Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- 2 --. Kp. Airs der Provinz Posen, im März: Lehrer Sander an der Simultanschule zu Birnbaum ist an die Gemeindeschule nach Posen berufen worden. — Die freiwillige Feuerwehr in Friedheim hat den Kaufmann Louis Krön heim in Bromberg zum Ehrenmitglied ernannt. — Kaufmann Max Stillschweig in Ostrowo ist zum Rendanten und Vorstandsmitglied des Haus- und Grundbesitzervereins daselbst gewählt worden. — Der Synagogengemeinde in Kempen sind neulich Erbanteile in Höhe von 20000 Mark, darunter lOOOOMark für den dort bestehenden israelitischen Waisenverein, aus der Hinterlassenschaft des jüngst in Breslau verstorbenen Rentiers Finkenstein zugefallen. — Am 26. d. M. fand in Ostrowo die feierliche Amtseinführung des nengewählten Rabbiners Dr. Neuhaus aus Lauenburg statt. An die Feier in der Synagoge schloß sich ein gemeinsames Festessen, an welchem sämtliche Vertreter der beiden Gemeindekörperschaften, Lehrer und Beamte der Gemeinde teilnahmen. — Der vor kurzem in Berlin verstorbene Kaufmann Rudolf Geist hat der Stadtgemeinde Czarnikau 10 000 Mark und der jüdischen Gemeinde daselbst 5000 Mark hinterlasfen. n. Potsdam, 2. April. Am vergangenen Sonnabend hielt Herr. Rabbiner Dr. Kaelter vor seinem Scheiden nach Danzig seine Abschiedspredigt in der hiesigen Synagoge. Oberkantor S. Guttmann leitete die erhebende Feier Mit einem Sologesang: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen", ein. Dann betrat Dr. Kaelter die Kanzel zum letzten Scheidegruß an seine Gemeinde. „Wahrheit, Liebe, Frieden", die drei Eottesboten, denen er vor etwa fünf Jahren das Gotteshaus geweiht hatte, sie rief er jetzt zu Zeugen dafür an, daß er nur ihnen gedient habe. In vielen Augen sah man Tränen blinken, als er darauf seine Gemeinde zum letzten Male segnete. — Namens des Vorstandes und der Mitglieder der Synagogengemeinde widmete Justizrat Friedlaender dem Scheidenden Worte der Anerkennung, der Liebe und des Dankes. Mit einem Chorgesang hatte die Feier ihr Ende erreicht. Abends vereinigte sich die Gemeinde bei einem Festmahl um den Scheidenden, der ebenso wie feine Gattin in mannigfachen Toasten gefeiert wurde. Diese Feier bildete den Abschluß einer langen Reihe von Veranstaltungen zu Ehren des Rabbiners. Am 4. v. Mts. gab ihm der jüdische Franenverein ein Abschiedsfest, dem sich am 17. v. Mts. ein Festabend des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur anschloß. Hier wurde dem Feiernden ein kunstvolles „Ex libris“ überreicht. Den Höhepunkt bildete wohl das Fest, das dem geliebten Lehrer am 21. v. Mts. nach vorhergegangenem Abschiedsjugendgottesdienst - seine Schüler und Schülerinnen bereiteten. Alle waren sie aus freiem Antriebe selbst aus der Ferne gekommen, um ihm die letzten Stunden in Potsdam zu verschönen. Die „Jugendvereinigung für Literatur" ernannte den Gefeierten zu ihrem Ehrenprotektor und überreichte ihm Komperts Werke. Als besondere Anerkennung hat die Gemeinde ihrem Rabbiner einen kostbaren silbernen Ehrenpokal überreicht mit dem Wunsche, daß er auch in seiner neuen Heimat die gleiche Liebe und Anerkennung finden möge! c. Kritschwih, 4. April. Am 28. v. M. verschied Plötzlich infolge Herzschlages der Stadtkämmerer und frühere Kantor der hiesigen jüdischen Gemeinde Herr Isidor Unger im Alter von 69 Jahren. Unger hat 18 Jahre hindurch bei der hiesigen Synagogengemeinde das ihm anvertrante Amt eines'- Kultusbeamten mit unermüdlicher Pflichttreue verwaltet. 1904' hat er sein Amt infolge leidenden Zustandes freiwillig niebergelegt. Auch nachher hat der Verklärte in uneigennützigster Weise sich den Gemeindeinteressen gewidmet. Es ist bei den zugespitzten politischen Verhältnissen gewiß sehr selten, das; ein Israelit den verantwortungsvollen Posten eines Stadtkämmerers bekleidet; der Verstorbene erfreute sich auch in weitesten Kreisen der Stadt hoher Wertschätzung und allgemeiner Beliebtheit. Durch das Vertrauen der Stadtverordnetenversammlung wurde Unger 1887 zum Stadtkämmerer der hiesigen Stadthauptkasse gewählt. Auch in seiner amtlichen Tätigkeit hat er mit unermüdliches Fleiß, mit seltener Pflichttreue und vollster Hingebung 21 Jahre hindurch gewirkt. Die Kruschwitzer Ortskrankenkasse verliert in dem Dahingeschiedenen einen pflichttreuen, gewissenhaften Kassenbeamten, welcher mit regenr Eifer 12 Jahre hindurch in musterhafter Weise tätig war. Unter großer Beteiligung fand am 30. v. M: die