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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 der die zurzeit bestehenden Vereine umfaßt. Aus den Wahlen gingen das Kuratorium und der Vorstand in ihrer bisherigen Zusammensetzung unverändert hervor. Zu Revisoren wurden die Herren Leopold Domnauer und Phöbus Sachs gewählt. 8. Berlin, 22. März. Das I ü d i s ch e M ä d ch e n st i f t, Lothringerstraße 16, gewährt nach seinem eben erschienenen 18. Jahresbericht in einem besonderen, von der Hausmutter, Frau Henriette Baer, geleiteten Heim 13 unbemittelten jüdischen Mädchen vollständig unentgeltlichen Unterhalt und hauswirtschaftliche Ausbildung. Von den im ganzen bisher in den Dienst entlassenen 97 Mädchen, im abgelaufenen Jahre waren es wieder 5, sind weitaus die meisten ihrem Beruf treu geblieben, und haben bereits 19 für längeren, zwei- bis elfjährigen Dienst bei derselben Herrschaft eine Prämie von je 40 Mark erhalten. Zur Fortführung seiner verdienstlichen Wirksamkeit bedarf das Stift, das im ganzen 9900 Mark, das heißt pro Kopf 660 Mark ausgegeben hat (für Verpflegung 778 Mark mehr als im Vorjahr) und ein Vermögen von 52 800 Mark aufweist, dringend größerer Mittel. Vorsitzender sind Waisenhansdirektor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. 8. Berlin, 20. März. Der Bildhauer Professor Louis Sußmann-Hellborn beging am 18. d. M. seinen 80. Geburtstag. Der greise Künstler ist am 20. März 1828 zu Berlin geboren und hat hier von 1846 bis 1848 aus der Akademie als Schüler von Wredow seine erste künstlerische Ausbildung erhalten, die er dann auf ausgedehnten Reisen in Italien, Griechenland usw. erweiterte. In Rom entstand bereits 1858 die treffliche Bronze des lebensgroßen trunkenen Faun, den die Nationalgalerie besitzt. 1857 nahm der Künstler den Wohnsitz wieder in seiner Vaterstadt und hat hier als Monumentalplastiker im dekorativen und kunstgewerblichen Fache sich erfolgreich betätigt. Von seinen Standbildern erinnern wir an das Marmordenkmal Friedrichs des Großen in Breslau und an die Statue Friedrich Wilhelms III. iui Berliner Rathause. Eins seiner schönsten Werke ist die lebensgroße Marmorfigur des schlummernden Dornröschens auf einem mit phantastischen romanischen Ornamenten ausgestatteten Thronsessel. Der Künstler machte dieses Werk 1888 der Notionalgalerie zum Geschenk. §2 Berlin, 19. März. Am 13. d. M. ist hier der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Julius Lessing im 65. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben. Die Verdienste Lessings um das deutsche Kunstgewerbe, das er zu der Höhe gebracht, aus der es jetzt in Deutschland steht, seine Bedeutung als Lehrer an der Bauakademie wie an der Technischen Hochschule, als Schriftsteller auf seinem Gebiete und als Direktor des Kunstgewerbe-Museums sind in den Tagesblättern und Fachzeitschriften gebührend gewürdigt worden. Sie fanden auch ihre Anerkennung durch den Kaiser, der den Hinterbliebenen folgendes Beileidstelegramm zugehen ließ: „Die Nachricht von dem Hinscheiden Ihres Herrn Vaters habe ich mit schmerzlicher Teilnahme empfangen und spreche Ihnen mein wärmstes Beileid aus zu dem schweren Verluste, an dem ich lebhaft Anteil nehme. Ich gedenke gern der mir und dem Vaterland geleisteten treuen Dienste des Verewigten, besonders aber seines unermüdlichen erfolgreichen Wirkens als Leiter der Sammlungen des Königlichen Kunstgewerbemuseums, welches er in vier Jahrzehnte langer Arbeit aus seinen ersten Anfängen zu seiner jetzigen Gestalt und Bedeutung zu heben verstanden hat. Ich werde ihm ein dankbares Andenken bewahren." Wilhelm R. Die Einäscherung der Leiche des verstorbenen Gelehrten fand in Hamburg und die Beisetzung der Asche auf dem alten jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee in Gegenwart der nächsten Angehörigen statt. Unter den zahlreichen Beileidskundgebnngen seien noch erwähnt die der Kaiserin, Großherzogin-Witwe Louise von Baden, des Grafen Döhnhof-Friedrichstein, des Kultusministeriums, der Generalverwaltung der töniglia,en Museen, der königlichen Zeug- Hausverwaltung, des Vorstandes des Lettevereins und anderer. Das Andenken Julius Lessings gehört der deutschen Kunstgeschichte au. die es dankbar bewahren wird. i. Königsberg i. Pr., 23. März. Das israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz zu Königsberg versendet soeben seinen 47. Jahresbericht über die Wirksamkeit der Anstalt