Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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72. Jahrgang. Nr. 13. Berlin, 27. März 1908. Betlsge zur „Allgemeinen Leitung de>S Judentums". Korrrlpondrnsm und Mschrichtm. Deutschland. -. Bertt«. 23. MLrz. Nach K 40 bei Preußische» Bolksschulunterhaltungsgesetzes von 1906 bleiben bis zu anderweiter gesetzlicher Regelung die bestehenden Forschriften in Kraft, welche sich auf die Errichtung, Unterhaltung und Verwaltung der öffentlichen jüdischen Volksschulen, auf die Aufbringung der Kosten für den jüdischen Religionsunterricht an öffentlichen Volksschulen und auf die Anstellung von jüdischen Lehrkräften an solchen Schulen beziehen. Diese Vorschriften sind in vielen Gesetzen, Verordnungen, Entscheidungen und Beschlüssen für die verschiedenen Landesteile Preußens enthalten. An einer Zusammenstellung dieser Vorschriften fehlt es bisher. Der „Verband der Deutschen Inden" hat daher eine solche Zusammenstellung und eine systematische Darstellung des gesamten, die' jüdischen Verhältnisse betreffenden preußischen Volksschulrechts anfertigen lassen. Das Werk ist von Dr. Jsmar Freund, Beirat des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin, verfaßt und wird demnächst unter dem Titel: Die Rechtsstellung der Juden im preußischen Volksschulrecht im Verlage von I. Guttentag, G. m. b. H., Berlin, erscheinen. s. Berlin, 24. März. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt gestern Herr Landrabbiner Dr. M. Doktor aus Cassel einen Vortrag über die Inden in Amsterdam zur Zeit Rembrandts. In fesselnder Weise führte der Redner sein aufmerksam lauschendes Auditorium in das Milieu ein, aus welchem die Judenbilder Rembrandts hervorgegangen sind. Er schilderte zunächst die romantische Vorgeschichte der Ansiedelung in Amsterdam. Sodann führte er die verschiedenartigsten Charaktertypen aus der jüdischen Gesellschaft jener Zeit vor: Dichter und Staatsbeamte, Rabbiner und Gelehrte, schöne und geistreiche Frauen. Bei den interessantesten dieser Typen verweilte er längere Zeit, weil sie in erster Reihe zu den Modellen Rembrandts gehörten, dessen Judenbilder er im zweiten Teil seines interessanten und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrags ausführlich schilderte. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Rixdorf sprach Oberlehrer Dr. Wölbe über Don Josef Rast, Herzog von Naxos, in Culmsee Herr Albert Katz über die moderne hebräische Poesie, in Hohensalza Rabbiner Bamberger-Vandsburg über das Judentum und die bildende Kunst, in Dresden Herr Hofrat Prof. Dr. Lenz- Prag über die Juden in Marokko, Rabbiner Dr. L. Stein über die hebräische Poesie der Juden im Mittelalter, in Koburg Herr L. Perlmutter über Moses Mendelssohn; Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal-Berlin sprach in Eisenach über Judentum und Vaterlandsliebe, in Hamburg über Mose Ch.Luzzattos Dramen und die Kabbala, in Detmold über Jehuda Halevi und Walter von der Vogelweide, in Höxter über Hebbel, Grillparzer, Otto Ludwig und die Bibel, in Hamm über biblische Königsbücher und Shakespearesche Königsdramen, in Aachen über Ibsen und die Pflichtlehren der Religion, in München-Gladbach über Gabriel Rießer, in Duisburg über die Psalmen in der Weltliteratur, in Lippstadt über das Thema: „Wodurch wurden die Juden vom Handwerk und Ackerbau zurückgedrängt?", in Hameln über Deutsche und Juden, in Frankfurt a. O. über die drei Rätselbücher der Menschheit. & ** Berlin, 23. März. Die „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" bezieht zum April neue größere Räume in der Oranienburgerstraße 58, Part, links. Das Institut ist am Sonnabend und Sonntag von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und abends von 7 bis 10 Uhr geöffnet, ferner an allen anderen Tagen von 1 bis 5 Uhr nachmittags und abends — mit Ausnahme von Freitag — von 7 bis 10 Uhr. Die Benutzung der ausliegenden 70 Zeitungen und der 6300 Bücher umfassenden Bibliothek ist für jedermann frei. — Berlin, 23. März. Im zweiten Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde fand gestern die ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft zur Ausstattung von Bräuten (Haebnassatlr Kallah) statt. Der Vorsitzende Herr Emil Pincus begrüßte die Erschienenen und gedachte mit warmen Worten der im letzten Triennium verstorbenen Vorstandsmitglieder Martin Simon, Kommerzienrat Hermann N. Israel und Joseph Frankel. Die Versammlung ehrte das Andenken der Hingeschiedenen durch Erheben von den Plätzen und beschloß zugleich, den Namen Martin Simon, der als langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft deren Interessen mit großem Eifer und seltener Hingabe gefördert, in die Liste der immerwährenden Ehrenmitglieder einzutragen; eine Ehrung, die bis jetzt nur dem unvergeßlichen Dr. David Cassel zuteil geworden ist- In dem hierauf folgenden Bericht über die Lage und Wirksamkeit der Gesellschaft sprach der Vorsitzende sein Bedauern aus, daß es noch immer nicht gelungen sei, die finanziellen Schwierigkeiten der Gesellschaft zu heben, und ersuchte die anwesenden Mitglieder, mit dem Hinweis auf den in Nummer 6 dieses Blattes erschienenen Aufsatz über die sozial-religiöse Bedeutung der Gesellschaft,, nach Kräften zu deren Förderung beizutragen. Nachdem man auf Antrag der Revisoren dem Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt hatte, wurde durch Zettelabgabe die Wahl vollzogen. Es wurden gewählt: die Herren Emil Pincus, Gustav Sachs, Martin Fernbach, Julius Cohn, Ernst Fiegel in den Vorstand, Wolff Lewin, M. Solinger, Siegfried Sachs, M. Freudenheim. Karl Schiff als Stellvertreter und Emil Nry, D. Davidsohn und Registrator N. Cohn als Revisoren. Der Antrag des Vorstandes auf Statutenänderung mußte, da hierzu nach dem alten Statut die Anwesenheit von mindestens 50 Mitgliedern erforderlich ist, während nur 39 an der Generalversammlung teilnahmen, von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es gelangte daher folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die heute tagende Generalversammlung der Gesellschaft „Ilaahnassath Kallah“ erklärt sich grundsätzlich mit dem vom Vorstande eingebrachten neuen Statutenentwurf einverstanden. Sie bedauert es, daß mangels Anwesenheit der statutarisch vorgeschriebenen Mitgliederzahl die Annahme der revidierten Satzungen heute nicht stattfinden konnte, hofft aber, daß dies in einer außerordentlichen Generalversammlung geschehen wird." Zum Schluß sei noch erwähnt, daß der Syndikus Herr Justizrat Lilienthal in ehrender Anerkennung seiner Mühewaltung bei der Statutenrevision zum immerwährenden Mitglied der Gesellschaft ernannt wurde. 8. Berlin, 18. März. Am 16. d. M. fand im Lokale des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die diesjährige Hauptversammlung des Vereins für Statistik der Juden statt. Aus dem von dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. Nossig, erstatteten Rechenschaftsbericht ging hervor, daß das vom Verein geschaffene Bureau für Statistik der Juden im Berichtsjahre mehrere größere Arbeiten vollendet hat. Eine Schrift über die „Juden in Oesterreich" von Dr. Jacob Thon ist vor kurzem erschienen. Demnächst wird eine Arbeit von Dr. Arthur Ruppin über die „Juden in Rumänien" veröffentlicht. Die vom Bureau für Statistik der Juden durchgeführten Erhebungen über die jüdische Bevölkerung des Groß? Herzogtums Hessen befinden sich zurzeit noch im Archiv der Großloge des U. O.B. B. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Berichtsjahre 8283,40 Mark. Der Verein für Statistik der Juden wird nun fast von allen größeren jüdischen Organisationen und von 55 Gemeinden in Deutschland und im Auslande subventioniert. Von den für die nächste Zeit geplanten Arbeiten des statistischen Bureaus seien hervargehoben: Eine Uebersicht der Verhältnisse der Juden in Ungarn und eine analoge Arbeit für Holland. Die gegenwärtig in Palästina weilenden Mitglieder des Bureaus, Dr. Thon und Dr. Ruppin, werden ferner eine Statistik der jüdischen Schulen in Palästina ausnehmen. Die Hauptversammlung genehmigte die von Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau entworfenen Satzungen des Verbandes für Statistik der Juden,