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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Köln zu staatlichen Prüsungsan statten ernannt worden sind. Wir möchten dazu bemerken, daß der Minister der geistlichen, Unterrichts¬ und Medizinalangelegenheiten mittels Erlasses vom 4. Februar d. I. auch unser Krankenhaus als Krankenpflegeschule im Sinne der Vorschriften über die staatliche Prüfung von K-rankenpflegepersonen anerkannt und dasselbe gleichzeitig als Prüfungsstation für die in unserer Krankenpflegeschule ausgebildeten Krankenschwestern zugelassen hat. Zu Mitgliedern der Prüfungskommission sind von dem Minister der Negierungs- und Geheime Medizinalrat Dr. Telke als Vorsitzender, der .Primärarzt unserer inneren Abteilung Herr Sanitätsrat Dr. Sandberg, der Primärarzt unserer chirurgischen Abteilung Herr Professor Dr. Gottstein ernannt worden. m. Hamburg, 15. März. Die zionistische Ortsgruppe veranstaltete im Logenheim Hartungstraße eine stark besuchte Versammlung, in der der Vorsitzende der „Gesellschaft für jüdische Volkskunde", Herr Dr. Paul Rieger, über das von der Gesellschaft vor zehn Jahren begründete Jüdische Museum sprach. Unter Vorzeigung einer besonders interessanten Auslese aus den Sammlungen dieses Museums zeigte der Vorsitzende, daß diese Gegenstände eine lebendige Illustration der Geschichte bedeuten, daß sie imstande sind, rätselhafte Ereignisse längst entschwundener Zeiten aufzuklären und manche Lücke der jüdischen Geschichte in erwünschter Weise auszufüllen. In fesselnder Darstellung ging der Redner die verschiedenen Perioden der jüdischen Geschichte durch und suchte unter Demonstration zahlreicher Münzen, Abbildungen, Geräte usw. ein Bild der jeweiligen Kultur der Juden zu entwerfen. Der Vortragende führte seine Zuhörer vom Lande der Bibel aus im Fluge durch die Geschichte der Juden in den Kulturländern Europas bis zur Gegenwart und belebte und erklärte seine Darstellung immer durch die Demonstration von Ausgrabungen, Handzeichnungen, Dokumenten, Kunst- und Kultusgegenständen, und vor allem durch das reiche Bildermaterial aus den Beständen des Jüdischen Museums. Eine Reihe auf die jüdische Geschichte sich beziehender Meisterschöpfungen des Giovanni Paolo Poggini, des Schalom Jtalia und anderer italienischer und holländischer Künstler erregte das besondere Interesse der Zuhörer. Unter den ältesten Gegenständen sind besonders erwähnenswert ein Stein und Mosaikstückchen vom Tempel des Herodes. Eine Reihe von holländischen, französischen und italienischen Kultusgegenständen bewies, welch künstlerisches Empfinden schon in früheren Epochen unter den Juden vorhanden war. Zum Schluß wurden noch Abbildungen und Geräte gezeigt, die für die Geschichte der Hamburger Juden wertvoll sind. Der Redner schloß seine Darlegungen mit einem warmen Appell für die Förderung des Jüdischen Museums und der Gesellschaft für jüdische Volkskunde. n. Köln, 21. März. Ueber die Einweihung des Schwesternhauses des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen Köln" haben Sie bereits ausführlich berichtet. Ich möchte Ihnen heute nur noch über die'zinnere Einrichtung desselben etwas näheres mitteilen: In dem neuen Schwesternheim sind nämlich alle Einrichtungen so getroffen, daß sie dem doppelten Zweck entsprechen: einmal, dem theoretischen Unterricht zu dienen und alle Lehrmittel aufs beste zu vereinigen, dann aber, den Schwestern nach anstrengender Arbeit den behaglichen Frieden des Familienlebens und Erholung zu sichern. Dem Unterricht ist der int Hauptgeschoß gelegene, große Unterrichtssaal gewidmet; daneben liegen die durch die Liberalität mehrerer Frauen und eines unserer Vorstandsmitglieder mit der neuesten Technik der Innendekoration ausgestatteten Wohnräume, gegenüber die Zimmer für eine Oberin. Ta die Bewirtschaftung des Schwesternheimes von dem Zentral-Wirtschaftshaus der ganzen Asylanlage aus erfolgt, sind, abgesehen von der neben dem Speisesaal gelegenen Teeküche, die eigentlichen Wirtschaftsräume im Untergeschoß vorläufig nicht eingerichtet worden. Der seitlich gelegene besondere zweite Eingang dient den Schwestern, die aus der Pflege ansteckender Krankheiten kommen und hier die vom übrigen Hause abgesonderten Schlafränme beziehen oder sich hier in den Baderäumen desinfizieren, bevor sie in die gemeinsamen Wohnräume treten. Auf dem ersten und zweiten Stockwerk sind je zwölf Schlafzimmer gelegen, hübsch ausgestattet mit Möbeln, die Herr Architekt Altherr aus Elberfeld entworfen hat. Jede Schwester hat ihr eigenes Zimmer, je