im Jahre 1907. Das Waisenhaus beherbergte danach in der Zeit 33 Zöglinge und zwar 23 schulpflichtige Knaben, sechs schulpflichtige Mädchen, drei Handwerkslehrlinge und ein Mädchen in beruflicher Ausbildung. Im Lause des Jahres waren aus der Anstalt ausgeschieden drei Knaben und drei Mädchen, für die vier Knaben neu ausgenommen wurden. Die Zöglinge besuchten je nach Begabung und Fleiß höhere und niedere Schulen. An dem vom hiesigen Zweigverein „Ahlem" auf dem Terrain des Waisenhauses veranstalteten Unterrichtskursns in gärtnerischen Fertigkeiten nahmen von den Kindern des Waiseuhauses zehn Knaben und zwei Mädchen teil. Im Winter besuchte ein Teil der Knaben die hiesigen öffentlichen Handfertigkeitsschulen. — Aus der Reihe der treuen Helfer des Waisenhauses schied im vergangenen Jahre die langjährige Ehrendame der^Anstalt, Frau Emilie Magnus, aus Rücksichten auf ihre Gesundheit aus. Der Vorstand widmet der ausgeschiedenen Dame, die sich wesentliche Verdienste um innere Organisation des Hauses erworben, im Jahresberichte warme Worte der Anerkennung und des Dankes. — An Stelle der Frau Magnus wählte der Vorstand Frau Klara Heller als Ehrendame. — Eine große Liste von Spenden, die dem Waisenhause im vergangenen Jahre zugegangen, bezeigt das fortdauernd rege Interesse, dessen sich die Anstalt in weiten Kreisen erfreut. Eine.Reihe verstorbener Personen wurden wieder auf Grund von Vermächtnissen oder Spenden ihrer Angehörigen beim Waisenhause als immerwährende Mitglieder ein gezeichnet. Auch die Zahl der dem Waisenhause zur dauernden Pflege übergebenen Grabstätten hat im vergangenen Jahre zugenvmmen. — Die laufenden Ausgaben des Jahres betrugen 25 758 Mark, denen nur 24 056 Mark an verwendbaren Einnahmen gegenüberstanden- Der Etat pro 1908 ist auf 26 700 Mark festgestellt worden. Die Gesamtkosten für einen Zögling betrugen im vergangenen Jahre 773 Mark; die Kosten der Verpflegung pro Tag und Kopf 56 Pfennig. — Der Vorstand des Waisenhauses besteht zurzeit aus Professor Dr. L. Saalschütz, Vorsitzender, Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer, Alexander Magnus, Kassierer, A. Aron, Julius Lazar, Konsul Max Winkowsku/und Rabbiner Dr. Vogelstein, von hier, Sanitätsrat Dr. Kamnitzer- Allenstein und Stadtrat Eichelbaum-Jnsterburg. Ehrendamen bei der Anstalt sind: Frau Klara Lazar, Frau Professor Dr. Saalschütz. Frau Doris Cohn und Frau Klara Heller. — Die Leitung der Anstalt liegt in den Händen des Inspektors Ad. Peritz und seiner Frau. K\). Ans der Provinz Posen, im März. Rittergutsbesitzer Gustav Mendelsohn in Gutow bei Ostrowo ist kürzlich zum Mitglied des evangelischen Schulvorstandes in Sobotka gewählt und bestätigt worden. — Neulich starb in Schrimm im besten Mannesalter der Kaufmann S. Unger. Der Verstorbene war längere Zeit Mitglied der Posener Handelskammer, nahm auch in Schrimm mehrere Ehrenstellungen in der Verwaltung der Stadt- und Synagogengemeinde ein und war als Mitbegründer des Männer-Gesangvereins „Orpheus" Leiter desselben. — In Schönlanke ist Fabrikbesitzer Tobias zum ersten Vorsteher der Synagogengemeinde und Kaufmann Mottek zum Repräsentantenvorsteher neugewählt worden. — Der Neubau der Ritsche-Flatauschen Waifen-Erziehungsanstalt für Mädchen in Posen, der Raum für 25 Waisen enthält, wird am 12. April eingeweiht. Dieser Anstalt ist jüngst aus Hamburg der Betrag von 200 Mark mit Abschrift folgender testamentarischer Bestimmung zugegangen: „Da ich meine erste Wohltat in einem jüdischen Hause in Posen erhalten habe, so hatte ich mir von da ab vorgenommeu, mich dafür erkenntlich zu zeigen, indem ich nach meinem Tode für das jüdische Mädchenwaisenhaus 200 Mark auszahle. Ich hoffe bestimmt, daß es vom Vorstand freundlich ausgenommen wird und wünsche fernerhin für die Anstalt Gottes reichsten Segen. Toni Zimmermann, Hamburg." Auf Rückfrage des Vorsitzenden an den Testamentsvollstrecker um nähere Angaben zwecks Eintragung in das Gedenkbuch der Anstalt ging nachstehende Antwort ein: „Die Erblasserin ist in Kosten geboren; sie war Christin und hat in Ihrem Hause die erste Wohltat erhalten. H. Müller." 6. Breslau, 22. März. In der Nummer 10 dieses Blattes wird in dem Bericht über die Delegiertenversammlung des deutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnenvereine hervorgehoben, daß die jüdischen Krankenanstalten in Berlin, Frankfurt a. M. und

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