Beerdigung statt. Die hiesige Bürgerschaft, der Bürgermeister mit den Mitgliedern des - Magistrats und der Städtverordnetenversammlnng, des Synagogenvorstandes und sämtliche städtische Beamte und andere gaben dem Verklärten das letzte Geleit. Die Trauerrede auf dem Friedhofe hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn-Hohensalza. der in ergreifender Weise das Lebensbild des Verblichenen und seine' vorzüglichen - Charaktereigenschaften schilderte. n. Breslan, 2. April. Am 1. d. M. feierte Professor Dr.'Jsrael Lewy das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit als Seminarrabbiner und Dozent am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar. Was der Jubilar als Mensch und als Lehrer bedeutet, kam in würdiger Weise bei der Gratulationscour zum Ausdruck. Im Namen des Lehrerkollegiums überreichte ihm Dozent Dr. Brann eine Adresse, in der die Bedeutung dargelegt wurde, die Professor Lewy als Entdecker der modernen kritischen Methode im Studium des Talmuds für die Wissenschaft des Judentums hat.. Die früheren und jetzigen Schüler, in deren Namen Herr Rabbiner Dr. Winter - Dresden und Herr Dr. Kantorowski sprachen, ehrten ihren Lehrer durch Neberreichung einer Denkschrift, eines Albuins mit ihren Bildern und einer unter Beihilfe größerer Gemeinden aufgebrachten Stiftung, die' den Namen des Jubilars tragen und nach seiner -Bestimmung Verwendung finden soll. Das Kuratorium der Fränkelschen Stiftungen, unter dessen Verwaltung das Seminar steht, ließ durch Stadtrat Justizrat Marck in einer Adresse seinen Dank für die aufopfernde Lehr- und Verwaltungstätigkeit des' Gefeierten aussprechen. Die Synagogengemeinde Breslau, die es als eine große Ehre bezeichnet, diese erste Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft in deutschen Landen und diesen ersten Meister derselben in ihrer Mitte zu bergen, gab ihren Glückwünschen in einem Schreiben Ausdruck, das Rabbiner Dr.Guttmann überbrachte. Von der Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums, derem Lehrerkollegium der Jubilar vor seiner Berufung in sein jetziges Amt angehört hatte, überbrachte Dozent Dr. Elbogen, ein ehemaliger Schüler des Breslauer Seminars, dem Jubilar herzliche Glückwünsche. Auch der Vertreter der am Seminar bestehenden Vereine sowie der Vorstand des Verbandes israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hatten sich zur Gratulation eingesunden, um Professor Dr. Lewy zu beglückwünschen. Den Schluß des Tages bildete ein solenner Festkommers. a. Seesen a. H., 3. April. Am 30. und 31. v. M., sowie am 1. und 2. d. M. fand an der hiesigen Jacobson-Schule (Realschule und Realprogymnasinm mit Erziehungsanstalt) die Reifeprüfung unter dem Vorsitz des Herzoglichen Kommissars, Herrn Professor Dr. R. Fricke ans Braunschweig, statt. 16 Untersekundaner der Realschule und 19 Untersekundaner des Realproghmnasiums haben dieselbe mit Erfolg bestanden und sich damit den Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erworben. Von diesen gehen vier in die Obersekunda einer Oberrealschnle beziehungsweise eines Realgymnasiums über. r. Hannover, 2. April. Am 1. d. M. feierte Herr Alfred Rose, Dirigent des Hannoverschen Shnagogenchors, das Jubiläum seiner fünsundzwanzigjährigen Amtstätigkeit. Er hat den Chor als Leiter auf eine achtunggebietende Höhe gebracht und sein Repertoir durch eine große Anzahl wertvoller eigener Kompositionen bereichert. Auch auf anderen musikalischen Gebieten ist Rose schöpferisch tätig gewesen. Rühmlichst bekannt ist die von ihm verfaßte Klavierschule „Bisping-Rose", und auch andere klavierpädagogische Werke haben seinen Namen in weite Kreise getragen. Von seinen sonstigen Schöpfungen nennen wir nur das bei Leuckart in Leipzig erschienene Chorwerk „Das Maifest von Rüdesheim". Gesterveich-Nnsam. □ Wien, 6. April. Unter den zahlreichen hier bestehenden Vereinen nimmt der Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien eine ganz besondere Stellung ern. Ginge es nach Recht und Billigkeit, nicht nach vorgefaßten Meinungen und einseitigen Sympathien, so müßte er eigentlich die erste Stellung einnehmen. Der Rechenschaftsbericht, der der Generalversammlung am letzten Sonntag vorgelegt wurde, gibt das wahrhaft erfreuliche Bild einer gedeihlichen Hilfstätigkeit. Die Arbeit in Häkelspitzen, die Kleiderkonfektion, die Haarnetzerei, die Schuhfabrikation wurden in Galizien eingesührt und gefördert. Und gegenwärtig beschäftigt man