zwei Schülerinnen ein gemeinsames, damit ihnen die Ausnahme in den Schwesternverband als um so erstrebenswerteres Ziel erscheine. Die gesamten technischen Anlagen, die in jedem Stockwerk gelegenen Bäder, die Veranden, Altane und Balkons, der Abstrich sowie die Heizung und Beleuchtung, die von der Gesamtanlage des neuen Krankenhauses abgezweigt sind, alles entspricht außer den Gesetzen der Hygiene denen der Aesthetik. r. Kassel, 14. März. Am 10. d. M. fand am Israelitischen Seminar die mündliche Entlassungsprüfung unter dem Vorsitz des Geheimen Regierungs- und Provinzialschulrats Dr. Otto statt. Wie fast ausnahmslos in den letzten drei Jahrzehnten, bestanden auch diesmal sämtliche sieben Abiturienten. Einer, Rosenbusch-Vorken, wurde von der mündlichen Prüfung auf Grund guter schriftlicher Arbeiten befreit. Die Prüfung ist gegen früher sehr erleichtert. Abgesehen von Methodik wird nur in Pädagogik, Religion (Hebräisch), Deutsch, Französisch und Geschichte mündlich geprüft. ny. Frankfurt, 23. März. Am 7. November 1907 hatte Fräulein Bertha Pappenheim im Verein für weibliche Fürsorge, einem Appendix des Israelitischen Hilfsvereins, einen Vortrag gehalten. Es handelte sich um die Stellungnahme zu dem in Bildung begriffenen neuen Frauenverein. Fräulein Pappenheim bemerkte,^ daß der neue Verein viel Gutes tun könne, so könne er sich auch um den „Cheder in der Bärenstraße" kümmern. Wegen dieser Aeußerung erhob der ganze Lehrkörper der orthodoxen Israelitischen Volksschule gegen Fräulein Pappenheim Privatklage, die heute das Schöffengericht beschäftigte. Ueber den Ausdruck „Cheder" gingen die Ansichten auseinander. Die Beklagte erklärte, daß sie unter Chederschule eine Schule verstehe, die einseitig religiöse orthodoxe Ansichten vertrete. Der Lehrer wurde mit den Schülern ins Cheder gesperrt, um hier in einseitiger Weise die Kinder in der Religion zu unterweisen. Sie habe dadurch die Schule nicht mit den galizischen Schulen vergleichen, sondern nur als Vertreterin moderner Anschauungen gegen die orthodoxe Schule Front machen wollen. Weiter bemerkte die Beklagte, die sich zu keinem Vergleich bereit finden wollte, wenn sie auch den Ausdruck Cheder bedauerte, daß die hiesige Israelitische Schule mit Hebräisch überbürdet sei, daß die sieben Lehrkräfte nicht genügen und das Schulgeld erhoben werde, obwohl die ärmsten Kinder diese Schule besuchen. Ihr wurde erwidert, daß neun Lehrkräfte tätig seien, daß der Schule die glänzendsten Zeugnisse ausgestellt wurden und daß das Schulgeld von Stiftungen bezahlt werde. Das Schöffengericht sprach die Beklagte frei. Sie habe durch den Ausdruck die Kläger nicht beleidigen, sondern nur das System als minderwertig bezeichnen wollen. Ihr habe die Absicht der Beleidigung gefehlt. e. Hoppstädten a. d. Nahe, 19. März. Auf Anregung unseres Landrabbiners, des Herrn Dr. Baron, hat der israelitische Landesgemeinderat des Fürstentums Birkenfeld einen Beschluß gefaßt, der auch anderwärts Nachahmung verdient, da er sicherlich der Würde des Rabbinats mehr entspricht als die bisherige Gepflogenheit. Der betreffende Beschluß, der nunmehr durch Genehmigung der Großherzoglichen Regierung Gesetzeskraft erlangt hat, bestimmt in der Hauptsache, das; „alle Kasualgebühren, welche! von den Israeliten der Landesgemeinde für Amtshandlungen des Landrabbiners innerhalb seines Amtsbezirks bisher zu entrichten waren, aufgehoben und durch einen Zuschlag zum Rabbinatsgehalt abgelöst sind". o. Karlsruhe, 20. März. Wenn man die orthodoxen Blätter dieser Woche gelesen, so könnte man zu der Meinung kommen, daß in Baden nunmehr eine neue Epoche aufrichtiger, wahrer, altjüdischer Frömmigkeit und Traditionstreue angebrochen sei! Mit Hellem Jubel wird der Sieg der Orthodoxie verkündet. Mit 15 gegen 6 Mandate sollen angeblich die Gegner des vom Oberrat herausgegebenen Gebetbuches über die Anhänger desselben gesiegt haben. . . Freilich, wenn man die Verhältnisse unseres Landes kennt, sieht die Sache etwas anders aus. Eine in ihren Mitteln durchaus nicht wählerische Agitation hat, wie so oft schon,' den Sieg davongetragen, nicht das strenggläubige Judentum, das mit dieser häßlichen Agitation nicht das Geringste zu tun hat. Von den 15 Siegern sind im ganzen 6 wirklich orthodox, die anderen stehen im Leben genau auf demselben Standpunkt der Reform wie ihre Gegner! Es kommt hinzu, daß die Opposition durch die Zionisten verstärkt wurde, die in den Hauptstädten ihre Anhänger haben. Die „Gesetzestreue" dieser Partei ist

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