrer I. Goldschmidt im Namen des Lehrerkollegiums, das der Jubilarin einen geschmackvollen Bücherschrank verehrte. Mit zu Herzen gehenden Worten schilderte Herr Goldschmidt das arbeitsreiche, aufopferungsvolle Leben der Jubilarin im Dienste der Schule. Hierauf sprach eine Schülerin der Selekta herzlich empfundene und zu Herzen gehende Worte, in denen sie die Glückwünsche ihrer Genossinnen darbrachte. Zwei andere überreichten ein Blumenkissen und eine andere eine selbstgemalte Mappe zur Aufbewahrung der Erinnerungen dieses Tages. Nach einem Liede traten 15 Schülerinnen, Abgesandte der verschiedenen Klassen vor, jede mit einem Blumensträußchen, die nachher zu einem großen Bunde vereinigt wurden. Einzelne brachten ihre Glückwünsche in poetischer Form dar. Die Verfasserinnen waren Frl. Flora und Sara Jacobsohn, Lehrerinnen der Anstalt. Zum Schluß dankte die Jubilarin in tiefbewegten Worten für alle Beweise der Liebe und Freundschaft, die ihr dargebracht wurden. Am Abend fand ihr zu Ehren ein Festessen statt., 2. Bomr> 3, April., Es ist noch nicht lange her, da waren in einem jüdischen Organ die Großgemeinden Rheinlands — es kamen solche mit über 1000 Seelen in Betracht — aufgezählt, und war ich nicht wenig erstaunt, daß unsere altehrwürdige Gemeinde Bonn, in welcher vor zirka 800 Jahren ein Efrajim Bar Jakob rühmlichst wirkte, unter den aufgezählten fehlte. Und doch hat die Gemeinde Bonn nach der letzten Volkszählung das Recht, sich zu den rheinischen Großgemeinden zählen zu dürfen; ist sie doch von 874 Seelen nunmehr auf zirka 1200 Seelen angewachs.en. Eine stattliche Zahl von Menschen, die im Streben nach frischem, anregendem jüdischen Leben unserer großen Nachbargemeinde wenig nachstehend. Kürzlich haben Repräsentanten- und Vorsteherwahlen stattgefunden, und das hierfür dieses Mal bekundete lebhafte Interesse aus dem Kreise der Wähler läßt auf eine gute Zukunft in der Fortentwicklung auf allen Gebieten jüdischen Lebens in unserer Gemeinde schließen. Vorsitzender des Vorstandes ist Herr Moritz David, der in. Verbindung mir seinen Kollegen Herren M. Herschel, I. Koopmann, Ä. I. Cahn, Rechtsanwalt Dr. Max Cohn und R. Wolffberg, und im harmonischen Zusammenarbeiten mit dem Repräsentantenkollegium, das nunmehr aus den Herren Bankier Louis David, Vorsitzender, A. Kaufmann, L. Feldmann, Jos. Ungar, S. D. Steinfeld, L. Alsberg, A. Süßkind, Dr. Hagemann und Dr. Edelstein besteht, — das Khilleruder tatkräftig, umsichtig und selbstlos führt. Auch unsere Vereine haben im Laufe des Winters auf -den verschiedensten Gebieten ihre sozial-philautropische sowie religiös-geschichtliche und literarische Tätigkeit entfaltet. Da ist unser großer Armenunterstützungsverein, die Männer-Chewrah, unser Literaturverein, Rabbiner

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